Die Rubinhochzeit ist der 40. Hochzeitstag. Vier Jahrzehnte Ehe, meist mit erwachsenen Kindern, oft mit Enkeln, und fast immer in einer Lebensphase, in der sich noch etwas anderes verschiebt: Die Arbeit hört auf. Bei einem von beiden, bei beiden, in Stufen oder von einem Monat auf den anderen.
Dieser Text erklärt, woher der Name kommt, was man zum 40. Hochzeitstag macht, wie man gratuliert und was man schenkt. Und er nimmt sich den Teil vor, den die meisten Jubiläumsratgeber auslassen: dass 40 Jahre Ehe in Deutschland fast deckungsgleich mit dem Übergang in den Ruhestand sind, und dass dieser Übergang Paare härter trifft als der Auszug der Kinder.
Rubinhochzeit: die Kurzantwort
Rubinhochzeit ist der Name für den 40. Jahrestag der Eheschließung. Gefeiert wird am Datum der standesamtlichen Trauung, wobei die meisten Paare auf das nächstgelegene Wochenende ausweichen.
Der Name stammt vom Edelstein. Der Rubin steht für zwei Dinge gleichzeitig: für die Farbe Rot und für Härte. Beide Bilder werden auf die Ehe übertragen. Verbindlich ist der Name nicht, regional heißt der 40. Hochzeitstag auch Granathochzeit oder Smaragdhochzeit.
Übliche Formen zu feiern sind ein Essen im Familienkreis, eine größere Feier mit Gästen oder eine Reise zu zweit. Häufig wird das Eheversprechen in einer freien oder kirchlichen Zeremonie erneuert. Ein festes Programm, das man abarbeiten müsste, gibt es nicht.
Warum der 40. Hochzeitstag Rubinhochzeit heißt
Der Rubin ist mineralogisch gesehen roter Korund. Korund hat auf der Mohs-Skala die Härte 9 und ist damit nach dem Diamanten das zweithärteste Mineral dieser Skala. So weit stimmt das Bild von der widerstandsfähigen Ehe.
Der Haken steckt in der Skala selbst. Die Mohs-Skala ist eine Rangfolge, kein Maßstab. Sie sagt nur, welches Mineral welches ritzt, nicht um wie viel härter es ist. Der Sprung von 9 auf 10 ist der größte der ganzen Skala: In absoluten Härtemessungen liegt Diamant etwa um den Faktor vier über Korund. Die Aussage „fast so hart wie ein Diamant“ ist also nur auf der Rangliste richtig, in der Sache nicht.
Das zweite Bild ist die Farbe. Rot als Farbe der Leidenschaft, gern so erzählt, dass nach 40 Jahren angeblich noch Feuer da ist. Das ist nett gemeint und in der Praxis eher eine Erwartung als eine Beschreibung.
Was ehrlicherweise dazugehört: Es gibt keinen verbindlichen Standard für die Namen der Hochzeitstage. Sie sind regional gewachsen, unterschiedlich alt und teilweise mehrfach belegt. Einige verdanken ihre Verbreitung schlicht dem Interesse von Blumen- und Schmuckhandel an zusätzlichen Anlässen. Das macht sie nicht wertlos, aber man sollte sie nicht für uraltes, festgeschriebenes Brauchtum halten.
Die Hochzeitstage im Überblick
Diese Zuordnung ist im deutschsprachigen Raum am weitesten verbreitet. Die vollständige Aufstellung mit allen Zwischenjahren steht in der Übersicht aller Hochzeitstage und ihrer Bedeutung.
| Jahre | Name | Bild dahinter |
|---|---|---|
| 1 | Papierhochzeit | Dünn, noch leicht zu zerreißen |
| 5 | Hölzerne Hochzeit | Ein Fundament steht |
| 10 | Rosenhochzeit | Blüte und Dornen |
| 12,5 | Petersilienhochzeit | Die halbe Silberhochzeit, oft gesellig |
| 15 | Kristallhochzeit | Klar, aber zerbrechlich |
| 20 | Porzellanhochzeit | Fein, wertvoll, pflegebedürftig |
| 25 | Silberhochzeit | Beständig, läuft an, lässt sich polieren |
| 30 | Perlenhochzeit | Aus Reibung entsteht etwas Kostbares |
| 40 | Rubinhochzeit | Tiefe Farbe, hohe Härte |
| 50 | Goldene Hochzeit | Reines Metall, unvergänglich |
| 60 | Diamantene Hochzeit | Das härteste Material der Skala |
| 65 | Eiserne Hochzeit | Belastbarkeit über Generationen |
| 70 | Gnadenhochzeit | Ein Jubiläum, das kaum jemand erreicht |
Zwischen 25 und 40 liegen 15 Jahre ohne großen Namen, und genau in dieser Lücke passiert bei den meisten Paaren das meiste: Die Kinder ziehen aus, die Eltern werden pflegebedürftig, die Karriere erreicht ihren Höhepunkt oder eben nicht. Was der 30. Jahrestag dazwischen bedeutet, steht im Text zur Perlenhochzeit. Was 25 Jahre statistisch heißen, im Text zur Silberhochzeit. Und wer schon weiter denkt, findet den Blick auf die nächste große Marke im Beitrag zur Goldenen Hochzeit.
Was bedeutet 40 Jahre verheiratet?
Rechnerisch heißt es zunächst: Wer 2026 Rubinhochzeit feiert, hat 1986 geheiratet. Und damals wurde deutlich früher geheiratet als heute.
Das Statistische Bundesamt gibt für den Anfang der 1970er Jahre ein durchschnittliches Heiratsalter Lediger von rund 25 Jahren bei Männern und rund 23 Jahren bei Frauen an. Für 2022 nennt es 35,1 Jahre bei Männern und 32,6 Jahre bei Frauen. Die Mitte der 1980er liegt dazwischen, genaue Werte für einzelne Jahrgänge sind in diesen Veröffentlichungen nicht ausgewiesen. Grob gerechnet, und das ist eine Schätzung und keine Statistik: Die meisten Paare, die jetzt ihren 40. Hochzeitstag feiern, sind heute zwischen Mitte 60 und Anfang 70.
Das ist exakt der Korridor der Regelaltersgrenze. Für die Jahrgänge ab 1964 liegt sie bei 67 Jahren, für frühere Jahrgänge steigt sie stufenweise darauf zu. Die Rubinhochzeit ist damit für viele Paare kein isoliertes Jubiläum, sondern fällt in dieselbe Phase wie der größte Umbau des Alltags seit der Geburt des ersten Kindes.
Was 40 Jahre statistisch nicht bedeuten
Lange verheiratet ist nicht dasselbe wie glücklich verheiratet, und die Zahlen zeigen das deutlich. Nach den Daten des Statistischen Bundesamtes wurden in Deutschland im Jahr 2025 rund 130.100 Ehen geschieden. Im Schnitt waren diese Paare 14 Jahre und 7 Monate verheiratet. Bei etwa 20.800 Paaren, also 16,0 Prozent aller Scheidungen, erfolgte die Trennung im Jahr der Silberhochzeit oder später. In den 1990er Jahren lag dieser Anteil noch zwischen 10 und 11 Prozent.
Der Anteil später Trennungen steigt also. Ein Jubiläum zu erreichen ist kein Beleg dafür, dass es gut gelaufen ist, und es ist auch keine Garantie für die nächsten Jahre. Warum das Bild vom Erfolgsrezept langer Ehen meistens falsch herum erzählt wird, steht ausführlicher im Text über das angebliche Geheimnis langjähriger Ehen.
Wichtig ist dabei die Einschränkung: Diese Zahlen beschreiben nur Scheidungen. Sie sagen nichts über Paare, die zusammenbleiben, ohne zufrieden zu sein, und sie sagen nichts über unverheiratete Langzeitpaare. Was Zufriedenheit betrifft, bleibt die Statistik stumm.
Der eigentliche Einschnitt: der Ruhestand als Paarthema
Hier liegt der Teil, der in Jubiläumsratgebern fehlt. Vierzig Jahre Ehe bedeuten für die meisten Paare: Der Takt, der das Leben Jahrzehnte lang gegliedert hat, fällt weg. Nicht der Takt der Kinder, der ist meist schon länger weg. Der Takt der Arbeit.
Das klingt nach einem Luxusproblem, und teilweise ist es das auch. Es ist trotzdem ein echtes Problem, weil es die Grundstruktur des Zusammenlebens verändert, und zwar schlagartig.
Warum das schwerer wiegt als das leere Nest
Wenn die Kinder ausziehen, verliert ein Paar eine gemeinsame Aufgabe. Das tut weh, aber der äußere Rahmen bleibt: Beide gehen weiter arbeiten, es gibt weiter Termine, Kollegen, Wege, Wochenenden, auf die man sich freut. Wie Paare diese Phase durchlaufen, steht im Guide zum Empty-Nest-Syndrom.
Beim Renteneintritt fällt dieser Rahmen selbst weg. Was vorher automatisch geregelt war, muss ausgehandelt werden:
- Zeitstruktur. Wann wird aufgestanden, wann gegessen, wann ist Feierabend, wenn es keinen Feierabend mehr gibt.
- Raum. Zwei Menschen in einer Wohnung, die 40 Jahre lang für zwei berufstätige Menschen ausgelegt war. Wer hat wo seinen Platz, und darf man die Tür zumachen.
- Aufgaben. Wer einkauft, kocht, putzt und organisiert, war vorher oft eine Folge der Arbeitszeiten. Diese Begründung fällt weg, die Gewohnheit bleibt.
- Identität. Wer 40 Jahre über den Beruf beschrieben wurde, braucht eine neue Antwort auf die Frage, was er den ganzen Tag macht.
- Soziales. Ein großer Teil der Kontakte lief über die Arbeit. Bei vielen bleibt danach fast nur noch der Partner übrig, und das ist für eine Person zu viel Last.
Das Muster dahinter ist immer dasselbe: Der Ruhestand nimmt einem Paar die stillschweigenden Absprachen weg und zwingt zur ausdrücklichen Verhandlung. Wer nie ausdrücklich verhandelt hat, merkt das erst jetzt.
Die Forschungslage, nüchtern betrachtet
Die Untersuchungen zum Zusammenhang von Renteneintritt und Beziehungszufriedenheit sind uneinheitlich. Übersichtsarbeiten finden im Mittel eher einen leichten Rückgang der Ehezufriedenheit nach dem Renteneintritt. Andere Untersuchungen beschreiben einen kurzen Aufschwung direkt nach dem Ausstieg, der nach ein bis zwei Jahren wieder abflacht. Der stabilste Befund quer durch die Literatur lautet: Der Ruhestand verstärkt, was vorher schon da war. Paare, die vorher gut miteinander zurechtkamen, profitieren eher. Konfliktreiche Ehen werden eher schlechter.
Zwei Einschränkungen gehören dazu, sonst ist die Aussage mehr wert, als sie ist. Erstens stammt der Großteil dieser Arbeiten aus dem englischsprachigen Raum, überwiegend aus den USA, wo Renteneintritt, Absicherung und Gesundheitsversorgung anders funktionieren als hier. Zweitens beruhen sie fast durchgehend auf Selbstauskünften. Wer angeben soll, wie zufrieden er mit seiner Ehe ist, antwortet selten schonungslos, und schon gar nicht gegenüber einem Fragebogen.
Was man daraus mitnehmen kann, ist deshalb keine Prognose, sondern eine Richtung: Der Renteneintritt ist kein Reparaturmechanismus. Er löst nichts, was vorher offen war.
Die vier Gespräche, die vorher stattfinden sollten
Diese Gespräche gehören idealerweise ein bis zwei Jahre vor den Ausstieg, nicht in die Woche danach. Eine Anleitung für den größeren Rahmen solcher Gespräche steht im Text über das Planen der gemeinsamen Zukunft als Paar.
- Was heißt Ruhestand für dich konkret? Nicht als Stimmung, sondern als Tagesablauf. Viele Paare stellen dabei fest, dass einer von einer Weltreise spricht und der andere davon, endlich in Ruhe im Garten zu sitzen. Beides ist legitim, aber es ist nicht dasselbe.
- Wie viel Zeit wollen wir getrennt verbringen? Das ist die Frage, die am seltensten gestellt und am häufigsten gebraucht wird. Ein fester eigener Nachmittag pro Woche klingt banal und verhindert eine Menge.
- Wer macht künftig was im Haushalt? Wenn ein Partner jahrzehntelang mehr gemacht hat, weil er weniger gearbeitet hat, ist jetzt der Moment, das neu zu verteilen. Wenn es nicht angesprochen wird, bleibt es, wie es war, und das wird zum Dauerkonflikt.
- Was passiert finanziell tatsächlich? Renteninformation, laufende Kosten, geplante Ausgaben. Nicht schön, aber besser jetzt als im ersten Jahr ohne Gehalt.
Wenn einer früher aufhört als der andere
Der häufigste Sonderfall, und oft der schwierigere. Ein Partner ist zu Hause, der andere arbeitet weiter. Typische Reibungspunkte:
- Der oder die Ausgestiegene übernimmt den Haushalt komplett, und aus einer Übergangslösung wird eine dauerhafte Rollenverteilung, die niemand so beschlossen hat.
- Der oder die noch Berufstätige kommt abends erschöpft nach Hause und trifft auf jemanden, der den ganzen Tag auf Gesellschaft gewartet hat.
- Urlaube und Wochenenden bekommen ein neues Gewicht, weil sie plötzlich die einzige geteilte Zeit sind.
Das lässt sich entschärfen, aber nicht ignorieren. Hilfreich ist, den Zwischenzustand ausdrücklich als Zwischenzustand zu benennen und ein Datum zu setzen, an dem neu geschaut wird. Wie Paare Alltagsroutinen bewusst umbauen, statt sie einfach passieren zu lassen, beschreibt der Text über das Frischhalten einer Langzeitbeziehung.
Was gleichzeitig noch dazukommt
Der Ruhestand kommt bei vielen Paaren nicht allein. In dieselben Jahre fallen oft:
- Enkelkinder. Meist eine Bereicherung, manchmal auch ein Anspruch. Die Frage, wie viel Betreuung man übernehmen will, ist eine Paarfrage und keine Selbstverständlichkeit.
- Die eigenen Eltern. Wer mit Mitte 60 noch Eltern hat, hat oft pflegebedürftige Eltern. Diese Last ist in der Praxis selten gleich verteilt.
- Die erste ernsthafte Diagnose. Bandscheibe, Herz, Krebs, Schwerhörigkeit. Krankheit verändert die Rollen im Paar schneller als jedes Gespräch.
Wer das alles gleichzeitig hat, sollte nicht auch noch erwarten, dass das Jubiläumsjahr besonders harmonisch wird. Es ist ein anstrengendes Jahr, das zufällig ein rundes Datum enthält.
Was macht man zum 40. Hochzeitstag?
Es gibt keine Vorschrift. Die drei üblichen Varianten unterscheiden sich weniger im Aufwand als in der Frage, für wen gefeiert wird.
Nur zu zweit. Ein Wochenende weg, ein Tag an dem Ort, an dem geheiratet wurde, ein Essen in dem Restaurant von damals, falls es das noch gibt. Vorteil: kein Organisationsstress. Nachteil: Die Familie fühlt sich manchmal übergangen, also vorher ankündigen.
Im Familienkreis. Essen mit Kindern, Schwiegerkindern und Enkeln. Die häufigste Variante und meist die stimmigste. 8 bis 20 Personen, ein Restaurant oder zu Hause mit Catering.
Große Feier mit Gästen. Wie eine kleine Hochzeit, mit Einladungen, Rede, Musik. Sinnvoll, wenn zur eigentlichen Hochzeit 1986 nicht groß gefeiert wurde, was damals durchaus vorkam. Aufwand: mehrere Monate Vorlauf.
Weitere konkrete Vorschläge, auch für die Jahre dazwischen, stehen in der Sammlung mit Ideen für den Hochzeitstag.
Das Eheversprechen erneuern
Beliebt zum 40. und oft der emotionalste Teil des Tages. Wichtig zu wissen: Standesamtlich geht das nicht. Die Ehe besteht bereits, eine zweite zivilrechtliche Trauung ist rechtlich nicht möglich. Möglich sind:
- eine freie Zeremonie mit Rednerin oder Redner, meist zwischen 400 und 1.200 Euro als grobe Orientierung,
- ein kirchlicher Segnungsgottesdienst zum Ehejubiläum, den viele Gemeinden anbieten, in der Regel ohne Gebühr oder gegen eine Spende,
- eine private Variante ganz ohne Dritte: zwei selbst geschriebene Texte, vorgelesen im Familienkreis.
Wer den Text selbst schreibt, findet Aufbau und Beispiele in der Anleitung zum Eheversprechen schreiben. Nach 40 Jahren funktioniert dabei etwas anderes als bei einer Hochzeit: Versprechen für die Zukunft wirken hohl, konkrete Erinnerungen wirken. Ein Satz über eine bestimmte Situation von 1994 schlägt jede allgemeine Liebeserklärung.
Grobe Kostenorientierung
Alle Werte sind Anhaltspunkte, keine Preise. Regional und je nach Anspruch weicht das erheblich ab.
| Variante | Ungefähre Spanne | Vorlauf |
|---|---|---|
| Essen zu zweit | 80 bis 250 Euro | wenige Tage |
| Familienessen, 10 bis 20 Personen | 400 bis 1.500 Euro | 4 bis 8 Wochen |
| Feier mit 40 bis 60 Gästen | 2.500 bis 8.000 Euro | 4 bis 6 Monate |
| Freie Zeremonie zusätzlich | 400 bis 1.200 Euro | 2 bis 3 Monate |
| Reise zu zweit, eine Woche | 800 bis 4.000 Euro | 2 bis 6 Monate |
Welche Blumen schenkt man zur Rubinhochzeit?
Eine vorgeschriebene Blume gibt es nicht. Was es gibt, ist eine Leitfarbe, und die ist tiefes Rot bis Bordeaux.
Der Klassiker: rote Rosen. Naheliegend, wird erwartet, und genau deshalb bekommt das Paar davon an diesem Tag oft mehrere Sträuße. Wer sicher gehen will, dass der eigene Strauß auffällt, mischt.
Gut kombinierbar, je nach Saison:
- Dahlien, von Hochsommer bis in den Oktober, kräftige dunkle Rottöne
- Amaryllis, im Winterhalbjahr, große Blüte, wirkt ohne viel Beiwerk
- Pfingstrosen, nur im Mai und Juni, kurze Saison und entsprechend teuer
- Nelken in Bordeaux, lange unterschätzt, halten sehr lange
- Gerbera, unkompliziert, aber optisch eher fröhlich als feierlich
- Rote Callas für alle, denen Rosen zu erwartbar sind
Zur Anzahl der Blüten. Die im Umlauf befindlichen Regeln, dass eine bestimmte Stückzahl eine bestimmte Bedeutung habe, sind Folklore und keine Etikette. Im Handel ist eine ungerade Zahl üblich, mehr steckt nicht dahinter. Wer trotzdem einen Bezug will, nimmt 40 Stiele, das ist dann aber ein großer und entsprechend teurer Strauß.
Preisliche Orientierung: Ein ordentlicher gebundener Strauß liegt je nach Sorte und Saison ungefähr zwischen 25 und 60 Euro, große Arrangements darüber. Zum Jubiläum selbst werden Blumen im Fachhandel meist teurer als im Supermarkt, halten dafür deutlich länger.
Was schlecht funktioniert: Topfpflanzen, wenn das Paar gerade überlegt, kleiner zu wohnen. Und alles, was stark duftet, wenn am selben Abend gegessen wird.
Wie gratuliert man zur Rubinhochzeit?
Am besten persönlich, sonst per Karte. Eine Nachricht am Handy ist bei engen Angehörigen in Ordnung und bei allen anderen zu wenig. Ein Anruf am Tag selbst ist für weiter entfernte Verwandte die praktikabelste Lösung.
Beim Ton gilt: Das Paar kennt sich seit Jahrzehnten und kennt sich selbst am besten. Große Erklärungen darüber, was ihre Ehe angeblich ausmacht, wirken schnell übergriffig. Was funktioniert, sind drei Bausteine.
- Der Anlass, kurz benannt. Ein Satz, kein Absatz.
- Etwas Konkretes. Eine Erinnerung, eine Beobachtung, eine Eigenschaft. Das ist der Teil, an den sich das Paar erinnert.
- Ein Wunsch für die kommende Zeit. Nach 40 Jahren sind Gesundheit und gemeinsame Zeit die naheliegenden Wünsche, und das ist völlig in Ordnung.
Formulierungen, die tragen
Für die Karte, zum Anpassen:
Vierzig Jahre. Wir haben euch in dieser Zeit ziemlich oft an eurem Küchentisch sitzen sehen, und es war jedes Mal gut dort. Alles Gute zur Rubinhochzeit, und auf viele weitere Abende an diesem Tisch.
Zur Rubinhochzeit wünschen wir euch beiden Gesundheit und mehr gemeinsame Zeit, als ihr zu verplanen wisst. Danke, dass ihr uns über so viele Jahre einfach dazugehören lasst.
Für Kinder an die Eltern:
Ihr habt vierzig Jahre lang nie so getan, als wäre es leicht. Genau deshalb glauben wir euch. Alles Liebe zur Rubinhochzeit.
Für eine kurze Rede, als Einstieg:
Als ihr geheiratet habt, gab es die meisten Dinge nicht, die unseren Alltag heute bestimmen. Geblieben seid ihr zwei. Darauf stoßen wir heute an.
Was man besser weglässt
- Scheidungswitze. Auch nicht als Auflockerung.
- Anspielungen auf das Alter des Paares.
- Behauptungen darüber, wie glücklich die Ehe sei. Das weiß nur das Paar.
- Rubin-Wortspiele in Serie. Eines reicht, drei sind zu viel.
- Sprüche aus dem Internet ohne jeden persönlichen Bezug. Sie werden erkannt.
Geschenke: was sinnvoll ist und was nicht
Als Gast. Die zuverlässigste Regel nach 40 Jahren: Das Paar hat genug Gegenstände. Was funktioniert, sind Dinge, die verbraucht werden, und Dinge, die etwas möglich machen.
- Ein Beitrag zur Feier oder zur Reise, bar oder als Gutschein
- Ein gemeinsames Erlebnis, bei dem ihr selbst dabei seid
- Etwas Verbrauchbares in guter Qualität: Wein, Delikatessen, ein Restaurantgutschein
- Ein Fotobuch aus vier Jahrzehnten, wenn die Bilder wirklich vorhanden sind und jemand die Arbeit macht
- Ein Gutschein für etwas, das im Ruhestand neu anfängt: Kurs, Abo, Mitgliedschaft
Rubinschmuck, mit Vorbehalt. Der naheliegende Gedanke, und in manchen Gegenden ist es Brauch, dass der Ehemann einen Rubin schenkt oder in den Ehering einarbeiten lässt. Praktisch gilt: Echter Rubin in guter Qualität ist teuer. Angebote deutlich unter 100 Euro sind so gut wie immer behandelt, erhitzt oder synthetisch. Das ist nicht verwerflich, sollte aber beim Kauf klar sein und nicht als Naturstein verkauft werden. Wer Schmuck schenkt, fragt vorher, ob überhaupt Schmuck getragen wird.
Untereinander als Paar. Hier geht der Trend seit Jahren zu Zeit statt Gegenständen, und das passt zum 40. besonders gut, weil Zeit ab jetzt tatsächlich reichlich vorhanden ist und Struktur braucht. Konkret heißt das: ein fester wöchentlicher Termin, ein gemeinsamer Kurs, eine Reise, für die man sich Zeit nimmt statt Urlaubstage zu zählen. Wie man solche kleinen Verbindlichkeiten im Alltag verankert, ohne dass sie sofort wieder einschlafen, steht im Text über Wertschätzung im Alltag.
Drei verbreitete Missverständnisse
„Die Rubinhochzeit ist ein alter Brauch.“ Teilweise. Der Name ist nicht standardisiert und regional unterschiedlich, konkurrierende Bezeichnungen wie Granathochzeit und Smaragdhochzeit existieren nebeneinander. Die dichte Liste der Hochzeitstage, wie wir sie heute kennen, ist zu großen Teilen jünger und handelsnah entstanden.
„Nach 40 Jahren kann nichts mehr passieren.“ Die Scheidungsstatistik widerspricht: Der Anteil der Trennungen ab dem 25. Ehejahr ist von 10 bis 11 Prozent in den 1990er Jahren auf 16,0 Prozent im Jahr 2025 gestiegen. Späte Trennungen sind nicht die Regel, aber sie sind auch nicht die Ausnahme.
„Der Ruhestand ist die Belohnung für 40 Jahre.“ Für manche ja. Für viele ist er zunächst ein Verlust an Struktur, Status und Kontakten, der aktiv ersetzt werden muss. Wer damit rechnet, kommt besser durch.
Was von 40 Jahren bleibt
Die Rubinhochzeit ist ein Datum mit einem hübschen Namen und einem schiefen Bild. Rubin ist hart, aber nicht so hart wie behauptet, und Ehen halten nicht, weil sie hart sind, sondern weil zwei Leute weiter miteinander reden.
Was diesen Jahrestag von allen davor unterscheidet, ist der Zeitpunkt. Vierzig Jahre Ehe fallen in Deutschland fast zwangsläufig mit dem Übergang in den Ruhestand zusammen. Und das ist eine Verhandlungsphase, keine Ruhephase: Zeitstruktur, Raum, Aufgaben, Identität, alles steht kurzzeitig zur Disposition.
Die Paare, bei denen das gut läuft, tun in der Regel dasselbe. Sie reden vorher darüber, sie geben sich gegenseitig eigene Bereiche, und sie erwarten vom Jubiläum nicht, dass es etwas repariert. Der Tag ist ein Anlass, sich hinzusetzen und zu sortieren, was die nächsten zehn Jahre eigentlich werden sollen. Das ist unromantischer als ein Rubin und erheblich nützlicher.




