„Warum hat er sich einfach nicht mehr gemeldet?” Diese Frage stellen sich unzählige Menschen nach einem abrupten Kontaktabbruch. Ghosting – das plötzliche, kommentarlose Verschwinden aus dem Leben eines anderen – fühlt sich oft wie ein sehr persönlicher Schlag an. Doch die Daten zeigen: Es ist ein Massenphänomen.
Wie viele Menschen ghosten tatsächlich? Wie viele wurden schon geghostet? Und stimmt es, dass vor allem junge Leute zu dieser Methode greifen? Dieser Artikel trägt die wichtigsten Umfragedaten aus Deutschland zusammen und ordnet sie ein. Wichtig vorab: Es handelt sich um Umfragedaten, nicht um eine amtliche Statistik. Je nach Institut, Stichprobe und Definition von „Ghosting” unterscheiden sich die Ergebnisse zum Teil erheblich.
Auf einen Blick: Ghosting in Zahlen
- 27 % der Singles haben schon einmal geghostet – bei den 18- bis 29-Jährigen sind es 32 % (ElitePartner-Umfrage 2025, 2.094 Befragte).
- 40 % geben in einer länderübergreifenden YouGov-Umfrage im Auftrag von Galaxus zu, schon einmal jemanden geghostet zu haben.
- Rund 65 % – etwa sieben von zehn – wurden laut derselben Umfrage selbst schon geghostet.
- 12 % der deutschen Internetnutzer haben eine Beziehung schon einmal per Ghosting beendet (Bitkom 2025, 1.006 Befragte).
- Junge Erwachsene ghosten am häufigsten – über alle Umfragen hinweg.
- Psychische Folgen: Ghosting belastet länger als eine klare Absage – so eine Studie 2025 in Computers in Human Behavior.
Was bedeutet Ghosting eigentlich?
Ghosting (von englisch ghost, „Geist”) beschreibt den plötzlichen, kommentarlosen Abbruch jeglichen Kontakts – ohne Erklärung, ohne Vorwarnung. Aus Sicht der geghosteten Person verschwindet das Gegenüber wie ein Geist: keine Antwort mehr auf Nachrichten, keine Reaktion auf Anrufe.
Das Phänomen ist nicht aufs Online-Dating beschränkt, tritt dort aber besonders häufig auf, weil der Einstieg unverbindlich ist und Kontakte leicht abgebrochen werden können. Wann genau aus Funkstille „echtes” Ghosting wird, definieren Umfragen unterschiedlich – einer der Gründe, warum die Zahlen schwanken.
Wie viele Menschen ghosten? Die Umfragedaten
Mehrere Erhebungen aus Deutschland geben Anhaltspunkte. Sie kommen je nach Methode zu unterschiedlichen Ergebnissen.
| Quelle (Jahr) | Stichprobe | Kernergebnis |
|---|---|---|
| ElitePartner (2025) | 2.094 Singles in DE | 27 % haben schon geghostet |
| YouGov / Galaxus | 2.651 in DE, AT, CH, FR, IT | 40 % haben schon geghostet |
| Bitkom (2025) | 1.006 Internetnutzer ab 16 | 12 % beendeten Beziehung per Ghosting |
Die Spannweite – von 12 bis 40 Prozent – erklärt sich vor allem durch die Fragestellung: Die Bitkom-Erhebung fragt eng nach dem Beenden einer Beziehung per Ghosting, während ElitePartner und YouGov allgemeiner nach dem Abbruch eines Kontakts fragen. Je weiter die Definition, desto höher die Quote.
Wie viele wurden schon geghostet?
Geghostet zu werden ist deutlich verbreiteter, als selbst zu ghosten – logisch, denn ein einzelner „Ghoster” kann viele Menschen geistern lassen. Laut der YouGov-Umfrage im Auftrag von Galaxus haben rund 65 Prozent der Befragten schon erlebt, dass eine Konversation ohne jede Erklärung abbrach – das entspricht etwa sieben von zehn Personen.
Diese Lücke zwischen „selbst geghostet” (40 %) und „geghostet worden” (65 %) zeigt auch ein psychologisches Muster: Viele erleben das Verschwinden des anderen als schmerzhaft – tun es aber selbst, weil es im Moment der bequemere Weg scheint.
Ghosting nach Alter: ein klares Muster
So unterschiedlich die Gesamtzahlen ausfallen, in einem Punkt sind sich die Umfragen einig: Junge Erwachsene ghosten am häufigsten.
In der ElitePartner-Umfrage 2025 ergab sich nach Altersgruppen folgendes Bild:
| Altersgruppe | Anteil, der schon geghostet hat |
|---|---|
| 18–29 Jahre | 32 % |
| 50–59 Jahre | 24 % |
| 60–69 Jahre | 20 % |
Bitkom bestätigt den Trend mit Blick auf den Kommunikationsweg: Unter den 16- bis 29-Jährigen beendete nur etwa die Hälfte (51 %) Beziehungen im persönlichen Gespräch, gegenüber 66 Prozent über alle Altersgruppen hinweg. Distanzierte, digitale Trennungswege – bis hin zum kompletten Verschwinden – sind bei jungen Menschen also normaler.
Der Grund dürfte weniger in einer „Generation ohne Manieren” liegen als in der Sozialisation: Wer Beziehungen überwiegend digital beginnt, dem fällt auch der digitale, schweigende Abschied leichter.
Ein älterer Datenpunkt stützt das Muster: Laut einer auf Statista dokumentierten YouGov-Umfrage vom Oktober 2021 gaben nur rund 27 Prozent der 18- bis 24-Jährigen an, noch nie jemanden geghostet zu haben – bei den 45- bis 54-Jährigen waren es rund 71 Prozent. Mit anderen Worten: Unter den ganz jungen Erwachsenen hatte die große Mehrheit schon einmal geghostet, unter den Älteren nur eine Minderheit.
Ghosten Frauen oder Männer häufiger?
Hier wird es widersprüchlich – ein gutes Beispiel dafür, warum man einzelne Umfragen nie isoliert lesen sollte:
- In der ElitePartner-Umfrage 2025 ghosteten Männer etwas häufiger als Frauen: 30 zu 24 Prozent.
- In der YouGov/Galaxus-Umfrage war es in Deutschland genau umgekehrt: 50 zu 29 Prozent zugunsten der Frauen.
Solche gegensätzlichen Ergebnisse hängen stark von der jeweiligen Stichprobe und der Definition von Ghosting ab. Eine seriöse Aussage lautet daher: Ghosting ist kein klares „Frauen- oder Männerthema”. Beide Geschlechter tun es in erheblichem Umfang.
Wie wird heute Schluss gemacht?
Ghosting ist nur das radikalste Ende eines breiteren Trends: Trennungen wandern ins Digitale. Die Bitkom-Umfrage 2025 hat erhoben, auf welchen Wegen Menschen Beziehungen beenden. Über alle Altersgruppen hinweg ergibt sich folgendes Bild:
| Trennungsweg | Anteil (alle Altersgruppen) |
|---|---|
| Im persönlichen Gespräch | 66 % |
| Per Telefon | 20 % |
| Per Messenger oder SMS | 17 % |
| Per Brief | 10 % |
| Per E-Mail | 7 % |
| Über soziale Netzwerke | 7 % |
| Über eine dritte Person | 4 % |
| Per Ghosting | 12 % |
Bei den 16- bis 29-Jährigen verschiebt sich das deutlich: Hier trennten sich 31 Prozent per Messenger oder SMS (statt 17 Prozent) und 18 Prozent über soziale Netzwerke (statt 7 Prozent). Nur etwa die Hälfte (51 Prozent) wählte das persönliche Gespräch. Ghosting ist also Teil einer größeren Entwicklung hin zu distanzierten, schriftlichen Schlusspunkten – bei jungen Menschen besonders ausgeprägt.
Warum Menschen ghosten
Die Umfragen erfassen vor allem das Ob, seltener das Warum. Aus der Forschung und Beratungspraxis lassen sich dennoch wiederkehrende Motive benennen:
- Konfliktvermeidung: Ein klares „Es passt nicht” auszusprechen, fühlt sich für viele unangenehmer an als simples Verstummen.
- Geringe emotionale Verbindlichkeit: Gerade in der frühen Kennenlernphase wirkt der Kontakt subjektiv „unverbindlich genug”, um ihn ohne Erklärung zu beenden.
- Überforderung durch Auswahl: Dating-Apps erzeugen das Gefühl, dass immer eine weitere Option wartet – der einzelne Kontakt verliert an Gewicht.
- Selbstschutz: Manche ghosten, weil sie sich unsicher oder bedrängt fühlen und keinen anderen Ausweg sehen.
Wichtig: Wer geghostet wird, sollte sich nicht für das Verhalten des Gegenübers verantwortlich machen. Ghosting sagt in der Regel mehr über die Konfliktfähigkeit des Ghosters aus als über den Wert der geghosteten Person.
Die psychologischen Folgen von Ghosting
Dass Ghosting wehtut, ist keine Einbildung. Eine 2025 in der Fachzeitschrift Computers in Human Behavior veröffentlichte Studie von Telari, Pancani und Riva („The phantom pain of ghosting”) hat den Effekt experimentell untersucht. Über neun Tage chatteten Teilnehmende in simulierten Kennenlern-Szenarien; ein Teil wurde am Ende offen abgewiesen, ein anderer geghostet.
Das Ergebnis, zusammengefasst von PsyPost: Beide Erfahrungen verletzten zunächst gleichermaßen. Doch während sich die offen Abgewiesenen relativ schnell erholten und ihr Gefühl der Ausgrenzung nachließ, blieben die Geghosteten länger in Verunsicherung gefangen. Die fehlende Erklärung hielt ihre psychischen Grundbedürfnisse länger bedroht und ihre Verwirrung hoch.
Die Forschenden schlussfolgern: Eine klare Botschaft – so unangenehm sie ist – hilft, die Situation zu verarbeiten und schneller abzuschließen. Genau diese Klarheit verweigert Ghosting. Das deckt sich mit dem, was Betroffene immer wieder berichten: Es ist nicht nur die Zurückweisung, die schmerzt, sondern das Fehlen eines Schlusspunkts.
Wenn dich ein Kontaktabbruch gerade beschäftigt, findest du konkrete Hilfe in unseren Ratgebern zum Thema Ghosting überwinden und eine Beziehung nach Ghosting verarbeiten.
Wenn die Belastung zu groß wird Ghosting kann an Selbstwert und Stimmung nagen. Du musst da nicht allein durch:
- Telefonseelsorge – kostenlos und anonym, rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, telefonseelsorge.de Sich Unterstützung zu holen ist ein Zeichen von Stärke, nicht von Schwäche.
Was die Zahlen bedeuten – und was nicht
Die Datenlage lässt sich in drei Kernaussagen verdichten:
- Ghosting ist weit verbreitet. Je nach Umfrage hat zwischen jedem Achten und vier von zehn Menschen schon einmal geghostet; rund zwei Drittel wurden selbst geghostet.
- Jüngere ghosten häufiger. Dieses Muster ist über mehrere Erhebungen hinweg stabil.
- Es ist nicht harmlos. Gerade die fehlende Erklärung verlängert den seelischen Schmerz.
Ein methodischer Hinweis zum Schluss: All diese Werte stammen aus Befragungen, nicht aus beobachtetem Verhalten. Menschen geben sozial Erwünschtes an oder erinnern sich unscharf. Die genauen Prozentzahlen sind deshalb mit Vorsicht zu genießen – die Größenordnung und die Trends sind jedoch aussagekräftig.
Was die Zahlen für dich bedeuten, wenn es dich getroffen hat
Hinter jeder Prozentangabe steckt eine Erfahrung. Wenn du gerade geghostet wurdest, ist der wichtigste Befund dieses Artikels vielleicht dieser: Du bist Teil einer großen Mehrheit, und es liegt nicht an dir. Rund zwei Drittel aller Befragten kennen das Gefühl, plötzlich keine Antwort mehr zu bekommen. Das relativiert den Schmerz nicht – aber es nimmt ihm die quälende Frage „Was stimmt mit mir nicht?”.
Die Forschung bestätigt, dass es vor allem die fehlende Erklärung ist, die Ghosting so zäh macht. Genau deshalb ist es hilfreich, sich den Abschluss selbst zu geben, statt auf eine Antwort zu warten, die nie kommt. Konkrete Schritte dafür haben wir in eigenen Ratgebern zusammengetragen – sie helfen, aus der Grübelschleife herauszufinden und wieder nach vorne zu schauen.
Häufige Fragen zur Ghosting-Statistik
Sind diese Ghosting-Zahlen amtlich? Nein. Es handelt sich um Umfragedaten von Marktforschungsinstituten und Anbietern, nicht um eine behördliche Statistik. Sie zeigen Trends, keine exakten Wahrheiten.
Warum unterscheiden sich die Zahlen so stark? Vor allem wegen unterschiedlicher Definitionen von Ghosting und verschiedener Stichproben. Eine enge Frage („Beziehung per Ghosting beendet”) liefert niedrigere Werte als eine weite („schon mal Kontakt kommentarlos abgebrochen”).
Nimmt Ghosting zu? Eindeutige Längsschnittdaten dazu sind rar. Klar ist, dass digitale, distanzierte Trennungsformen bei jüngeren Menschen verbreiteter sind als bei älteren.
Quellen
- t-online / ElitePartner-Umfrage 2025: Ghosting – jeder Vierte bricht Kontakt zum Date ab (2.094 Befragte)
- t-online / YouGov im Auftrag von Galaxus: Online-Dating-Umfrage zeigt, fast jede zweite Frau ghostet (2.651 Befragte)
- Bitkom (2025): Ghosting im Netz – Beziehung schon einmal so beendet (1.006 Befragte)
- Statista: Ghosting – Kontaktabbruch ohne Ankündigung nach Alter (YouGov 2021)
- PsyPost zur Studie in Computers in Human Behavior (2025): The psychological impact of ghosting lasts longer than outright rejection




