„Wie viele Menschen gehen eigentlich fremd?” Diese Frage lässt sich nicht so präzise beantworten wie etwa die Zahl der Eheschließungen – denn Untreue wird nicht von Behörden erfasst, sondern in Umfragen abgefragt. Und dort spielt Scham eine große Rolle. Dieser Artikel zeigt, was seriöse Studien zur Untreue verraten – und macht transparent, wo die Grenzen dieser Zahlen liegen.
Das Wichtigste in Zahlen
- 33 % der Männer und 24 % der Frauen in Deutschland geben an, schon einmal untreu gewesen zu sein (ElitePartner-Studie 2023).
- In den USA berichten laut dem General Social Survey rund 20 % der Männer und 13 % der Frauen, während der Ehe Sex mit jemand anderem gehabt zu haben (Institute for Family Studies, GSS-Auswertung).
- Was als Untreue gilt, ist im Wandel: 85 % werten eine langfristige Affäre als Fremdgehen, aber nur 57 % einen Kuss (Parship/Innofact-Umfrage 2024).
- Frauen ziehen die Grenze enger: 64 % werten einen Kuss als Untreue (Männer: 49 %), 71 % die Anmeldung bei einer Dating-App (Männer: 55 %) (Parship/Innofact 2024).
- Der häufigste von Frauen genannte Grund fürs Fremdgehen ist Unzufriedenheit in der Beziehung (rund 52 %); Männer nennen häufiger eine spontane Gelegenheit oder sexuelle Anziehung (ElitePartner-Studie 2023).
- Alle diese Zahlen sind Selbstauskünfte – die tatsächliche Verbreitung dürfte wegen Schamfaktor höher liegen.
Eine Warnung vorab: Warum diese Zahlen schwierig sind
Bevor wir in die Daten gehen, eine wichtige Einordnung. Fast jede Statistik zum Fremdgehen beruht auf Selbstauskünften in Umfragen. Menschen werden gefragt, ob sie untreu waren – und sollen ehrlich antworten.
Das Problem: Untreue ist schambehaftet und sozial unerwünscht. Studien zeigen, dass Menschen solche Dinge eher verschweigen als zugeben. Die genannten Prozentwerte sind deshalb realistisch als Untergrenze zu verstehen – die echte Dunkelziffer liegt vermutlich höher.
Hinzu kommt: Jede Umfrage definiert Fremdgehen anders. Zählt schon ein Flirt? Ein Kuss? Eine emotionale Affäre ohne Körperkontakt? Je nach Definition schwanken die Ergebnisse erheblich. Deshalb arbeiten wir hier mit Spannen und Größenordnungen statt mit Scheingenauigkeit.
Wie viele Menschen gehen fremd? Die deutschen Zahlen
Die wohl bekannteste deutsche Datenquelle ist die regelmäßige Befragung von ElitePartner. Laut der ElitePartner-Studie 2023 geben 33 Prozent der Männer und 24 Prozent der Frauen an, in einer festen Beziehung schon einmal untreu gewesen zu sein.
Andere Umfragen kommen zu ähnlichen Größenordnungen, teils mit umgekehrtem Geschlechterverhältnis – ein Hinweis darauf, wie stark die Ergebnisse von Stichprobe und Fragestellung abhängen. Als grobe Orientierung lässt sich festhalten: Etwa ein Viertel bis ein Drittel der Menschen in festen Beziehungen gibt an, mindestens einmal fremdgegangen zu sein.
Wer Anzeichen bei sich oder dem Partner deuten möchte, findet im Ratgeber Anzeichen für Fremdgehen erkennen konkrete Hinweise.
Männer vs. Frauen: Wer geht häufiger fremd?
Die landläufige Annahme „Männer gehen häufiger fremd” findet sich in vielen Studien wieder – aber das Bild ist differenzierter.
In Deutschland zeigt die ElitePartner-Studie 2023 mit 33 zu 24 Prozent einen Vorsprung der Männer. International liefert der US-amerikanische General Social Survey (GSS) belastbare Langzeitdaten: Demnach berichten rund 20 Prozent der Männer und 13 Prozent der Frauen, während ihrer Ehe Sex mit einer anderen Person gehabt zu haben (Institute for Family Studies).
Spannend ist der Blick aufs Alter. Laut der GSS-Auswertung kehrt sich das Verhältnis bei jungen Erwachsenen sogar um:
| Altersgruppe (USA, GSS) | Männer | Frauen |
|---|---|---|
| 18–29 Jahre | 10 % | 11 % |
| Ältere Gruppen | steigt deutlich | steigt langsamer |
| 70+ Jahre | bis 26 % | bis 16 % |
Quelle: Institute for Family Studies, GSS-Auswertung.
Bei den unter 30-Jährigen liegen Frauen also leicht vorn, mit zunehmendem Alter wächst der Vorsprung der Männer. Wichtig: Das sind US-Daten und nicht eins zu eins auf Deutschland übertragbar – sie zeigen aber, dass die Geschlechterlücke kein starres Naturgesetz ist.
Was zählt überhaupt als Fremdgehen?
Hier wird es besonders interessant – denn die Definition verschiebt sich. Eine Parship/Innofact-Umfrage von 2024 (rund 1.000 Befragte, 18–69 Jahre) verglich, was Menschen 2018 und 2024 als Untreue werteten:
| Verhalten | 2018 als Untreue gewertet | 2024 als Untreue gewertet |
|---|---|---|
| Langfristige Affäre | 97 % | 85 % |
| One-Night-Stand | 96 % | 82 % |
| Anmeldung bei Dating-App | 87 % | 63 % |
| Kuss mit anderer Person | 81 % | 57 % |
Quelle: Parship/Innofact 2024, via ZDFheute.
Auffällig: Über alle Kategorien hinweg ist die Bewertung toleranter geworden. Was 2018 noch eine klare Mehrheit als Untreue ansah, ist es 2024 für deutlich weniger Menschen.
Zwischen den Geschlechtern gibt es klare Unterschiede: Frauen werten einen Kuss häufiger als Untreue (64 % vs. 49 % bei Männern), ebenso die Anmeldung bei einer Dating-App (71 % vs. 55 %). Wo genau die Grenze zur emotionalen Affäre verläuft, beleuchtet der Ratgeber Emotionale Affäre erkennen.
Emotional vs. körperlich: Zwei Arten von Untreue
Die Forschung unterscheidet seit Langem zwischen körperlicher und emotionaler Untreue. Die ElitePartner-Studie 2023 zeigt: Bei den Gründen fürs Fremdgehen liegen die Geschlechter auseinander.
Für rund 52 Prozent der untreuen Frauen war Unzufriedenheit in der Partnerschaft ein zentraler Grund – ein eher emotionaler Auslöser. Männer nennen dagegen häufiger eine spontane Gelegenheit oder sexuelle Anziehung; rund vier von zehn Männern konnten dem Reiz des Neuen nicht widerstehen, etwa 28 Prozent führten ihre Untreue auf sexuelle Anziehung zurück (ElitePartner-Studie 2023).
Diese Muster sind Tendenzen, keine Gesetze. Sie helfen aber zu verstehen, warum Untreue für Betroffene so unterschiedlich erlebt wird – und warum die Aufarbeitung individuell verläuft.
Digitales Fremdgehen: Wenn das Smartphone zur Grauzone wird
Smartphones und Dating-Apps haben die Landschaft der Untreue verändert. Was früher einen physischen Treffpunkt brauchte, beginnt heute oft im Chat. Genau deshalb verschiebt sich die Definitionsfrage so stark: Die Parship/Innofact-Umfrage 2024 zeigt, dass nur noch 63 Prozent die bloße Anmeldung bei einer Dating-App als Untreue werten – 2018 waren es noch 87 Prozent.
Auffällig ist der Generationenunterschied: Während 75 Prozent der 18- bis 29-Jährigen die Nutzung einer Dating-App in einer Beziehung als Fremdgehen einstufen, sind es bei den 60- bis 69-Jährigen nur 54 Prozent. Die jüngere Generation zieht digitale Grenzen also teils strenger als die ältere – ein Befund, der dem Klischee widerspricht.
Diese Verschiebung macht das Thema komplizierter, nicht einfacher. Wenn Partner unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was erlaubt ist, entsteht Konfliktpotenzial – noch bevor überhaupt etwas „passiert” ist.
Untreue als häufigster Trennungsgrund
Wie folgenreich Untreue ist, zeigt die Trennungsforschung. In der ElitePartner-Studie zu Trennungsgründen (6.754 Befragte, Erhebung Ende 2022) steht eine längere Affäre oder mehrfaches Fremdgehen mit 67 Prozent an der Spitze aller genannten Trennungsgründe – noch vor Kommunikationsproblemen (44 %). Ein einmaliger Seitensprung wird von 35 Prozent als Grund genannt.
Fremdgehen ist also nicht nur verbreitet, sondern auch einer der stärksten Auslöser für das Ende einer Beziehung. Zugleich bedeutet es nicht zwangsläufig das Aus – viele Paare entscheiden sich für die Aufarbeitung.
Die emotionale Dimension hinter den Zahlen
Statistiken sind das eine, gelebte Realität das andere. Hinter jeder Prozentzahl steht ein Mensch, der eine Entscheidung getroffen hat – und oft ein zweiter, der verletzt wurde.
Untreue gehört zu den schmerzhaftesten Erfahrungen in einer Beziehung. Sie erschüttert das Grundvertrauen und stellt die gemeinsame Geschichte infrage. Dass „so viele” fremdgehen, macht den eigenen Fall nicht weniger schlimm – Statistik tröstet hier wenig.
Gleichzeitig zeigen die Zahlen: Untreue ist kein Randphänomen und kein Zeichen dafür, dass mit einer Person grundsätzlich etwas „nicht stimmt”. Sie ist menschlich, vielschichtig und selten monokausal.
Lässt sich eine Beziehung nach Untreue retten?
Belastbare Quoten dazu sind rar – auch hier fehlen amtliche Daten. Aus der Paartherapie-Praxis ist jedoch bekannt, dass viele Paare nach einem Vertrauensbruch zusammenbleiben und die Krise als Wendepunkt nutzen, während andere sich trennen. Pauschale Prozentwerte zur „Rettungsquote” wären unseriös.
Wer vor dieser Frage steht, findet im kompletten Guide zum Fremdgehen verzeihen und in der Anleitung Vertrauen nach Fremdgehen aufbauen fundierte Orientierung. Wie sich eine Partnerschaft nach einem Seitensprung neu ordnen lässt, beschreibt zudem der Ratgeber Beziehung nach Fremdgehen.
So liest du Fremdgeh-Statistiken richtig
Drei Faustregeln helfen, die kursierenden Zahlen einzuordnen:
1. Selbstauskunft beachten. Fast alle Zahlen beruhen auf Befragungen. Wegen des Schamfaktors sind sie eher Untergrenzen als exakte Werte.
2. Definition prüfen. „Fremdgehen” meint mal nur Sex, mal auch Küsse, Flirts oder emotionale Affären. Ohne Definition ist eine Prozentzahl wenig wert.
3. Quelle und Jahr nennen. Branchenstudien (ElitePartner, Parship) und wissenschaftliche Surveys (GSS) sind seriöse Quellen – aber sie messen Unterschiedliches und sind nicht direkt vergleichbar.
Wer diese drei Punkte mitdenkt, erkennt schnell, welche „Schockzahlen” im Netz seriös sind und welche reine Klick-Köder.
Quellen & Methodik
Alle Zahlen in diesem Artikel stammen aus den folgenden Quellen. Wichtig: Es handelt sich durchgehend um Umfrage- und Studiendaten auf Basis von Selbstauskünften – nicht um amtliche Statistik. Die Werte sind daher als Größenordnungen und Untergrenzen zu lesen.
- ElitePartner-Studie 2023, zitiert über ElitePartner-Magazin: Fremdgehen (Branchenstudie, Selbstauskunft).
- Parship/Innofact-Umfrage 2024 (rund 1.000 Befragte, 18–69 J.), berichtet von ZDFheute: Deutsche werten Affäre seltener als Untreue.
- Institute for Family Studies: Who Cheats More? The Demographics of Cheating in America, Auswertung des US-amerikanischen General Social Survey (GSS).
- ElitePartner-Studie 2023: Trennungsgründe, 6.754 Befragte (Branchenstudie, Selbstauskunft).
- Statista: Untreue in einer Beziehung in Deutschland nach Geschlecht (Umfragedaten, Originalquellen genannt).
Hinweis: Die genannten Prozentwerte beziehen sich auf das jeweils angegebene Erhebungsjahr. US-Daten (GSS) sind nicht unmittelbar auf Deutschland übertragbar und dienen der Einordnung des internationalen Forschungsstands.




