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Person schaut heimlich aufs Smartphone neben schlafendem Partner als Symbol für Untreue-Statistiken

Fremdgehen Statistik: So viele Männer und Frauen gehen fremd

Fremdgehen in Zahlen: 31 % der Frauen und 27 % der Männer geben Untreue zu. Was als Fremdgehen gilt, was dahintersteckt und wie belastbar die Daten sind.

Dr. Thomas Peters
Dr. Thomas Peters
· · 8 Min. Lesezeit

„Wie viele Menschen gehen eigentlich fremd?” Diese Frage lässt sich nicht so präzise beantworten wie etwa die Zahl der Eheschließungen – denn Untreue wird nicht von Behörden erfasst, sondern in Umfragen abgefragt. Und dort spielt Scham eine große Rolle. Dieser Artikel zeigt, was seriöse Studien zur Untreue verraten – und macht transparent, wo die Grenzen dieser Zahlen liegen.

Das Wichtigste in Zahlen

  • 31 % der Frauen und 27 % der Männer in Deutschland geben an, schon einmal in einer festen Beziehung untreu gewesen zu sein (ElitePartner-Studie 2020).
  • In den USA berichten laut dem General Social Survey rund 20 % der Männer und 13 % der Frauen, während der Ehe Sex mit jemand anderem gehabt zu haben (Institute for Family Studies, GSS-Auswertung).
  • Was als Untreue gilt, ist im Wandel: 85 % werten eine langfristige Affäre als Fremdgehen, aber nur 57 % einen Kuss (Parship/Innofact-Umfrage 2024).
  • Frauen ziehen die Grenze enger: 64 % werten einen Kuss als Untreue (Männer: 49 %), 71 % die Nutzung einer Dating-App; für 55 % der Männer ist sie dagegen kein Betrug (Parship/Innofact 2024).
  • Der häufigste von Frauen genannte Grund fürs Fremdgehen ist Unzufriedenheit in der Beziehung (rund 52 %); Männer nennen häufiger den Reiz des Neuen oder sexuelle Anziehung (ElitePartner-Studie 2020).
  • Alle diese Zahlen sind Selbstauskünfte – die tatsächliche Verbreitung dürfte wegen Schamfaktor höher liegen.

Eine Warnung vorab: Warum diese Zahlen schwierig sind

Bevor wir in die Daten gehen, eine wichtige Einordnung. Fast jede Statistik zum Fremdgehen beruht auf Selbstauskünften in Umfragen. Menschen werden gefragt, ob sie untreu waren – und sollen ehrlich antworten.

Das Problem: Untreue ist schambehaftet und sozial unerwünscht. Studien zeigen, dass Menschen solche Dinge eher verschweigen als zugeben. Die genannten Prozentwerte sind deshalb realistisch als Untergrenze zu verstehen – die echte Dunkelziffer liegt vermutlich höher.

Hinzu kommt: Jede Umfrage definiert Fremdgehen anders. Zählt schon ein Flirt? Ein Kuss? Eine emotionale Affäre ohne Körperkontakt? Je nach Definition schwanken die Ergebnisse erheblich. Deshalb arbeiten wir hier mit Spannen und Größenordnungen statt mit Scheingenauigkeit.

Wie viele Menschen gehen fremd? Die deutschen Zahlen

Die wohl bekannteste deutsche Datenquelle ist die regelmäßige Befragung von ElitePartner. Laut der ElitePartner-Studie 2020 (13.019 Befragte, Erhebung Ende 2019) geben 31 Prozent der Frauen und 27 Prozent der Männer an, in einer festen Beziehung schon einmal untreu gewesen zu sein. 2012 waren es noch 19 Prozent der Frauen und 23 Prozent der Männer.

Andere Umfragen kommen zu ähnlichen Größenordnungen, teils mit umgekehrtem Geschlechterverhältnis – ein Hinweis darauf, wie stark die Ergebnisse von Stichprobe und Fragestellung abhängen. Als grobe Orientierung lässt sich festhalten: Etwa ein Viertel bis ein Drittel der Menschen in festen Beziehungen gibt an, mindestens einmal fremdgegangen zu sein.

Wer Anzeichen bei sich oder dem Partner deuten möchte, findet im Ratgeber Anzeichen für Fremdgehen erkennen konkrete Hinweise.

Männer vs. Frauen: Wer geht häufiger fremd?

Die landläufige Annahme „Männer gehen häufiger fremd” findet sich in vielen Studien wieder – aber das Bild ist differenzierter.

In Deutschland lagen in der ElitePartner-Studie 2020 sogar die Frauen knapp vorn (31 zu 27 Prozent), 2012 waren es noch die Männer. International liefert der US-amerikanische General Social Survey (GSS) belastbare Langzeitdaten: Demnach berichten rund 20 Prozent der Männer und 13 Prozent der Frauen, während ihrer Ehe Sex mit einer anderen Person gehabt zu haben (Institute for Family Studies).

Spannend ist der Blick aufs Alter. Laut der GSS-Auswertung kehrt sich das Verhältnis bei jungen Erwachsenen sogar um:

Altersgruppe (USA, GSS)MännerFrauen
18–29 Jahre10 %11 %
60–69 Jahrek. A.16 % (Höchstwert)
70–79 Jahre26 % (Höchstwert)k. A.

Quelle: Institute for Family Studies, GSS-Auswertung.

Bei den unter 30-Jährigen liegen Frauen also leicht vorn, mit zunehmendem Alter wächst der Vorsprung der Männer. Wichtig: Das sind US-Daten und nicht eins zu eins auf Deutschland übertragbar – sie zeigen aber, dass die Geschlechterlücke kein starres Naturgesetz ist.

Was zählt überhaupt als Fremdgehen?

Hier wird es besonders interessant – denn die Definition verschiebt sich. Eine Parship/Innofact-Umfrage von 2024 (rund 1.000 Befragte, 18–69 Jahre) verglich, was Menschen 2018 und 2024 als Untreue werteten:

Verhalten2018 als Untreue gewertet2024 als Untreue gewertet
Langfristige Affäre97 %85 %
One-Night-Stand96 %82 %
Anmeldung bei Dating-App87 %63 %
Kuss mit anderer Person81 %57 %

Quelle: Parship/Innofact 2024, via dpa/Nordkurier.

Auffällig: Über alle Kategorien hinweg ist die Bewertung toleranter geworden. Was 2018 noch eine klare Mehrheit als Untreue ansah, ist es 2024 für deutlich weniger Menschen.

Zwischen den Geschlechtern gibt es klare Unterschiede: Frauen werten einen Kuss häufiger als Untreue (64 % vs. 49 % bei Männern), ebenso die Nutzung einer Dating-App (71 % der Frauen; für 55 % der Männer ist sie dagegen kein Betrug). Wo genau die Grenze zur emotionalen Affäre verläuft, beleuchtet der Ratgeber Emotionale Affäre erkennen.

Emotional vs. körperlich: Zwei Arten von Untreue

Die Forschung unterscheidet seit Langem zwischen körperlicher und emotionaler Untreue. Die ElitePartner-Studie 2020 zeigt: Bei den Gründen fürs Fremdgehen liegen die Geschlechter auseinander.

Für rund 52 Prozent der untreuen Frauen war Unglück in der Partnerschaft ein zentraler Grund – ein eher emotionaler Auslöser. Männer nennen dagegen häufiger sexuelle Gründe: Rund vier von zehn Männern konnten dem Reiz des Neuen nicht widerstehen, etwa jeder Dritte führte seine Untreue auf sexuelle Anziehung zurück (ElitePartner-Studie 2020).

Diese Muster sind Tendenzen, keine Gesetze. Sie helfen aber zu verstehen, warum Untreue für Betroffene so unterschiedlich erlebt wird – und warum die Aufarbeitung individuell verläuft.

Digitales Fremdgehen: Wenn das Smartphone zur Grauzone wird

Smartphones und Dating-Apps haben die Landschaft der Untreue verändert. Was früher einen physischen Treffpunkt brauchte, beginnt heute oft im Chat. Genau deshalb verschiebt sich die Definitionsfrage so stark: Die Parship/Innofact-Umfrage 2024 zeigt, dass nur noch 63 Prozent die bloße Anmeldung bei einer Dating-App als Untreue werten – 2018 waren es noch 87 Prozent.

Auffällig ist der Generationenunterschied: Während 75 Prozent der 18- bis 29-Jährigen die Nutzung einer Dating-App in einer Beziehung als Fremdgehen einstufen, sind es bei den 60- bis 69-Jährigen nur 54 Prozent. Die jüngere Generation zieht digitale Grenzen also teils strenger als die ältere – ein Befund, der dem Klischee widerspricht.

Diese Verschiebung macht das Thema komplizierter, nicht einfacher. Wenn Partner unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was erlaubt ist, entsteht Konfliktpotenzial – noch bevor überhaupt etwas „passiert” ist.

Untreue als häufigster Trennungsgrund

Wie folgenreich Untreue ist, zeigt die Trennungsforschung. In der ElitePartner-Studie zu Trennungsgründen (6.754 Befragte, Erhebung Ende 2022) steht eine längere Affäre oder mehrfaches Fremdgehen mit 67 Prozent an der Spitze aller genannten Trennungsgründe – noch vor Kommunikationsproblemen (44 %). Ein einmaliger Seitensprung wird von 35 Prozent als Grund genannt.

Fremdgehen ist also nicht nur verbreitet, sondern auch einer der stärksten Auslöser für das Ende einer Beziehung. Zugleich bedeutet es nicht zwangsläufig das Aus – viele Paare entscheiden sich für die Aufarbeitung.

Die emotionale Dimension hinter den Zahlen

Statistiken sind das eine, gelebte Realität das andere. Hinter jeder Prozentzahl steht ein Mensch, der eine Entscheidung getroffen hat – und oft ein zweiter, der verletzt wurde.

Untreue gehört zu den schmerzhaftesten Erfahrungen in einer Beziehung. Sie erschüttert das Grundvertrauen und stellt die gemeinsame Geschichte infrage. Dass „so viele” fremdgehen, macht den eigenen Fall nicht weniger schlimm – Statistik tröstet hier wenig.

Gleichzeitig zeigen die Zahlen: Untreue ist kein Randphänomen und kein Zeichen dafür, dass mit einer Person grundsätzlich etwas „nicht stimmt”. Sie ist menschlich, vielschichtig und selten monokausal.

Lässt sich eine Beziehung nach Untreue retten?

Belastbare Quoten dazu sind rar – auch hier fehlen amtliche Daten. Aus der Paartherapie-Praxis ist jedoch bekannt, dass viele Paare nach einem Vertrauensbruch zusammenbleiben und die Krise als Wendepunkt nutzen, während andere sich trennen. Pauschale Prozentwerte zur „Rettungsquote” wären unseriös.

Wer vor dieser Frage steht, findet im kompletten Guide zum Fremdgehen verzeihen und in der Anleitung Vertrauen nach Fremdgehen aufbauen fundierte Orientierung. Wie sich eine Partnerschaft nach einem Seitensprung neu ordnen lässt, beschreibt zudem der Ratgeber Beziehung nach Fremdgehen.

So liest du Fremdgeh-Statistiken richtig

Drei Faustregeln helfen, die kursierenden Zahlen einzuordnen:

1. Selbstauskunft beachten. Fast alle Zahlen beruhen auf Befragungen. Wegen des Schamfaktors sind sie eher Untergrenzen als exakte Werte.

2. Definition prüfen. „Fremdgehen” meint mal nur Sex, mal auch Küsse, Flirts oder emotionale Affären. Ohne Definition ist eine Prozentzahl wenig wert.

3. Quelle und Jahr nennen. Branchenstudien (ElitePartner, Parship) und wissenschaftliche Surveys (GSS) sind seriöse Quellen – aber sie messen Unterschiedliches und sind nicht direkt vergleichbar.

Wer diese drei Punkte mitdenkt, erkennt schnell, welche „Schockzahlen” im Netz seriös sind und welche reine Klick-Köder.

Quellen & Methodik

Alle Zahlen in diesem Artikel stammen aus den folgenden Quellen. Wichtig: Es handelt sich durchgehend um Umfrage- und Studiendaten auf Basis von Selbstauskünften – nicht um amtliche Statistik. Die Werte sind daher als Größenordnungen und Untergrenzen zu lesen.

Hinweis: Die genannten Prozentwerte beziehen sich auf das jeweils angegebene Erhebungsjahr. US-Daten (GSS) sind nicht unmittelbar auf Deutschland übertragbar und dienen der Einordnung des internationalen Forschungsstands.

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Menschen gehen fremd?

Laut der ElitePartner-Studie 2020 geben 31 Prozent der Frauen und 27 Prozent der Männer in Deutschland an, schon einmal in einer festen Beziehung untreu gewesen zu sein. Das sind Selbstauskünfte aus einer Umfrage – die echte Dunkelziffer dürfte höher liegen.

Gehen Männer oder Frauen häufiger fremd?

Das hängt von der Umfrage ab. In der ElitePartner-Studie 2020 lagen die Frauen mit 31 Prozent knapp vor den Männern mit 27 Prozent. Im US-amerikanischen General Social Survey berichten dagegen Männer häufiger von Untreue in der Ehe (20 gegenüber 13 Prozent). Bei jungen Erwachsenen ist der Abstand am kleinsten.

Was zählt überhaupt als Fremdgehen?

Das ist Definitionssache und verändert sich. Laut einer Parship-Umfrage 2024 werten 85 Prozent eine langfristige Affäre als Untreue, aber nur 57 Prozent einen Kuss. Frauen ziehen die Grenze tendenziell enger als Männer.

Sind Fremdgeh-Statistiken verlässlich?

Nur begrenzt. Fast alle Zahlen beruhen auf Selbstauskünften in Umfragen. Untreue ist schambehaftet, deshalb wird sie eher unter- als überberichtet. Die genannten Prozente sind also als Untergrenze und Größenordnung zu verstehen, nicht als exakte Messung.

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