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Hände binden einen zerbrochenen weißen Keramikteller mit Schnur zusammen

9. Hochzeitstag: Keramikhochzeit, Bedeutung und Geschenke

Der 9. Hochzeitstag heißt Keramikhochzeit. Was der Name bedeutet, was Kintsugi und die Forschung über Vergebung zeigen und welche Geschenke passen.

Laura Weber
Laura Weber
· 17 Min. Lesezeit

Im Nationalmuseum in Tokio liegt eine chinesische Teeschale aus dem 13. Jahrhundert mit einem Riss im Boden. Gesichert ist er mit einer Klammer, und nicht zuletzt dieser Reparatur verdankt die Schale ihren Ruhm. Wer neun Jahre verheiratet ist, ahnt vermutlich, warum sie hierhergehört: Auch Ehen kennen Brüche, und irgendwann zählt weniger, ob etwas kaputtgegangen ist, als wie man es wieder zusammengefügt hat.

Der 9. Hochzeitstag heißt Keramikhochzeit. Keramik wird im Feuer fest und trägt erstaunlich viel. Nachgiebig wird sie dadurch nicht: Wer sie fallen lässt, hat Scherben.

Um das, was danach kommt, geht es hier vor allem: um die japanische Reparaturtechnik Kintsugi und ihre Legende, um die Forschung zu Vergebung samt einem unbequemen Befund und darum, wie eine Entschuldigung ankommt.

Wie nennt man den 9. Hochzeitstag?

Der 9. Hochzeitstag heißt Keramikhochzeit. Unsere Übersicht aller Hochzeitstage und ihrer Bedeutung nennt als Zweitnamen die Gläserne und die Porzellanhochzeit, doch die Liste ist länger. Die deutschsprachige Wikipedia führt für das neunte Jahr sieben Namen und belegt sie mit einer Zusammenstellung der Gesellschaft für deutsche Sprache von 1992: Fayencehochzeit, Gläserne Hochzeit, Keramikhochzeit, Kristallhochzeit, Ochsenhochzeit, Porzellanhochzeit und Wasserhochzeit.

Einen verbindlichen Standard gibt es nicht, die Namen sind regional gewachsen. Auf einer Glückwunschkarte ist Keramikhochzeit die sichere Wahl. Gezählt wird in der Regel ab der standesamtlichen Trauung, denn nur sie schließt in Deutschland die Ehe. Mit dem neunten Hochzeitstag endet das neunte Ehejahr, das zehnte beginnt.

EhejahreNameAuch bekannt als
7Kupferne HochzeitKupferhochzeit, Wollene Hochzeit
8BlechhochzeitBlecherne Hochzeit, Bronze- oder Salzhochzeit
9KeramikhochzeitFayence-, Gläserne, Kristall-, Ochsen-, Porzellan- oder Wasserhochzeit
10Rosenhochzeitregional auch Hölzerne Hochzeit
11Stählerne HochzeitStahlhochzeit, Korallen- oder Fastnachtshochzeit

Ein Jahr vor der Keramikhochzeit liegt die Blechhochzeit, ein Jahr danach die Rosenhochzeit als erstes zweistelliges Ehejubiläum und zwei Jahre danach die Stahlhochzeit.

Porzellan und Kristall: Namen mit Doppelleben

Zwei der Zweitnamen führen leicht in die Irre. Die Porzellanhochzeit meint meist den 20. Hochzeitstag, dazu gibt es einen eigenen Beitrag zur Porzellanhochzeit. Die Kristallhochzeit gehört meist zum 15., wo auch die Gläserne Hochzeit wieder auftaucht, mehr im Beitrag zur Kristallhochzeit.

Auffällig ist, wie viele Namen dieses Jahres Stoffe vom gedeckten Tisch meinen. Porzellan und Fayence gehören selbst zur Keramik. Fayence ist laut DWDS Tonware mit meist weißer, deckender Zinnglasur, benannt nach der italienischen Stadt Faenza. Glas zählt der deutsche Sprachgebrauch nicht zur Keramik, der englische schon, wie ein Nachschlagewerk der Keramikindustrie festhält. Für Ochsen- und Wasserhochzeit haben wir keine belegte Erklärung gefunden, die Ochsenhochzeit steht in derselben Liste auch beim fünften und sechsten Jahr.

Weide oder Töpferware in Amerika

In der klassischen amerikanischen Liste des Emily Post Institute steht beim neunten Jahr „Willow or Pottery“, also Weide oder Töpferware, in der modernen Variante Leder. Das ist eine Entsprechung, über die Herkunft des deutschen Namens sagt sie nichts. Emily Posts Benimmbuch von 1922 nannte das neunte Jahr noch nicht, den Großteil der Liste füllte laut Institut erst 1937 ein amerikanischer Juwelierverband auf.

Was bedeutet die Keramikhochzeit?

Vorweg: Eine belegte Herleitung des Namens haben wir nicht gefunden, wie bei fast allen Hochzeitstagen. Die üblichen Deutungen laufen auf „fest, aber zerbrechlich“ hinaus. Das greift zu kurz. Drei nachprüfbare Eigenschaften des Materials tragen weiter.

Keramik entsteht im Feuer. Das Wort geht laut DWDS über das Französische auf griechisch kéramos zurück, das Töpfererde ebenso bezeichnete wie Ziegel, Topf und Krug. Keramische Werkstoffe werden in der Regel aus einer Rohmasse geformt und bekommen ihre typischen Eigenschaften erst beim Brennen bei hohen Temperaturen. So definiert es das Brevier Technische Keramik des Verbands der Keramischen Industrie.

Keramik verzeiht nichts. „Keramik ist spröde“, heißt es in der Einführung des Breviers. Metalle nennt es dort gutmütige Werkstoffe, die leichtere Konstruktionsfehler verzeihen, weil sie sich verformen und so Spannungsspitzen abbauen. Keramik bleibt formstabil, bis sie bricht. Dafür hält sie auf Druck enorm viel aus, ihre Druckfestigkeit kann das Zehnfache der Biege- und Zugfestigkeit erreichen.

Keramik besteht aus Scherben. In der Fachsprache heißt der gebrannte Werkstoff selbst der Scherben, so verzeichnet es das DWDS. Eine Tasse besteht also aus einem Scherben, lange bevor sie in Scherben geht.

Was das Bild für neun Ehejahre hergibt

Zu Ende gedacht, ist das ein genaueres Bild für neun Ehejahre. Vieles ist fest gebrannt: Abläufe, Rollen, das Wissen, wie der andere reagiert. Das trägt viel, gerade wenn Druck von außen kommt, ein krankes Kind, ein Jobwechsel, ein Umzug. Schlecht verträgt ein solches Gefüge Zug in verschiedene Richtungen und den Schlag an der falschen Stelle. Das Blech des achten Jahres bekommt Dellen, Keramik nicht: Sie hält, oder sie bricht. Und sie verzeiht nichts von selbst, das müssen die Menschen übernehmen, die sie benutzen. Auch das ist eine Deutung, keine Überlieferung.

Farben und Symbole ohne Beleg

Im Netz kursieren außerdem Farben und Symbole der Keramikhochzeit, etwa Blau und Weiß oder die Vase. Eine Überlieferung dafür haben wir nicht gefunden. Übernehmen könnt ihr sie trotzdem, nur eben als Idee, nicht als Tradition.

Was bedeutet es, 9 Jahre verheiratet zu sein?

Neun Jahre verheiratet heißt: Ihr feiert die Keramikhochzeit und beginnt euer zehntes Ehejahr. Wer 2026 feiert, hat 2017 geheiratet.

Für einen Teil dieses Jahrgangs war die Hochzeit ein Stück Rechtsgeschichte: Am 1. Oktober 2017 trat die Ehe für alle in Kraft, wie das Statistische Bundesamt zusammenfasst. Gleichgeschlechtliche Paare, die damals zu den Ersten gehörten, feiern in diesem Herbst ihren neunten Hochzeitstag. Bei umgewandelten Lebenspartnerschaften bleibt für Rechte und Pflichten nach § 20a Lebenspartnerschaftsgesetz der Tag maßgebend, an dem die Partnerschaft begründet wurde. Welches Datum ihr feiert, entscheidet ihr selbst.

Was die Forschung über die Zufriedenheit rund um das zehnte Beziehungsjahr sagt, steht im Beitrag zur Rosenhochzeit, wie sich das Scheidungsrisiko über die Ehejahre verteilt, im Beitrag zur Kristallhochzeit. In vielen Ehen hat sich nach neun Jahren zudem etwas angesammelt, das in keiner Statistik auftaucht: ihre eigenen Brüche. Der Satz, der sich nicht zurückholen ließ. Das Versprechen, das nicht gehalten wurde. Wie Paare damit umgehen, ist Thema der nächsten Abschnitte.

Was ist Kintsugi, und was hat es mit der Keramikhochzeit zu tun?

Im Beitrag zur Porzellanhochzeit taucht Kintsugi kurz als Bild auf. Ein genauerer Blick lohnt, denn um die Technik rankt sich eine Legende.

Kintsugi heißt übersetzt etwa goldenes Fügen. Zerbrochene Keramik wird dabei in aufwendiger Technik mit Urushi-Lack und Goldpuder restauriert, so beschreibt es das Hetjens, das Deutsche Keramikmuseum in Düsseldorf. Urushi ist der ostasiatische Lack, gewonnen aus dem Saft des Lackbaums, wie der Landschaftsverband Westfalen-Lippe beschreibt. Auch das deutsche Wort Kitt geht laut DWDS auf eine indogermanische Wurzel für Harz zurück. Der Bruch wird beim Kintsugi nicht versteckt, sondern nachgezeichnet.

Die Schale mit der Heuschrecke

Eine oft erzählte Geschichte dazu handelt von der Seladon-Schale im Tokioter Nationalmuseum, die in Japan als Wichtiges Kulturgut ausgewiesen ist. Laut der Objektbeschreibung der japanischen Nationalinstitute für Kulturerbe, die sich auf eine Schrift von 1727 stützt, bekam die Schale einen Riss am Boden, als sie Shogun Ashikaga Yoshimasa gehörte, der von 1449 bis 1473 regierte. Er schickte sie nach China, um sie gegen eine gleichwertige zu tauschen. Weil es dort keine Schale dieser Qualität mehr gab, kam sie zurück, der Riss nur mit einer Klammer gesichert. Die Klammer sah aus wie eine große Heuschrecke, daher der Name Bakōhan, und die Schale wurde danach noch höher geschätzt.

Weitererzählt wird die Geschichte meist anders: Yoshimasa habe sich über die plumpe Klammer geärgert, und japanische Handwerker hätten daraufhin das Kitten mit Gold erfunden. Das ist eine Legende. In der Objektbeschreibung ist weder von Ärger noch von Gold die Rede, und einen Beleg für die Erfindungsgeschichte haben wir nicht gefunden. Den Teil mit Yoshimasa hält die Beschreibung dagegen für glaubwürdiger als den älteren Teil der Überlieferung und verweist dafür auf die Besitzgeschichte der Schale.

Die Naht bleibt sichtbar

Die überlieferte Fassung ist fast das bessere Bild für eine Ehe: Eine Schale wurde nicht trotz, sondern mit ihrer Reparatur wertvoller. Kintsugi setzt allerdings zweierlei voraus. Jemand muss die Scherben aufheben, statt sie wegzukehren. Und beide müssen damit leben, dass die Naht sichtbar bleibt. Wie Paare mit Brüchen umgehen, untersucht die Paarforschung unter dem Stichwort Vergebung.

Hilft Vergebung einer Ehe?

Die Forschung versteht unter Vergebung etwas Bestimmtes. Frank Fincham, Steven Beach und Joanne Davila beschreiben sie als inneren Wandel: Der Wunsch, es dem anderen heimzuzahlen oder ihm aus dem Weg zu gehen, lässt nach, und es entsteht wieder Wohlwollen. Vergeben heißt nicht, das Geschehene gutzuheißen. Und es ist nicht dasselbe wie Versöhnung, denn die stellt die Beziehung wieder her und braucht deshalb beide.

Die Studie: Vergebung und Streitkultur

2004 veröffentlichten die drei im Journal of Family Psychology zwei Studien zu der Frage, ob Vergebung mit besserer Konfliktlösung in der Ehe zusammenhängt. An der ersten nahmen 52 britische Ehepaare aus South Wales teil, alle im dritten Jahr ihrer ersten Ehe. Jeder Partner dachte an den Vorfall, bei dem er sich vom anderen am meisten verletzt oder ungerecht behandelt gefühlt hatte, und gab an, wie er reagiert hatte: wohlwollend, etwa „Ich habe meinem Partner bald vergeben“, oder auf Vergeltung aus, etwa „Ich habe überlegt, wie ich es ihm heimzahlen kann“. Die zweite Studie umfasste 96 Ehepaare aus dem Raum Buffalo im US-Bundesstaat New York, Eltern einer Tochter in der achten Klasse, im Schnitt Anfang 40 und fast alle weiß. Sie fragte nach einer Kränkung aus den letzten sechs Monaten und erfasste zusätzlich den Rückzug, etwa die kalte Schulter.

Durchdacht war die Anlage: Wie gut ein Paar Konflikte löst, schätzte jeweils der andere Partner ein, etwa anhand der Aussage „Unsere Streits bleiben ungelöst in der Luft hängen“. Und die Ehezufriedenheit beider wurde herausgerechnet, damit nicht bloß herauskommt, dass zufriedene Paare besser streiten.

Das Ergebnis ähnelte sich in beiden Studien, unterschied sich aber nach Geschlecht. Männer, deren Frauen wohlwollender vergeben hatten, berichteten von besserer Konfliktlösung. Frauen, deren Männer auf Vergeltung (erste Studie) oder Rückzug (zweite Studie) aus waren, berichteten von schlechterer. Das Wohlwollen der Männer und die negativen Reaktionen der Frauen spielten in der Gesamtrechnung keine eigenständige Rolle. Die Autoren halten für möglich, dass dahinter allgemeine Unterschiede im Streitverhalten stecken.

Was die Studie nicht beweist

  • Zusammenhang, keine Ursache. Vergebung und Streitverhalten wurden zum selben Zeitpunkt erhoben, kausale Schlüsse lassen die Daten laut den Autoren nicht zu.
  • Kleine, ausgewählte Gruppen. Die Paare waren nicht zufällig ausgewählt, ihre Einteilung der Vergebung nennen die Forschenden vorläufig.
  • Mittlere Kränkungen. Ob die Ergebnisse auch für schwere Verletzungen wie Untreue oder Gewalt gelten, lassen die Autoren ausdrücklich offen.
  • Selbstauskunft im Rückblick. Wie wohlwollend jemand vergeben hatte, gaben die Befragten selbst an, teils Monate später.

Ein Jahr später

2007 legten Fincham, Beach und Davila eine Nachuntersuchung vor. Von den 96 Familien der zweiten Studie nahmen zwölf Monate später 86 erneut teil. Frauen, die anfangs wohlwollender vergeben hatten, hatten Männer, die ein Jahr später von besserer Konfliktlösung berichteten. Das galt auch, wenn berücksichtigt wurde, wie gut das Paar anfangs gestritten hatte, wie zufrieden die Frau war und wie sehr die Kränkung wehgetan hatte. Für die Vergebung der Männer fand sich kein solcher Zusammenhang, was die Autoren vor allem darauf zurückführen, dass sich die Angaben der Frauen zur Konfliktlösung über das Jahr kaum veränderten. Auch diese Daten bleiben korrelativ, und die Autoren räumen ein, dass die Richtung umgekehrt sein könnte: Ungelöster Streit könnte ebenso das Vergeben erschweren.

Die Kehrseite des Vergebens

Dass Vergebung kein Allheilmittel ist, zeigt eine Studie von James McNulty von der University of Tennessee, 2008 ebenfalls im Journal of Family Psychology erschienen. Er begleitete 72 frisch verheiratete Paare, im Schnitt Anfang bis Mitte zwanzig, über rund zwei Jahre mit vier Befragungen. Die Vergebungsbereitschaft erfasste er mit ausgedachten Szenen, etwa: Der Partner kommt nach einem langen Tag nach Hause, fährt einen an und beleidigt einen. Wie oft sich die Partner tatsächlich abwertend äußerten, erhob er über die Angaben beider und über gefilmte Gespräche zu Konfliktthemen.

Zu Beginn waren vergebungsbereitere Ehepartner zufriedener. Im Durchschnitt aller Paare hing die Vergebungsbereitschaft nicht damit zusammen, wie sich die Ehe über die zwei Jahre entwickelte. Es kam auf das Gegenüber an. Wer einen Partner hatte, der sich selten negativ verhielt, blieb umso zufriedener, je vergebungsbereiter er war. Wer einen Partner hatte, der sich häufig negativ verhielt, verlor umso mehr an Zufriedenheit, je vergebungsbereiter er war. Ähnlich bei den Eheproblemen der Männer: Hatten sie eine häufig abwertende Frau, berichteten sie umso stärker wachsende Probleme, je vergebungsbereiter sie waren. Bei weniger vergebungsbereiten Männern blieben die Probleme etwa gleich schwer. McNulty vermutet, dass Vergebung dem anderen den Anlass nehmen kann, sich zu ändern. In dieser Studie geprüft hat er das nicht, wohl aber später mit denselben Paaren: Wer eher bereit war, dem Partner Vergebung auszusprechen, erlebte dessen psychische und körperliche Aggression über die ersten vier Ehejahre auf etwa gleichem Niveau, bei weniger Vergebungsbereiten ging sie zurück. Auch das ist ein Zusammenhang, kein Experiment. Die Stichprobe war klein und jung, die Effekte zeigten sich nicht mit jedem Maß für negatives Verhalten, und McNulty selbst mahnt weitere Forschung an.

Zusammengenommen spricht einiges dafür, dass wohlwollendes Vergeben mit besserem Streiten zusammenhängt, bei den Frauen der Nachuntersuchung noch ein Jahr später. Ob es auch mit einer zufriedeneren Ehe einhergeht, scheint aber davon abzuhängen, wie sich der andere verhält.

Wie gelingen Entschuldigung und Versöhnung?

Ein Rezept liefern die Studien nicht, wohl aber Anhaltspunkte. Sie beginnen bei dem, der verletzt hat.

Aufschlussreich ist ein Befund von Roy Lewicki und Kollegen, 2016 in der Fachzeitschrift Negotiation and Conflict Management Research erschienen. In zwei Experimenten bewerteten laut einer Pressemitteilung der Ohio State University 755 Menschen, 333 Erwachsene online und 422 Studierende, Entschuldigungen mit einem bis sechs Bausteinen: Bedauern ausdrücken, erklären, was schiefging, Verantwortung übernehmen, Reue bekunden, Wiedergutmachung anbieten, um Vergebung bitten. Je mehr Bausteine, desto wirksamer wurde eine Entschuldigung eingeschätzt. Am meisten zählte das Eingeständnis der Verantwortung, danach das Angebot zur Wiedergutmachung, am wenigsten die Bitte um Vergebung. Die Einschränkung ist erheblich: Bewertet wurde die Entschuldigung eines Bewerbers, der in einem früheren Job eine fehlerhafte Steuererklärung eingereicht hatte, und zwar nur gelesen, nicht gehört. Paare wurden nicht untersucht.

Übertragen auf die Ehe, mit der gebotenen Vorsicht:

  1. Den Fehler ohne Aber benennen. „Ich habe dich vor deinen Eltern bloßgestellt. Das war falsch.“ Ein angehängtes „aber du hast auch …“ eröffnet den nächsten Streit.
  2. Etwas anbieten. „Ich rufe deine Mutter morgen an und stelle das richtig.“
  3. Vergebung nicht einfordern. Ob und wann der andere vergibt, entscheidet er. Einen inneren Wandel kann man nicht bestellen.
  4. Vergeben heißt nicht gutheißen. Wer verletzt wurde, kann Wohlwollen zurückgewinnen, ohne die Kränkung kleinzureden.
  5. Offene Enden suchen. Die Aussage aus dem Fragebogen der Studie taugt als Frage zum Hochzeitstag: Welcher Streit hängt bei uns ungelöst in der Luft?
  6. Nicht jeden Bruch nur kitten. Äußert sich einer immer wieder abwertend, spricht McNultys Befund dagegen, dass Vergeben allein weiterhilft. Dann gehört auf den Tisch, was sich ändern soll, notfalls mit Paarberatung. Wo Gewalt im Spiel ist, geht Schutz vor.

Wie eine Entschuldigung aufgebaut sein kann, beschreibt der Beitrag Richtig entschuldigen, Rituale für danach sammelt der Beitrag über Versöhnung nach dem Streit. Was eine Ehe jenseits der Brüche trägt, steht in den Beiträgen zur Seidenhochzeit über kleine Momente und zur Kupferhochzeit über gemeinsame neue Erlebnisse.

Was schenkt man zum 9. Hochzeitstag?

Beim Geschenk zum 9. Hochzeitstag ist der Materialname ein Stichwort, kein Auftrag. Keramik hat dabei einen Vorteil: Sie lässt sich benutzen, statt nur herumzustehen.

IdeeBezugPasst, wenn …
Zwei handgemachte Becher aus einer Töpferei in eurer NäheKeramikihr lieber benutzt als aufstellt
Töpferkurs zu zweit, in dem beide Anfänger sindKeramik, gemeinsam Neuesihr gern mit den Händen arbeitet
Kintsugi-Kurs oder -Set, um ein zerbrochenes Lieblingsstück gemeinsam zu reparierenKintsugibei euch etwas zu Bruch gegangen ist, das ihr behalten wollt
Bemalte Fayence-Fliese mit dem HochzeitsdatumFayencehochzeitihr etwas für Küche oder Flur sucht
Picknickkorb aus Weide, darin zwei Keramikbecheramerikanische Entsprechungihr gern draußen seid
Ein Brief über einen Bruch, den ihr gemeinsam repariert habtGoldnahtes persönlich sein soll

Beim Kintsugi-Set oder -Kurs lohnt ein Blick aufs Material. Nicht jedes Angebot arbeitet mit echtem Urushi-Lack, der Workshop im Hetjens etwa ausdrücklich mit schnell zu verarbeitenden Ersatzstoffen. Fragt nach, ob das reparierte Stück wieder mit Lebensmitteln in Berührung kommen darf. Im Zweifel wird aus der geflickten Müslischale eine Schale fürs Regal. Bei echtem Urushi-Lack gehört außerdem Hautschutz dazu: Das darin enthaltene Urushiol hat bei Kintsugi-Arbeiten schon allergische Kontaktekzeme ausgelöst.

Als Gast liegst du mit einer kleinen Keramik aus einer Töpferei der Region oder mit geschenkter Zeit richtig, bei Eltern kleiner Kinder etwa mit einem Abend Kinderbetreuung.

Wie gratuliert man zum 9. Hochzeitstag?

Klein und persönlich. Die Keramikhochzeit gehört nicht zu den Jubiläen, zu denen man groß einlädt, eine Nachricht oder Karte am Tag selbst genügt. Drei Dinge machen den Glückwunsch besser:

  1. Den Namen nennen. Nicht jedes Paar weiß, dass sein neunter Hochzeitstag Keramikhochzeit heißt. Schon der Hinweis ist ein Gruß mit Inhalt.
  2. Konkret werden. Eine eigene Erinnerung an die beiden oder ein Satz darüber, was du an ihnen magst, sagt mehr als jede Formel.
  3. Mit Scherben vorsichtig sein. Anspielungen auf Bruch liegen bei Keramik nahe, landen aber schnell falsch, wenn das Paar ein schweres Jahr hinter sich hat. Die Goldnaht ist die freundlichere Variante.

Sprüche zum Übernehmen oder Anpassen:

Kurz, für Karte oder Nachricht

  • „Neun Jahre, im Feuer gebrannt und jeden Tag in Gebrauch. Alles Gute zur Keramikhochzeit!“
  • „Keramik trägt viel, wenn die Last gut verteilt ist. Ihr zeigt seit neun Jahren, wie das geht.“
  • „Auf neun Jahre, in denen ihr nicht nur geklebt, sondern vergoldet habt.“

Von Eltern oder Schwiegereltern

  • „Liebe Hanna, lieber Emre, vor neun Jahren haben wir mit euch gefeiert. Zur Keramikhochzeit schenken wir euch einen Abend in der Töpferwerkstatt. Was dabei zu Bruch geht, zählt als Glück.“

Für den eigenen Partner oder die eigene Partnerin

  • „Neun Jahre. Nicht alles ist heil geblieben, aber alles, was wir zusammen repariert haben, hält.“

Weitere Formulierungen nach Absender, Ehejahr und Ton sammelt der Beitrag mit Glückwünschen zum Hochzeitstag. Was du besser weglässt: Scheidungswitze, Fragen nach weiteren Kindern und das verflixte siebte Jahr, das rechnerisch längst hinter den beiden liegt.

Wie kann man die Keramikhochzeit feiern?

Einen festen Brauch gibt es nicht, ihr könnt den Tag frei gestalten. Drei Formate passen zu diesem Jahr:

  • Werkstattabend. An der Töpferscheibe oder in einem Café, in dem man Keramik selbst bemalt. Gebrannt wird meist erst danach, abholen könnt ihr die Stücke zusammen.
  • Der Goldnaht-Abend. Jeder schreibt vorher einen Bruch aus den neun Jahren auf, den ihr gemeinsam repariert habt, und was dabei geholfen hat. Lest euch die Zettel beim Essen vor.
  • Das Hochzeitsgeschirr decken. Holt heraus, was ihr zur Hochzeit bekommen habt. Was inzwischen fehlt oder angeschlagen ist, hat meist eine eigene Geschichte.

Weitere Vorschläge, von günstig bis aufwendig, stehen in der Sammlung Hochzeitstag feiern.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der 9. Hochzeitstag heißt Keramikhochzeit. Die deutschsprachige Wikipedia nennt, gestützt auf eine Sammlung der Gesellschaft für deutsche Sprache von 1992, außerdem Fayence-, Gläserne, Kristall-, Ochsen-, Porzellan- und Wasserhochzeit. Porzellanhochzeit meint meist den 20., Kristallhochzeit meist den 15. Hochzeitstag. Wer 2026 feiert, hat 2017 geheiratet.
  • Eine belegte Herkunft des Namens haben wir nicht gefunden. Die Deutung stützt sich auf das Material: Keramik wird im Brand fest und hält auf Druck viel aus, bleibt aber spröde.
  • Kintsugi zeichnet Bruchlinien mit Lack und Gold nach. Dass ein Shogun die Technik ausgelöst habe, ist eine Legende. Überliefert ist eine Teeschale, die mit ihrer Klammer höher geschätzt wurde.
  • Vergebung hängt in zwei Studien mit besserem Streiten zusammen. Vergaben Frauen wohlwollender, berichteten ihre Männer von besserer Konfliktlösung. Waren Männer auf Vergeltung oder Rückzug aus, berichteten ihre Frauen von schlechterer. Das sind Zusammenhänge, keine Belege für Ursache und Wirkung.
  • Vergeben ist kein Allheilmittel. In einer Studie mit Frischverheirateten sank bei häufig abwertendem Partner die Zufriedenheit der Vergebungsbereiten stärker.
  • Beim Entschuldigen zählen Verantwortung und Wiedergutmachung, die Bitte um Vergebung am wenigsten, zumindest in Experimenten mit einer Szene aus dem Berufsleben.
  • Das passende Geschenk ist Keramik, die benutzt wird, oder ein Nachmittag, an dem ihr gemeinsam etwas formt oder repariert.

Häufig gestellte Fragen

Wie heißt der 9. Hochzeitstag?

Der 9. Hochzeitstag heißt Keramikhochzeit. Die deutschsprachige Wikipedia nennt für dieses Jahr, gestützt auf eine Sammlung der Gesellschaft für deutsche Sprache von 1992, außerdem Fayence-, Gläserne, Kristall-, Ochsen-, Porzellan- und Wasserhochzeit. Porzellanhochzeit meint allerdings meist den 20. und Kristallhochzeit meist den 15. Hochzeitstag. Einen verbindlichen Standard für die Namen gibt es nicht, sie sind regional gewachsen. Wer 2026 die Keramikhochzeit feiert, hat 2017 geheiratet.

Warum heißt der 9. Hochzeitstag Keramikhochzeit?

Eine belegte Herleitung des Namens haben wir nicht gefunden, die gängigen Erklärungen sind Deutungen. Sie stützen sich auf das Material: Keramik wird erst im Brand fest und hält auf Druck sehr viel aus, bleibt aber spröde. Anders als Metall verformt sie sich nicht, bevor sie nachgibt, sie hält oder bricht. Als Bild für neun Ehejahre heißt das: Vieles ist fest geworden, Brüche bleiben trotzdem möglich. Dazu passt die japanische Reparaturtechnik Kintsugi, bei der Bruchlinien mit Lack und Goldpulver nachgezeichnet statt versteckt werden.

Was schenkt man zur Keramikhochzeit?

Am besten Keramik, die benutzt wird, oder ein gemeinsames Erlebnis mit dem Material. Passend sind etwa zwei handgemachte Becher aus einer Töpferei, ein Töpferkurs, in dem beide Anfänger sind, eine bemalte Fayence-Fliese mit dem Hochzeitsdatum oder ein Kintsugi-Kurs, in dem ihr ein zerbrochenes Lieblingsstück gemeinsam repariert. Bei Kintsugi-Sets und -Kursen lohnt der Blick darauf, ob mit echtem Urushi-Lack oder mit Ersatzstoffen gearbeitet wird und ob das reparierte Stück wieder mit Lebensmitteln in Berührung kommen darf.

Tut Vergeben einer Ehe gut?

Einiges spricht dafür, dass wohlwollendes Vergeben mit besserem Streiten zusammenhängt, ein Allheilmittel ist es aber nicht. In zwei Studien von Frank Fincham, Steven Beach und Joanne Davila (2004) mit 52 britischen und 96 US-amerikanischen Ehepaaren berichteten Männer, deren Frauen wohlwollender vergeben hatten, von besserer Konfliktlösung, und Frauen, deren Männer auf Vergeltung oder Rückzug aus waren, von schlechterer. Die Daten zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen. In einer US-Studie von James McNulty (2008) mit 72 frisch verheirateten Paaren blieben vergebungsbereitere Partner über zwei Jahre zufriedener, wenn sich der andere selten negativ verhielt. Verhielt er sich häufig negativ, sank ihre Zufriedenheit stärker.

Wie entschuldigt man sich so, dass es ankommt?

Vermutlich am ehesten, indem man Verantwortung übernimmt und Wiedergutmachung anbietet. In zwei Experimenten von Roy Lewicki und Kollegen (2016) bewerteten 755 Menschen Entschuldigungen mit bis zu sechs Bausteinen. Je mehr Bausteine, desto wirksamer wurde eine Entschuldigung eingeschätzt. Am meisten zählte das Eingeständnis der Verantwortung, danach das Angebot zur Wiedergutmachung, am wenigsten die Bitte um Vergebung. Die Teilnehmenden lasen allerdings die Entschuldigung eines Bewerbers aus dem Berufsleben, Paare wurden nicht untersucht. Übertragen auf die Ehe heißt das, mit Vorsicht: den Fehler ohne Aber benennen, etwas anbieten und die Vergebung dem anderen überlassen.

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