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23. Hochzeitstag: Titanhochzeit, Bedeutung und Geschenke

Der 23. Hochzeitstag heißt im Netz meist Titanhochzeit. Was das Metall über Zusammenwachsen erzählt, was Studien über das Wir sagen, dazu Geschenke und Sprüche.

Dr. Thomas Peters
Dr. Thomas Peters
· 20 Min. Lesezeit

Eigentlich wollte Per-Ingvar Brånemark die kleinen Kammern aus Titan nach dem Versuch wiederverwenden. Der schwedische Arzt hatte sie Kaninchen in die Beinknochen geschraubt, um mit einer eingebauten Optik die feinsten Blutgefäße zu fotografieren. Doch die Kammern ließen sich nicht mehr lösen. Der Knochen war direkt an das Metall gewachsen.

Für den 23. Hochzeitstag, der im Netz meist Titanhochzeit heißt, ist das ein besseres Bild als die üblichen Sprüche über ein unverwüstliches Metall. Zwei sehr verschiedene Dinge sind zusammengewachsen, und keins hat aufgehört, es selbst zu sein. Vorweg das Ehrliche: Woher der Name stammt, ist unklar.

Nach 23 Jahren ist bei den meisten Paaren vieles verwachsen, oft auch die Sprache: Aus „ich“ und „du“ ist in vielen Sätzen ein „wir“ geworden. Die Paarforschung hat gezählt, wie oft Eheleute „wir“ sagen. Das Ergebnis: Das Wir zeigt etwas an, aber es ist kein Zauberwort.

Wie heißt der 23. Hochzeitstag?

Ob der 23. Hochzeitstag einen überlieferten Namen hat, lässt sich nicht sicher sagen. Im Netz heißt er fast überall Titanhochzeit, auf Hochzeits-, Geschenk- und Ratgeberseiten. Woher der Name kommt, sagt keine der Seiten, die wir uns angesehen haben.

Die deutschsprachige Wikipedia stützt ihre Liste der Hochzeitstage weitgehend auf die Sammlung „Hochzeitstagenamen“, die 1992 in „Der Sprachdienst“ erschien, der Zeitschrift der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS). Derzeit springt die Liste von der Porzellanhochzeit nach 20 direkt zur Silberhochzeit nach 25 Jahren. Beim 23. Jahr standen dort schon in der ersten Fassung des Wikipedia-Artikels von 2004 die Beryll- und die Titanhochzeit. Danach wurden die Einträge mehrmals gestrichen und wieder eingefügt: Von 2012 bis 2014 verwiesen sie ausdrücklich auf die GfdS-Sammlung, zuletzt standen sie von Mai 2023 bis März 2026 ohne Quelle in der Liste und wurden dann als unbelegt entfernt.

Die GfdS-Sammlung selbst ist online nicht lesbar. Die Volltextsuche bei Google Books zeigt aber, wenn auch nicht bei jedem Aufruf, kurze Ausschnitte aus der automatischen Texterkennung. Danach steht das Wort Titanhochzeit auf Seite 182 von Heft 6/1992, also in der Sammlung selbst. Es taucht dort in einer Liste auf, im selben Ausschnitt wie „23 Beryllhochzeit“. Das Jahresregister des Bandes verweist für Titanhochzeit auf die Seiten 182 und 187. Weil die Texterkennung die Spalten der Liste durcheinanderbringt, lässt sich die Zuordnung zum 23. Jahr daraus nicht sicher ablesen. Deutlicher ist ein Ausschnitt zur Beryllhochzeit: „Beryllhochzeit 23 F“, wobei F laut der Abkürzungsliste der Sammlung für Frankreich steht. Den Namen Titanhochzeit gab es also offenbar schon 1992, wahrscheinlich für das 23. Jahr. Woher er stammt, zeigen die Ausschnitte nicht. Jahrhundertealt dürfte er kaum sein, sofern er auf das Metall anspielt: Als Werkstoff wird Titan erst seit 1948 kommerziell hergestellt.

Auch die Übersicht des österreichischen Serviceportals oesterreich.gv.at und die englische Liste des Emily Post Institute springen vom 20. direkt zum 25. Jahr.

Wer 2026 den 23. Hochzeitstag feiert und damit 23 Jahre verheiratet ist, hat 2003 geheiratet. Gezählt wird in der Regel ab der standesamtlichen Trauung, denn nur sie schließt in Deutschland die Ehe. Die Nachbarjahre im Überblick:

EhejahreName
21im Netz meist Opalhochzeit, Herkunft unklar
22im Netz meist Bronzehochzeit, Herkunft unklar
23im Netz meist Titanhochzeit, Herkunft unklar
24im Netz meist Satinhochzeit, Herkunft unklar
25Silberhochzeit

Wie die übrigen Jahre heißen und warum sich die Listen so oft widersprechen, erklärt unsere Übersicht der Hochzeitstage und ihrer Bedeutung.

Geheiratet 2003

2003 wurden in Deutschland rund 383.000 Ehen geschlossen (Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, BiB). Ledige Frauen waren bei der Hochzeit im Schnitt 29,0 Jahre alt, ledige Männer 32,0 (BiB). Wer in diesem Alter geheiratet hat, ist heute 52 beziehungsweise 55.

Das ist eine Überschlagsrechnung mit Durchschnittswerten, viele Paare, die jetzt feiern, dürften zwischen Ende 40 und Mitte 50 sein. Wer bald nach der Hochzeit Kinder bekam, hat heute Jugendliche oder junge Erwachsene, und manche packen gerade ihre Kisten. Was der Auszug mit einer Ehe macht, beschreibt der Artikel zur Türkishochzeit.

Was bedeutet die Titanhochzeit?

Wer nach der Bedeutung sucht, liest meist dieselbe Erklärung: Titan sei hart, leicht und unverwüstlich, und so könne auch einer Ehe nach 23 Jahren kaum noch etwas anhaben. Eine überlieferte Bedeutung haben wir nicht gefunden, es ist eine Deutung. Leicht stimmt, unverwüstlich nur halb. Und das Erstaunlichste an diesem Metall kommt in der üblichen Erklärung gar nicht vor.

Ein Name, der nichts bedeuten sollte

Titan ist ein chemisches Element mit der Ordnungszahl 22. Ein erstes Titanmineral fand 1791 der Pfarrer William Gregor in Cornwall. 1795 stieß der Berliner Chemiker Martin Heinrich Klaproth in einem Mineral aus Ungarn auf dasselbe Element, wie sich später zeigte, so die Royal Society of Chemistry (RSC).

Klaproth gab dem Element seinen Namen, und zwar mit Absicht einen, der nichts verrät. Lasse sich für einen neuen Stoff kein Name finden, der auf seine Eigenschaften verweist, wähle er lieber eine Benennung, die „an sich gar nichts sagt“ und deshalb keine falschen Vorstellungen wecken kann. Also entlehnte er sie, wie zuvor beim Uran, der Mythologie, „von den Ursöhnen der Erde, den Titanen“. So steht es in seinen „Beiträgen zur chemischen Kenntniß der Mineralkörper“ von 1795. Mit Stärke hatte die Wahl nichts zu tun.

Häufig, aber schwer zu gewinnen

Selten ist Titan nicht. Laut dem US Geological Survey (USGS) ist es das neunthäufigste Element der Erdkruste und steckt in fast allen Gesteinen. Rein kommt es aber nicht vor, weil es sich bereitwillig mit Sauerstoff verbindet. Erst 1910 gelang es, reines Titan herzustellen, und erst seit 1948 wird das Metall kommerziell erzeugt, schreibt der USGS.

Möglich machte das ein Verfahren des Luxemburgers Wilhelm Kroll, dessen US-Patent 1940 erteilt wurde und das laut der National Inventors Hall of Fame bis heute die wichtigste Methode ist: Aus dem Erz wird Titantetrachlorid, das mit Magnesium zu porösem Metall reduziert wird, dem Titanschwamm.

Der Aufwand lohnt sich wegen einer seltenen Kombination. Titan ist laut RSC ähnlich fest wie Stahl, aber deutlich leichter: Ein Kubikzentimeter wiegt rund 4,5 Gramm, bei Stahl sind es rund 7,8 (Universität Stuttgart). Deshalb steckt es in Flugzeugen und Raumfahrzeugen, aber auch in Fahrrädern, Laptops und Gehhilfen.

Die Schutzschicht, die sich selbst erneuert

Dass Titan selbst Meerwasser widersteht, liegt nicht daran, dass es nichts an sich heranlässt. An der Luft überzieht es sich von selbst mit einer schützenden Oxidschicht (Prando und Kollegen, 2017), die nur wenige Nanometer dick ist. Kommt es an winzigen Stellen zu Schäden, schließt sich die Schicht rasch wieder (Eliaz, 2019). Ganz unverwundbar ist Titan trotzdem nicht: Unter besonders harten Bedingungen kann es durchaus korrodieren.

Wie Knochen an Titan anwächst

Wann genau Brånemark merkte, dass seine Titankammern im Knochen festsaßen, wird unterschiedlich angegeben: Häufig liest man 1952, das dänische Nachschlagewerk Lex nennt 1962, die Brånemark-Kliniken sprechen von den späten 1950er-Jahren. Belegt ist, was er daraus machte. Er prägte den Begriff Osseointegration, von lateinisch os, Knochen, und arbeitete an der Universität Göteborg daran, das Phänomen für Patienten nutzbar zu machen, so die National Inventors Hall of Fame.

1965 setzte sein Team einem Mann, dessen Unterkiefer zahnlos war, vier Titanimplantate als Halt für eine Zahnprothese ein. Als der Patient 41 Jahre später starb, saßen laut Lex alle vier noch fest. Heute ist Osseointegration eine Standardmethode der Zahnmedizin, und Titan steckt laut RSC auch in künstlichen Gelenken, vor allem Hüften.

Was Osseointegration genau bedeutet, beschrieb die Göteborger Gruppe 1981, nach 15 Jahren und mehr als 2.700 Implantaten, so: eine feste, direkte und dauerhafte Verbindung zwischen lebendem Knochen und Titanimplantat, ohne Gewebe dazwischen (Adell und Kollegen, 1981). Erreichen und erhalten lasse sie sich nur mit schonendem Vorgehen beim Einsetzen, langer Einheilzeit und einer Belastung, die sich gut verteilt.

Was das Bild für eine Ehe hergibt

Überliefert ist keine der folgenden Deutungen, wir leiten sie aus der Materialkunde ab:

  • Verbunden, ohne zu verschmelzen. Knochen wächst direkt an Titan an, ohne Gewebe dazwischen. Trotzdem bleibt das Titan Titan und der Knochen Knochen. Ein besseres Bild für ein Wir, in dem keiner verschwindet, ist schwer zu finden.
  • Zusammenwachsen braucht Schonung, Zeit und verteilte Last. So beschrieben es Brånemarks Leute für das Implantat. Für eine Ehe klingt das erstaunlich vertraut.
  • Schutz durch Reaktion. Titan schützt sich nicht durch Abschottung, sondern weil es auf seine Umgebung reagiert.

Was verrät das Wir über eine Ehe?

Wie sehr ein Paar zusammengewachsen ist, hört man oft an seiner Sprache. Ob das Wir mehr ist als eine Gewohnheit, hat die Psychologie mit einer schlichten Methode untersucht: Sie zählt die Pronomen in Gesprächen von Paaren.

Die Berkeley-Studie: Paare im Streit

Nah an eurer Lebensphase ist eine Studie aus dem Labor von Robert Levenson an der University of California in Berkeley (Seider, Hirschberger, Nelson & Levenson, 2009). Ausgewertet wurden 154 Ehepaare aus der Gegend um Berkeley, alle in erster Ehe: 80 mittelalte Paare, Anfang bis Mitte 40 und seit mindestens 15 Jahren verheiratet, und 74 ältere, Anfang 60 und seit mindestens 35 Jahren verheiratet. Die Daten stammen aus den Jahren 1989 und 1990.

Jedes Paar sprach 15 Minuten lang über ein Streitthema aus der eigenen Ehe, vor der Kamera und mit Sensoren unter anderem für Herzschlag, Durchblutung und Hautleitfähigkeit. Danach wurden die Pronomen gezählt: Wir-Wörter wie wir, uns und unser machten im Schnitt gut ein Prozent aller Wörter aus, Ich- und Du-Wörter rund sieben Prozent.

  • Die älteren Paare sagten häufiger „wir“ als die mittelalten.
  • Mehr Wir, freundlicherer Streit. Wer mehr Wir-Wörter benutzte, zeigte weniger Ärger, Verachtung oder herrisches Auftreten, ebenso sein Partner. Der zeigte zudem ruhigere Herz-Kreislauf-Werte und mehr positives Verhalten wie Humor und Zuneigung, Letzteres allerdings nur knapp statistisch abgesichert.
  • Mit der Zufriedenheit hing das Wir nicht zusammen, anders als die Forscher erwartet hatten. Wohl aber das Gegenstück: Wer viele Ich- und Du-Wörter benutzte, verhielt sich im Gespräch negativer und war mit seiner Ehe weniger zufrieden, am deutlichsten bei den älteren Paaren, vor allem mit Blick auf die Frauen.

Die Zusammenhänge waren eher klein. Die Autoren lesen daraus, dass das Wir im Streit beruhigt, vor allem den anderen. Belegt ist das nicht, die Studie zeigt Zusammenhänge zu einem einzigen Zeitpunkt. Ob die Älteren wegen ihres Alters öfter „wir“ sagten, wegen der längeren Ehe oder als Angehörige einer anderen Generation, lässt sich nach Angaben der Autoren nicht trennen. Und die Paare stammten überwiegend aus der weißen, gut gebildeten oberen Mittelschicht.

30 Studien, ein kleiner Effekt

Ob das Muster über einzelne Studien hinaus trägt, hat ein Team um Megan Robbins an der University of California in Riverside geprüft (Karan, Rosenthal & Robbins, 2019). Die Meta-Analyse fasst 30 veröffentlichte und unveröffentlichte Studien mit 5.288 Teilnehmenden zusammen, gut die Hälfte davon verheiratet, fast alle aus den USA.

  • Der Zusammenhang war positiv, aber klein. 26 der 30 Studien zeigten in dieselbe Richtung. Statistisch erklärte das eigene Wir aber weniger als ein Prozent der Unterschiede zwischen den Teilnehmenden (r = 0,075), das Wir des Partners rund ein Prozent (r = 0,10).
  • Das Wir des anderen zählte mehr. Mit der Beziehung hing meist stärker zusammen, ob der Partner „wir“ sagte, als ob man es selbst tat.
  • Am deutlichsten war der Zusammenhang mit der Beziehung, schwächer mit dem seelischen Befinden. Mit der körperlichen Gesundheit fand sich kein gesicherter Zusammenhang.
  • Im Alltag verschwand er. In den wenigen Studien, die Gespräche aus dem Alltag auswerteten, etwa Chatnachrichten, lag er bei null oder darunter. Die Autoren vermuten, dass das Wir vor allem zählt, wenn es um die Beziehung oder ein gemeinsames Problem geht.

Macht es glücklich, öfter „wir“ zu sagen?

Henne oder Ei?

Ob das Wir eine Ehe besser macht oder ob gute Ehen mehr Wir hervorbringen, können solche Zählstudien nicht entscheiden. Robbins hält in einer Mitteilung ihrer Universität beides für wahrscheinlich: Wer „wir“ hört oder sagt, denkt womöglich stärker als Paar, und wer eine gute Beziehung hat, sagt eben öfter „wir“. Zwei Befunde deuten an, dass zumindest ein Teil der Wirkung von der Sprache ausgehen könnte:

  • Im Experiment färbt das Wort den Eindruck. In Experimenten von Gráinne Fitzsimons und Aaron Kay wirkte eine Beziehung enger und besser, wenn sie mit „wir“ statt mit „sie und ich“ beschrieben war. Ähnlich wirkte die Wortwahl, wenn es um die eigene Beziehung ging (Fitzsimons & Kay, 2004, ausgewertet: Zusammenfassung). Gemessen wurde allerdings nur der Eindruck im Labor, nicht das Eheleben danach.
  • Wer wenig „wir“ sagte, wurde unzufriedener. In einer Studie mit 77 Elternpaaren von Kindern im Vorschulalter sank die Zufriedenheit im folgenden Jahr bei denen, die in einem Gespräch über Erziehungsfragen selten „wir“ sagten. Wer häufig „wir“ sagte, blieb stabil (Ouellet-Courtois, Gravel & Gouin, 2023, ausgewertet: Zusammenfassung). Das Wir des Partners sagte die eigene Zufriedenheit über die Zeit dagegen nicht voraus. Auch das ist eine Beobachtung, kein Experiment.

Dass jemand seine Ehe mit bewusst mehr Wir-Sätzen auf Dauer glücklicher gemacht hätte, hat nach unserer Recherche bislang keine Studie gezeigt.

Wann das Wir nicht hilft

Mit deutschsprachigen Paaren hat ein Team der Universität Zürich gearbeitet, zu dem auch Guy Bodenmann gehört (Meier und Kollegen, 2021). Untersucht wurden 365 Paare aus der Deutschschweiz, im Schnitt seit knapp 22 Jahren zusammen und eher zufrieden, die Auswertung war vorab registriert. Jedes Paar führte drei achtminütige Gespräche vor der Kamera: eins über einen Konflikt und zwei, in denen einer von einer aktuellen Belastung außerhalb der Beziehung erzählte und der andere so reagieren sollte wie zu Hause.

  • Im Konflikt ging das Wir mit einem besseren Klima einher. Paare, die häufiger „wir“ sagten, sprachen entspannter, friedlicher und vertrauter miteinander, und die Männer verhielten sich positiver.
  • Beim Unterstützen spielte es keine Rolle. Der Helfende verhielt sich positiver, wenn sich das Gespräch um den Gestressten drehte: Der sagte mehr „ich“, der andere mehr „du“.
  • Viel „du“ von beiden ging überall mit Schlechterem einher. Die Autoren vermuten Vorwürfe und Bevormundung dahinter.
  • „Ich“ war kein Problem. Im Konflikt ging mehr „ich“ sogar mit positiverem Verhalten der Männer einher.

Auch hier waren die Effekte klein, wie die Autoren betonen, und es ist eine Momentaufnahme. Ihr Fazit: Zu einer guten Beziehung gehört womöglich, je nach Lage zwischen Ich, Du und Wir zu wechseln.

In einer Studie aus den USA mit 134 deutlich unzufriedenen Ehepaaren und 48 zufriedenen Vergleichspaaren hing häufiges „ich“ bei den unzufriedenen mit mehr Zufriedenheit zusammen, bei den zufriedenen mit weniger (Williams-Baucom und Kollegen, 2010, ausgewertet: Zusammenfassung). Wie viel Ich guttut, hängt offenbar davon ab, wo ein Paar gerade steht.

Was die Studien nicht zeigen

  • Zusammenhänge, keine Ursachen. Bis auf kurze Laborexperimente zum Eindruck von Beziehungen beruhen alle Befunde auf Beobachtungen, und die Effekte sind klein.
  • Vor allem US-Paare. In der Meta-Analyse stammten alle Studien bis auf eine aus den USA, mehr als ein Drittel mit Paaren, in denen ein Partner krank war.
  • Laborgespräche statt Alltag. Ausgewertet wurden meist 8 bis 15 Minuten vor der Kamera.
  • Wörter ohne Ton. Ein Zählprogramm hört nicht, ob „wir“ einlädt oder vereinnahmt. „Wir machen das jetzt so“ zählt genauso wie „Wie schaffen wir das?“.

Wie pflegt ihr ein Wir, ohne euch aufzugeben?

Ein Rezept geben die Studien nicht her, wohl aber eine Richtung: Das Wir hilft vor allem dort, wo ein Problem beide betrifft, und es schadet nicht, wenn jeder dabei sichtbar bleibt. Die folgenden Anregungen sind unsere Vorschläge, keine Studienergebnisse.

  1. Im Streit das Problem in die Mitte legen. „Wie kriegen wir das hin?“ statt „Du machst immer …“. Wer aus einem Vorwurf eine gemeinsame Aufgabe macht, ändert oft auch den Ton. Mehr dazu in unserem Text Streitkultur entwickeln.
  2. Ich-Sätze nicht scheuen. „Mich ärgert, dass …“ ist kein Angriff auf das Wir. In der Zürcher Studie ging viel „du“ mit schlechteren Gesprächen einher, viel „ich“ nicht.
  3. Wenn einer Kummer hat, erst bei ihm bleiben. „Das schaffen wir schon“ kommt manchmal zu früh. Besser zuerst: „Was ist passiert, wie geht es dir damit?“ Wie Paare Stress gemeinsam tragen, beschreibt der Artikel zur Stahlhochzeit, wie man hilft, ohne den anderen kleinzumachen, der zur Orchideenhochzeit.
  4. Kein Wir über den Kopf des anderen. „Wir fahren im Sommer wieder an die Ostsee“ ist kein Wir, solange einer nicht gefragt wurde. Und wer nach seiner eigenen Meinung gefragt wird, darf mit „ich“ antworten.
  5. Jedem ein eigenes Stück lassen. Titan verbindet sich mit dem Knochen, ohne Knochen zu werden. Eigene Freundschaften und Interessen gehören zu einem guten Wir, mehr dazu im Artikel zur Messinghochzeit.
  6. Eure Wir-Geschichte erzählen. Nach 23 Jahren gibt es viele Sätze, die mit „Weißt du noch, wie wir …“ beginnen. Gerade wenn die Kinder flügge werden, lohnt es sich, sie wieder hervorzuholen.

Wenn ihr seit Monaten dieselben Streits führt, hilft kein Wortschatz-Training. Was eine Paarberatung leisten kann, steht in unserem Artikel Eheberatung: Was dich erwartet.

Was schenkt man zum 23. Hochzeitstag?

Einen überlieferten Geschenkbrauch zum 23. Hochzeitstag haben wir nicht gefunden. Drei Richtungen, die zum Namen passen:

Mit Titan. Partnerringe, eine Uhr mit Titangehäuse oder ein Anhänger. Titan ist leicht und gilt als gut verträglich, nicht umsonst steckt es seit Jahrzehnten in Implantaten. Allergien sind selten, aber beschrieben (Übersichtsarbeit von 2020). Eine spanische Zahnklinik schätzte ihre Häufigkeit unter 1.500 Implantatpatienten auf 0,6 Prozent (Sicilia und Kollegen, 2008). Wer zu Metallallergien neigt, fragt beim Kauf nach der genauen Legierung.

Hartnäckig hält sich die Behauptung, ein Titanring lasse sich im Notfall nicht aufschneiden. Richtig ist nur: Einfaches Werkzeug reicht oft nicht. In einem kanadischen Test scheiterte ein handbetriebener Ringschneider an allen Ringen aus Titan, Wolframkarbid und Edelstahl, eines der eigens entwickelten Geräte schaffte alle (Perry und Kollegen, 2026). Britische Chirurgen entfernten einen Titanring mit einer Dentalsäge und nennen die Vorstellung, dann helfe nur eine Amputation, eine Spekulation in der Öffentlichkeit (Chambers & Harper, 2012).

Mit Beryll. Wer den zweiten Namen Beryllhochzeit aufgreift: Aquamarin und Smaragd sind laut Gemological Institute of America (GIA) Farbvarietäten des Minerals Beryll. Dem Aquamarin sagte man früher sogar nach, er mache Ehen glücklicher. Das ist eine Legende, die das GIA überliefert.

Ein Wir zum Aufschreiben. Ein kleines Heft mit 23 Wir-Momenten, einem für jedes Ehejahr: der erste gemeinsame Umzug, die Nacht im Kreißsaal, der verregnete Urlaub. Oder ein Vorhaben für die Jahre bis zur Silberhochzeit, das ihr zusammen plant und für das jeder etwas Eigenes mitbringt.

Ideen für alle Jubiläen sammelt unser Überblick Geschenke zum Hochzeitstag.

Wie gratuliert man zum 23. Hochzeitstag?

Den Namen Titanhochzeit kennt nicht jeder, und seine Herkunft ist unklar. Ihr könnt also ebenso gut einfach zum 23. Hochzeitstag gratulieren oder den Namen in einem Halbsatz erklären. Eine Erinnerung an die Hochzeit 2003 oder eine Beobachtung aus den 23 Jahren trägt weiter als jeder allgemeine Glückwunsch. Amtliche Glückwünsche gibt es zu diesem Jubiläum nach unserer Recherche nicht, der Bundespräsident gratuliert laut seiner Seite zu Jubiläen erst ab dem 65. Hochzeitstag.

Ein paar Vorschläge für die Karte, alle von uns formuliert und frei zum Übernehmen:

  • „23 Jahre, und ihr sagt immer noch ‚wir‘, ohne dass einer von euch darin verschwindet. Herzlichen Glückwunsch zur Titanhochzeit!“
  • „Titan ist leicht und hält trotzdem eine Menge aus. Ihr zwei auch. Alles Liebe zum 23. Hochzeitstag!“
  • „Seit 2003 ein Team, und jeder ist trotzdem ganz er selbst geblieben. Auf die nächsten Jahre!“
  • „Knochen wächst an Titan an, wenn man ihm Zeit lässt. Bei euch sieht man nach 23 Jahren keine Naht mehr.“
  • Für den eigenen Partner: „23 Jahre wir, und ich bin immer noch neugierig auf dich.“

Für eine Karte vom einen Partner an den anderen, ein Vers von uns:

Dreiundzwanzig Jahre „wir“
und doch noch du und ich.
Ich wachse gern ein Stück zu dir,
doch du bleibst du für mich.

Was ihr besser weglasst: Witze über die Titanic. Auch „Euch kann nichts mehr passieren“ ist als Kompliment gemeint, setzt ein Paar aber unter Druck, und unverwüstlich ist nicht einmal Titan. Weitere Formulierungen für Karten und Nachrichten sammeln wir in den Glückwünschen zum Hochzeitstag.

Wie feiert man die Titanhochzeit?

Feste Bräuche zur Titanhochzeit sind uns nicht bekannt. Und weil in zwei Jahren die Silberhochzeit ansteht, darf der 23. ruhig klein ausfallen. Drei Ideen:

  • Ein Wir-Abend. Jeder bringt drei Geschichten mit, die mit „Weißt du noch, wie wir …“ beginnen, eine davon aus einem Jahr, an das ihr selten denkt.
  • Zurück ins Jahr 2003. Hochzeitsfotos, die Musik von damals, ein Spaziergang am Ort der Trauung. Erzählt einander, was ihr damals voneinander erwartet habt und was ihr heute aneinander schätzt.
  • Etwas Neues zu zweit. Ein Kurs, eine Wanderung, eine Stadt, die keiner von euch kennt. Warum Neues Paaren guttun kann, steht im Artikel zur Kupferhochzeit.

Weitere Vorschläge, nach Budget sortiert, sammeln unsere Ideen zum Hochzeitstag.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der 23. Hochzeitstag heißt im Netz meist Titanhochzeit, woher der Name stammt, ist unklar. Die Wikipedia-Liste führt für das 23. Jahr derzeit keinen Namen, zuletzt standen dort von Mai 2023 bis März 2026 Beryll- und Titanhochzeit ohne Quelle. Kurze Ausschnitte aus der Volltextsuche zeigen das Wort aber schon in der GfdS-Sammlung von 1992, wahrscheinlich beim 23. Jahr.
  • Wer 2026 den 23. Hochzeitstag feiert, hat 2003 geheiratet, in einem Jahr mit rund 383.000 Eheschließungen. Amtliche Glückwünsche gibt es zum 23. nicht.
  • Titan ist das Element mit der Ordnungszahl 22, ähnlich fest wie Stahl, aber deutlich leichter, und wird erst seit 1948 kommerziell hergestellt.
  • Knochen wächst direkt an Titan an. Der Schwede Per-Ingvar Brånemark nannte das Osseointegration, 1965 setzte sein Team die ersten Zahnimplantate aus Titan ein.
  • Paare, die im Streit öfter „wir“ sagen, streiten im Schnitt freundlicher, in einer Studie aus Berkeley mit 154 lange verheirateten Paaren ebenso wie in einer Zürcher Studie mit 365 Paaren. Mit der Zufriedenheit hing das Wir in Berkeley nicht zusammen, viele Ich- und Du-Wörter dagegen schon.
  • Eine Meta-Analyse über 30 Studien fand einen positiven, aber kleinen Zusammenhang zwischen Wir-Sprache und Beziehung (Karan, Rosenthal & Robbins, 2019). Ob das Wir die Ehe besser macht oder umgekehrt, ist offen.
  • Wir im Streit, Ich und Du beim Unterstützen, eigene Freiräume für beide: Das sind Anregungen aus den Befunden, keine Studienergebnisse.

Quellen: Seider, Hirschberger, Nelson & Levenson (2009), Psychology and Aging 24(3), 604–613; Karan, Rosenthal & Robbins (2019), Journal of Social and Personal Relationships 36(9), 2624–2651 (ausgewertet: Manuskriptfassung); Meier und Kollegen (2021), Journal of Social and Personal Relationships 38(11), 3265–3287; Williams-Baucom und Kollegen (2010), Personal Relationships 17(1), 41–56 (ausgewertet: Zusammenfassung); Fitzsimons & Kay (2004), Personality and Social Psychology Bulletin 30(5), 547–557 (ausgewertet: Zusammenfassung); Ouellet-Courtois, Gravel & Gouin (2023), Personal Relationships 30(1), 314–331 (ausgewertet: Zusammenfassung); Adell, Lekholm, Rockler & Brånemark (1981), International Journal of Oral Surgery 10(6), 387–416 (ausgewertet: Zusammenfassung); Prando und Kollegen (2017), Journal of Applied Biomaterials & Functional Materials 15(4), e291–e302 (ausgewertet: Zusammenfassung); Eliaz (2019), Materials 12(3), 407; Comino-Garayoa und Kollegen (2020), Biology 9(11), 404 (ausgewertet: Zusammenfassung); Sicilia und Kollegen (2008), Clinical Oral Implants Research 19(8), 823–835 (ausgewertet: Zusammenfassung); Perry und Kollegen (2026), CJEM, online vorab (ausgewertet: Zusammenfassung); Chambers & Harper (2012), Journal of Plastic, Reconstructive & Aesthetic Surgery 65(5), e128–e129 (ausgewertet: Zusammenfassung); Martin Heinrich Klaproth, Beiträge zur chemischen Kenntniß der Mineralkörper, Bd. 1 (1795), S. 233–244; Royal Society of Chemistry; U.S. Geological Survey, Minerals Yearbook 2021: Titanium; Universität Stuttgart; National Inventors Hall of Fame; Lex (Den Store Danske); Associated Brånemark Osseointegration Centers; Gemological Institute of America; University of California, Riverside; Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung; Der Bundespräsident; oesterreich.gv.at; Emily Post Institute; Helmut Walther, Hochzeitstagenamen, Der Sprachdienst 36 (1992), Heft 6, S. 181–187 (ausgewertet: Suchausschnitte bei Google Books, Angaben zum Aufsatz nach der deutschsprachigen Wikipedia); deutschsprachige Wikipedia, Artikel „Hochzeitstag“ mit Versionsgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Wie heißt der 23. Hochzeitstag?

Im Netz heißt der 23. Hochzeitstag fast überall Titanhochzeit, woher der Name stammt, ist unklar. Die Liste der Hochzeitstage in der deutschsprachigen Wikipedia, die sich weitgehend auf die Sammlung „Hochzeitstagenamen“ der Gesellschaft für deutsche Sprache von 1992 stützt, führt für das 23. Jahr derzeit keinen Namen, zuletzt standen dort von Mai 2023 bis März 2026 die Beryll- und die Titanhochzeit ohne Quelle. Die Sammlung selbst ist online nicht lesbar, kurze Ausschnitte aus der Volltextsuche zeigen das Wort Titanhochzeit aber schon darin, wahrscheinlich beim 23. Jahr. Einen verbindlichen Standard gibt es ohnehin nicht. Wer 2026 feiert, hat 2003 geheiratet.

Was bedeutet die Titanhochzeit?

Eine überlieferte Bedeutung haben wir nicht gefunden. Auf Ratgeberseiten heißt es meist, Titan sei hart, leicht und unverwüstlich wie eine Ehe nach 23 Jahren. Leicht stimmt: Titan ist ähnlich fest wie Stahl, wiegt aber nur gut halb so viel. Unverwüstlich stimmt nur halb, denn geschützt wird das Metall von einer wenige Nanometer dünnen Oxidschicht, die sich bei kleinen Schäden rasch erneuert. Als Bild für eine lange Ehe taugt eine andere Eigenschaft besser: Knochen wächst direkt an Titan an, ohne Gewebe dazwischen, und doch bleibt jedes, was es ist. Der schwedische Arzt Per-Ingvar Brånemark nannte das Osseointegration und begründete damit die moderne Implantologie.

Was schenkt man zum 23. Hochzeitstag?

Einen überlieferten Geschenkbrauch haben wir nicht gefunden. Wer den Namen Titanhochzeit aufgreift, schenkt etwas aus Titan, etwa Partnerringe oder eine Uhr mit Titangehäuse. Titan gilt als gut verträglich, Allergien sind selten, aber beschrieben. Wer zu Metallallergien neigt, fragt nach der genauen Legierung. Dass sich Titanringe im Notfall nicht entfernen ließen, stimmt so nicht: Einfache Ringschneider scheitern oft, mit geeignetem Werkzeug gelingt es. Zum seltenen zweiten Namen Beryllhochzeit passen Aquamarin oder Smaragd, beide sind Farbvarietäten des Minerals Beryll. Persönlicher ist ein Heft mit 23 Wir-Momenten, einem für jedes Ehejahr.

Was sagt man zum 23. Hochzeitstag?

Am besten etwas, das nur zu diesem Paar passt, etwa eine Erinnerung an die Hochzeit 2003 oder eine Beobachtung aus den 23 Jahren. Ein Beispiel: „23 Jahre, und ihr sagt immer noch ‚wir‘, ohne dass einer von euch darin verschwindet. Herzlichen Glückwunsch zur Titanhochzeit!“ Weil nicht jeder den Namen kennt, könnt ihr auch einfach zum 23. Hochzeitstag gratulieren. Witze über die Titanic lasst ihr besser weg. Amtliche Glückwünsche gibt es zu diesem Jubiläum nach unserer Recherche nicht, der Bundespräsident gratuliert erst ab dem 65. Hochzeitstag.

Was verrät die Wir-Sprache über eine Beziehung?

Im Schnitt etwas, aber weniger, als oft behauptet wird. In einer Studie mit 154 lange verheirateten Paaren aus Kalifornien verhielten sich Eheleute, die im Streit öfter „wir“, „uns“ oder „unser“ sagten, freundlicher. Mit ihrer Zufriedenheit hing das Wir aber nicht zusammen, viele Ich- und Du-Wörter dagegen schon. Eine Meta-Analyse über 30 Studien fand einen positiven, aber kleinen Zusammenhang zwischen Wir-Sprache und Beziehung, das Wir des Partners zählte etwas mehr als das eigene. In einer Zürcher Studie mit 365 Paaren ging das Wir im Konflikt mit einem besseren Gesprächsklima einher, beim Unterstützen spielte es keine Rolle. Das alles sind Zusammenhänge: Ob das Wir die Ehe besser macht oder eine gute Ehe mehr Wir hervorbringt, ist offen.

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