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Platinhochzeit: Was der 55. Hochzeitstag bedeutet

Platinhochzeit: Was der 55. Hochzeitstag bedeutet, wer gratuliert, wofür Platin steht und wie Paare Nähe bewahren, wenn einer den anderen pflegt.

Sarah Kellner
Sarah Kellner
· 17 Min. Lesezeit

Die Platinhochzeit ist der 55. Hochzeitstag, manchmal heißt sie auch Juwelenhochzeit. Wer 2026 feiert, hat 1971 geheiratet, im Schnitt mit Anfang bis Mitte 20, und ist heute Ende 70 oder Anfang 80. 55 Jahre verheiratet zu sein heißt in diesem Alter oft auch: Einer braucht mehr Hilfe als früher, und der andere gibt sie.

Deshalb geht es hier nicht nur um den Namen, das Platin und die Frage, wer offiziell gratuliert. Ein großer Teil gilt einem Thema, das bei Hochzeitstagen selten zur Sprache kommt, der Pflege des eigenen Partners: was sie mit einer Ehe macht, wo ihr Entlastung bekommt und wie Nähe bleibt.

Eine Antwort vorweg: Der Bundespräsident gratuliert zur Platinhochzeit nicht, sein erster Glückwunsch kommt zum 65. Hochzeitstag.

Wie nennt man den 55. Hochzeitstag?

Der 55. Hochzeitstag heißt Platinhochzeit, auch Juwelenhochzeit. Gezählt wird wie bei allen Ehejubiläen ab der standesamtlichen Trauung.

JahreName
45Messinghochzeit
50Goldene Hochzeit
55Platinhochzeit, auch Juwelenhochzeit
60Diamantene Hochzeit
65Eiserne Hochzeit
70Gnadenhochzeit

Eindeutig ist diese Zuordnung allerdings nicht. Der Duden führt die Platinhochzeit als „siebzigster Hochzeitstag“, also gleichbedeutend mit der Gnadenhochzeit. Auch in Großbritannien steht Platin für 70 Jahre: Elizabeth II. und Prinz Philip, verheiratet seit 1947, feierten 2017 nach Angaben des britischen Königshauses ihre „Platinum Wedding anniversary“.

Das ist typisch für Hochzeitstage: Einen verbindlichen Standard für ihre Namen gibt es nicht, sie sind regional gewachsen, und die Listen widersprechen sich. In vielen deutschen Übersichten, auch in unserer Übersicht aller Hochzeitstage, steht die Platinhochzeit beim 55. Jahr. Wer Missverständnisse vermeiden will, schreibt die Zahl dazu: „55 Jahre“ versteht jeder.

Hat der 55. Hochzeitstag eine Bedeutung?

Ja, auch wenn er zwischen den großen Jubiläen leicht untergeht: Silberhochzeit, Goldene und Diamantene Hochzeit kennt praktisch jeder, die Platinhochzeit weniger. Bedeutung hat sie trotzdem, auf drei Ebenen:

  • Als Zahl. 55 Jahre sind für ein typisches Jubelpaar gut zwei Drittel des eigenen Lebens. Die allermeisten Jubelpaare haben mehr Jahre verheiratet verbracht als davor.
  • Als Symbol. Platin ist selten, beständig und läuft nicht an. Was davon belegt ist und was Legende, steht weiter unten.
  • Als Standortbestimmung. Mit Ende 70 ordnet sich das Leben vieler Paare neu, oft um die Gesundheit herum. Für manche ist die Platinhochzeit das erste Jubiläum, an dem einer den anderen versorgt.

Eine amtliche Quote, wie viele Ehen 55 Jahre erreichen, haben wir nicht gefunden. Warum dafür vieles zusammenkommen muss, rechnet der Artikel zur Diamantenen Hochzeit vor. Was lange Ehen im Alltag trägt, beschreibt unser Text über das Geheimnis langer Ehen.

Geheiratet 1971

Anfang der 1970er-Jahre waren ledige Männer bei der Heirat im Schnitt etwa 25, Frauen etwa 23 Jahre alt, so das Statistische Bundesamt. Heute liegt das Alter bei der ersten Heirat rund zehn Jahre höher.

In der Bundesrepublik heirateten diese Paare noch unter dem gesetzlichen Leitbild der Hausfrauenehe, das erst die am 1. Juli 1977 in Kraft getretene Eherechtsreform abschaffte; was das bedeutete und wie es in der DDR aussah, steht im Artikel zur Eisernen Hochzeit.

Und noch etwas gab es 1971 nicht: die Pflegeversicherung. Sie startete laut Bundesgesundheitsministerium am 1. Januar 1995, 24 Jahre nach diesen Hochzeiten. Heute gehört sie für viele dieser Paare zum Alltag.

Gratuliert der Bundespräsident zur Platinhochzeit?

Nein. Der Bundespräsident gratuliert Ehepaaren laut seiner Seite zu Jubiläen und Ehrenpatenschaften „aus Anlass des 65., 70., 75. und 80. Hochzeitstages“. Der erste Brief kommt also zur Eisernen Hochzeit, zehn Jahre nach der Platinhochzeit.

Länder und Gemeinden haben eigene Regeln, und die liegen weit auseinander:

  • Bayern: Der Ministerpräsident gratuliert laut BayernPortal zum 50. und zu jedem folgenden halbrunden oder runden Hochzeitstag, also auch zur Platinhochzeit, ohne Antrag und direkt über die Staatskanzlei. Voraussetzung ist ein ständiger Wohnsitz in Bayern, einen Anspruch gibt es nicht.
  • Baden-Württemberg: Hier ehrt der Ministerpräsident laut Staatsministerium Ehepaare zum 50., 60., 65., 70. und 75. Hochzeitstag mit einer Glückwunschurkunde, die das Bürgermeisteramt beantragt und am Festtag möglichst überreichen lässt. Der 55. ist nicht dabei.

Für das Melderegister ist die Platinhochzeit trotzdem ein Ehejubiläum, denn § 50 des Bundesmeldegesetzes zählt das 50. und jedes folgende dazu. Fragen Mandatsträger, Presse oder Rundfunk nach, darf die Meldebehörde Name, Anschrift und Datum weitergeben, sofern keine Übermittlungs- oder Auskunftssperre eingetragen ist. Ob die Gemeinde gratuliert und ob dafür ein Antrag nötig ist, ist von Ort zu Ort verschieden. Mehr zu den Regeln der Länder und zur Sperre steht im Artikel zur Goldenen Hochzeit.

Ruft deshalb zwei bis drei Monate vorher bei der Wohnsitzgemeinde an und fragt, ob es eine Ehrung gibt und ob sie beantragt werden muss. Und klärt vorher mit dem Paar, ob es Besuch vom Amt oder ein Zeitungsfoto überhaupt möchte.

Warum Platin? Was das Metall erzählt und was Legende ist

Vorweg: Eine belegte Entstehungsgeschichte für den Namen Platinhochzeit gibt es nicht, und warum der Tag auch Juwelenhochzeit heißt, erklärt keine Quelle, die wir gefunden haben. Sicher ist nur, dass der Name nicht besonders alt sein kann. Nach Angaben der Royal Society of Chemistry kam das Metall erst um 1750 nach Europa. Zu 55 Ehejahren passt es trotzdem.

Es ist selten. 2025 wurden weltweit nach Schätzung des US Geological Survey rund 170 Tonnen Platin gefördert, etwa 120 davon in Südafrika. Beim Gold waren es im selben Jahr rund 3.300 Tonnen, fast das Zwanzigfache (USGS, Mineral Commodity Summaries 2026, Kapitel Platingruppenmetalle und Gold).

Es ist beständig. Platin ist so korrosionsbeständig wie Gold, es oxidiert nicht, läuft also nicht an, und schmilzt erst bei 1.768 Grad Celsius. Zu 90 Prozent aus Platin besteht auch das Urkilogramm, das von 1889 bis 2019 weltweit festlegte, was ein Kilogramm ist (BIPM). Ganz unveränderlich war aber selbst dieses Stück Metall vermutlich nicht, schreibt die Physikalisch-Technische Bundesanstalt. Seit 2019 ist das Kilogramm über eine Naturkonstante definiert.

Es wurde lange unterschätzt. Der Name kommt vom spanischen „platina“, einer Verkleinerungsform von „plata“, Silber: kleines Silber. Spanische Eroberer stießen im 16. Jahrhundert beim Goldwaschen in Amerika darauf und hielten das weiße Metall für lästig, weil es sich schwer vom Gold trennen ließ. Erzählt wird außerdem, man habe es für unreifes Gold gehalten und in die Flüsse zurückgeworfen, damit es nachreift. Diese Geschichte solltet ihr eher als Anekdote nehmen. Für eine Rede taugt das Bild trotzdem: Was am Anfang unscheinbar wirkte, wurde später zum Maßstab.

Legende: Platin ist wertvoller als Gold. Das liest man oft. Seltener ist Platin tatsächlich, teurer derzeit nicht. Im Jahresschnitt 2025 kostete eine Feinunze Platin nach Schätzung des USGS rund 1.200 US-Dollar, eine Feinunze Gold rund 3.300, Platin also nur gut ein Drittel. Zuletzt war es 2014 umgekehrt, seit 2015 liegt Gold im Jahresschnitt vorn. Die Reihenfolge der Hochzeitstage folgt keiner Preisliste.

Zieht man die Legenden ab, bleibt ein brauchbares Bild: Platin steht für Beständigkeit, nicht für Unveränderlichkeit. Das passt zu 55 Ehejahren, denn gerade in diesem Alter ändert sich eine Ehe oft noch einmal grundlegend, wenn einer den anderen pflegt.

Wenn einer den anderen pflegt: Partnerpflege nach 55 Jahren

Für viele Paare fällt die Platinhochzeit in eine Zeit, in der sich der Alltag um Arzttermine, Medikamente und Hilfsmittel dreht. Oft übernimmt einer von beiden nach und nach die Pflege des anderen, ohne dass es je einen Tag gab, an dem das entschieden wurde.

Wie verbreitet Pflege zu Hause ist, zeigt die amtliche Statistik. Im Dezember 2023 waren in Deutschland knapp 5,7 Millionen Menschen pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes. „Knapp neun von zehn Pflegebedürftigen (86 % beziehungsweise 4,9 Millionen) wurden im Dezember 2023 zu Hause versorgt.“ 3,1 Millionen von ihnen erhielten ausschließlich Pflegegeld und wurden überwiegend durch Angehörige gepflegt. 14 % beziehungsweise 800.000 wurden in Pflegeheimen vollstationär betreut. Quelle: Statistisches Bundesamt, Pflegestatistik 2023 (Pressemitteilung Nr. 478 vom 18.12.2024). Wie viele dieser Angehörigen Ehepartner sind, geht aus der Pressemitteilung nicht hervor, deshalb nennen wir dazu keine Zahl.

Was Pflege mit einer Ehe macht

Pflege verändert eine Ehe nicht über Nacht, aber gründlich. Drei Dinge verschieben sich dabei:

  • Das Gleichgewicht. Über Jahrzehnte hat jeder dem anderen etwas abgenommen. Jetzt gibt einer fast nur noch, und der andere nimmt fast nur noch. Wer sich als Last empfindet, reagiert manchmal gereizt, zieht sich zurück oder lehnt Hilfe ab. Das ist kein Zeichen fehlender Liebe, sondern häufig eines von Scham.
  • Die Berührung. Dieselben Hände, die früher gestreichelt haben, waschen jetzt, cremen ein und ziehen Kompressionsstrümpfe an. Berührung bekommt einen Zweck. Manche Paare merken erst spät, dass die zärtliche Berührung dabei leise verschwunden ist.
  • Die Kraft des Pflegenden. Wer mit Ende 70 den eigenen Partner pflegt, ist selbst nicht mehr jung. Eigene Beschwerden, schlechter Schlaf und ein Freundeskreis, der schrumpft, weil keine Zeit mehr bleibt: Die Belastung wächst langsam, und gerade deshalb bemerkt man sie leicht zu spät.

Manchmal kommt Trauer dazu, bevor jemand gestorben ist: um den Menschen, der der Partner einmal war, um Pläne für den Ruhestand, um die Ehe, wie sie früher war. Diese Trauer ist kein Verrat an dem, der noch da ist. Wie Trauer verläuft und was hilft, steht in unserem Text Trauer verarbeiten. Wird euch die Trauer oder das Gefühl, dem anderen zur Last zu fallen, zu schwer, könnt ihr jederzeit mit der TelefonSeelsorge sprechen, rund um die Uhr und kostenlos: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123.

Hilfe annehmen, ohne sich schuldig zu fühlen

Der Schritt, sich Hilfe zu holen, fällt oft schwer. Dahinter stehen das Eheversprechen, der Wunsch, keine Fremden im Haus zu haben, und der Stolz einer Generation, die vieles allein geschafft hat. Drei Gedanken können helfen:

  1. Entlastung ist Teil der Pflege. Das sieht sogar das Gesetz so: Die Pflegekurse sollen „pflegebedingte körperliche und seelische Belastungen“ mindern, der Entlastungsbetrag dient unter anderem der „Entlastung pflegender Angehöriger“. Wer diese Hilfen nutzt, tut genau das, wofür sie gedacht sind.
  2. Wer sich aufreibt, fällt aus. Dann fehlt beiden jemand. Pausen sind keine Flucht aus dem Versprechen, sondern die Voraussetzung, es zu halten.
  3. Geteilte Pflege macht wieder zum Paar. Übernimmt ein Pflegedienst morgens das Waschen, bleibt euch das Frühstück als Ehepaar. Manche Pflegebedürftige lassen sich bei der Körperpflege ohnehin lieber von einer Fachkraft helfen als vom eigenen Partner. Fragt einander ehrlich.

Fangt klein an, etwa mit einem festen Nachmittag pro Woche, an dem jemand anderes da ist. Und sagt es dem Partner so, wie es gemeint ist: nicht „Ich brauche Abstand von dir“, sondern „Ich brauche das, damit ich weiter für dich da sein kann“.

Wo ihr Entlastung bekommt

Die wichtigsten Hilfen der Pflegeversicherung im Überblick, Stand September 2026:

  • Pflegeberatung: Wer Leistungen der Pflegeversicherung bezieht oder beantragt hat, hat nach § 7a SGB XI Anspruch auf Pflegeberatung, bezahlt von der Pflegekasse und auf Wunsch zu Hause. Nach einem ersten Antrag muss die Kasse sofort einen Beratungstermin anbieten, der spätestens zwei Wochen nach Antragseingang stattfindet, oder einen Beratungsgutschein ausstellen, der innerhalb dieser zwei Wochen einlösbar ist (§ 7b SGB XI). Stimmt der pflegebedürftige Partner zu, kann sich laut Bundesgesundheitsministerium auch der pflegende beraten lassen. Privat Versicherte fragen ihr Versicherungsunternehmen.
  • Pflegestützpunkte: Sie bündeln Beratung zu Pflege und Sozialleistungen, es gibt sie aber nur dort, wo das Land ihre Einrichtung bestimmt hat (§ 7c SGB XI). Die Pflegekasse nennt euch den nächsten.
  • Pflegekurse: Die Pflegekassen bieten Angehörigen unentgeltliche Kurse an, auf Wunsch auch bei euch zu Hause und auch digital (§ 45 SGB XI).
  • Beratungsbesuch: Wer in den Pflegegraden 2 bis 5 Pflegegeld bezieht, ruft halbjährlich eine Beratung zu Hause ab (§ 37 Abs. 3 SGB XI). Sie dient laut Gesetz auch der Unterstützung der Pflegenden (§ 37 Abs. 3a SGB XI), sagt dort also offen, wie es euch geht.
  • Tagespflege: Ab Pflegegrad 2 kann der pflegebedürftige Partner tagsüber in eine Einrichtung gehen, die notwendige Fahrt dorthin gehört dazu. Die Pflegekasse übernimmt Pflege und Betreuung bis zu einem monatlichen Höchstbetrag je Pflegegrad. Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten zahlt ihr grundsätzlich selbst, Unterkunft und Verpflegung können aber aus dem Entlastungsbetrag erstattet werden. Das Pflegegeld wird dafür nicht gekürzt (§ 41 SGB XI).
  • Verhinderungs- und Kurzzeitpflege: Braucht die pflegende Person Urlaub, wird krank oder ist anders verhindert, zahlt die Pflegekasse ab Pflegegrad 2 bis zu acht Wochen im Jahr eine Ersatzpflege, auch stundenweise. Reicht die Pflege zu Hause zeitweise nicht, gibt es bis zu acht Wochen Kurzzeitpflege in einer Einrichtung. Für beides zusammen stehen 2026 bis zu 3.539 Euro im Kalenderjahr bereit. Springen Verwandte ein, gelten Sonderregeln, die ihr in der Pflegeberatung klären solltet.
  • Entlastungsbetrag: Pflegebedürftige, die zu Hause leben, haben in allen Pflegegraden Anspruch auf bis zu 131 Euro im Monat (§ 45b SGB XI), zum Beispiel für anerkannte Angebote zur Unterstützung im Alltag oder für Tagespflege. Erstattet wird gegen Belege, und was in einem Jahr übrig bleibt, lässt sich ins erste Halbjahr des Folgejahres mitnehmen.

Eine Reform ist auf dem Weg: Am 30. September 2026 hat das Bundeskabinett den Gesetzentwurf für das Pflegeneuordnungsgesetz beschlossen. Im Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums vom 5. Juni 2026 sollten ab 2027 mehrere dieser Einzelleistungen in Budgets aufgehen. Den Entlastungsbetrag etwa sollte ein Budget ablösen, das nur noch ab Pflegegrad 2 und nur für anerkannte Angebote zur Unterstützung im Alltag gilt. Ob es dabei bleibt, ist offen: Jetzt berät der Bundestag, und dabei kann sich der Text noch ändern. Was allgemein gilt, erklärt das Bürgertelefon zur Pflegeversicherung des Ministeriums unter 030 340 60 66-02 (Montag bis Mittwoch 8 bis 16 Uhr, Donnerstag 8 bis 18 Uhr, Freitag 8 bis 12 Uhr). Was in eurem Fall gilt, klärt die Pflegeberatung.

Wie Nähe bleibt

Pflege nimmt Zeit, Kraft und oft auch Leichtigkeit. Die Nähe muss sie nicht nehmen. Was Paaren in dieser Lage hilft, ist selten spektakulär:

  • Berührung ohne Auftrag. Haltet euch beim Fernsehen an der Hand. Eine Handmassage am Abend ist etwas anderes als das Eincremen am Morgen, auch wenn es dieselben Hände sind.
  • Pflegefreie Zeit. Legt eine feste Stunde am Tag oder in der Woche fest, in der Medikamente, Termine und die Pflegekasse kein Thema sind. Nur ihr zwei, ein Kaffee, ein Fotoalbum.
  • Alte Rituale, kleiner gemacht. Der Sonntagsspaziergang wird zur Runde im Rollstuhl, das gemeinsame Kochen zum Gemüseschneiden am Küchentisch. Was 55 Jahre getragen hat, muss nicht aufhören, nur weil es anders aussieht.
  • Sich brauchen lassen. Wer gepflegt wird, will auch geben. Fragt den anderen um Rat, lasst ihn erzählen und entscheidet gemeinsam, was sich noch gemeinsam entscheiden lässt.
  • Über Zärtlichkeit reden. Bedürfnisse ändern sich mit Krankheit und Alter, sie verschwinden aber nicht einfach. Sagt einander, was fehlt und was gerade nicht geht.

Ist einer der beiden an Demenz erkrankt, läuft Nähe oft eher über die Sinne als über Gespräche: vertraute Musik, eine Hand auf der Schulter, gemeinsame Handgriffe wie Wäsche zusammenlegen. Korrigiert nicht jede falsche Erinnerung. Die Stimmung eines Nachmittags zählt mehr als die richtige Jahreszahl.

Und wenn die Pflege zu Hause nicht mehr geht und einer ins Heim zieht, endet die Ehe nicht an der Heimtür. Die Pflegekräfte übernehmen die schweren Handgriffe, ihr bleibt Ehefrau und Ehemann. Fragt in der Einrichtung nach einem Ort, an dem ihr ungestört zu zweit sein könnt.

Wenn es zu viel wird

Überlastung kündigt sich selten laut an. Warnzeichen sind etwa: Du schläfst seit Wochen schlecht, hast alle eigenen Termine abgesagt oder bist öfter gereizt, als du sein willst. Wenn du merkst, dass du laut oder grob wirst, beweist das nicht, dass du ein schlechter Mensch bist. Es ist aber ein klares Zeichen, dir sofort Unterstützung zu holen.

Diese Stellen helfen weiter:

  • die Pflegeberatung deiner Pflegekasse und deine Hausarztpraxis, auch für deine eigene Gesundheit,
  • das Pflegetelefon des Bundesseniorenministeriums unter 030 20 17 91 31 (Montag bis Donnerstag, 9 bis 18 Uhr), anonym und vertraulich, auch bei Konflikten mit dem gepflegten Partner oder in der Familie,
  • bei Demenz das Alzheimer-Telefon der Deutschen Alzheimer Gesellschaft unter 030 259 37 95 14 (Montag bis Donnerstag 9 bis 18 Uhr, Freitag 9 bis 15 Uhr),
  • in seelischen Krisen die TelefonSeelsorge, rund um die Uhr und kostenlos: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123.

Weitere Anlaufstellen, etwa für Paarberatung, haben wir in unserer Übersicht zu Hilfe und Beratungsstellen gesammelt. Und wenn ihr als Kinder merkt, dass ein Elternteil den anderen pflegt und dabei an eine Grenze kommt: Sprecht es an, nicht als Vorwurf, sondern als Angebot.

Platinhochzeit feiern: Rahmen und Geschenke für Paare um die 80

Mit Ende 70 oder Anfang 80 könnten zwei Jubelpaare kaum unterschiedlicher sein: Die einen reisen noch, bei den anderen kommt zweimal täglich der Pflegedienst. Den Rahmen bestimmt deshalb das Paar. Wie ihr eine Feier an Gesundheit, Gehör oder eine Demenz anpasst, steht im Artikel zur Diamantenen Hochzeit, allgemeine Formate in unseren Ideen zum Hochzeitstag. Zur Platinhochzeit passt vor allem:

  • Zurück an den Anfang. Fahrt mit dem Paar zum Standesamt, zur Kirche oder zum Gasthaus von 1971, falls es sie noch gibt. Ein Foto vor derselben Tür, danach ein Kaffee: Mehr Programm braucht dieser Tag oft nicht.
  • Erst die beiden, dann die Gäste. Plant eine halbe Stunde nur für das Paar ein, bevor die Familie kommt: das Hochzeitsfoto auf dem Tisch, ein Glas Sekt, ein paar Sätze zueinander.
  • Wer pflegt, ist an diesem Tag Gast. Organisation, Einkauf und Abwasch übernehmen andere. Stimmt den Termin mit dem Pflegedienst ab, damit ein Einsatz nicht mitten in die Feier fällt.
  • Eine Rede für zwei. Lobt nicht nur die Aufopferung des pflegenden Partners. So gut es gemeint ist, es macht den anderen vor allen Gästen zur Last. Erzählt lieber, was die beiden einander bis heute geben.

Geschenke mit und ohne Platin

  • Die Eheringe von 1971. Ein Goldschmied kann die Ringe reinigen, aufpolieren und weiten oder enger machen, falls sie nicht mehr passen. Eine kleine Gravur mit der 55 macht daraus ein Geschenk.
  • Platin im Wortsinn. Wer das Material aufgreifen will, findet beim Juwelier kleine Schmuckstücke aus Platin. Nötig ist das nicht.
  • Ein Doppelporträt. Ein Foto der beiden von heute, vom Fotografen oder vom Enkel, gerahmt neben dem Hochzeitsbild von 1971.
  • 55 Erinnerungen. Jedes Familienmitglied schreibt eine Erinnerung an die beiden auf eine Karte. Zusammen ergibt das eine Schachtel voller Geschichten.
  • Entlastung schenken. Pflegt einer den anderen, ist freie Zeit oft das wertvollste Geschenk: feste Stunden im Monat, in denen jemand aus der Familie da ist, oder die Übernahme des Papierkrams, von Anträgen bis zu den Belegen für den Entlastungsbetrag.
  • Paarzeit mit Begleitung. Ein Ausflug für beide, bei dem jemand anderes Fahrdienst, Rollstuhl und Reservierung organisiert. Der pflegende Partner muss an diesem Tag nur eines sein: Ehemann oder Ehefrau.

Ein Satz für die Karte

Für den Glückwunsch gilt der Aufbau, den wir im Artikel zur Goldenen Hochzeit beschreiben: Anlass, ein konkretes Detail, ein Wunsch. Zwei Beispiele für 55 Jahre:

Zur Platinhochzeit alles Liebe. 55 Jahre, und ihr haltet euch beim Spazierengehen immer noch an der Hand. Wir wünschen euch viele gute Tage zu zweit.

Liebe Mama, lieber Papa, die letzten Jahre waren nicht leicht, und ihr habt sie gemeinsam getragen. Das beeindruckt uns mehr als jede Zahl. Alles Liebe zur Platinhochzeit, eure Kinder.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Platinhochzeit ist der 55. Hochzeitstag, auch Juwelenhochzeit genannt. Wer 2026 feiert, hat 1971 geheiratet.
  • Einen verbindlichen Standard gibt es nicht. Der Duden führt die Platinhochzeit als 70. Hochzeitstag. Schreibt im Zweifel die Zahl der Jahre dazu.
  • Der Bundespräsident gratuliert erst ab dem 65. Hochzeitstag. Länder und Gemeinden haben eigene Regeln, in Bayern etwa schreibt der Ministerpräsident auch zur Platinhochzeit.
  • Platin ist selten, beständig und läuft nicht an. Für die Herkunft des Namens gibt es keinen Beleg, und teurer als Gold ist Platin derzeit nicht.
  • Pflegt einer den anderen, ist Entlastung kein Verrat an der Ehe. Erste Anlaufstelle ist die Pflegeberatung nach § 7a SGB XI, dazu kommen Pflegekurse, Tagespflege, Verhinderungs- und Kurzzeitpflege und bis zu 131 Euro Entlastungsbetrag im Monat (Stand 2026).
  • In seelischen Krisen ist die TelefonSeelsorge rund um die Uhr kostenlos erreichbar: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123.

Quellen: Statistisches Bundesamt (Pflegestatistik 2023, Pressemitteilung Nr. 478 vom 18.12.2024; Ehen im Wandel), SGB XI und Bundesmeldegesetz (gesetze-im-internet.de), Bundesministerium für Gesundheit, wege-zur-pflege.de, Deutsche Alzheimer Gesellschaft, TelefonSeelsorge, Der Bundespräsident, BayernPortal, Staatsministerium Baden-Württemberg, Bundeszentrale für politische Bildung, Duden, Royal Society of Chemistry, US Geological Survey, Physikalisch-Technische Bundesanstalt, The Royal Family, Internationales Büro für Maß und Gewicht (BIPM).

Häufig gestellte Fragen

Wie nennt man den 55. Hochzeitstag?

Der 55. Hochzeitstag heißt Platinhochzeit, auch Juwelenhochzeit. Wer 2026 Platinhochzeit feiert, hat 1971 geheiratet, gezählt wird ab der standesamtlichen Trauung. Einen verbindlichen Standard für die Namen der Hochzeitstage gibt es allerdings nicht: Der Duden etwa führt die Platinhochzeit als 70. Hochzeitstag. Wer Missverständnisse vermeiden will, schreibt auf Karte oder Anzeige die Zahl der Jahre dazu.

Gratuliert der Bundespräsident zur Platinhochzeit?

Nein. Der Bundespräsident gratuliert Ehepaaren erst zum 65., 70., 75. und 80. Hochzeitstag, das erste Schreiben kommt also zur Eisernen Hochzeit. Zur Platinhochzeit können Glückwünsche vom Land oder von der Gemeinde kommen, die Regeln sind aber verschieden: In Bayern gratuliert der Ministerpräsident zu jedem halbrunden und runden Hochzeitstag ab dem 50., in Baden-Württemberg gehört der 55. nicht zu den Jubiläen mit Urkunde. Was vor Ort gilt, weiß die Wohnsitzgemeinde.

Wofür steht Platin beim 55. Hochzeitstag?

Platin ist selten, sehr widerstandsfähig und läuft so wenig an wie Gold. Übertragen steht es für eine Verbindung, die viel ausgehalten hat, ohne ihren Glanz zu verlieren. Eine belegte Herkunft des Namens Platinhochzeit gibt es nicht, und besonders alt kann er nicht sein, denn nach Europa kam das Metall erst um 1750. Dass Platin grundsätzlich wertvoller sei als Gold, stimmt ebenfalls nicht: Im Jahresschnitt 2025 kostete eine Feinunze Platin nur gut ein Drittel so viel wie eine Feinunze Gold.

Welche Hilfe gibt es, wenn ein Ehepartner den anderen pflegt?

Erste Anlaufstelle ist die Pflegekasse: Wer Leistungen der Pflegeversicherung bezieht oder beantragt hat, hat nach § 7a SGB XI Anspruch auf Pflegeberatung, auf Wunsch auch zu Hause. Stimmt der pflegebedürftige Partner zu, kann sich auch der pflegende beraten lassen. Entlasten können außerdem kostenlose Pflegekurse, der Entlastungsbetrag und ab Pflegegrad 2 Tagespflege, Verhinderungs- und Kurzzeitpflege. Bei starker Belastung hilft das Pflegetelefon des Bundesseniorenministeriums unter 030 20 17 91 31 (Montag bis Donnerstag, 9 bis 18 Uhr). In seelischen Krisen ist die TelefonSeelsorge rund um die Uhr und kostenlos erreichbar: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123.

Was schenkt man zur Platinhochzeit?

Platinschmuck ist möglich, aber nicht nötig. Gut passen Geschenke, die an die 55 gemeinsamen Jahre anknüpfen: die Eheringe von 1971 beim Goldschmied aufarbeiten oder anpassen lassen, ein aktuelles Doppelporträt neben dem Hochzeitsfoto oder 55 aufgeschriebene Erinnerungen aus der Familie. Pflegt einer den anderen, ist Entlastung oft das wertvollste Geschenk: feste Stunden, in denen jemand anderes da ist, oder Hilfe beim Papierkram mit der Pflegekasse.

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