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Frau und Mann in Arbeitskleidung schieben eine Schubkarre mit Heu über eine Wiese

Singlebörsen für Landwirte: Partnersuche in DE, AT und CH

Singlebörsen für Landwirte: wer hinter Landwirt-Flirt und Co. steht, was Premium kostet, welche Wege gratis sind und was für Ehe und Hof rechtlich gilt.

Laura Weber
Laura Weber
· 17 Min. Lesezeit

Auf einem Milchviehbetrieb wird morgens und abends gemolken, auch am Sonntag nach dem ersten Date. Wer einen Hof führt, zieht nicht einfach in die Stadt, weil die Liebe dort wohnt. Bei der Partnersuche in der Landwirtschaft geht es deshalb auch um die Frage, welches Leben man anbietet: eines mit festen Stallzeiten, manchmal mit den Eltern im Nachbarhaus und oft mit der offenen Frage, wer den Betrieb einmal weiterführt.

Spezialisierte Singlebörsen versprechen, genau dafür gemacht zu sein. Ein Blick ins Impressum zeigt allerdings: Vier Agrarbörsen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz betreibt dasselbe Unternehmen in Reutlingen, nach eigenen Angaben mit einem gemeinsamen Nutzerpool. Der Name einer Börse verrät deshalb wenig darüber, wen du dort triffst.

Warum die Partnersuche auf dem Hof eigene Regeln hat

Der offensichtlichste Unterschied ist die Zeit. Laut Agrarbericht 2025 des Bundesamts für Landwirtschaft nehmen Männer, die in der Schweizer Landwirtschaft selbständig sind oder im Familienbetrieb mitarbeiten, im Schnitt knapp sieben Ferientage im Jahr, Frauen rund fünfeinhalb, Gewerbetreibende dagegen 22. 37 Prozent der Männer und 49 Prozent der Frauen aus der Landwirtschaft hatten gar keine Ferien. Für Deutschland nennt der Pressedienst des Bundestags (hib 373/2023) aus der Landfrauen-Studie von Thünen-Institut und Universität Göttingen mit rund 7.000 befragten Frauen durchschnittlich elf Urlaubstage im Jahr. Für Österreich haben wir keine vergleichbare Erhebung gefunden.

Dazu kommt der Ort. Ein Hof lässt sich nicht verlegen. Wer sich in eine Landwirtin oder einen Landwirt verliebt, verliebt sich also auch in eine Adresse. In einer Online-Umfrage von agri EXPERTS, über die das Fachmagazin agrarheute 2018 berichtete, sagten 36 Prozent der Befragten, ihr landwirtschaftlicher Hintergrund habe die Partnersuche erschwert. Von ihnen nannten 27 Prozent die zeitliche und örtliche Gebundenheit an den Hof. Wie viele Menschen teilnahmen, nennt der Artikel nicht, die Zahlen sind also nur ein Stimmungsbild.

Drittens arbeitet auf einem Hof oft die Familie mit. In der Schweiz sind laut Bundesamt für Statistik 74 Prozent der Beschäftigten in der Landwirtschaft Familienangehörige. Wie Paare gegenüber Eltern und Schwiegereltern Grenzen ziehen, beschreibt unser Text zum Umgang mit Schwiegereltern.

Und schließlich hängt an der Partnersuche manchmal die Zukunft des Betriebs. Bei der Landwirtschaftszählung 2020 hatten in Deutschland nur 40.224 von 109.695 Einzelunternehmen mit einem Inhaber ab 55 Jahren eine Hofnachfolge, das sind 36,7 Prozent (eigene Berechnung). Bei 63,3 Prozent gab es keine oder nur eine ungewisse Nachfolge. In der Schweiz erreichen laut einer Agroscope-Auswertung von 2025, die auf Direktzahlungsdaten bis 2020 beruht, binnen fünf Jahren rund 7.000 Betriebsleitende die Altersgrenze von 65 Jahren für Direktzahlungen, das sind 17 Prozent der Familienbetriebe. Für Österreich weist die Agrarstrukturerhebung 2023 keine Zahlen zur Hofnachfolge aus.

Wie viele Landwirte sind Single?

Eine belastbare Zahl gibt es nicht. In den Veröffentlichungen der Statistikämter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die wir geprüft haben, fehlt ein Merkmal zum Familienstand der Betriebsleitung. Auf der Sendungsseite von RTL heißt es, über 70 Prozent der deutschen Landwirte seien Singles. Eine Quelle nennt der Sender nicht, eine amtliche Erhebung dazu haben wir nicht gefunden. Die Zahl kursiert, belegt ist sie nicht.

Belegt ist dagegen, wer die Betriebe leitet. In Deutschland wurde 2023 nur jeder neunte Betrieb (11 Prozent) von einer Frau geleitet, meldet das Statistische Bundesamt. In Österreich wurden 2023 laut Agrarstrukturerhebung von Statistik Austria 35,7 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe von Frauen geleitet, in der Schweiz waren es 2024 laut BFS 7,7 Prozent. Das zeigt allerdings nur, wer formal leitet: In einer Umfrage des Bundesamts für Landwirtschaft unter 778 Frauen aus der Schweizer Landwirtschaft gaben 2022 über zwei Drittel an, den Betrieb gemeinsam mit dem Partner oder der Partnerin zu leiten.

Agrar-Singlebörsen: wer dahintersteht und was sie kosten

Vier Namen, ein Betreiber

Landwirt-Flirt läuft unter der Adresse flirt.landwirt.com und wird vom Grazer Agrarportal landwirt.com präsentiert. Betrieben wird die Börse laut Impressum aber von der ICONY GmbH in Reutlingen, ebenso wie farmersingles.de („Das Original seit 2007“) und landflirt.de („seit bereits 2000“). Auch verliebt.bauernzeitung.ch, die Singlebörse der Schweizer BauernZeitung, läuft technisch über ICONY.

ICONY betreibt nach eigener Darstellung White-Label-Plattformen für Medienhäuser und Marken und schreibt: „Alle Plattformen im ICONY-System sind technisch miteinander verbunden und teilen sich denselben Nutzerpool.“ Genannt werden über 250 Partnerplattformen. Die Angabe „Über 750.000 sind schon dabei“ steht wortgleich auf mehreren Seiten des Netzwerks. Wofür sie gilt und wie viele Mitglieder aus der Landwirtschaft kommen, schreibt der Anbieter nicht. Die Seite farmersingles.de richtet sich ausdrücklich auch an Singles ohne landwirtschaftlichen Beruf.

Ein großer Pool kann auf dem Land helfen. Wer aber zwei dieser Börsen parallel bezahlt, sucht nach Anbieterangaben im selben Pool. Im Test der Fachzeitschrift agrarheute von 2022, bei dem ein Landwirt und eine Landwirtin drei Börsen je einen Monat lang nutzten, lagen die nächsten passenden Singles bei farmersingles.de 100 bis 150 Kilometer entfernt. Seriös wirkte die Seite auf beide trotzdem. Landflirt.de war damals noch ein Inseratportal und hat das Modell seither gewechselt, die damaligen Ergebnisse gelten für die heutige Seite nicht mehr.

Was Premium kostet und ob es eine App gibt

Registrierung und Basis-Mitgliedschaft sind bei allen vier Börsen kostenlos. Bei Landwirt-Flirt können Basis-Mitglieder ein Profil anlegen, große Teile der Suche nutzen und Nachrichten von Premium-Mitgliedern lesen und beantworten. Wer selbst unbegrenzt schreiben, alle Bilder sehen oder Video-Dates nutzen will, braucht Premium.

Laut den Hilfeseiten (Stand 01.10.2026) kostet ein Monat Premium bei Landwirt-Flirt, farmersingles.de und landflirt.de regulär 49,90 Euro. Bei längerer Laufzeit sinkt der Monatspreis auf 29,90 Euro (drei Monate), 21,90 Euro (sechs Monate) und 15,90 Euro (zwölf Monate, zusammen 190,80 Euro). Bei verliebt.bauernzeitung.ch kostet ein Monat 59,90 Franken, im Jahrespaket sind es 21,90 Franken pro Monat oder 262,80 Franken insgesamt. Alle Premium-Mitgliedschaften verlängern sich automatisch. Laut AGB von Landwirt-Flirt ist Premium „zum Ende der Mindestvertragslaufzeit“ oder jederzeit danach mit einer Frist von einem Monat kündbar.

Eine eigene App nennen weder Landwirt-Flirt noch farmersingles.de, beide laufen im Browser des Smartphones. Im Apple App Store fand sich am 01.10.2026 unter dem Suchbegriff „landwirt flirt“ keine App von ICONY, nur Apps anderer Firmen, die wir nicht geprüft haben. Schau vor dem Installieren also genau, wer dahintersteht.

Inserate statt Abo: Kammer, Zeitung, Kleinanzeigen

In Deutschland gibt es landwirt-sucht-frau.de, ein Kleinanzeigenportal mit Steckbriefen statt einer Mitgliederbörse, betrieben von einem Einzelunternehmer aus Pleinfeld. Inserieren ist kostenlos und geht ohne vorherige Registrierung. Wer über das Kontaktformular schreibt, gibt der inserierenden Person seine E-Mail-Adresse, eine eigene Adresse nur für die Partnersuche ist also sinnvoll. Am 01.10.2026 standen 486 Inserate online, kostenlose Einträge sind ausdrücklich als ungeprüft gekennzeichnet. Zusatzleistungen wie ein „geprüfter Eintrag“ mit Adressprüfung per Post kosten laut Shop einmalig 3 bis 10 Euro (Stand 01.10.2026) und verlängern sich nicht automatisch.

In Österreich tragen die neun Landwirtschaftskammern und die LK Österreich gemeinsam den Marktplatz anzeigen.lko.at mit der Partnerbörse „Besser zu zweit“. Was ein Inserat dort kostet, nennt das Formular nicht. Der Kleinanzeigenmarkt der österreichischen BauernZeitung hat eine Rubrik „Partnersuche“, laut den Mediadaten für 2026 bleiben Anzeigen dort 42 Tage kostenlos online. Hinter dem Namen „BauernZeitung“ stecken übrigens zwei verschiedene Angebote: diese Kleinanzeigen aus Wien und die Mitgliederbörse der Schweizer BauernZeitung aus dem ICONY-Netzwerk.

In der Schweiz gibt es das Inserateportal Schweizer Bauer Bekanntschaften, das als Kontakt die Betriebsgesellschaft „Schweizer Bauer“ nennt. Ein Inserat ist gratis und bleibt 14 Tage online, am 01.10.2026 waren es 31 Anzeigen.

Allgemeine Plattformen mit großem Radius

Mehr Auswahl bieten allgemeine Dating-Apps und Partnerbörsen, dafür musst du dort selbst herausfinden, wer mit dem Leben auf einem Hof etwas anfangen kann. Welche Apps in Österreich und der Schweiz verbreitet sind, zeigen unsere Überblicke zu Dating-Apps in Österreich und Dating-Apps in der Schweiz. Warum der Suchradius auf dem Land größer sein muss, erklärt unser Vergleich zwischen Dating in Stadt und Land.

Im Profil hilft Klartext über Stallzeiten, Saisonspitzen und die Frage, ob ein Umzug auf den Hof Voraussetzung wäre. Wie du es aufbaust, steht in der Anleitung für ein gutes Dating-Profil, wie du den Kontakt beginnst, im Text über die erste Nachricht.

Offline: Landjugend, Vereine und Feste

In der erwähnten Umfrage von agri EXPERTS aus dem Jahr 2018 hatten 27 Prozent der Befragten in einer Beziehung ihren Partner im Freundes- und Bekanntenkreis gefunden, 14 Prozent bei Arbeit, Ausbildung oder Freizeit, 7 Prozent über Online-Singlebörsen und 6 Prozent über soziale Medien. Jede und jeder Zweite war mit jemandem mit landwirtschaftlichem Hintergrund zusammen.

Ein naheliegender Ort ist die Landjugend, auch wenn sie keine Partnervermittlung ist. Die Landjugend Österreich nennt Gruppen in sechs von zehn Gemeinden und rund 90.000 Mitglieder (ohne Jahresangabe), seit den 1980er-Jahren auch solche ohne bäuerlichen Hintergrund. Der Bund der Deutschen Landjugend spricht von rund 100.000 jungen Menschen. In der Schweiz waren bei der 1956 gegründeten Landjugendkonferenz laut Historischem Lexikon der Schweiz von Anfang an viele Frauen dabei, was ihr bald den „Ruf eines Heiratsvermittlungsinstituts“ eintrug. Feste, Märkte, Kurse und Vereine funktionieren ähnlich: Man sieht sich wiederholt, bevor es um ein Date geht.

Bleibt das Fernsehen: „Bauer sucht Frau“ läuft bei RTL seit 2005 und in Österreich bei ATV, in der Schweiz zeigt der Sender 3+ „Bauer, ledig, sucht …“. Wer dort auftritt, hat sich bei der Produktion beworben und sucht vor Publikum. Das ist Unterhaltung, kein planbarer Weg.

Lockvogel-Anzeigen: das belegte Risiko

Dass Love-Scammer gezielt Landwirtinnen und Landwirte ansprechen, dafür haben wir keine Belege gefunden, weder bei Polizei und Verbraucherschützern noch in der Agrarpresse. Die allgemeinen Warnzeichen gelten trotzdem, sie stehen in unseren Texten über Romance Scam und Sicherheit beim Online-Dating.

Belegt ist ein anderes Muster: Partnervermittlungen, die Landwirte mit Inseraten attraktiver Frauen anlocken. Das Amtsgericht Augsburg berichtete 2016 über einen etwa 50-jährigen Landwirt, der sich auf eine Zeitungsannonce gemeldet hatte, in der „Daniela, 30 Jahre, Kindergärtnerin vom Land“ einen „treuen Landwirt“ suchte. Die Vermittlung kassierte 1.195 Euro und lieferte drei andere Vorschläge. Weil sie wusste, dass ihre Angaben zu der inserierten Frau falsch waren, sah das Gericht den Vertrag als nichtig an, das Geld musste zurück. Das Urteil ist rechtskräftig. Der Schweizer Beobachter berichtete 2008 über eine Vermittlerin, die in der „Tierwelt“ und der „Bauernzeitung“ heiratswillige Frauen anpries. Ein Appenzeller Landwirt zahlte 1.250 Franken für Kontakte, die meist ins Leere liefen.

In der Partnerbörse „Besser zu zweit“ der österreichischen Landwirtschaftskammern verwiesen am 01.10.2026 acht der zehn Anzeigen auf der ersten Seite auf Partnervermittlungen, über Telefonnummern, Agentur-Websites oder den Zusatz, eine Agentur „unterstützt“. Ob es die beschriebenen Menschen gibt, lässt sich von außen nicht prüfen. Ein Betrugsnachweis ist das nicht, es passt aber zu dem Muster, vor dem die Verbraucherzentrale warnt: Fotos attraktiver Menschen, erfundene Anzeigentexte und auf Nachfrage die Auskunft, die Person sei gerade vermittelt worden. Ihr Rat: nie alles im Voraus bezahlen, keinen Kredit aufnehmen und den Vertrag vor der Unterschrift zu Hause prüfen.

Woran du seriöse Börsen und echte Inserate erkennst

Fünf Prüfungen lohnen sich vor jeder Anmeldung, egal ob bei einer Agrarbörse, einem Kammerportal oder einer App.

  1. Impressum lesen. Wer betreibt die Seite, und in welchem Land? Hinter Landwirt-Flirt und verliebt.bauernzeitung.ch steht eine deutsche GmbH, bei Landwirt-Flirt sehen die AGB deutsches Recht vor. Ohne Impressum mit Anschrift meldest du dich besser nicht an.
  2. Preise und Verlängerung kennen. Viele Anbieter zeigen Preise erst nach der Anmeldung. Verlängert sich ein Abo automatisch, trag dir die Kündigungsfrist gleich in den Kalender ein.
  3. AGB auf fiktive Profile prüfen. Einige Chat-Seiten räumen in ihren eigenen AGB ein, dass Profile moderiert oder erfunden sind und echte Treffen gar nicht vorgesehen sind. AGB und Impressum liest du deshalb vor der Anmeldung, nicht erst nach der Zahlung.
  4. Prüfzeichen hinterfragen. Das Kennzeichen „ID-Checked“ bei Landwirt-Flirt gibt es schon nach einer SMS-Bestätigung oder mit Premium-Mitgliedschaft, der „geprüfte Eintrag“ bei landwirt-sucht-frau.de bestätigt die Postanschrift. Ein Identitätsnachweis ist beides nicht.
  5. Agentur-Inserate erkennen. Telefonnummern, Websites oder Agenturhinweise im Anzeigentext verraten eine Vermittlung. Frag, ob die Person existiert und was ein Kennenlernen kostet, bevor du Daten oder Geld herausgibst.

Bei Ärger mit Widerruf oder Kündigung hilft in Deutschland die Verbraucherzentrale. In Österreich sind Arbeiterkammer, VKI und Internet Ombudsstelle die Anlaufstellen, bei Anbietern mit Sitz in Deutschland auch das Europäische Verbraucherzentrum Österreich. ICONY erklärt im Impressum, freiwillig an Verfahren der Allgemeinen Verbraucherschlichtungsstelle in Kehl teilzunehmen. In der Schweiz gibt es kein allgemeines gesetzliches Widerrufsrecht für online abgeschlossene Abos. Anlaufstellen sind dort die Stiftung für Konsumentenschutz, die FRC in der Westschweiz und die ACSI in der italienischen Schweiz.

Ehe und Hof: was rechtlich anders ist

Spätestens wenn es ernst wird, geht es um Eigentum, Versicherung und Erbe, und jedes Land regelt das anders. Das Folgende ist Orientierung, keine Rechtsberatung. Für den eigenen Fall sind Landwirtschaftskammer, Bauernverband und Notariat die richtigen Adressen, am besten vor der Hochzeit.

Deutschland: Ertragswert, Höfeordnung, Alterskasse

Ohne Ehevertrag gilt die Zugewinngemeinschaft: Jeder behält sein Vermögen, bei einer Scheidung wird der Zuwachs in Geld ausgeglichen. Was ein Partner erbt oder geschenkt bekommt, etwa einen übergebenen Hof, zählt zu seinem Anfangsvermögen, ausgeglichen wird nur der spätere Wertzuwachs. Für Betriebe gilt eine Sonderregel: Nach § 1376 Abs. 4 BGB wird ein land- oder forstwirtschaftlicher Betrieb mit dem Ertragswert statt mit dem Verkehrswert angesetzt, wenn der Eigentümer ausgleichspflichtig ist und zu erwarten ist, dass er oder ein Abkömmling den Betrieb weiterführt oder wieder aufnimmt. Weil sich der Ertragswert am Reinertrag orientiert und nicht am Verkaufspreis, kann der Ausgleich für den anderen Partner kleiner ausfallen. Wer etwas anderes vereinbaren will, braucht einen Ehevertrag beim Notar. Ob sich das lohnt, besprechen wir im Text über Eheverträge.

In Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein gilt zusätzlich die Höfeordnung, und zwar für Höfe mit Hofstelle ab einem Grundsteuerwert von 54.000 Euro, sofern der Eigentümer sie nicht per Erklärung abwählt. Ein Hof fällt dort nur einem Erben zu. Bestimmt der Eigentümer nichts anderes, kommen kraft Gesetzes zuerst die Kinder zum Zug, danach der Ehegatte. Gehört der Hof beiden Eheleuten als Ehegattenhof, fällt beim Tod eines Partners dessen Anteil dem anderen zu. Erbt ein Kind, stehen dem überlebenden Ehegatten bis zu dessen 25. Geburtstag Verwaltung und Nutznießung zu. Danach kann er unter Bedingungen ein Altenteil verlangen, der Anspruch erlischt aber bei einer neuen Ehe. Die Voraussetzungen für einen Hof wurden zum 1. Januar 2025 neu gefasst, Übergangsregeln laufen bis 31. Dezember 2026. Eigene Anerbengesetze haben außerdem Rheinland-Pfalz, Hessen, Bremen, Brandenburg und Teile Badens.

Auch die Alterssicherung ändert sich. Nach dem Gesetz über die Alterssicherung der Landwirte gilt der Ehegatte eines Landwirts selbst als Landwirt und ist damit in der landwirtschaftlichen Alterskasse versicherungspflichtig, solange das Paar nicht dauernd getrennt lebt und er nicht voll erwerbsgemindert ist. Für eingetragene Lebenspartner gilt das entsprechend. Das kostet 2026 einen eigenen Beitrag von 325 Euro im Monat, bei niedrigem Einkommen mit Zuschuss (§§ 32, 68, 70 ALG). Binnen drei Monaten nach der Heirat müsst ihr der Alterskasse erklären, wer den Betrieb führt oder ob ihr ihn gemeinsam führt, sonst legt die Alterskasse das fest (§ 1 Abs. 3 ALG). Wer außerhalb der Landwirtschaft regelmäßig mehr als das Zwölffache der monatlichen Geringfügigkeitsgrenze im Jahr bezieht, kann sich auf Antrag befreien lassen (§ 3 ALG). Wird der Antrag binnen drei Monaten gestellt, gilt die Befreiung von Anfang an, sonst erst ab Antragseingang.

Österreich: Gütertrennung, Ehewohnung, SVS

In Österreich gilt ohne besondere Vereinbarung Gütertrennung: Jeder behält sein Eigentum, auch das während der Ehe erworbene. Bei einer Scheidung werden eheliches Gebrauchsvermögen und eheliche Ersparnisse aufgeteilt. Ausgenommen sind unter anderem Sachen, die jemand in die Ehe eingebracht, geerbt oder von Dritten geschenkt bekommen hat, und Sachen, die zu einem Unternehmen gehören (§ 82 EheG). Ein landwirtschaftlicher Betrieb ist ein solches Unternehmen und deshalb grundsätzlich von der Aufteilung ausgenommen, wie der Oberste Gerichtshof 2024 bestätigt hat (OGH 1 Ob 201/23z). Sein Wert fließt auch nicht rechnerisch in die Aufteilung ein.

Die wichtige Ausnahme ist das Wohnhaus. Hat das Paar im Bauernhaus gewohnt, unterliegt es als Ehewohnung nach ständiger Rechtsprechung der Aufteilung. Abgetrennt oder übertragen werden muss es deshalb nicht, das Gericht kann zum Beispiel ein Benützungsrecht einräumen. Hat ein Partner das Haus aber mitgebracht, geerbt oder von Dritten geschenkt bekommen, wird es nur eingeschränkt einbezogen (§ 82 Abs 2 EheG), etwa wenn der andere darauf angewiesen ist. Eine zweite Ausnahme betrifft eheliche Ersparnisse, die in den Betrieb geflossen sind, etwa für zugekaufte Flächen: Ihr Wert kann laut derselben Entscheidung in die Aufteilung einbezogen werden, in welchem Umfang, hängt vom Einzelfall ab.

Bei der Sozialversicherung ist die SVS zuständig. Wer im Betrieb des Ehepartners oder eingetragenen Partners hauptberuflich mitarbeitet, ist nach dem Bauern-Sozialversicherungsgesetz kranken- und pensionsversichert, sofern das Paar den Betrieb nicht auf gemeinsame Rechnung und Gefahr führt und für diese Mitarbeit keine Pflichtversicherung nach dem ASVG besteht. Führt ihr den Betrieb auf gemeinsame Rechnung und Gefahr, seid ihr beide als Betriebsführer versichert. Was besser passt, klärt ihr mit SVS und Landwirtschaftskammer.

Schweiz: Ertragswert, Bodenrecht, Absicherung ab 2027

In der Schweiz gilt ohne Ehevertrag die Errungenschaftsbeteiligung. Was jemand mitbringt oder erbt, bleibt Eigengut, geteilt wird vereinfacht gesagt der Zuwachs während der Ehe. Ein landwirtschaftliches Gewerbe, das der Eigentümer selbst weiterbewirtschaftet oder das der überlebende Ehegatte oder ein Nachkomme ungeteilt übernehmen will, wird dabei zum Ertragswert eingesetzt (Art. 212 ZGB). Ein Ehevertrag muss öffentlich beurkundet werden (Art. 184 ZGB). Beim Erben greift das bäuerliche Bodenrecht (BGBB): Wer erbt, den Hof selbst bewirtschaften will und dafür geeignet erscheint, kann die Zuweisung verlangen, angerechnet wird er grundsätzlich zum Ertragswert (Art. 11 und 17 BGBB). Übernimmt ein anderer Erbe, kann der überlebende Ehegatte, angerechnet auf seine Ansprüche, eine Nutznießung an einer Wohnung oder ein Wohnrecht verlangen, wenn die Umstände es zulassen.

Neu ist eine Regel zur sozialen Absicherung, die am 1. Januar 2027 in Kraft tritt, heute also noch nicht gilt. Wer Direktzahlungen bezieht, muss dann dafür sorgen, dass die Ehepartnerin, der Ehepartner oder die eingetragene Partnerin beziehungsweise der eingetragene Partner eigenständig versichert ist, wenn sie oder er regelmäßig und in beträchtlichem Maß auf dem Betrieb mitarbeitet. Als solche Mitarbeit gilt, wenn in der Steuererklärung ein Zweiverdienerabzug geltend gemacht wurde. Verlangt werden laut Direktzahlungsverordnung ein Taggeld bei Krankheit und Unfall von mindestens 100 Franken pro Tag und eine Risikovorsorge bei Invalidität und Tod, als Rente von mindestens 24.000 Franken im Jahr oder als Kapital von mindestens 300.000 Franken. Ausgenommen sind unter anderem Personen ab 65, Partner mit eigenem Einkommen über dem Mindestlohn nach dem BVG und Paare mit einem steuerbaren Einkommen von höchstens 12.000 Franken im Schnitt zweier Jahre. Für Jahrgang 1972 und älter besteht keine Pflicht.

Fehlt der Schutz, werden beim ersten Verstoß 10 Prozent aller Direktzahlungen gekürzt, mindestens 500 und höchstens 2.000 Franken pro Jahr, im ersten Wiederholungsfall das Doppelte, danach das Vierfache. Bei vorsätzlichen oder wiederholten Verstößen dürfen die Kantone die Beiträge bis zu fünf Jahre verweigern. Für unverheiratete Paare gilt die Regel nicht. Rat geben der Bauernverband und der Schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband, der Ratgeber zu Ehe, Ehevertrag und sozialer Absicherung anbietet.

Was vor dem Einzug auf den Hof geklärt sein sollte

Den Alltag regelt kein Gesetz. Vor dem Umzug auf den Hof lohnt ein ehrliches Gespräch über diese Punkte:

  • Wohnen: Eigene Wohnung, eigener Eingang oder ein Haus mit den Eltern?
  • Mitarbeit: Arbeitet die neue Partnerin oder der neue Partner im Betrieb mit, und wenn ja, mit Lohn, eigener Versicherung und Mitsprache?
  • Eigener Beruf: Bleibt der bisherige Job, und wie weit ist der Weg dorthin?
  • Eigentum: Wem gehört was, und braucht ihr einen Ehevertrag?
  • Nachfolge: Was erwarten die Eltern, und was gilt, wenn keine Kinder kommen oder die Kinder etwas anderes wollen?
  • Auszeiten: Wer übernimmt den Stall, wenn ihr eine Woche wegfahren wollt?

Bis zum Umzug führen manche Paare eine Weile eine Fernbeziehung, Hilfe dafür bieten unsere Tipps für Fernbeziehungen. Für die Zeit, die zwischen Stall und Feld bleibt, findest du Anregungen in den Outdoor-Date-Ideen für jede Jahreszeit und im Text darüber, wie du Dating und Beruf unter einen Hut bringst.

Häufig gestellte Fragen

Gibt es eine Landwirt-Flirt-App?

Eine eigene App nennt Landwirt-Flirt nicht. Laut Hilfeseite lässt sich die Börse auf dem Smartphone genauso nutzen wie am Computer. Auch farmersingles.de, das wie Landwirt-Flirt von der ICONY GmbH in Reutlingen betrieben wird, verweist in seiner FAQ auf eine mobile Website ohne Download. Bei einer Suche im Apple App Store nach „landwirt flirt“ fand sich am 01.10.2026 keine App von ICONY, nur Apps anderer Firmen. Wer eine solche App installieren will, sollte vorher prüfen, wer sie anbietet.

Ist Landwirt-Flirt kostenlos?

Teilweise. Registrierung und Basis-Mitgliedschaft kosten nichts. Basis-Mitglieder können ein Profil anlegen, große Teile der Suche nutzen und Nachrichten von Premium-Mitgliedern lesen und beantworten. Wer selbst unbegrenzt schreiben, alle Bilder sehen oder Video-Dates nutzen will, braucht Premium. Laut Hilfeseite kostet ein Monat regulär 49,90 Euro, bei zwölf Monaten Laufzeit sind es 15,90 Euro pro Monat (Stand 01.10.2026). Alle Premium-Mitgliedschaften verlängern sich automatisch.

Welche Singlebörse für Landwirte ist in Österreich seriös und kostenlos?

Der Name einer Börse sagt darüber wenig. Ob ein Angebot seriös ist, zeigen ein vollständiges Impressum, verständliche AGB, offene Preise und klare Kündigungsregeln. Für die Landwirtschaft gibt es in Österreich Wege mit Einschränkungen: Landwirt-Flirt ist in der Basis-Mitgliedschaft gratis, wird aber von der deutschen ICONY GmbH betrieben und kostet für unbegrenztes Schreiben Geld. Im Online-Kleinanzeigenmarkt der BauernZeitung gibt es eine Rubrik „Partnersuche“, Anzeigen bleiben dort laut Mediadaten 42 Tage kostenlos online. Bei der Partnerbörse „Besser zu zweit“ der Landwirtschaftskammern nennt das Inseratformular keinen Preis, und am 01.10.2026 verwiesen acht der zehn Anzeigen auf der ersten Seite auf Partnervermittlungen.

Wie viele Landwirte sind Single?

Das ist nicht bekannt. In den Veröffentlichungen der Statistikämter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die wir geprüft haben, fehlt ein Merkmal zum Familienstand der Betriebsleitung. Die Behauptung auf der Sendungsseite von RTL, die große Mehrheit der deutschen Landwirte sei Single, nennt keine Quelle. Belegt ist, wer die Betriebe leitet: In Deutschland wurde 2023 nur jeder neunte Betrieb von einer Frau geleitet, in der Schweiz waren es 2024 7,7 Prozent, in Österreich 2023 dagegen 35,7 Prozent.

Was passiert mit dem Hof bei einer Scheidung?

Das hängt vom Land ab. In Deutschland wird im gesetzlichen Güterstand der Zugewinn in Geld ausgeglichen. Ein land- oder forstwirtschaftlicher Betrieb wird dabei mit dem Ertragswert statt dem Verkehrswert angesetzt, wenn der Eigentümer ausgleichspflichtig ist und erwartet werden kann, dass er oder ein Abkömmling den Betrieb weiterführt oder wieder aufnimmt (§ 1376 Abs. 4 BGB). In Österreich ist ein landwirtschaftlicher Betrieb als Unternehmen grundsätzlich von der Aufteilung ausgenommen, das als Ehewohnung genutzte Wohnhaus unterliegt ihr aber (OGH 1 Ob 201/23z). Hat ein Partner das Haus in die Ehe mitgebracht, geerbt oder von Dritten geschenkt bekommen, wird es nur unter den engeren Voraussetzungen des § 82 Abs 2 EheG einbezogen, etwa wenn der andere darauf angewiesen ist. In der Schweiz wird ein landwirtschaftliches Gewerbe, das der Eigentümer selbst weiterbewirtschaftet, bei der güterrechtlichen Auseinandersetzung zum Ertragswert eingesetzt (Art. 212 ZGB). Den eigenen Fall klärt man am besten vor der Heirat mit Notariat, Landwirtschaftskammer oder Bauernverband.

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