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Familie beim Abendessen bei Kerzenlicht, ein Mann schöpft Essen auf, am Tisch sitzen eine Frau, ein Kind und die Großmutter

Schwiegereltern & Schwiegermutter: Probleme lösen, Grenzen setzen

Probleme mit Schwiegereltern oder Schwiegermutter? Wie ihr als Paar eine Linie findet, Grenzen setzt, Streit entschärft und wann weniger Kontakt richtig ist.

Sarah Kellner
Sarah Kellner
· · 17 Min. Lesezeit

Probleme mit den Schwiegereltern lösen sich selten dadurch, dass du dich noch mehr anstrengst. Sie lösen sich, wenn ihr als Paar eine gemeinsame Linie habt: Ihr klärt zuerst zu zweit, was euch wichtig ist, und dann spricht jeder mit den eigenen Eltern. Das gilt für die Schwiegermutter, die sich überall einmischt, genauso wie für Streit über Besuche, Geld oder die Erziehung der Enkel.

Die gute Nachricht vorweg: Viele Schwiegerverhältnisse sind besser als ihr Ruf. Die weniger gute: Wo es knirscht, verschwindet das Problem selten von allein, und es landet schnell zwischen euch beiden.

Dieser Ratgeber zeigt, was die Forschung tatsächlich weiß und was nur behauptet wird, mit welchen Sätzen ihr typische Situationen entschärft, was du tun kannst, wenn deine Schwiegermutter dich nicht mag, und wann weniger Kontakt die bessere Lösung ist, auch mit Blick auf Kinder und das Umgangsrecht der Großeltern.

Warum gibt es mit Schwiegereltern so oft Ärger?

Schwiegereltern sucht man sich nicht aus. Andrea Kettenbach, die an der FernUniversität in Hagen im Lehrgebiet Psychologie des Erwachsenenalters über Schwiegertöchter und Schwiegermütter promoviert hat, weist auf genau diesen Unterschied hin: Eine Freundschaft beginnen und beenden die Beteiligten selbst, die Schwiegerbeziehung dagegen hängt an der Paarbeziehung und ist nicht frei gewählt. Zwei Familien mit eigenen Gewohnheiten treffen aufeinander, und dazwischen steht ein Mensch, der beide Seiten liebt.

Wie oft es wirklich kracht, lässt sich für Deutschland nur grob sagen. Aktuelle repräsentative Zahlen haben wir nicht gefunden. Kettenbach hat ältere Zeitschriftenumfragen zusammengestellt: In einer GfK-Befragung für die „Apotheken Umschau“ aus dem Jahr 2002 nannten 72,5 Prozent der Frauen ihr Verhältnis zur Schwiegermutter gut oder sehr gut, 7,6 Prozent eher oder ganz schlecht. Mit den Schwiegervätern und bei den Männern sah es etwas besser aus. In einer Umfrage des Gewis-Instituts für die Zeitschrift „Freundin“ von 2006 unter 1.024 Frauen wünschten sich 37 Prozent mehr Distanz zur Schwiegermutter, 16 Prozent sprachen Einmischung an, und 94 Prozent erwarteten, dass ihr Partner bei Streit mit seiner Mutter hinter ihnen steht. Das sind Zahlen von vor rund 20 Jahren, erhoben im Auftrag von Zeitschriften. Sie zeigen eine Tendenz, mehr nicht.

Oft zitiert wird auch eine Zahl der britischen Psychologin Terri Apter: Mehr als 60 Prozent der Frauen hätten durch Reibereien mit der Schwiegermutter dauerhaften Stress, während nur 15 Prozent der Männer über ihre Schwiegermutter klagten. Sie stammt aus Presseberichten über Apters Interviewbuch „What Do You Want from Me?“, etwa im Time Magazine von 2008. Wie gefragt wurde, ist dort nicht nachvollziehbar, und die Angaben zur Zahl der Befragten schwanken (Time nennt 163, Publishers Weekly 150 Personen). Als Statistik taugt sie deshalb nicht.

Aufschlussreicher ist Kettenbachs eigene Untersuchung. Sie hat 34 Schwiegertöchter mit Kindern ausführlich befragt und deren Schwiegermütter vier Typen zugeordnet: der „lieben“, der „bösen“, der „nervigen, aber nützlichen“ und der „distanzierten und desinteressierten“ Schwiegermutter. Beim dritten Typ war die Einmischung am stärksten, bis in Erziehung und Partnerschaft hinein, zugleich halfen diese Frauen am meisten, vor allem bei der Kinderbetreuung. Und ausgerechnet hier konnten sich die Schwiegertöchter mehrheitlich nicht darauf verlassen, dass ihr Mann bei Streit zu ihnen hielt. Die Studie ist klein und zeigt nur die Sicht der Schwiegertöchter. Aber sie macht deutlich: Die meisten Schwiegerbeziehungen sind weder Märchen noch Albtraum, sondern Mischungen.

Erhöht Nähe zu den Schwiegereltern das Scheidungsrisiko?

Diese Frage geistert seit 2012 durch die Medien. Damals berichteten US-Medien über eine Langzeitstudie der Familienforscherin Terri Orbuch (University of Michigan und Soziologie-Institut der Oakland University): Paare, in denen der Mann sich den Schwiegereltern nahe fühlte, ließen sich 20 Prozent seltener scheiden, Paare, in denen die Frau sich den Schwiegereltern nahe fühlte, 20 Prozent häufiger. So stand es etwa beim Bostoner Sender WBUR, der sich auf das Wall Street Journal berief.

Die Studie selbst erschien 2013 in der Fachzeitschrift „Family Relations“ und sagt etwas Differenzierteres. Untersucht wurden 373 Paare aus dem Raum Detroit (Wayne County, Michigan), die im Frühjahr 1986 die Heiratslizenz für ihre erste Ehe beantragt hatten, 199 schwarze und 174 weiße Paare. Im ersten Ehejahr gaben beide mit einer einzigen Frage an, wie nah sie sich der Familie des anderen fühlten, auf einer Skala von 1 bis 4. Danach wurden die Paare 16 Jahre lang begleitet, bis dahin hatte sich knapp die Hälfte getrennt.

Das Ergebnis: Je näher sich ein Ehemann seinen Schwiegereltern fühlte, desto geringer war das Scheidungsrisiko, laut den Forschenden um rund 20 Prozent pro Skalenstufe (statistisch gemessen als sogenannte Odds), unabhängig von der Hautfarbe. Bei den Frauen kam es auf die Gruppe an. Bei weißen Frauen ging mehr Nähe zu den Schwiegereltern mit einem höheren Scheidungsrisiko einher, bei schwarzen Frauen mit einem niedrigeren. Eine pauschale Aussage über „die Frauen“ steht so nicht in der Studie. Die Autorinnen und Autoren deuten den Befund bei weißen Frauen so, dass enge Bande zu den Schwiegereltern es dem jungen Paar erschweren könnten, sich als Einheit abzugrenzen. Das ist eine Deutung, kein Nachweis. Gemessen wurde mit einer einzigen Frage, an US-Paaren aus den 1980er-Jahren, und die Studie zeigt Zusammenhänge, keine Ursachen.

Eine spätere Auswertung derselben Paare (Fiori und Kollegen, 2021) zeigt, wie unterschiedlich Partner ihre Familien erleben. 42 Prozent der Paare waren sich im ersten Ehejahr nicht einig, mit wessen Familie sie mehr Zeit verbringen, 58 Prozent nicht, an wessen Familie sie sich wenden würden, wenn sie Rat oder Hilfe bräuchten. Besonders häufig geschieden waren Paare, in denen der Mann glaubte, der Familie seiner Frau nahe zu sein, sie das aber anders sah: 26 von 36 dieser Paare, also 72 Prozent, gegenüber 46 Prozent in der gesamten Stichprobe. Eine kleine Gruppe, aber ein klarer Hinweis: Redet darüber, wie jeder von euch die Familien erlebt, statt anzunehmen, ihr sähet es gleich.

Die wichtigste Regel: Erst ihr zwei, dann die Familie

Eine gemeinsame Linie, bevor ihr nach außen geht. Klärt zu zweit, was euch wichtig ist: Wie oft wollt ihr Besuch? Was ist bei den Kindern nicht verhandelbar? Wo kommt ihr gern entgegen? Wenn ihr euch selbst nicht einig seid, ist das zuerst euer Thema und nicht das der Schwiegereltern.

Jeder spricht mit den eigenen Eltern. Das ist eine verbreitete Faustregel, und sie hat gute Gründe. Das eigene Kind kennt den Ton seiner Familie und ihre wunden Punkte. Und eine Grenze, die der Sohn oder die Tochter zieht, lässt sich schwerer als Angriff der „Neuen“ abtun. Ein Satz dafür: „Mama, das haben wir zusammen entschieden. Ich möchte nicht, dass du das mit ihr allein ausdiskutierst.“

Wir statt sie. „Wir haben uns entschieden, Weihnachten zu Hause zu feiern“ bietet weniger Angriffsfläche als „Sie will nicht kommen“. Das schützt den Partner, der in die Familie eingeheiratet hat.

Paarstreit gehört nicht an den Familientisch. Weder bei den Schwiegereltern noch bei den eigenen Eltern. Wer sich bei der Familie über den Partner beklagt, liefert Stoff für Vorbehalte, die lange bleiben können.

Die Regel gilt in beide Richtungen. Sind deine eigenen Eltern das Problem, bist du es, der oder die das Gespräch führt. Was du tun kannst, wenn deine Eltern deinen Partner ablehnen, beschreibt unser Beitrag über Eltern, die gegen die Beziehung sind.

Und wenn dein Partner nicht hinter dir steht?

Das ist oft der eigentliche Schmerz, nicht die Bemerkung der Schwiegermutter. Sprich es nicht direkt nach einem Familienessen an, sondern in einer ruhigen Stunde. Beschreibe eine konkrete Situation und was du dir das nächste Mal wünschst: „Als deine Mutter meine Arbeit kommentiert hat, hätte ich mir gewünscht, dass du sagst: ‚Das ist unser Thema.‘“

Dein Partner muss nicht zwischen dir und den Eltern wählen. Er oder sie darf die Eltern lieben und trotzdem für euch beide einstehen. Gelingt das auf Dauer nicht, ist eine Paarberatung der richtige Ort, dazu unten mehr.

Schwiegermutter mischt sich ein: Was sagt man in typischen Situationen?

Die folgenden Sätze sind Vorschläge, keine Formeln. Sie funktionieren am besten kurz, freundlich und ohne lange Rechtfertigung. Und ihr dürft sie wiederholen, statt jedes Mal neu zu begründen.

Unangekündigte Besuche

Klärt einmal grundsätzlich, wie ihr es halten wollt, am besten durch das eigene Kind: „Bitte ruft vorher an. Spontan passt es bei uns meistens nicht.“ Steht die Schwiegermutter trotzdem vor der Tür: „Schön, dass du an uns denkst. Heute passt es nicht, lass uns für Sonntag etwas ausmachen.“ Hat sie einen Schlüssel, vereinbart, wofür er gedacht ist, etwa für Notfälle. Wird er anders benutzt, ist es legitim, ihn zurückzuerbitten.

Ungefragte Ratschläge und Kritik

Ein Ratschlag ist noch keine Grenzverletzung. Du kannst ihn anhören, dich bedanken und trotzdem tun, was du für richtig hältst: „Danke, wir machen das so.“ Anders bei Kritik an deinem Aussehen, deinem Beruf oder eurem Haushalt. Hier reicht ein ruhiger Satz und ein Themenwechsel: „Das sehe ich anders, und dabei lassen wir es.“ Kommt dasselbe Thema immer wieder, spricht dein Partner es bei seiner Mutter an.

Erziehung der Enkel

Großeltern dürfen bei sich manches anders machen als ihr, das gehört zum Großelternsein dazu. Legt fest, was wirklich nicht verhandelbar ist, etwa Sicherheit, Gesundheit oder Allergien, und lasst bei Kleinigkeiten los. „Bei Süßigkeiten seid ihr Großeltern, da drücken wir ein Auge zu. Beim Kindersitz nicht.“ Streitet nicht vor den Kindern, sondern später unter Erwachsenen.

Geld und Geschenke mit Bedingungen

Hilfe von den Eltern ist ein Geschenk, solange keine Erwartungen daran hängen, über die niemand spricht. Wie verfahren das werden kann, zeigt ein Fall, über den 2017 der Bundesgerichtshof entschied: Eltern und Großeltern hatten 2011 schriftlich vereinbart, dass die Großeltern ein zinsloses Darlehen geben und dafür Umgang mit den Enkeln bekommen. Verweigern die Eltern den Umgang, sollte das Darlehen sofort fällig werden. Nach den Worten des Gerichts waren es die Eltern, die weiteren Umgang nur gegen dieses Darlehen zulassen wollten, und schon das zeige, „wie desolat das Verhältnis zwischen ihnen ist“. Der Streit, der schließlich vor Gericht landete, hatte zwar einen anderen Auslöser, aber der Fall zeigt, wie schnell Geld und Kontakt zu den Enkeln zum Tauschgeschäft werden, in beide Richtungen. Klärt deshalb vorher, ob mit Geld Mitsprache verbunden ist: „Danke, das ist großzügig. Aber wenn damit Mitspracherecht verbunden ist, nehmen wir es lieber nicht an.“

Feiertage

Feiertage sind der Klassiker, weil dort alle Erwartungen zusammenkommen. Verbreitete Lösungen sind ein jährlicher Wechsel zwischen den Familien, eine Aufteilung der Tage oder ein eigenes Fest zu Hause mit Besuchen danach. Wichtig ist nur, dass ihr früh entscheidet und die Entscheidung gemeinsam vertretet. Konkrete Tipps zu Geschenken, Übernachtung und Ablauf findet ihr in unserem Ratgeber Weihnachten bei den Schwiegereltern.

Hochzeit

Bei der Hochzeit prallen Erwartungen besonders heftig aufeinander, vor allem wenn Eltern Geld zuschießen. Auch hier gilt: erst einig werden, dann gemeinsam auftreten, und kleine Wünsche erfüllen, wo es euch wenig kostet. Wie ihr das konkret angeht, steht in unserem Beitrag über Hochzeitsplanung ohne Streit.

Kulturelle und religiöse Unterschiede

Wenn die Familien aus unterschiedlichen Kulturen oder Glaubensrichtungen kommen, geht es oft um mehr als um Stil: um die Frage, wie oft man sich sieht, welche Rolle Schwiegertochter oder Schwiegersohn spielen, wie die Kinder getauft oder erzogen werden. Hier ist das eigene Kind doppelt gefragt, als Übersetzer in beide Richtungen. Unterscheidet zwischen Traditionen, die ihr gern mittragt, und Erwartungen, die eure Grenzen überschreiten. Respekt vor einer Kultur heißt nicht, sich ihr unterzuordnen.

Wie setzt du der Schwiegermutter Grenzen, ohne dass es eskaliert?

Eine Grenze ist keine Strafe, sondern eine Auskunft darüber, was für euch geht und was nicht. Damit sie ankommt, helfen ein paar Grundsätze.

  • Eine Sache, konkret. „Bitte kommentiere mein Gewicht nicht“ ist klarer als „Du bist immer so übergriffig“.
  • Ruhig und ohne Publikum. Nicht am vollen Familientisch, nicht im Affekt.
  • Kurze Begründung, keine Verhandlung. Je länger die Rechtfertigung, desto mehr Angriffsfläche.
  • Konsequenzen betreffen euer Verhalten. „Wenn das Thema wieder aufkommt, fahren wir früher nach Hause.“ Dann tut ihr es auch, ruhig und ohne Drama.
  • Nur ankündigen, was ihr durchzieht. Wer dreimal mit Kontaktabbruch droht und es nie tut, verliert Glaubwürdigkeit.
  • Den Rahmen ändern. Kürzere Besuche, Treffen im Café statt am Sonntagstisch, ein Hotel statt des Gästezimmers, Spaziergänge zwischendurch. Oft entschärft das mehr als jedes Grundsatzgespräch.

Rechne damit, dass die erste Reaktion gekränkt ausfallen kann. Das heißt nicht, dass die Grenze falsch war. Neue Regeln brauchen oft eine Weile, bis sie selbstverständlich sind.

Wenn die Schwiegermutter respektlos wird, etwa dich vor anderen herabsetzt, reagiere sofort und knapp: „So möchte ich nicht über mich reden lassen.“ Dann verlässt du notfalls den Raum. Dein Partner sollte das später bei seiner Mutter ansprechen, damit die Grenze nicht nur von dir kommt.

„Meine Schwiegermutter mag mich nicht“: Was kannst du tun?

Prüfe zuerst, womit du es zu tun hast. Kühle Zurückhaltung ist nicht dasselbe wie Ablehnung. Kettenbach beschreibt einen Typ der „distanzierten und desinteressierten“ Schwiegermutter: reserviert, drängt sich nicht auf, ist aber schnell gekränkt und zeigt wenig Interesse am Leben der Schwiegertochter und der Enkel. Offene Abneigung war bei diesem Typ kaum Thema, das Desinteresse belastete die Schwiegertöchter aber sehr. Manche Menschen brauchen einfach lange, bis sie jemanden in die Familie lassen.

Was helfen kann:

  • Zeit und Verlässlichkeit. Kleine, beständige Gesten wirken oft mehr als ein großer Auftritt: zum Geburtstag anrufen, nach etwas fragen, das ihr wichtig ist.
  • Ehrliches Interesse an ihrer Welt. Nicht als Taktik, sondern weil sie zum Leben deines Partners gehört.
  • Ein offenes Gespräch, wenn du dir das zutraust und dein Partner einverstanden ist: „Ich habe das Gefühl, zwischen uns ist etwas schiefgelaufen. Magst du mir sagen, was?“ Dahinter kann ein Missverständnis stecken oder die Sorge, das eigene Kind zu verlieren.

Was selten hilft:

  • Dich zu verbiegen. Wer sich verstellt, um zu gefallen, hält das nicht durch.
  • Ein Wettbewerb um den Partner. Du musst nicht wichtiger sein als seine Mutter, du hast einen anderen Platz.
  • Den Partner zur Wahl zwingen. „Sie oder ich“ macht aus einem Familienproblem eine Beziehungskrise.

Sympathie lässt sich nicht erzwingen. Ein realistisches Ziel ist ein höflicher, respektvoller Umgang. Mehr darf entstehen, muss aber nicht.

Wann ist es mehr als ein normaler Konflikt?

Reibung, unterschiedliche Ansichten und gelegentliche Kränkungen gehören zu Familien. Etwas anderes ist es, wenn Abwertung zum Muster wird: wenn jemand dich systematisch kleinmacht, Lügen verbreitet, euch gegeneinander ausspielt oder jede Grenze bewusst übergeht. Was dann hilft und wie du dich schützt, beschreibt unser Ratgeber zu toxischen Schwiegereltern.

Drohungen, Kontrolle oder Gewalt sind keine Familienreibung. Hilfe gibt es beim Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen unter 116 016 (rund um die Uhr, kostenlos, anonym), beim Hilfetelefon Gewalt an Männern unter 0800 1239900 (Montag bis Donnerstag 8 bis 20 Uhr, Freitag 8 bis 15 Uhr), bei der TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123 und bei akuter Gefahr unter 110.

Kontakt reduzieren oder abbrechen: Was bedeutet das für Partner und Kinder?

Zwischen „jeden Sonntag“ und „nie wieder“ gibt es viele Stufen: seltenere oder kürzere Besuche, Treffen an neutralen Orten, Besuche, zu denen nur dein Partner fährt, eine verabredete Pause. Oft reicht eine dieser Stufen, damit wieder Luft entsteht.

Bevor ihr den Kontakt einschränkt, bedenkt, was das für deinen Partner bedeutet. Es sind seine Eltern. Selbst wenn er den Schritt richtig findet, können Trauer, Schuldgefühle und Druck von Geschwistern folgen. Die Entscheidung sollte deshalb gemeinsam fallen. Ein legitimer Mittelweg ist, dass du Abstand hältst, während dein Partner den Kontakt pflegt.

Was gilt für die Enkel?

Mit Kindern wird die Frage schwerer, denn sie verlieren unter Umständen eine eigene Beziehung. Das Gesetz sieht diese Bindungen durchaus: Nach § 1626 Abs. 3 BGB gehört zum Wohl des Kindes in der Regel auch der Umgang mit anderen Personen, zu denen es Bindungen besitzt, „wenn ihre Aufrechterhaltung für seine Entwicklung förderlich ist“.

Ein eigenes Umgangsrecht haben Großeltern nach § 1685 Abs. 1 BGB. Der Wortlaut: „Großeltern und Geschwister haben ein Recht auf Umgang mit dem Kind, wenn dieser dem Wohl des Kindes dient.“ Anders als bei den Eltern wird das nicht vermutet, sondern im Einzelfall geprüft. Über § 1685 Abs. 3 gilt für Großeltern zudem die Pflicht aus § 1684 Abs. 2 BGB, alles zu unterlassen, was das Verhältnis des Kindes zu den Eltern beeinträchtigt oder die Erziehung erschwert.

Der Bundesgerichtshof hat 2017 (Az. XII ZB 350/16) klargestellt: Sind die Eltern, die den Umgang ablehnen, und die Großeltern so zerstritten, dass das Kind in einen Loyalitätskonflikt geriete, dient der Umgang regelmäßig nicht seinem Wohl. Missachten Großeltern den Erziehungsvorrang der Eltern, spricht das ebenfalls gegen ein Umgangsrecht.

Großeltern, die den Kontakt verlieren, können sich vom Jugendamt beraten lassen. Nach § 18 Abs. 3 SGB VIII haben neben den Eltern auch „andere Umgangsberechtigte“ Anspruch auf Beratung und Unterstützung bei der Ausübung des Umgangsrechts, die Vorschrift nennt dabei ausdrücklich auch § 1685 BGB. Das Jugendamt soll vermitteln, entscheiden kann im Streitfall nur das Familiengericht. Mehr dazu, was das Gesetz Großeltern tatsächlich zugesteht, steht in unserem Beitrag zum Umgangsrecht der Großeltern.

Das ist eine allgemeine Darstellung der Rechtslage (Stand Oktober 2026), keine Rechtsberatung. Im Einzelfall hilft eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt für Familienrecht.

Wo bekommt ihr Unterstützung?

Wenn ihr euch als Paar festfahrt, ist Beratung kein Eingeständnis, sondern ein Werkzeug. Und sie muss nicht teuer sein.

Paar- und Lebensberatung. Kirchliche und andere Träger bieten Ehe-, Familien- und Lebensberatung an, oft für alle, nicht nur für Kirchenmitglieder. Die Beratungsstellen des Bistums Trier beraten nach eigenen Angaben unabhängig von Religion, Weltanschauung und Nationalität, freiwillig, vertraulich und kostenfrei. Die Ehe-, Familien- und Lebensberatung des Erzbistums München und Freising erhebt nach eigenen Angaben grundsätzlich keine Kosten und bittet um Spenden. Andere verlangen einen Beitrag nach Einkommen: Bei der Familien- und Lebensberatung der Bremischen Evangelischen Kirche sind es bis 1.000 Euro Nettoeinkommen 1 Prozent davon, darüber 1,5 Prozent, bei Paaren vom gemeinsamen Netto. Bei 2.000 Euro netto im Monat wären das 30 Euro je Beratungsstunde; wer einen Termin nicht rechtzeitig absagt, zahlt laut Flyer „auch für diese Stunde“ den vereinbarten Beitrag.

Euer Anspruch als Eltern. Mütter und Väter, die für ein Kind sorgen, haben nach § 17 SGB VIII Anspruch auf Beratung in Fragen der Partnerschaft. Die Beratung soll unter anderem helfen, „Konflikte und Krisen in der Familie zu bewältigen“.

Erziehungs- und Familienberatung. Streitet ihr mit den Großeltern vor allem über die Kinder, sind Erziehungsberatungsstellen eine gute Adresse. Nach Angaben der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung gibt es über 1.000 solcher Stellen, die Beratung ist vertraulich und kostenfrei.

Eine Stelle finden. Der Beratungsführer der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugend- und Eheberatung (DAJEB) listet nach eigenen Angaben 14.097 Beratungsstellen (Stand 6. Oktober 2026).

Was die Krankenkasse nicht zahlt. Eine Paartherapie gehört nicht zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen; laut Barmer zählt sie zu den Therapien, die allgemeine Lebensprobleme betreffen. Freie Praxen legen ihre Honorare selbst fest, fragt vorher nach dem Preis pro Sitzung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Erst ihr zwei, dann die Familie: Klärt strittige Fragen zuerst als Paar und tretet dann gemeinsam auf.
  • Eine verbreitete Faustregel: Jeder spricht mit den eigenen Eltern, auch wenn es unangenehm ist.
  • Grenzen wirken, wenn sie konkret, ruhig und wiederholbar sind; Konsequenzen betreffen euer eigenes Verhalten und werden nur angekündigt, wenn ihr sie umsetzt.
  • Die oft zitierten Zahlen über Schwiegermütter sind alt oder nicht überprüfbar; eine US-Langzeitstudie zeigt, dass der Zusammenhang zwischen Nähe zu den Schwiegereltern und Scheidung von Geschlecht und Gruppe abhängt.
  • Wenn deine Schwiegermutter dich nicht mag, können Zeit, Interesse und Verlässlichkeit helfen, Verbiegen hilft selten; realistisches Ziel ist ein respektvoller Umgang, mehr darf entstehen, muss aber nicht.
  • Weniger Kontakt ist legitim, sollte aber gemeinsam entschieden werden; Großeltern haben nach § 1685 BGB nur dann ein Umgangsrecht, wenn der Umgang dem Wohl des Kindes dient.
  • Kostenlose oder einkommensabhängige Paar- und Familienberatung gibt es bundesweit; die gesetzliche Krankenkasse zahlt Paartherapie nicht.

Quellen: Orbuch u. a. (2013), Family Relations, Volltext in PubMed Central · Fiori u. a. (2021), Research in Human Development, Volltext in PubMed Central · WBUR (27.11.2012): The Outsized Power of the Son-in-Law · Kettenbach (2011): Liebe oder böse Schwiegermutter?, BIOS 24(1) · Time (04.12.2008) zu Terri Apter · Publishers Weekly zu „What Do You Want from Me?“ · § 1685 BGB · § 1684 BGB · § 1626 BGB · BGH, Beschluss vom 12.07.2017, XII ZB 350/16 (Volltext) · § 17 SGB VIII · § 18 SGB VIII · Bistum Trier: Lebensberatung · Erzbistum München und Freising: Ehe-, Familien- und Lebensberatung · Bremische Evangelische Kirche: Kostenbeteiligung (PDF) · Bundeskonferenz für Erziehungsberatung · DAJEB: Beratungsführer online · Barmer: Kostenübernahme Psychotherapie · Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen 116 016 · Hilfetelefon Gewalt an Männern · TelefonSeelsorge

Häufig gestellte Fragen

Was tun, wenn die Schwiegermutter sich ständig einmischt?

Klärt zuerst als Paar, welche Themen ihr allein entscheidet, etwa Erziehung, Wohnung oder Geld. Dann spricht in der Regel das eigene Kind mit seiner Mutter, kurz und freundlich, zum Beispiel: „Danke, aber das haben wir schon entschieden.“ Begründet die Grenze nicht jedes Mal neu, sondern wiederholt sie. Kündigt nur Konsequenzen an, die ihr auch umsetzt, etwa einen Besuch früher zu beenden.

Was kann ich tun, wenn meine Schwiegermutter mich nicht mag?

Prüfe zuerst, ob sie dich wirklich ablehnt oder einfach zurückhaltend ist. Helfen können Zeit, ehrliches Interesse, verlässliche kleine Gesten und, wenn du dir das zutraust und dein Partner oder deine Partnerin einverstanden ist, ein ruhiges Gespräch unter vier Augen. Dich zu verbiegen, um ihr zu gefallen, hilft selten. Sympathie lässt sich nicht erzwingen, ein realistisches Ziel ist ein respektvoller Umgang. Bei abwertenden Bemerkungen setzt du eine klare Grenze, und dein Partner oder deine Partnerin sollte dich dabei unterstützen.

Wer sollte mit den Schwiegereltern über Probleme sprechen?

Eine verbreitete Faustregel lautet: Jeder spricht mit den eigenen Eltern. Das eigene Kind kennt den Ton der Familie, und die Botschaft kommt nicht von der Person, die neu dazugekommen ist. Vorher solltet ihr euch zu zweit auf eine gemeinsame Linie einigen und dann als Paar auftreten, also „wir haben entschieden“ statt „sie will das so“. Konflikte direkt zwischen dir und deiner Schwiegermutter kannst du auch selbst ansprechen.

Ist es in Ordnung, den Kontakt zu den Schwiegereltern abzubrechen?

Weniger Kontakt oder eine Pause kann sinnvoll sein, wenn Grenzen dauerhaft missachtet werden oder die Begegnungen euch schaden. Weil es um die Eltern deines Partners oder deiner Partnerin geht, sollte die Entscheidung gemeinsam fallen. Ein Mittelweg ist, dass du Abstand hältst, während dein Partner den Kontakt weiter pflegt. Habt ihr Kinder, bedenkt, dass sie eine eigene Beziehung zu den Großeltern verlieren können; Großeltern haben nach § 1685 BGB ein Umgangsrecht, wenn der Umgang dem Wohl des Kindes dient. Bei Drohungen, Kontrolle oder Gewalt geht dein Schutz vor. Hilfe gibt es beim Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen unter 116 016 (rund um die Uhr), beim Hilfetelefon Gewalt an Männern unter 0800 1239900 (Montag bis Donnerstag 8 bis 20 Uhr, Freitag 8 bis 15 Uhr) und bei akuter Gefahr unter 110.

Haben Großeltern ein Recht darauf, ihre Enkel zu sehen?

Nach § 1685 Abs. 1 BGB haben Großeltern ein Recht auf Umgang mit dem Enkelkind, aber nur, wenn der Umgang dem Wohl des Kindes dient. Das wird nicht vermutet, sondern im Einzelfall geprüft. Der Bundesgerichtshof hat 2017 entschieden, dass der Umgang dem Kindeswohl regelmäßig nicht dient, wenn die ablehnenden Eltern und die Großeltern so zerstritten sind, dass das Kind in einen Loyalitätskonflikt geriete. Das ist eine allgemeine Information, keine Rechtsberatung; im Einzelfall hilft eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt für Familienrecht.

Wo bekommen Paare Hilfe bei Konflikten mit den Schwiegereltern?

Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen beraten auch bei Familienkonflikten, je nach Träger kostenlos oder gegen einen Beitrag nach Einkommen; die Beratung des Bistums Trier etwa ist kostenfrei und unabhängig von der Religion. Mütter und Väter, die für ein Kind sorgen, haben nach § 17 SGB VIII Anspruch auf Beratung in Fragen der Partnerschaft. Beratungsstellen in der Nähe findet der Beratungsführer der DAJEB. Die gesetzliche Krankenkasse bezahlt eine Paartherapie nicht.

Erhöht Nähe zu den Schwiegereltern das Scheidungsrisiko?

Eine US-Langzeitstudie mit 373 Paaren, die 1986 geheiratet hatten, fand: Fühlten sich Männer ihren Schwiegereltern nahe, ließen sich die Paare in den folgenden 16 Jahren seltener scheiden. Bei Frauen hing es von der Gruppe ab: Bei weißen Frauen ging Nähe zu den Schwiegereltern mit mehr, bei schwarzen Frauen mit weniger Scheidungen einher. Die oft verbreitete Aussage, Frauen mit enger Bindung an die Schwiegereltern ließen sich generell 20 Prozent häufiger scheiden, gibt die Studie so nicht her. Sie zeigt Zusammenhänge, keine Ursachen.

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