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Sortierte Karten mit Gefühlsbegriffen auf einem Holztisch, Hand legt eine Karte ab

Gefühle-Liste: 141 Emotionen erkennen und benennen

Gefühle-Liste zum Nachschlagen: 141 Emotionen in neun Gruppen, jede einzeln abgegrenzt. Welche Gefühle gibt es und welches Wort passt auf deins?

Laura Weber
Laura Weber
· · 23 Min. Lesezeit

Gefühle lassen sich in neun Gruppen ordnen: Freude, Liebe, Interesse und Ruhe auf der angenehmen Seite, Trauer, Angst, Wut, Scham und Ekel auf der unangenehmen, dazu gemischte Gefühle. Diese Liste führt 141 davon einzeln auf, durchnummeriert und jeweils mit dem einen Satz, der sie vom Nachbarwort trennt. So findest du das Wort, das wirklich passt.

Welche Gefühle gibt es?

Die meisten von uns kommen im Alltag mit drei Vokabeln aus: gut, schlecht und stressig. Das reicht für das Wetter, aber nicht für das eigene Innenleben. Wenn du sagst, dir gehe es schlecht, bleibt offen, ob du enttäuscht, gekränkt, überfordert oder einsam bist – und jedes dieser vier Wörter legt eine andere Reaktion nahe.

Diese Liste ist deshalb als Nachschlagewerk gebaut: Sie sagt dir nicht, was du mit einem Gefühl tun sollst, sondern nur, wie es heißt. Sie sortiert 141 Gefühle in neun Gruppen, nummeriert sie durch und gibt jedem einen Satz mit, der es von seinen unmittelbaren Nachbarn abgrenzt. Denn genau da liegt die Schwierigkeit: Wut, Ärger und Groll fühlen sich ähnlich an und meinen doch drei verschiedene Dinge.

Die neun Gruppen im Überblick

GruppeNummernWorum es geht
Freude, Genuss und Lebendigkeit1 bis 18etwas ist gut, und du bist mitten drin
Liebe, Nähe und Verbundenheit19 bis 32ein anderer Mensch ist dir wichtig
Interesse, Zuversicht und Ruhe33 bis 56es zieht dich nach vorn oder du kommst zur Ruhe
Trauer, Verlust und Sehnsucht57 bis 72etwas fehlt oder ist weg
Angst, Sorge und Unsicherheit73 bis 88etwas bedroht dich oder könnte es tun
Wut, Ärger und Groll89 bis 102eine Grenze wurde überschritten
Scham, Schuld und Selbstzweifel103 bis 113es geht um deinen eigenen Wert
Ekel, Abneigung und Erschöpfung114 bis 131du willst weg, oder es ist nichts mehr da
Gemischte Gefühle132 bis 141zwei Richtungen zugleich

Du musst die Liste nicht am Stück lesen. Spring in die Gruppe, die zu deiner Grundrichtung passt, und lies dort die Abgrenzungen. Der Rest wartet.

Gefühl, Emotion, Affekt und Stimmung

Im Alltag sind Gefühl und Emotion Synonyme, und das ist völlig in Ordnung. Fachsprachlich meint Emotion eher die kurze, körperlich messbare Reaktion auf ein konkretes Ereignis, Gefühl eher das bewusste Erleben dieser Reaktion. Der Affekt ist eine sehr intensive, kaum steuerbare Regung, die Stimmung dagegen hält länger an, ist diffuser und hat oft keinen einzelnen Auslöser.

Ein Teil der folgenden Wörter bezeichnet streng genommen keine Emotion, sondern einen Zustand wie Müdigkeit, eine Überzeugung wie Hilflosigkeit oder eine Haltung wie Optimismus. Sie stehen trotzdem in der Liste, weil sie die Antworten sind, die Menschen geben, wenn man sie fragt, wie es ihnen geht – und weil du genau danach suchst.

Für die Arbeit mit dieser Liste zählt vor allem eins: Ein einzelnes Wort trifft eine gerichtete Emotion meist gut, eine breite Stimmung dagegen selten. Wenn dir partout kein Begriff passend erscheint, beschreibst du vermutlich eine Stimmung – und dann sind zwei oder drei Wörter zusammen die richtige Antwort, nicht eines.

Wie viele Gefühle gibt es überhaupt?

Eine feste Zahl gibt es nicht. Wie viele Gefühle man zählt, hängt davon ab, welches Modell man anlegt, und die Modelle widersprechen sich. Wer dir eine exakte Zahl nennt, verkauft dir eine Vereinfachung.

Die Basisemotionen nach Paul Ekman

Der Psychologe Paul Ekman untersuchte ab den 1970er Jahren Gesichtsausdrücke in sehr unterschiedlichen Kulturen. Aus dieser Arbeit stammt die bekannteste Liste der Basisemotionen: Ärger, Ekel, Angst, Freude, Trauer und Überraschung. Später kam Verachtung als siebte hinzu; die Paul Ekman Group beschreibt sie als die am besten belegte siebte Emotion.

Wichtig ist der Nachsatz, den dieselbe Quelle macht: Unter Fachleuten gibt es unterschiedliche Auffassungen, und die meisten Emotionsforscher gehen von mindestens fünf Kernemotionen aus. Die Zahl der Basisemotionen ist also umstritten – je nach Modell werden vier, sechs, sieben oder acht angesetzt. Umstritten ist sogar, ob sich Emotionen überhaupt in universelle Kategorien schneiden lassen; ein Teil der Forschung hält Sprache und Kultur für stärker beteiligt, als die Mimikforschung nahelegt.

Plutchiks Rad der Emotionen ist ein anderes Modell

Hier wird häufig etwas durcheinandergebracht, deshalb ausdrücklich getrennt: Das Rad der Gefühle stammt nicht von Ekman, sondern von Robert Plutchik, und es ist ein eigenständiges Modell mit eigener Logik. Plutchik setzt acht Grundemotionen an und ordnet sie in vier Gegensatzpaaren an: Freude gegen Trauer, Vertrauen gegen Ekel, Angst gegen Wut, Überraschung gegen Erwartung.

Zwei Gedanken machen das Rad praktisch. Erstens haben Gefühle Intensitätsstufen: Aus Freude wird gesteigert Ekstase und abgeschwächt Gelassenheit, aus Wut gesteigert Raserei und abgeschwächt Verärgerung. Zweitens entstehen aus benachbarten Grundemotionen Mischformen, die Plutchik Dyaden nennt – Freude und Vertrauen ergeben Liebe, Ekel und Wut ergeben Verachtung, Erwartung und Freude ergeben Optimismus.

Ekman und Plutchik lassen sich nicht ineinander umrechnen. Ekman kommt von der Mimik und zählt sechs bis sieben, Plutchik kommt von einem Farbkreis-Gedanken und zählt acht. Beide sind Landkarten, keine Messwerte. Nachschlagen lassen sich die Grundbegriffe unabhängig davon im Lexikon der Psychologie und im Fachlexikon Dorsch.

Für den Alltag ist die Streitfrage ohnehin zweitrangig. Entscheidend ist nicht, wie viele Grundgefühle es gibt, sondern wie viele Wörter du zur Verfügung hast, wenn du gerade etwas fühlst. Dafür kommen jetzt 141.

Freude, Genuss und Lebendigkeit (Nr. 1 bis 18)

Diese Gefühle stellen sich ein, wenn etwas gut läuft, gut schmeckt oder gut tut. Sie unterscheiden sich vor allem in drei Dingen: wie laut sie sind, wie lange sie halten und ob sie sich auf einen Moment oder auf dein ganzes Leben beziehen.

  • 1. Freude – die breite, warme Zustimmung zu dem, was gerade ist; das Grundgefühl dieser Gruppe.
  • 2. Fröhlichkeit – Freude, die nach außen geht und für andere sichtbar wird.
  • 3. Heiterkeit – eine leichte Grundhelligkeit ohne konkreten Anlass; ruhiger als Fröhlichkeit.
  • 4. Ausgelassenheit – Freude, die die üblichen Bremsen löst; lauter und körperlicher.
  • 5. Übermut – Ausgelassenheit mit einem Schuss Risiko; du gehst weiter, als du nüchtern gehen würdest.
  • 6. Ekstase – Freude auf höchster Stufe, die das Zeitgefühl auflöst.
  • 7. Glück – Freude, die sich auf dein Leben im Ganzen bezieht statt auf einen Moment.
  • 8. Euphorie – hochgedrehte Hochstimmung ohne Boden; anders als Ekstase bleibt das Zeitgefühl erhalten, du merkst nur nicht, dass es kippt.
  • 9. Begeisterung – Freude, die auf eine Sache gerichtet ist und Energie freisetzt.
  • 10. Genuss – Freude über einen Sinnesreiz im Hier und Jetzt: Geschmack, Musik, Berührung.
  • 11. Wohlbehagen – körperliche Zufriedenheit ohne jede Aufregung; satt, warm, bequem.
  • 12. Beschwingtheit – leichter Antrieb, der dich in Bewegung bringt; zwischen Ruhe und Begeisterung.
  • 13. Lebendigkeit – das Gefühl, mit dir und der Welt wirklich in Kontakt zu sein; anders als Beschwingtheit braucht es keinen Schwung, nur Wachheit.
  • 14. Tatendrang – Lebendigkeit, die in Richtung Handeln drängt und ein Ventil sucht.
  • 15. Stolz – Freude über etwas, das du selbst geschafft hast.
  • 16. Selbstsicherheit – das ruhige Zutrauen, der Lage gewachsen zu sein; anders als Stolz braucht es keinen Erfolg als Anlass.
  • 17. Triumph – Stolz mit Gegenüber: die Freude über den gewonnenen Vergleich.
  • 18. Erfüllung – die stille Freude, dass etwas Wichtiges seinen Sinn getroffen hat; tiefer und leiser als Begeisterung.

Liebe, Nähe und Verbundenheit (Nr. 19 bis 32)

Hier geht es um Gefühle, die sich auf andere Menschen richten. Die Unterschiede liegen in der Nähe, der Ausschließlichkeit und darin, ob du auf Augenhöhe bist oder nicht. Gerade die Paare Mitgefühl und Mitleid sowie Zuneigung und Verbundenheit werden oft verwechselt.

  • 19. Liebe – tiefe Zuwendung zu einem Menschen, in der Freude und Vertrauen zusammenfallen.
  • 20. Verliebtheit – die frühe, stark erregte Form; eng auf eine Person fokussiert, Idealisierung inklusive.
  • 21. Zuneigung – warme Sympathie ohne die Ausschließlichkeit der Liebe.
  • 22. Zärtlichkeit – Zuneigung, die sich in Berührung und Vorsicht ausdrückt.
  • 23. Verbundenheit – das Gefühl, etwas mit jemandem zu teilen; funktioniert auch über Entfernung.
  • 24. Geborgenheit – Verbundenheit plus Sicherheit: hier kann mir nichts passieren.
  • 25. Vertrauen – die Bereitschaft, dich verletzbar zu machen, weil du mit Verlässlichkeit rechnest.
  • 26. Zugehörigkeit – das Dazugehören zu einer Gruppe; breiter als die Bindung an eine Person.
  • 27. Mitgefühl – das Mitschwingen mit dem Schmerz eines anderen, auf Augenhöhe und mit dem Impuls zu helfen.
  • 28. Mitleid – Anteilnahme von oben herab; anders als Mitgefühl stellt es ein Gefälle her.
  • 29. Dankbarkeit – Freude darüber, dass jemand oder etwas dir gutgetan hat, samt Blick auf die Quelle.
  • 30. Rührung – weiches Getroffensein von etwas Schönem oder Traurigem, oft mit Tränen.
  • 31. Ergriffenheit – Rührung mit mehr Tiefe und Stille; etwas Größeres erfasst dich.
  • 32. Angenommensein – das Gefühl, so genügen zu dürfen, wie du bist; anders als Zugehörigkeit gilt es dir und nicht deinem Platz in einer Gruppe.

Interesse, Zuversicht und Ruhe (Nr. 33 bis 56)

Diese Gruppe läuft in zwei Richtungen, die im Alltag oft im selben Atemzug genannt werden: Interesse und Zuversicht ziehen dich nach vorn, Ruhe und Sicherheit bringen dich zum Stehen. Die drei Abschnitte unten folgen genau diesem Gefälle. Beide gehören zu den angenehmen Gefühlen, aber sie tun sehr Unterschiedliches mit deinem Energiepegel.

Interesse und Erwartung (Nr. 33 bis 42)

  • 33. Interesse – Aufmerksamkeit, die von selbst zu etwas hinzieht.
  • 34. Neugier – Interesse mit Drang, eine Wissenslücke zu schließen; unruhiger als Interesse.
  • 35. Wissbegier – Neugier, die auf Verstehen zielt statt auf den Reiz des Neuen.
  • 36. Faszination – Interesse, das dich festhält und alles andere ausblendet.
  • 37. Überraschung – die kurze Unterbrechung, wenn etwas anders kommt als erwartet; noch ohne Bewertung, ob gut oder schlecht.
  • 38. Staunen – Überraschung, die bleibt und sich in Bewunderung wandelt; vor etwas, das größer ausfällt als erwartet.
  • 39. Ehrfurcht – Staunen mit einem Anteil Kleinheit und Respekt.
  • 40. Vorfreude – Freude, die schon vor dem Ereignis da ist und es mitträgt.
  • 41. Erwartung – die bloße Ausrichtung auf etwas Kommendes, ohne die Wärme der Vorfreude.
  • 42. Inspiration – der Moment, in dem etwas von außen in dir eine eigene Idee anstößt.

Zuversicht und Mut (Nr. 43 bis 48)

  • 43. Hoffnung – die Erwartung, dass es gut ausgeht, obwohl es nicht sicher ist.
  • 44. Zuversicht – Hoffnung mit mehr Boden; du rechnest damit, statt es nur zu wünschen.
  • 45. Mut – die Bereitschaft, trotz Angst zu handeln; er setzt Angst voraus, statt sie zu ersetzen.
  • 46. Entschlossenheit – Mut, der sich für eine Richtung bereits entschieden hat.
  • 47. Optimismus – eine Grundhaltung, die Kommendes hell einfärbt; Stimmung, nicht Moment.
  • 48. Selbstwirksamkeit – die Erfahrung, dass dein Tun in der Welt etwas verändert hat; anders als Selbstsicherheit stützt sie sich auf ein Ergebnis, nicht auf ein Zutrauen.

Ruhe, Sicherheit und Erleichterung (Nr. 49 bis 56)

  • 49. Ruhe – die Abwesenheit von innerem Lärm.
  • 50. Gelassenheit – Ruhe, die auch unter Druck hält; sie kennt den Druck und lässt ihn stehen.
  • 51. Ausgeglichenheit – Ruhe über längere Zeit, bei der nichts stark in eine Richtung zieht.
  • 52. Zufriedenheit – die Ruhe darüber, dass es so, wie es ist, genug ist.
  • 53. Entspannung – das Nachlassen von Anspannung im Körper: gelöste Muskeln, ruhiger Atem; anders als Wohlbehagen braucht es vorher einen Spannungszustand.
  • 54. Sicherheit – das Gefühl, dass gerade nichts droht.
  • 55. Erleichterung – das Gefühl direkt nach dem Wegfall einer Bedrohung; es braucht die vorherige Anspannung.
  • 56. Frieden – die tiefste Stufe: auch die inneren Konflikte ruhen.

Trauer, Verlust und Sehnsucht (Nr. 57 bis 72)

Trauer zieht nach innen und verlangsamt. Die Unterschiede innerhalb dieser Gruppe entscheiden sich an drei Fragen: Ist etwas weg oder war es nie da? Betrifft es die Sache oder deinen Wert? Und ist noch Hoffnung im Spiel?

  • 57. Traurigkeit – das Grundgefühl bei Verlust; es zieht nach innen und drosselt das Tempo.
  • 58. Kummer – anhaltende Traurigkeit mit einem klar benennbaren Anlass.
  • 59. Trauer – die Arbeit, die ein Verlust verlangt: Sie kommt in Wellen, verändert sich über Monate und lässt sich nicht abkürzen; anders als Kummer ist sie ein Weg, kein Zustand.
  • 60. Schwermut – Traurigkeit ohne scharfen Anlass, die sich wie Gewicht anfühlt.
  • 61. Niedergeschlagenheit – Traurigkeit, die zusätzlich den Antrieb wegnimmt.
  • 62. Enttäuschung – der Schmerz, wenn Wirklichkeit und Erwartung auseinandergehen.
  • 63. Kränkung – Enttäuschung, die am Selbstwert ansetzt: Es ging gegen mich als Person.
  • 64. Verletztheit – das offene, wunde Gefühl nach einer Kränkung; es liegt oft unter der Wut.
  • 65. Sehnsucht – das Ziehen nach etwas Abwesendem, das du benennen kannst.
  • 66. Wehmut – Sehnsucht mit einem süßen Anteil; sie schaut zurück und will doch nicht zurück.
  • 67. Heimweh – Sehnsucht nach einem bestimmten Ort und dem Leben, das dort war.
  • 68. Einsamkeit – der Schmerz über fehlende Verbindung, unabhängig davon, wie viele Menschen um dich sind.
  • 69. Verlassenheit – Einsamkeit mit dem Zusatz, dass jemand gegangen ist.
  • 70. Verzweiflung – Traurigkeit plus Drang: Es muss sich etwas ändern, und du siehst nicht, wie.
  • 71. Hoffnungslosigkeit – Verzweiflung ohne den Drang; die Zukunft erscheint schlicht leer.
  • 72. Resignation – Hoffnungslosigkeit, die sich mit dem Zustand arrangiert hat und aufhört zu drängen.

Angst, Sorge und Unsicherheit (Nr. 73 bis 88)

Alle Gefühle dieser Gruppe reagieren auf Bedrohung. Sie unterscheiden sich darin, ob die Bedrohung jetzt da ist oder erst kommen könnte, ob sie benennbar ist, und ob der Körper oder der Kopf die Führung übernimmt.

  • 73. Angst – die Reaktion auf eine Bedrohung, die du spürst, aber nicht scharf benennen kannst; sie bleibt diffus.
  • 74. Furcht – Angst mit klarem Gegenstand: Du kannst sagen, wovor.
  • 75. Sorge – Angst, die in die Zukunft zielt und im Kopf kreist, statt im Körper zu explodieren.
  • 76. Nervosität – flatterige Voranspannung vor einem Ereignis; sie endet meist, sobald es losgeht.
  • 77. Lampenfieber – Nervosität mit Publikum; die Angst gilt der Bewertung durch andere.
  • 78. Anspannung – der körperliche Dauerzustand der Bereitschaft.
  • 79. Unruhe – Anspannung ohne Ziel; du kannst nicht stillsitzen, weißt aber nicht, wovor.
  • 80. Beklommenheit – dumpfe Enge im Brustraum, oft vor etwas Unausgesprochenem.
  • 81. Verunsicherung – der Boden wackelt; du weißt nicht mehr, woran du bist.
  • 82. Zweifel – Verunsicherung mit klarem Gegenstand: an einer Entscheidung, an einer Person, an dir.
  • 83. Misstrauen – Zweifel, der sich gezielt auf die Verlässlichkeit eines Menschen richtet.
  • 84. Panik – Angst, die die Steuerung übernimmt; der Körper reagiert schneller als dein Denken.
  • 85. Schreck – die sehr kurze Reaktion auf etwas Plötzliches; vorbei, bevor du denken kannst.
  • 86. Entsetzen – Schreck plus Erschütterung darüber, dass so etwas überhaupt möglich ist.
  • 87. Hilflosigkeit – die Überzeugung, der Lage nichts entgegensetzen zu können.
  • 88. Überforderung – zu viel auf einmal; anders als Hilflosigkeit eine Frage der Menge, nicht der Macht.

Wut, Ärger und Groll (Nr. 89 bis 102)

Diese Gruppe reagiert auf überschrittene Grenzen und auf Ungerechtigkeit. Die wichtigsten Unterschiede sind Temperatur und Zeit: Ärger ist klein und kurz, Wut ist heiß und drängt, Groll ist kalt und bleibt. Genau diese Staffelung geht im Alltag am häufigsten verloren.

  • 89. Ärger – die kleine, alltägliche Reaktion auf eine konkrete Störung.
  • 90. Gereiztheit – die erhöhte Bereitschaft, dich zu ärgern; der Anlass ist nur der Tropfen.
  • 91. Genervtheit – Ärger über eine Quelle, die nicht aufhört; du kannst sie benennen und wirst sie nicht los.
  • 92. Ungeduld – Ärger darüber, dass etwas zu lange dauert.
  • 93. Frust – Ärger darüber, dass ein Weg blockiert ist und du nicht weiterkommst.
  • 94. Wut – die heftige, mobilisierende Reaktion auf eine überschrittene Grenze.
  • 95. Zorn – Wut mit moralischem Recht; sie richtet sich gegen ein Unrecht.
  • 96. Empörung – Zorn über etwas, das nicht dich betrifft, sondern andere; sie will gehört werden.
  • 97. Raserei – Wut auf höchster Stufe, die die Steuerung verliert.
  • 98. Groll – Wut, die nie ausgesprochen wurde und sich eingegraben hat.
  • 99. Verbitterung – Groll, der nach langer Zeit die gesamte Grundhaltung eingefärbt hat.
  • 100. Feindseligkeit – Groll, der nach außen geht und den anderen zum Gegner erklärt.
  • 101. Rachsucht – Feindseligkeit mit Plan; sie will ausgleichen, nicht nur ablehnen.
  • 102. Trotz – Wut, die sich in Verweigerung ausdrückt statt in Angriff.

Scham, Schuld und Selbstzweifel (Nr. 103 bis 113)

Hier geht es um den eigenen Wert, und hier liegt die wichtigste Unterscheidung der ganzen Liste: Scham betrifft, wer du bist, Schuld betrifft, was du getan hast. Scham will verschwinden, Schuld will wiedergutmachen. Wer diese beiden trennt, versteht viele eigene Reaktionen besser.

  • 103. Scham – das Gefühl, als Person falsch zu sein; sie will dich unsichtbar machen.
  • 104. Schuld – das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben; sie zielt auf Wiedergutmachung.
  • 105. Peinlichkeit – die kurze, harmlose Variante der Scham vor Publikum; sie geht vorbei.
  • 106. Verlegenheit – das kurze Nicht-wissen-wohin vor anderen; anders als Peinlichkeit braucht sie keinen Patzer, ein unerwartetes Kompliment genügt.
  • 107. Reue – Schuld plus der Wunsch, es damals anders gemacht zu haben.
  • 108. Bedauern – Reue ohne eigenen Anteil; du wünschst es dir anders, hast es aber nicht verursacht.
  • 109. Bloßstellung – das Gefühl, gegen deinen Willen sichtbar gemacht worden zu sein.
  • 110. Minderwertigkeit – die dauerhafte Überzeugung, weniger wert zu sein als andere.
  • 111. Unzulänglichkeit – das Gefühl, für eine bestimmte Aufgabe nicht zu genügen; punktueller als Minderwertigkeit.
  • 112. Selbstzweifel – die offene Frage, ob du es kannst; noch nicht entschieden.
  • 113. Selbstverachtung – Scham, die zur ausdrücklichen Ablehnung der eigenen Person geworden ist.

Ekel, Abneigung und Erschöpfung (Nr. 114 bis 131)

Diese Gruppe fasst zwei Bewegungen zusammen, die beide von etwas wegführen. Die erste Hälfte stößt aktiv ab, die zweite hat keine Kraft mehr für irgendeine Richtung. Vor allem die zweite Hälfte wird im Alltag oft pauschal als müde bezeichnet, obwohl sich dahinter sehr verschiedene Zustände verbergen.

Ekel und Ablehnung (Nr. 114 bis 121)

  • 114. Ekel – die körperliche Zurückweisung von etwas, das schädlich oder verdorben wirkt.
  • 115. Abscheu – Ekel auf moralischer Ebene, gerichtet auf eine Tat oder Haltung.
  • 116. Widerwille – der innere Widerstand gegen etwas, das du eigentlich tun sollst.
  • 117. Abneigung – die milde, aber dauerhafte Ablehnung einer Person oder Sache.
  • 118. Verachtung – Ablehnung von oben herab; sie erklärt den anderen für unter dir. In den Modellen oben taucht sie zweimal auf: bei Ekman als eigene Basisemotion, bei Plutchik als Mischung aus Ekel und Wut. Diese Liste sortiert sie pragmatisch zum Ekel.
  • 119. Überdruss – Abneigung, die durch zu viel des immer Gleichen entstanden ist.
  • 120. Befremden – Irritation über etwas, das nicht passt; noch keine Ablehnung, nur Abstand.
  • 121. Missbilligung – die kühle Ablehnung eines Verhaltens, ohne die Hitze der Wut.

Erschöpfung, Leere und Betäubung (Nr. 122 bis 131)

  • 122. Erschöpfung – der Punkt, an dem die Kraft aufgebraucht ist.
  • 123. Müdigkeit – Erschöpfung, die Schlaf beheben kann.
  • 124. Antriebslosigkeit – der Motor springt nicht an, obwohl Kraft grundsätzlich da wäre.
  • 125. Lustlosigkeit – nichts reizt dich; anders als bei Antriebslosigkeit fehlt nicht die Kraft, sondern der Appetit.
  • 126. Langeweile – die Unruhe darüber, dass gerade nichts Bedeutsames passiert.
  • 127. Trägheit – Antriebslosigkeit, die sich eingerichtet hat; anders als bei ihr fehlt nicht der Start, sondern der Wille, ihn zu suchen.
  • 128. Leere – das Fehlen von Gefühl an einer Stelle, an der Gefühl sein müsste.
  • 129. Betäubung – Leere als Schutz nach zu viel; du erlebst alles wie hinter Glas.
  • 130. Entfremdung – das Gefühl, dir selbst oder deinem eigenen Leben fremd zu sein.
  • 131. Gleichgültigkeit – es berührt dich nicht; anders als Betäubung ohne Schutzcharakter.

Gemischte Gefühle (Nr. 132 bis 141)

Diese letzte Gruppe sammelt Gefühle, die sich in keine der acht Richtungen sauber einsortieren lassen: teils weil sie zwei Richtungen zugleich tragen, teils weil sie mehrere Beteiligte brauchen. Genau deshalb fällt es so schwer, sie zu benennen – du suchst ein Wort und brauchst eigentlich zwei.

  • 132. Ambivalenz – zwei Richtungen zugleich, ohne dass eine die Oberhand gewinnt.
  • 133. Zwiespalt – Ambivalenz unter Entscheidungsdruck; beide Seiten ziehen, und du musst dich verhalten.
  • 134. Hassliebe – starke Zuwendung und starke Ablehnung gegenüber derselben Person.
  • 135. Eifersucht – Angst vor Verlust plus Wut auf einen Dritten; sie braucht immer drei Beteiligte.
  • 136. Neid – der Schmerz darüber, dass jemand anderes hat, was du willst; er braucht nur zwei.
  • 137. Missgunst – Neid, der dem anderen den Besitz aktiv nicht gönnt.
  • 138. Schadenfreude – Freude über das Missgeschick eines anderen.
  • 139. Fernweh – Sehnsucht nach dem Unbekannten; das Gegenstück zum Heimweh.
  • 140. Nostalgie – die verklärende Rückschau auf eine ganze Lebensphase; anders als Wehmut färbt sie das Vergangene schöner, als es war.
  • 141. Demut – die Bereitschaft, den eigenen Anteil klein zu halten; anders als Ehrfurcht richtet sie sich nicht auf etwas Großes da draußen, sondern auf das eigene Maß.

Wenn dich mehrere dieser Gefühle gleichzeitig überrollen und sich nichts mehr sortieren lässt, geht der Beitrag zum Gefühlschaos ordnen genau darauf ein.

Ähnliche Gefühle unterscheiden: die Verwechslungstabelle

Die meisten Suchvorgänge scheitern nicht daran, dass ein Wort fehlt, sondern daran, dass drei ähnliche zur Auswahl stehen. Diese Tabelle stellt die fünf häufigsten Verwechslungsgruppen nebeneinander und nennt jeweils das eine Merkmal, das sie trennt.

GefühlWorauf es reagiertWas es von den Nachbarn trennt
Ärgereine konkrete Störung im Momentklein, kurz, meist ohne Nachhall
Wuteine überschrittene Grenzeheiß, mobilisiert Kraft, drängt zum Handeln
Grolleine Grenzverletzung, die nie ausgesprochen wurdekalt und dauerhaft, arbeitet im Stillen weiter
Trauerein Verlustbraucht Zeit, zieht nach innen
Enttäuschungeine Erwartung, die nicht aufgegangen istbetrifft die Sache, nicht deinen Wert
Kränkungeine Abwertung deiner Personbetrifft den Selbstwert, nicht die Sache
Angsteine Bedrohung, die jetzt da istim Körper spürbar, gegenwärtig
Sorgeeine Bedrohung, die kommen könnteim Kopf, kreisend, auf die Zukunft gerichtet
Panikeine Bedrohung, die alles überflutetder Körper übernimmt, das Denken setzt aus
Schamwer du bistwill verschwinden und unsichtbar werden
Schuldwas du getan hastwill wiedergutmachen
Peinlichkeitein kleiner Patzer vor anderengeht von selbst vorbei, oft mit Lachen
Neidjemand hat, was du willstbraucht zwei Beteiligte
Eifersuchtjemand könnte dir nehmen, was du hastbraucht drei Beteiligte
Missgunstjemand soll nicht haben, was er hatwill dem anderen nehmen, nicht selbst bekommen

Zwei weitere Paare sind es wert, gemerkt zu werden. Mitgefühl und Mitleid trennt die Augenhöhe: Mitgefühl schwingt mit, Mitleid schaut herab. Und Einsamkeit und Alleinsein trennt der Schmerz: Alleinsein ist ein Zustand und kann angenehm sein, Einsamkeit ist ein Gefühl und tut weh.

Wie finde ich das richtige Wort für mein Gefühl?

Eine Liste hilft nur, wenn du weißt, wo du hineingreifst. Drei Schritte reichen dafür aus, und sie funktionieren auch mitten in einer Situation.

Erster Schritt: der Körper. Gefühle tauchen zuerst im Körper auf und erst danach in Worten. Geh in Gedanken durch: Enge in der Brust, Druck im Magen, Kloß im Hals, Hitze im Gesicht, angespannter Kiefer, weiche Knie? Angst sitzt bei vielen im Bauch, Wut im Kiefer und im Kopf, Trauer in Brust und Hals, Scham im Gesicht. Das sind grobe Muster, keine festen Regeln – dein Körper darf davon abweichen.

Zweiter Schritt: die Grundrichtung. Frag dich, in welche der neun Gruppen es ungefähr geht. Meist erkennst du das schneller, als du denkst: Zieht es nach innen und schwer, geht es Richtung Trauer. Ist es eng und wach, geht es Richtung Angst. Ist es heiß und drängend, geht es Richtung Wut. Willst du verschwinden, geht es Richtung Scham.

Dritter Schritt: das genauere Wort. Jetzt gehst du in die Gruppe und liest die Abgrenzungen. Frag vom Groben ins Feine: schlecht wie Trauer oder wie Wut? Wenn Trauer, eher Enttäuschung oder eher Kränkung? Wenn Kränkung, wessen Urteil hat getroffen? Mit jeder Nachfrage wird das Bild schärfer, und mit dem schärferen Bild wird meist auch klarer, was du brauchst.

Wenn dabei regelmäßig gar nichts kommt und der Zugang zum eigenen Erleben grundsätzlich fehlt, ist das ein eigenes Thema: Der Beitrag zur Alexithymie ordnet ein, was dahinterstecken kann. Wer die Gefühle zwar findet, sie aber gewohnheitsmäßig wegschiebt, findet die Einordnung dazu unter Gefühle unterdrücken.

Und eine Grenze gehört ausdrücklich dazu: Eine Liste ist ein Wortschatz, keine Diagnose und keine Therapie. Wenn Gefühle sehr stark werden, lange anhalten oder dich im Alltag deutlich einschränken, ist fachliche Begleitung der richtige Weg. In akuten Krisen erreichst du die TelefonSeelsorge rund um die Uhr, kostenlos und anonym, unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123.

Das Wichtigste in Kürze

  • 141 Gefühle in neun Gruppen: Freude, Liebe, Interesse und Ruhe auf der angenehmen Seite, Trauer, Angst, Wut, Scham und Ekel auf der unangenehmen, dazu zehn gemischte Gefühle.
  • Die Zahl der Grundgefühle ist umstritten. Je nach Modell sind es vier, sechs, sieben oder acht. Ekman zählt sechs plus Verachtung, Plutchik acht – das sind zwei verschiedene Modelle, keine zwei Versionen desselben.
  • Die wichtigste Unterscheidung: Scham betrifft, wer du bist, Schuld betrifft, was du getan hast.
  • Die zweitwichtigste: Ärger ist klein und kurz, Wut ist heiß und drängt, Groll ist kalt und bleibt.
  • Drei Schritte zum Wort: erst der Körper, dann die Grundrichtung, dann das genauere Wort aus der Gruppe.
  • Zwei oder drei Wörter gleichzeitig sind normal. Wenn kein einzelnes passt, beschreibst du meist eine Stimmung, keine einzelne Emotion.

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Häufig gestellte Fragen

Welche Gefühle gibt es?

Gefühle lassen sich in neun Gruppen ordnen: Freude, Liebe und Nähe, Interesse und Ruhe, Trauer, Angst, Wut, Scham und Schuld, Ekel und Erschöpfung sowie gemischte Gefühle wie Eifersucht oder Nostalgie, die zwei Richtungen zugleich tragen. Diese Liste führt 141 Gefühle einzeln auf. Jedes bekommt eine Zeile, die es von seinen Nachbarwörtern abgrenzt, damit du das genaue Wort findest.

Wie viele Gefühle gibt es?

Eine feste Zahl gibt es nicht, und das ist keine Ausrede, sondern Forschungsstand. Je nach Modell werden vier, sechs, sieben oder acht Grundemotionen angesetzt, und die Zahl ist in der Emotionsforschung umstritten. Alle weiteren Gefühle gelten als Abstufungen oder Mischungen davon. Für den Alltag zählt ohnehin weniger, wie viele es gibt, als wie viele Wörter du parat hast, wenn du gerade etwas fühlst.

Was ist der Unterschied zwischen Gefühl und Emotion?

Im Alltag meinen beide Wörter dasselbe, und so darfst du sie auch benutzen. In der Fachsprache bezeichnet Emotion eher die kurze, körperlich messbare Reaktion auf ein konkretes Ereignis, etwa den Schreck beim lauten Knall. Gefühl meint das bewusste innere Erleben dieser Reaktion, also den Teil, den du wahrnehmen und benennen kannst. Für diese Liste ist der Unterschied nebensächlich.

Was sind die Grundgefühle?

Als Grundgefühle gelten Emotionen, die kulturübergreifend auftauchen und an typischer Mimik erkennbar sind. Paul Ekman nennt Ärger, Ekel, Angst, Freude, Trauer und Überraschung, später kam Verachtung als siebte hinzu. Robert Plutchik setzt in einem anderen Modell acht an. Die Zahl ist umstritten, und beide Modelle sind getrennt zu lesen. Als Ordnungshilfe sind sie trotzdem brauchbar, weil sich feinere Gefühle als Abstufungen einsortieren lassen.

Was ist der Unterschied zwischen Wut und Ärger?

Ärger ist die kleine, alltägliche Reaktion auf eine Störung: der verpasste Zug, der Kommentar nebenbei. Er ist kurz und klingt meist von selbst ab. Wut ist heißer und reagiert auf eine überschrittene Grenze. Sie mobilisiert Kraft und drängt zum Handeln. Groll wiederum ist die Wut, die nie ausgesprochen wurde: kalt, dauerhaft und im Stillen weiterarbeitend.

Wie finde ich das richtige Wort für mein Gefühl?

Geh in drei Schritten vor. Erstens: Wo im Körper spürst du etwas, in Brust, Bauch, Hals oder Kiefer? Zweitens: In welche Grundrichtung geht es, eher Angst, Trauer, Wut, Scham oder Freude? Drittens: Welches Wort aus der passenden Gruppe trifft es genauer als das grobe? Oft sind zwei oder drei Gefühle gleichzeitig da, und das ist normal.

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