Ein gutes Gedicht zur Hochzeit ist kurz genug für die Karte oder für einen Moment in der Rede, und es passt erkennbar zu diesem einen Paar. Am stärksten wirkt es, wenn danach ein Satz folgt, den nur du schreiben kannst. Hier findest du 37 Hochzeitsgedichte: sieben gemeinfreie Klassiker, die wir an historischen Drucken geprüft haben, und 30 Gedichte aus unserer Redaktion, kurz für die Karte, länger zum Vortragen, lustig, für die Trauung, für zwei Bräute oder zwei Bräutigame und für Eltern und Großeltern.
Bei jedem Klassiker steht, wer ihn geschrieben hat, aus welchem Druck der Text stammt und wofür er sich eignet. Am Ende zeigen wir, was auf die Karte gehört und wie du ein Gedicht vorträgst und anpasst.
Welches ist das schönste Gedicht zur Hochzeit?
Ein objektiv schönstes Gedicht zur Hochzeit gibt es nicht. Es gibt aber eines, das der Überlieferung nach eigens für eine Trauung geschrieben wurde und später zum Volkslied wurde: „Ännchen von Tharau“. Hochzeitsgedichte im engen Sinn, also Verse für eine bestimmte Hochzeit, sind eine alte Gattung. Schon die Antike kannte das Epithalamium, das Hochzeitslied.
Teil 1: Klassiker. Die sieben Gedichte in diesem und den nächsten drei Abschnitten sind gemeinfrei. Wir geben sie wortgetreu nach dem genannten Druck wieder, deshalb stehen dort alte Schreibungen wie „seyn“ oder „Thür“.
„Annchen von Tharau“ (Simon Dach zugeschrieben, 1636; hochdeutsch von Herder, 1778)
Annchen von Tharau ist, die mir gefällt;
Sie ist mein Leben, mein Gut und mein Geld.Annchen von Tharau hat wieder ihr Herz
Auf mich gerichtet in Lieb’ und in Schmerz.Annchen von Tharau, mein Reichthum, mein Gut,
Du meine Seele, mein Fleisch und mein Blut!Käm’ alles Wetter gleich auf uns zu schlahn,
Wir sind gesinnet bei einander zu stahn.Krankheit, Verfolgung, Betrübniß und Pein
Soll unsrer Liebe Verknotigung seyn.Recht als ein Palmenbaum über sich steigt,
Je mehr ihn Hagel und Regen anficht;So wird die Lieb’ in uns mächtig und groß
Durch Kreuz, durch Leiden, durch allerlei Noth.Würdest du gleich einmal von mir getrennt,
Lebtest, da wo man die Sonne kaum kennt;Ich will dir folgen durch Wälder, durch Meer,
Durch Eis, durch Eisen, durch feindliches Heer.Annchen von Tharau, mein Licht, meine Sonn,
Mein Leben schließ’ ich um deines herum.Was ich gebiete, wird von dir gethan,
Was ich verbiete, das läst du mir stahn.Was hat die Liebe doch für ein Bestand,
Wo nicht Ein Herz ist, Ein Mund, Eine Hand?Wo man sich peiniget, zanket und schlägt,
Und gleich den Hunden und Kazen beträgt?Annchen von Tharau, das woll’n wir nicht thun;
Du bist mein Täubchen, mein Schäfchen, mein Huhn.Was ich begehre, ist lieb dir und gut;
Ich laß den Rock dir, du läßt mir den Hut!Dies ist uns Annchen die süsseste Ruh,
Ein Leib und Seele wird aus Ich und Du.Dies macht das Leben zum himmlischen Reich,
Durch Zanken wird es der Hölle gleich.
Nach dem Historisch-kritischen Liederlexikon des Deutschen Volksliedarchivs wurde das Lied einer Kirchenchronik von 1723 zufolge im Jahr 1636 zur Trauung von Anna Neander gedichtet, ursprünglich im samländischen Plattdeutsch. Es zählt zu den beliebtesten „Volksliedern“ des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Verse werden dem Königsberger Dichter Simon Dach (1605–1659) zugeschrieben. Sicher belegt ist das nicht: Im ersten Druck von 1642, im fünften Heft von Heinrich Alberts „Arien“, steht nur „Aria incerti Autoris“, und das kann sich auch auf die Melodie beziehen.
Johann Gottfried Herder (1744–1803) übertrug den Text ins Hochdeutsche und veröffentlichte ihn 1778 im ersten Teil seiner „Volkslieder“ unter dem Titel „Annchen von Tharau“, nach diesem Druck zitieren wir (S. 92–94). Wirklich populär wurde es erst durch Friedrich Silchers Satz für Männerchor (Erstdruck 1827), heute heißt es meist „Ännchen von Tharau“.
Zwei Strophen brauchen eine Erklärung. Der Palmenbaum, der unter Hagel und Regen erst recht wächst, folgt laut Liederlexikon einer Vorstellung des 17. Jahrhunderts: Man glaubte, eine Palme wachse kräftiger, wenn man sie beschwert. Und das Gebieten und Verbieten in der elften Strophe setzt den Mann als Oberhaupt der Frau voraus, wie es die Ordnung jener Zeit vorsah.
Passt für: einen Vortrag oder ein Ständchen, am besten gekürzt. Kürzen hat Tradition: Die Sammlung „Des Knaben Wunderhorn“ druckte das Lied 1806 ohne die letzten sieben Strophen. Für die Karte reicht ein Zweizeiler, etwa „Dies ist uns Annchen die süsseste Ruh, / Ein Leib und Seele wird aus Ich und Du.“
Kurze Gedichte zur Hochzeit: drei Klassiker für die Karte
Diese drei sind zwischen vier und zwölf Zeilen lang. Beim Abschreiben darfst du die Rechtschreibung modernisieren, aus „Thür“ wird dann „Tür“.
Matthias Claudius: „Die Liebe“ (1797/98)
Die Liebe hemmet nichts; sie kennt nicht Thür noch Riegel,
Und dringt durch alles sich;
Sie ist ohn Anbeginn, schlug ewig ihre Flügel,
Und schlägt sie ewiglich.
Der Vierzeiler von Claudius (1740–1815) steht im sechsten Teil seiner Werke, „Asmus omnia sua secum portans“, auf Seite 97 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek). Im selben Band steht das Gedicht, das er seiner Frau Rebecca zur Silberhochzeit am 15. März 1797 schrieb. Ob Claudius hier die Liebe zwischen zwei Menschen meint oder die göttliche, lässt der Text offen.
Passt für: Karte, Trauspruch, kirchliche wie freie Trauung.
Theodor Storm: „Trost“
So komme, was da kommen mag!
So lang du lebest, ist es Tag.Und geht es in die Welt hinaus,
Wo du mir bist, bin ich zu Haus.Ich seh’ dein liebes Angesicht,
Ich sehe die Schatten der Zukunft nicht.
Storm (1817–1888) nahm das Gedicht in seine gesammelten Schriften auf, wir zitieren den ersten Band der zweiten Auflage von 1872, Seite 121 (Digitalisat). Sechs Zeilen, die nicht so tun, als würde alles leicht. Sie sagen nur: Was auch kommt, bei dir bin ich zu Hause.
Passt für: Karte, Ringgravur („Wo du mir bist, bin ich zu Haus“), Paare, die schon einiges zusammen durchgestanden haben.
Friedrich Hebbel: „Ich und Du“
Wir träumten von einander
Und sind davon erwacht,
Wir leben, um uns zu lieben,
Und sinken zurück in die Nacht.Du tratst aus meinem Traume,
Aus deinem trat ich hervor,
Wir sterben, wenn sich Eines
Im Andern ganz verlor.Auf einer Lilie zittern
Zwei Tropfen, rein und rund,
Zerfließen in Eins und rollen
Hinab in des Kelches Grund.
Hebbel (1813–1863) kennt man eher als Dramatiker. Wir zitieren die historisch-kritische Ausgabe seiner Werke von Richard Maria Werner, Band 6, Seite 214 (Digitalisat bei archive.org). Die dritte Strophe liefert das Bild, das auf Hochzeitskarten trägt: zwei Tropfen, die zu einem werden. Die zweite Strophe ist dunkler, als man es an einem Festtag erwartet.
Passt für: größere Karte, Lesung bei der Trauung. Für eine kleine Karte reicht die dritte Strophe allein.
Ein Hochzeitsgedicht von Freunden: Hebels Klassiker
Johann Peter Hebel schrieb dieses Gedicht nicht als Bräutigam, sondern als Freund des Bräutigams. Damit passt es zu allen, die als Freundin oder Freund des Paares etwas vortragen wollen.
Johann Peter Hebel: „Auf die Hochzeit eines Freundes“ (gekürzt)
Seht unsern Freund! Nicht mehr allein
Will er in seinem Stüblein seyn
Und Trübsal blasen. Lieb und warm
Nimmt er ein Weiblein in den Arm.Fürwahr das hat er gut gemacht,
Denn immer länger wird die Nacht.
Der Winter kommt mit schnellem Schritt,
Und bringt viel trübe Stunden mit,Und Schnee und Reif’ und rothe Nas’,
Und kommt der Frühling – wißt ihr was?
So sehr ihn Laub und Blüthe kränzt,
Ist auch nicht Alles Gold, was glänzt.Und wenn der Vogel singend schwebt,
Bald mit der Sie ein Nestlein webt,
Und Alles liebt und thut sich schön,
Ist’s auch kein Spaß, nur zuzusehn.[…]
Drum wohl dem Mann zu dieser Frist,
Der klug, wie du o Freund es bist,
Mit einer Gattin lieb und traut
Sein eignes stilles Nestlein baut.Heil sey dir und dem Weiblein zart,
Mit dem die Liebe dich gepaart,
Ein froher Muth Jahr ein und aus,
Und Gottes Segen wohn im Haus!
Hebel (1760–1826), bekannt für seine Kalendergeschichten, mischt hier Spott und Wärme: erst Winter, rote Nase und Trübsal, dann das eigene Nest. Wir zitieren nach seinen Sämmtlichen Werken, Band 2 (1834), Seite 163–164, bei Wikisource mit dem Scan abgeglichen. Ausgelassen haben wir die fünfte Strophe, in der es um Kriegsnachrichten geht, die man setzt und druckt.
Passt für: die Rede von Freunden, gekürzt auch für die Karte. Das „Weiblein“ klingt heute herablassend. Steht Hebels Name darunter, bleibt es trotzdem stehen. Willst du es ändern, schreib „frei nach Hebel“ darunter und mach daraus, was zu euch passt, auch für zwei Bräute oder zwei Bräutigame.
Lustige Hochzeitsgedichte: Klassiker mit Augenzwinkern
Diese beiden Klassiker sind etwas für Paare und Gäste, die bei einer Hochzeit nicht nur gerührt sein wollen.
Christian Fürchtegott Gellert: „Die glückliche Ehe“
Gedankt sey es dem Gott der Ehen,
Was ich gewünscht, hab ich gesehen:
Ich sah ein recht zufriednes Paar;
Ein Paar, das ohne Gram und Reue,
Bey gleicher Lieb und gleicher Treue,
In kluger Ehe glücklich war.Ein Wille lenkte hier zwo Seelen.
Was sie gewählt, pflegt er zu wählen,
Was er verwarf, verwarf auch sie:
Ein Fall, wo andre sich betrübten,
Stört ihre Ruhe nie. Sie liebten,
Und fühlten nicht des Lebens Müh.Da ihn kein Eigensinn verführte,
Und sie kein eitler Stolz regierte:
So herrschte weder sie, noch er.
Sie herrschten; aber bloß mit Bitten.
Sie stritten; aber wenn sie stritten,
Kam bloß ihr Streit aus Eintracht her.So wie wir, eh wir uns vermählen,
Uns unsre Fehler klug verhelen,
Uns falsch aus Liebe hintergehn:
So ließen sie auch in den Zeiten
Der zärtlichsten Vertraulichkeiten
Sich nie die kleinsten Fehler sehn.Der letzte Tag in ihrem Bunde,
Der letzte Kuß von ihrem Munde
Nahm, wie der erste, sie noch ein.
Sie starben. Wenn? – – Wie kannst du fragen?
Acht Tage nach den Hochzeittagen;
Sonst würden dieß nur Fabeln seyn.
Gellert (1715–1769) galt zu Lebzeiten als einer der meistgelesenen deutschen Schriftsteller. Die Pointe steht ganz am Ende: Das vollkommen glückliche Paar starb acht Tage nach der Hochzeit, sonst wäre die Geschichte nur eine Fabel. Text nach den Sämmtlichen Schriften, Erster Theil (1769), Seite 135–136, bei Wikisource.
Passt für: eine Rede unter Freunden mit trockenem Humor, dann aber mit einem Satz danach, etwa: „Ihr zwei seid keine Fabel. Ihr seid besser: echt.“ Für die Karte an die Großtante eher nicht.
Christian Morgenstern: „Die zwei Wurzeln“
Zwei Tannenwurzeln groß und alt
unterhalten sich im Wald.Was droben in den Wipfeln rauscht,
das wird hier unten ausgetauscht.Ein altes Eichhorn sitzt dabei
und strickt wohl Strümpfe für die zwei.Die eine sagt: knig. Die andre sagt: knag.
Das ist genug für einen Tag.
Das Gedicht gehört zu den „Galgenliedern“ von Morgenstern (1871–1914), wir zitieren die Sammelausgabe „Alle Galgenlieder“ von 1932 (Nachdruck), Seite 93, bei Wikisource. Zwei alte Wurzeln, ein Eichhorn, zwei Silben am Tag: ein Bild für ein Paar, das sich ohne viele Worte versteht.
Passt für: Paare mit trockenem Humor, Hochzeiten im höheren Alter, Jubiläen. Für die goldene Hochzeit haben wir einen eigenen Ratgeber mit Kartentexten.
Zwei Klassiker, die wir nicht empfehlen
Zwei weitere Klassiker klingen nach Ehe-Humor, sind aber nur bedingt hochzeitstauglich. Morgensterns „Der Nachtschelm und das Siebenschwein oder Eine glückliche Ehe“ zählt die dreizehn Kinder eines Fantasiepaars durch, das neunte stirbt gleich nach der Geburt. Das trifft nicht jede Feier.
Kurt Tucholskys „Danach“ erschien 1930 unter dem Namen Theobald Tiger in der „Weltbühne“. Es erzählt in Berliner Mundart, was nach dem Happy End kommt, bis der alte Ehemann bilanziert, die Ehe sei „zum jrößten Teile / vabrühte Milch un Langeweile“ gewesen. An einer Stelle will er etwas mit einer Minderjährigen anfangen. Für die Hochzeitsrede taugt es nicht.
Warum fehlen Hesse, Kaléko und Heinz Erhardt?
Einige bekannte Namen fehlen hier mit Absicht: Ihre Texte sind noch geschützt. Das Urheberrecht erlischt 70 Jahre nach dem Tod (§ 64 UrhG), gerechnet ab dem Ende des Todesjahres (§ 69 UrhG). 2026 sind also Texte von Autorinnen und Autoren frei, die 1955 oder früher gestorben sind.
| Autorin oder Autor | gestorben | geschützt bis Ende |
|---|---|---|
| Hermann Hesse | 1962 | 2032 |
| Mascha Kaléko | 1975 | 2045 |
| Eugen Roth | 1976 | 2046 |
| Heinz Erhardt | 1979 | 2049 |
| Erich Fried | 1988 | 2058 |
Todesjahre nach Wikidata und der Gemeinsamen Normdatei der Deutschen Nationalbibliothek, Fristen nach §§ 64 und 69 UrhG.
Ihre Gedichte nennen wir deshalb nur, abdrucken dürfen wir sie ohne Erlaubnis der Rechteinhaber nicht. Mehr zu Fried und Kaléko steht in unseren Liebesgedichten.
Darf ich ein geschütztes Gedicht trotzdem verwenden?
Das ist Orientierung, keine Rechtsberatung. Wer ein Gedicht abschreibt, vervielfältigt es. Einzelne Vervielfältigungen zum privaten Gebrauch erlaubt § 53 UrhG, und nach der Urheberrechts-Plattform der Universität Bremen dürfen solche Kopien im Freundes- und Familienkreis weitergegeben werden. „Einzelne“ heißt wenige: Die Plattform verweist auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs von 1978, nach dem höchstens bis zu sieben Kopien zulässig sind. Eine handgeschriebene Karte für das Paar bleibt in diesem privaten Rahmen.
Anders ist es, wenn ihr ein geschütztes Gedicht auf eine Hochzeitswebsite oder in soziale Netzwerke stellt. Das ist in aller Regel öffentliche Zugänglichmachung (§ 19a UrhG), dafür braucht ihr die Rechte. Was bei gedruckten Heften für alle Gäste gilt, erklären wir im Ratgeber zur Hochzeitszeitung. Wann ein Vortrag öffentlich ist, regelt § 15 UrhG: wenn er für eine Mehrzahl von Menschen bestimmt ist, die weder mit dir noch mit den übrigen Zuhörern durch persönliche Beziehungen verbunden sind.
Kurze Gedichte zur Hochzeit für die Karte: acht eigene
Teil 2: Gedichte aus unserer Redaktion. Ab hier stammen alle 30 Gedichte von uns. Übernimm sie, kürze sie, setz Namen und Details ein. Wo eckige Klammern stehen, gehört etwas von euch hinein.
Diese acht passen auf eine normale Klappkarte, mit Platz für einen persönlichen Satz darunter.
„Das andere Ja“ (Reim)
Ein Ja sagt man so oft im Jahr,
beim Bäcker, am Telefon, im Flur.
Das Ja von heute ist ein anderes:
Es bleibt. Und es gehört euch nur.
„Alltag“ (Reim)
Ein Schlüsselbund, zwei Zahnbürsten,
ein Kalender für zwei Leben.
Was ihr euch heute versprochen habt,
wird euch der Alltag zurückgeben.
„Regentage“ (Reim)
Kein Leben ohne Regentage,
das wisst ihr zwei genauso gut.
Wir wünschen euch den großen Schirm
und drunter jede Menge Übermut.
„Gepäck“ (freie Form)
Für den Weg, der heute anfängt,
braucht ihr wenig Gepäck:
zwei Ringe, ein Versprechen
und eine Hand, die nach der anderen greift.
„Der zweite Kaffee“ (freie Form)
Das große Glück mit Pauken und Trompeten
habt ihr heute.
Wir wünschen euch das kleine:
dass morgens einer von euch
zwei Tassen hinstellt.
„Im Takt“ (Reim)
Zwei Wege laufen heut zusammen,
zwei Leben finden einen Takt.
Wir wünschen euch, dass ihr ihn haltet,
auch dann, wenn es mal knirscht und hakt.
„Beides“ (freie Form)
Ein Ja vor allen Leuten,
ein Ja beim Abwasch am Dienstag.
Beides zählt.
Das zweite öfter.
„Mit Umschlag“ (Reim, für die Karte mit Geldgeschenk)
Wir haben lang nach was gesucht,
das zu euch passt und lange hält.
Gefunden haben wir nur das:
viel Liebe – und ein bisschen Geld.
Hochzeitsgedichte zum Vortragen
Diese fünf sind länger und für die Rede beim Essen, für die Feier am Abend oder für einen Brief an das Paar gedacht. Eines ist eine Vorlage zum Einsetzen, zwei sind für besondere Familienlagen geschrieben.
„Wie es anfing“ (Reim, zum Einsetzen)
Es fing ganz harmlos an: [Ort], [Jahr],
ein Blick, der etwas länger war.
Dann kam ein Abend, kam noch einer,
die Ausreden wurden immer kleiner.
Dann kam ein Schlüssel, kam ein Schild,
ein Sofa, das als eures gilt,
ein Streit um [Kleinigkeit] – und dann
ein Lachen, das ihn schlichten kann.
Wir standen daneben, Jahr für Jahr,
und sahen, was längst sichtbar war.
Heut sagt ihr’s selbst, vor allen hier.
Wir heben die Gläser: auf euch. Auf „wir“.
„Was wir euch wünschen“ (freie Form)
Wir wünschen euch keine Ehe ohne Streit.
Wir wünschen euch Streit, nach dem einer zuerst Tee kocht.
Wir wünschen euch nicht, dass alles bleibt, wie es ist,
sondern dass ihr euch verändert und dabei nebeneinander bleibt.
Wir wünschen euch Sonntage ohne Plan
und Montage, an denen einer den anderen weckt,
weil der Wecker wieder nicht ging.
Wir wünschen euch Freundinnen und Freunde, die bleiben,
auch wenn ihr weniger Zeit habt.
Und wir wünschen euch, dass ihr in vierzig Jahren
noch wisst, worüber ihr heute gelacht habt.
„Ein Haus aus Tagen“ (Reim)
Ein Haus baut man nicht nur aus Stein,
ein Haus baut man aus Tagen:
aus Frühstück, Wäsche, „Bist du da?“,
aus Antworten und Fragen.Aus Nächten, lang und durchgeredet,
aus einer Tür, die kracht,
aus einer Stunde Schweigen, bis
dann einer wieder lacht.Heut legt ihr nur den ersten Stein,
vor uns, mit Ring und Hand.
Den Rest baut ihr an jedem Tag.
Wir wetten: Es hält stand.
„Mehr am Tisch“ (freie Form, für Patchworkfamilien)
Ihr heiratet nicht nur zu zweit.
Am Tisch sitzen [Namen der Kinder],
die auf ihre Art Ja sagen:
mit einem Augenrollen,
mit einem gemalten Bild,
mit der Frage, ob es Pommes gibt.
Eure Familie hat mehr Kalender als andere
und mehr Menschen, die euch lieben.
Möge an eurem Tisch immer Platz sein
für alle, die dazugehören,
und für alle, die noch dazukommen.
„Getraut“ (Reim, für eine zweite Ehe)
Ihr wisst, wie leise Abschied klingt,
wie still es in der Küche wird,
wie lang ein Sonntagnachmittag
sich hinzieht, wenn kein Löffel klirrt.Ihr habt euch trotzdem noch getraut,
im doppelten Sinn von diesem Wort.
Das ist der Mut, der uns berührt.
Wir feiern ihn, an diesem Ort.
Lustige Hochzeitsgedichte aus unserer Redaktion
Humor funktioniert auf einer Hochzeit, wenn er über die Situation lacht und nicht über einen Menschen. Witze über die Ehe als Falle, über Gewicht, Alter oder frühere Partner gehen leicht schief. Diese sechs lachen über Schränke, Decken und Tischpläne.
„Kurzanleitung“ (freie Form)
Die Ehe kommt ohne Handbuch.
Darum hier das Wichtigste:
Wer kocht, spült nicht.
Wer schnarcht, bestreitet es nicht.
Die Fernbedienung gehört dem, der sie findet.
Kein Streit vor dem ersten Kaffee.
Und gewonnen hat, wer zuerst lacht.
„Das Kleingedruckte“ (Reim)
Ihr habt versprochen, Tag für Tag,
in guten wie in schlechten Zeiten.
Das Kleingedruckte setzt hinzu:
auch Schränke aufbaun, ohne Streiten.Auch Umzug in den vierten Stock,
auch Grippe, wenn ihr beide liegt.
Ihr habt’s vor Zeugen unterschrieben,
und wir sind sicher, dass ihr’s kriegt.
„Wenden“ (Reim)
Ihr fahrt ab heut im selben Auto,
mal links, mal rechts, mal ganz verkehrt.
Wer sich beim Wenden nicht anschreit,
hat sich als Paar bewährt.
„Sitzordnung“ (Reim)
Ein Jahr lang Listen, Pläne, Proben,
wer neben wem und wer bloß nicht,
ihr habt verworfen und verschoben
und diskutiert bis Morgenlicht.Man sagt, die Ehe sei nicht leicht.
Wir sagen: Halb so wild, ihr zwei.
Wer sich beim Tischplan nicht verkracht,
für den ist alles andre Kinderei.
„Die zweite Decke“ (Reim)
Zwei Menschen und nur eine Decke:
Das gibt um drei Uhr nachts Krawall.
Drum schenken wir euch eine zweite,
aus reiner Fürsorge. Für den Fall.
„Merkzettel“ (Reim)
Merkt euch das Datum, tragt es ein,
im Handy, im Kalender, an der Wand.
Wer seinen Hochzeitstag vergisst,
hat abends einen schweren Stand.
Gedichte für die Trauung und die Hochzeitsrede
Sprich einen Beitrag zur Trauung immer vorher ab: bei einer freien Trauung mit dem Paar und der Traurednerin oder dem Trauredner, bei einer kirchlichen Trauung mit dem Pfarrer oder der Pfarrerin. Diese vier sind für feste Momente gedacht: Ringtausch, Kerzenritual, Segen und Anstoßen.
„Ringtausch“ (freie Form, für das Paar zum Sprechen)
Ein Ring ist kein Schloss.
Er hält nichts fest.
Er erinnert nur daran,
dass wir uns an einem Tag im [Monat]
entschieden haben
und an jedem Tag danach
wieder neu.
„Drei Kerzen“ (Reim, für ein Kerzenritual)
Zwei Flammen brennen hier für sich,
und jede hat ihr eignes Licht.
Ihr zündet heut die dritte an
und löscht die beiden andern nicht.
„Segen“ (freie Form)
Möge euer Tisch nie zu klein sein
für die, die vorbeikommen.
Möge euer Streit nie länger dauern
als das Lachen danach.
Möge eure Tür abends verschlossen sein
und morgens offen.
Und mögt ihr noch im Alter
neugierig aufeinander sein.
„Zum Anstoßen“ (Reim, als Schluss einer Rede)
Erhebt die Gläser, steht kurz auf,
für diese zwei hier vorn im Licht:
auf alles, was schon hinter euch liegt,
und alles, was der Tag verspricht.
Gedichte für zwei Bräute oder zwei Bräutigame
Fast alle Gedichte in diesem Artikel funktionieren für jedes Paar. Die ersten beiden hier sprechen gleichgeschlechtliche Paare ausdrücklich an, das dritte passt für jedes Paar, das in keinem Märchen vorkam. Was rechtlich und organisatorisch für euch gilt, steht in unserem Ratgeber zur queeren Hochzeit in Deutschland.
„Zwei Bräute“ (Reim)
Im Kleid, im Anzug, ganz egal:
zwei Frauen, die sich heute trauen.
Wir sind dabei und sehen zu,
wie zwei sich ihre Zukunft bauen.Es hat gedauert, bis ihr durftet,
und manche haben’s nicht erlebt.
Auf sie stoßt heute mit uns an,
weil ihre Hoffnung in euch lebt.
„Das ist viel“ (freie Form, für zwei Bräutigame)
Zwei Männer, zwei Ringe,
zwei Mütter, die gleichzeitig weinen,
ein Vater, der eine Rede hält
und mittendrin den Faden verliert,
ein Saal voller Leute,
die nichts anderes wollen,
als dass ihr glücklich seid.
Das ist alles.
Das ist viel.
„Ganz Ohr“ (Reim, für jedes Paar)
In keinem Märchen, das wir kannten,
kamen zwei wie ihr beide vor.
Dann schreibt ihr heute euer eignes.
Wir hören zu. Wir sind ganz Ohr.
Gedichte von Eltern und Großeltern
Zwei Gedichte von Eltern und Großeltern an das Paar, eines von Kindern, wenn Mutter oder Vater heiratet, und eines, mit dem sich das Paar bei den Eltern bedankt.
„Willkommen“ (Reim, von den Eltern)
Wir haben dir das Laufen beigebracht,
das Schwimmen, Radfahrn, Schuhebinden.
Das Wichtigste hast du allein gelernt:
den Menschen, der zu dir passt, zu finden.Wir geben dich nicht weg, wir teilen
und kriegen [Name] noch dazu.
Am Tisch wird’s nun ein bisschen enger.
Wir rücken gern. Willkommen, du.
„Von den Großeltern“ (freie Form)
Wir sind seit [Zahl] Jahren verheiratet.
Ratschläge hätten wir viele,
aber nur einer passt auf diese Karte:
Geht abends nicht schlafen,
ohne einmal gefragt zu haben,
wie der Tag des anderen war.
Den Rest findet ihr selbst heraus.
Wir haben es auch geschafft.
„Wird schon“ (freie Form, von den Kindern, wenn ein Elternteil heiratet)
Du hast uns Pflaster aufgeklebt,
die Monster unterm Bett verjagt
und tausendmal, wenn wir gezittert haben,
„Wird schon“ gesagt.
Heute zitterst du ein bisschen.
Wird schon.
Wir sind da.
„Eure Schuld“ (Reim, vom Paar an die Eltern)
Ihr habt uns aufgezogen, getragen,
mit Rat und Brot und viel Geduld.
Dass wir heut hier so stehen können,
ist ziemlich sicher eure Schuld.
Was kann man Schönes zur Hochzeit schreiben?
Ein Gedicht allein wirkt auf einer Karte schnell wie aus dem Kartenregal. Erst der Satz danach macht sie zu deiner. Dieser Aufbau hilft:
- Anrede mit beiden Namen.
- Ein Gedicht oder eine Zeile daraus. Bei Klassikern steht der Name des Dichters darunter.
- Ein Satz nur für dieses Paar: eine Erinnerung, eine Beobachtung, etwas, das du an den beiden magst.
- Ein Wunsch für die Zeit danach, ohne große Worte.
- Gruß und Name, bei Familien alle Namen.
So kann das aussehen:
Liebe [Name], lieber [Name],
„So komme, was da kommen mag! / So lang du lebest, ist es Tag.“ (Theodor Storm)
Seit ihr damals [gemeinsames Erlebnis], wissen wir, dass ihr das könnt.
Wir wünschen euch viele ganz normale Dienstage.
Eure [Namen]
Schreib mit der Hand und probier die Zeilen vorher auf einem Zettel aus, damit das Gedicht nicht mitten im Vers am Kartenrand umbricht. Fertige Texte ohne Reim findest du in unseren Glückwünschen zur Hochzeit. Soll es nur eine Zeile sein, stehen kurze, geprüfte Zitate in unseren Liebeszitaten, dort auch Bibelverse in der gemeinfreien Lutherübersetzung von 1912.
Ein Gedicht bei der Hochzeit vortragen
Ein Gedicht, das auf der Karte schön ist, kann beim Vortrag untergehen, wenn es zu schnell oder zu leise kommt. Diese Punkte helfen:
- Absprechen. Kläre mit dem Paar, den Trauzeugen oder der Person, die durch den Abend führt, wann dein Beitrag passt.
- Groß ausdrucken. Eine Karteikarte mit großer Schrift ist bei Aufregung und schlechtem Licht leichter zu lesen als ein Handy, dessen Bildschirm sich mitten im Vers abschaltet.
- Sag, von wem es ist. „Ein Gedicht von Theodor Storm“ oder „Ein paar Zeilen, die wir für euch geschrieben haben“. Bei einem gekürzten Klassiker sagst du das dazu.
- Langsam lesen. Mach am Zeilenende eine kleine Pause, aber betone den Reim nicht, sonst klingt es nach Leierkasten.
- Die letzte Zeile frei sprechen. Schau dabei das Paar an, nicht das Blatt.
- Laut üben, mehrmals und mindestens einmal vor jemandem, der ehrlich ist.
Ein Gedicht ist meist nur ein Baustein. Wie du die Rede drumherum aufbaust, zeigt unsere Anleitung zum Hochzeitsrede schreiben.
Ein Gedicht anpassen, ohne es zu verbiegen
Bei eigenen Versen und bei Klassikern gelten unterschiedliche Regeln.
Unsere Gedichte darfst du frei verändern. Lies sie danach einmal laut: Wo du stolperst, stolpern auch die Gäste.
Klassiker bleiben im Wortlaut, wenn der Name des Dichters darunter steht. Rechtschreibung modernisieren ist in Ordnung, kürzen auch, wenn du die Lücke mit „[…]“ kennzeichnest oder beim Vortrag erwähnst. Wer umdichtet, schreibt „frei nach Hebel“ oder „frei nach Gellert“ darunter.
Rollenbilder: „Annchen von Tharau“, Hebel und Gellert gehen von Mann und Frau aus, teils mit klarer Rangordnung. Ohne Anpassung für jedes Paar funktionieren dagegen Claudius’ „Die Liebe“, Storms „Trost“, Hebbels „Ich und Du“ und Morgensterns „Die zwei Wurzeln“.
Selbst schreiben ist leichter, als es klingt: Sammle drei Details, die nur dieses Paar betreffen, und schreib die letzte Zeile zuerst. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung steht am Ende unserer Liebesgedichte.
Das Wichtigste in Kürze
- „Ännchen von Tharau“ wurde einer Chronik von 1723 zufolge 1636 für eine Trauung gedichtet; es wird Simon Dach zugeschrieben, die hochdeutsche Fassung stammt von Herder (1778).
- Für die Karte passen kurze Klassiker wie Claudius’ „Die Liebe“, Storms „Trost“ oder die letzte Strophe von Hebbels „Ich und Du“.
- Gemeinfrei sind 2026 Texte von Autorinnen und Autoren, die 1955 oder früher gestorben sind; Hesse, Kaléko, Roth, Heinz Erhardt und Fried sind noch geschützt.
- Eine handgeschriebene Karte bleibt im privaten Rahmen von § 53 UrhG, für Website, soziale Netzwerke oder eine gedruckte Hochzeitszeitung braucht ihr bei geschützten Texten die Rechte.
- Die 30 Gedichte unserer Redaktion darfst du frei übernehmen, kürzen und mit eigenen Details füllen.
- Klassiker nicht umschreiben, wenn der Name darunter steht: kürzen mit „[…]“ ist in Ordnung, umdichten nur „frei nach“.
- Ein persönlicher Satz nach dem Gedicht wirkt oft stärker als das Gedicht selbst.
Quellen und Stand: Alle Quellen abgerufen am 19. Oktober 2026. Herder, „Volkslieder“, Erster Theil, Leipzig 1778, S. 92–94 (Digitalisat MDZ) · Historisch-kritisches Liederlexikon: Ännchen von Tharau · Claudius, „Asmus omnia sua secum portans“, Sechster Theil, S. 97 (Digitalisat MDZ) · Storm, „Gesammelte Schriften“, Band 1, 2. Auflage, Braunschweig 1872, S. 121 (Digitalisat MDZ) · Hebbel, „Sämtliche Werke“, hg. von Richard Maria Werner, Band 6, Berlin 1904, S. 214 (archive.org) · Wikisource: Hebel, „Auf die Hochzeit eines Freundes“ · Wikisource: Gellert, „Die glückliche Ehe“ · Wikisource: Morgenstern, „Die zwei Wurzeln“ · Wikisource: Tucholsky, „Danach“ · DWDS: Epithalamium · § 15, § 19a, § 53, § 64 und § 69 UrhG · Universität Bremen: Kopien zum privaten Gebrauch · Lebensdaten der Autorinnen und Autoren nach Wikidata und GND (Deutsche Nationalbibliothek).
