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Rosa Rosen liegen auf den Seiten eines aufgeschlagenen Buches

Liebesgedichte: 32 kurze und klassische Gedichte für sie und ihn

Liebesgedichte zum Verschenken: 11 gemeinfreie Klassiker von Goethe bis Ringelnatz im Originaltext und 21 eigene kurze Gedichte für sie und ihn.

Sarah Kellner
Sarah Kellner
· · 18 Min. Lesezeit

Liebesgedichte sagen in wenigen Zeilen, wofür im Alltag oft die Worte fehlen. Hier findest du 32: elf klassische Liebesgedichte, deren Urheberrecht abgelaufen ist, wortgetreu aus verlässlichen Ausgaben. Dazu 21 kurze Gedichte, die unsere Redaktion selbst geschrieben hat, für sie, für ihn, zum Jahrestag, für die Fernbeziehung und zum Valentinstag.

Beide Teile sind klar getrennt. Bei jedem Klassiker steht, von wem er stammt, aus welcher Ausgabe der Text kommt und wofür er sich eignet. Am Ende zeigen wir dir in fünf Schritten, wie du selbst ein Liebesgedicht schreibst, auch ohne Reimtalent.

Kurze Liebesgedichte: Welche Klassiker passen auf eine Karte?

Teil 1: Klassiker. Die elf Gedichte in diesem und dem nächsten Abschnitt sind gemeinfrei. Wir geben sie wortgetreu in der Schreibweise der genannten Ausgabe wieder, daher Formen wie „daß“. Die ersten fünf passen auf eine Karte.

„Dû bist mîn, ich bin dîn“ (anonym, um 1180)

Dû bist mîn, ich bin dîn.
des solt dû gewis sîn.
dû bist beslozzen
in mînem herzen,
verlorn ist daz sluzzelîn:
dû muost ouch immêr darinne sîn.

Sinngemäß in unserer Übertragung: Du gehörst zu mir und ich zu dir, darauf kannst du dich verlassen. Du bist in meinem Herzen eingeschlossen, das Schlüsselchen ist verloren, also bleibst du für immer darin.

Die Zeilen stehen am Schluss eines lateinischen Liebesbriefs in der Tegernseer Briefsammlung der Bayerischen Staatsbibliothek. In der Handschrift laufen sie ohne Versabsätze durch und sind anders geschrieben, wir zitieren die normalisierte Fassung der wissenschaftlichen Ausgabe „Des Minnesangs Frühling“ (38. Auflage 1988). Sie gelten als ältestes mittelhochdeutsches Liebeslied, ob sie ein eigenständiges Gedicht sind, ist in der Germanistik allerdings umstritten.

Passt für: Verlobung, Hochzeitskarte, Gravur. Für einen Ring reicht die erste Zeile.

Heinrich Heine: „Du bist wie eine Blume“ (1827)

Du bist wie eine Blume,
So hold und schön und rein;
Ich schau’ dich an, und Wehmuth
Schleicht mir in’s Herz hinein.

Mir ist, als ob ich die Hände
Auf’s Haupt dir legen sollt’,
Betend, daß Gott dich erhalte
So rein und schön und hold.

Heine (1797–1856) veröffentlichte es 1827 im „Buch der Lieder“. Robert Schumann vertonte es 1840 und nahm das Lied in seine „Myrthen“ auf, die er Clara Wieck zur Hochzeit schenkte.

Passt für: einen stillen, zärtlichen Moment. Für eine fröhliche Geburtstagskarte eher nicht, schon in der dritten Zeile kommt die Wehmut.

Friedrich Rückert: „Ich liebe dich, weil ich dich lieben muß“

Ich liebe dich, weil ich dich lieben muß;
Ich liebe dich, weil ich nicht anders kann;
Ich liebe dich nach einem Himmelsschluß;
Ich liebe dich durch einen Zauberbann.

Dich lieb’ ich, wie die Rose ihren Strauch;
Dich lieb’ ich, wie die Sonne ihren Schein;
Dich lieb’ ich, weil du bist mein Lebenshauch;
Dich lieb’ ich, weil dich lieben ist mein Sein.

Rückert (1788–1866) nahm es in seinen Zyklus „Liebesfrühling“ auf (Buchausgabe 1844), wir zitieren nach der Ausgabe von 1872. Acht Zeilen, die fast alle gleich anfangen: Gerade die Wiederholung gibt dem Gedicht seine Kraft.

Passt für: Antrag, Hochzeitstag, Karte. Beim Vorlesen langsam lesen, die Wiederholungen tragen.

Theodor Storm: „Schließe mir die Augen beide“ (1851)

Schließe mir die Augen beide
Mit den lieben Händen zu!
Geht doch Alles, was ich leide,
Unter deiner Hand zur Ruh.
Und wie leise sich der Schmerz
Well’ um Welle schlafen leget,
Wie der letzte Schlag sich reget,
Füllest du mein ganzes Herz.

Storm (1817–1888) veröffentlichte die acht Zeilen 1851 im Band „Sommergeschichten und Lieder“. Sie handeln von einer geliebten Hand, unter der der Schmerz zur Ruhe kommt.

Passt für: Trost, schwere Zeiten, die Gute-Nacht-Nachricht nach einem harten Tag.

Christian Morgenstern: „Es ist Nacht“ (1908)

Es ist Nacht,
und mein Herz kommt zu dir,
hält’s nicht aus,
hält’s nicht aus mehr bei mir.

Legt sich dir auf die Brust,
wie ein Stein,
sinkt hinein,
zu dem deinen hinein.

Dort erst,
dort erst kommt es zur Ruh,
liegt am Grund
seines ewigen Du.

Wer Morgenstern (1871–1914) von den „Galgenliedern“ kennt, entdeckt hier eine ernste Seite. Projekt Gutenberg-DE datiert das Gedicht auf 1908. Einen Titel hat es nicht, „Es ist Nacht“ ist die erste Zeile. Es steht in Morgensterns Gedichtband „Ich und Du“ (1911).

Passt für: Fernbeziehung, Sehnsucht, eine Nachricht spät am Abend.

Klassische Liebesgedichte: Goethe, Rückert, Rilke und Co.

Diese sechs Klassiker sind länger. Sie eignen sich für einen Brief, eine Rede oder zum Vorlesen.

Johann Wolfgang von Goethe: „Nähe des Geliebten“ (1795)

Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer
Vom Meere strahlt;
Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer
In Quellen mahlt.

Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege
Der Staub sich hebt;
In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege
Der Wandrer bebt.

Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen
Die Welle steigt.
Im stillen Haine geh’ ich oft zu lauschen,
Wenn alles schweigt.

Ich bin bei dir, du seyst auch noch so ferne,
Du bist mir nah!
Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne.
O wärst du da!

Goethe (1749–1832) schrieb es 1795, nachdem er Carl Friedrich Zelters Vertonung von Friederike Bruns Gedicht „Ich denke dein“ gehört hatte: eine eigene, kürzere Neudichtung nach diesem Vorbild, gedruckt 1796 in Schillers „Musen-Almanach“. Wir zitieren die Fassung der Ausgabe letzter Hand von 1827.

Passt für: Fernbeziehung, Abschied auf Zeit. Für eine Karte genügt die letzte Strophe.

Johann Wolfgang von Goethe: „Gefunden“ (1813)

Ich ging im Walde
So für mich hin,
Und nichts zu suchen
Das war mein Sinn.

Im Schatten sah’ ich
Ein Blümchen stehn,
Wie Sterne leuchtend,
Wie Aeuglein schön.

Ich wollt’ es brechen,
Da sagt’ es fein:
Soll ich zum Welken
Gebrochen seyn?

Ich grub’s mit allen
Den Würzlein aus,
Zum Garten trug ich’s
Am hübschen Haus.

Und pflanzt’ es wieder
Am stillen Ort;
Nun zweigt es immer
Und blüht so fort.

Goethe widmete das Gedicht 1813 seiner Frau Christiane (Text nach der Ausgabe von 1827). Man kann das Blümchen, das nicht gepflückt, sondern umgepflanzt wird, als Bild für eine Liebe lesen, die wachsen darf.

Passt für: Jahrestag, lange Beziehungen, die Geschichte, wie ihr euch gefunden habt.

Friedrich Rückert: „Du meine Seele, du mein Herz“

Du meine Seele, du mein Herz,
Du meine Wonn’, o du mein Schmerz,
Du meine Welt, in der ich lebe,
Mein Himmel du, darein ich schwebe,
O du mein Grab, in das hinab
Ich ewig meinen Kummer gab!
Du bist die Ruh’, du bist der Frieden,
Du bist der Himmel, mir beschieden.
Daß du mich liebst, macht mich mir werth,
Dein Blick hat mich vor mir verklärt,
Du hebst mich liebend über mich,
Mein guter Geist, mein bess’res Ich!

Auch dieses Gedicht steht in Rückerts „Liebesfrühling“, in der Ausgabe von 1872 ohne Titel als Nummer III. Schumann machte daraus 1840 das Lied „Widmung“, das erste Stück der „Myrthen“, und überreichte Clara Wieck den Erstdruck am Vorabend ihrer Hochzeit.

Passt für: Trauung, Hochzeitsrede, Eheversprechen.

Rainer Maria Rilke: „Liebes-Lied“ (1907)

Wie soll ich meine Seele halten, daß
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Spieler hat uns in der Hand?
O süßes Lied.

Rilke (1875–1926) veröffentlichte es 1907 in den „Neuen Gedichten“, das „eine“ ist dort gesperrt gedruckt. Das zentrale Bild: zwei Saiten, ein Bogenstrich, eine Stimme.

Passt für: Hochzeitsrede, lange Briefe, alle, die starke Bilder lieber mögen als glatte Reime.

Else Lasker-Schüler: „Ein Liebeslied“ (1917)

(Dir, Sascha – Dir)

Aus goldenem Odem
Erschufen uns Himmel.
O, wie wir uns lieben …

Vögel werden Knospen an den Ästen,
Und Rosen flattern auf.

Immer suche ich nach deinen Lippen
Hinter tausend Küssen.

Eine Nacht aus Gold,
Sterne aus Nacht …
Niemand sieht uns.

Kommt das Licht mit dem Grün,
Schlummern wir;
Nur unsere Schultern spielen noch wie Falter.

Lasker-Schüler (1869–1945) nahm es in ihre „Gesammelten Gedichte“ von 1917 auf. Kein Reim, kein festes Versmaß, dafür Bilder, die hängen bleiben.

Passt für: Valentinstag, eine verliebte Anfangszeit, alle, die es leidenschaftlich mögen.

Joachim Ringelnatz: „Ich habe dich so lieb“ (1928)

Ich habe dich so lieb!
Ich würde dir ohne Bedenken
Eine Kachel aus meinem Ofen
Schenken.

Ich habe dir nichts getan.
Nun ist mir traurig zu Mut.
An den Hängen der Eisenbahn
Leuchtet der Ginster so gut.

Vorbei – verjährt –
Doch nimmer vergessen.
Ich reise.
Alles, was lange währt,
Ist leise.

Die Zeit entstellt
Alle Lebewesen.
Ein Hund bellt.
Er kann nicht lesen.
Er kann nicht schreiben.
Wir können nicht bleiben.

Ich lache.
Die Löcher sind die Hauptsache
An einem Sieb.

Ich habe dich so lieb.

Ringelnatz (1883–1934) veröffentlichte es 1928 im Band „Allerdings“. Die erste Strophe ist komisch und rührend zugleich, das ganze Gedicht wehmütiger: „Wir können nicht bleiben.“

Passt für: die erste Strophe allein als humorvolle Karte, auch für ihn. Das ganze Gedicht eher für Abschiede auf Zeit.

Warum fehlen Erich Fried und Mascha Kaléko?

Wer moderne Liebesgedichte sucht, landet schnell bei Erich Fried und Mascha Kaléko. Ihre Texte drucken wir nicht ab, denn sie sind noch geschützt: Das Urheberrecht erlischt 70 Jahre nach dem Tod (§ 64 Urheberrechtsgesetz), gerechnet ab dem Ende des Todesjahres (§ 69). Frei sind 2026 also Texte von Menschen, die 1955 oder früher gestorben sind.

  • Erich Fried (1921–1988): „Was es ist“, laut seinem Verlag Wagenbach sein berühmtestes Gedicht, steht im Band „Es ist was es ist. Liebesgedichte, Angstgedichte, Zorngedichte“ (1983). Geschützt bis Ende 2058.
  • Mascha Kaléko (1907–1975): „Das lyrische Stenogrammheft“ erschien 1933, eine Auswahl ihrer „Liebesgedichte“ gibt es bei dtv (2015). Geschützt bis Ende 2045.

Ein Rat für Verse aus dem Netz: Schreib einen Dichternamen nur darunter, wenn du den Text in einer verlässlichen Ausgabe gefunden hast, etwa bei Wikisource oder Projekt Gutenberg-DE. Im Zweifel lieber ohne Namen.

Kurze Liebesgedichte für eine Nachricht

Teil 2: Gedichte aus unserer Redaktion. Ab hier stammen alle 21 Gedichte von uns. Übernimm sie, kürze sie oder bau ein Detail ein, das nur ihr kennt. „Für sie“ und „für ihn“ ist nur eine Orientierung, fast alles funktioniert auch andersherum.

Diese vier passen in eine Textnachricht, am besten ohne Anlass an einem ganz normalen Tag. Einzelne Sätze statt Verse findest du in unseren Liebessprüchen für jeden Moment.

„Ohne Anlass“ (Reim)

Ich hab nichts Wichtiges zu sagen,
nur dass ich gerade an dich denk.
Du musst nicht antworten, nichts fragen –
nimm’s einfach mit. Es ist geschenkt.

„Akku leer“ (Reim)

Der Tag war lang, der Akku leer,
die Laune irgendwo im Keller.
Dann kam von dir ein Herz daher –
und alles wurde etwas heller.

„Vorher“ (freie Form)

Du bist der Grund,
warum ich bei einer Nachricht
schon lächle,
bevor ich sie gelesen habe.

„Gute Nacht“ (Reim)

Mach das Licht aus, schließ die Augen,
ich bin in Gedanken da.
Und wenn du morgen aufwachst,
bin ich wieder wirklich nah.

Liebesgedichte für sie

Diese vier leben von Beobachtungen statt Superlativen. Hat deine Partnerin nie kalte Füße, tausch das Detail gegen eines, das stimmt.

„Was ich meine“ (freie Form)

Wenn ich sage: Du siehst schön aus,
meine ich eigentlich:
wie du lachst, bevor die Pointe kommt.
Wie du mit deiner Mutter telefonierst,
die Augen verdrehst
und trotzdem zuhörst.
Wie du mich ansiehst,
wenn ich etwas Dummes sage,
und es nicht dumm findest.
Du siehst schön aus –
das ist nur die kurze Fassung.

„Kurz vor drei“ (Reim)

Du schiebst im Winter, kurz vor drei,
die kalten Füße an mein Bein.
Ich zuck zusammen, schimpf dabei –
und lass sie trotzdem bei mir sein.

„Lachfalten“ (Reim)

Du zeigst auf deine Augenwinkel
und sagst: „Schau mal, die Falten hier.“
Ich seh darin nur Jahre Lachen –
und hoffe, ein paar sind von mir.

„Einkaufszettel“ (freie Form)

Auf dem Einkaufszettel steht
„Milch, Brot, Zwiebeln“
und darunter, ganz klein,
in deiner Schrift:
„und du“.
Ich hab ihn nicht weggeworfen.
Er steckt jetzt in meinem Portemonnaie,
gleich hinter dem Ausweis,
bei den Dingen, die ich nicht verlieren darf.

Liebesgedichte für ihn

Ein Augenzwinkern hilft, damit es nicht zu feierlich wird, ernst gemeint sein darf es trotzdem. Spricht er selbst wenig über Gefühle, beschreib lieber, was er tut, als wie er aussieht.

„Dein Pulli“ (Reim)

Ich trag schon wieder deinen Pulli,
er ist zu groß und riecht nach dir.
Du sagst, ich soll ihn wiedergeben.
Ich sag: Gleich. Und er bleibt bei mir.

„Für einen, der wenig sagt“ (freie Form)

Du sagst nicht oft, was du fühlst.
Du sagst: „Ich hab dir Tee gemacht.“
Du sagst: „Schreib, wenn du angekommen bist.“
Du sagst: „Ich hol dich ab.“
Ich hab gelernt, dich zu übersetzen.
Es heißt jedes Mal dasselbe.

„Ehrlich gesagt“ (Reim)

Du singst im Auto viel zu laut
und hast den letzten Keks geklaut,
verlegst den Schlüssel Tag für Tag –
und bist der Mensch, den ich am liebsten mag.

„Maß genommen“ (freie Form)

Es gibt Tage,
da will ich nichts hören,
nichts lösen, nichts besprechen.
Nur die Stelle zwischen deinem Hals und deiner Schulter,
in die mein Kopf passt,
als hätte jemand Maß genommen.

Liebesgedichte zum Jahrestag, für die Fernbeziehung und zum Valentinstag

Für diese drei Anlässe gibt es je drei Gedichte, eines davon immer ohne Reim.

Gedichte zum Jahrestag

Am Jahrestag schaut ihr zurück. Kleine Ehrlichkeiten wie Streit oder Schnarchen machen ein Gedicht dabei glaubwürdiger. Ideen für den Tag selbst sammeln unsere kreativen Jahrestags-Ideen.

„Geblieben“ (Reim)

Wenn alle Worte schon gesagt
und alle Briefe längst geschrieben,
dann sag ich’s noch mal, ungefragt:
Ich bin so gern bei dir geblieben.

„Ein Jahr“ (freie Form)

Ein Jahr.
Dreihundertfünfundsechzig Mal „Gute Nacht“,
na gut, ein paar Mal haben wir’s vergessen.
Ein paar Mal Streit,
ein paar Mal Tränen,
unzählige Male „Wo ist die Fernbedienung?“
Und kein einziger Tag,
an dem ich nicht wieder zu dir wollte.

„Nach vielen Jahren“ (Reim)

Wir kennen uns seit vielen Jahren,
du kennst mein Schnarchen, ich dein Fluchen.
Wir wissen, wer wir sind und waren,
und müssen nicht mehr weitersuchen.

Gedichte für die Fernbeziehung

Auf Distanz kann ein Gedicht etwas Greifbares sein, das bleibt, wenn der Videoanruf vorbei ist. Schick es ruhig per Post. Weitere Zeilen zum Verschicken findest du in unseren Fernbeziehung-Sprüchen.

„Derselbe Mond“ (Reim)

Bei dir fällt Regen, hier scheint Sonne,
du schläfst schon, und ich bin noch wach.
Wir teilen nur denselben Mond
und zählen Tage, Nacht für Nacht.

„Videoanruf“ (freie Form)

Dein Gesicht, ein bisschen verpixelt,
dahinter deine Nachttischlampe.
Du schläfst mitten im Satz ein.
Ich lege nicht auf.
Ich höre dir beim Atmen zu,
ein paar hundert Kilometer weit weg,
und es ist das Nächste an Zuhause,
was ich heute habe.

„Countdown“ (Reim)

Ich streich die Tage im Kalender:
noch zwölf, noch elf, noch zehn, noch neun.
Die Zeit wird davon auch nicht schneller –
doch ich kann mich auf dich freun.

Gedichte zum Valentinstag

Am 14. Februar klingen viele Karten ähnlich. Ein Gedicht, das den Rummel augenzwinkernd aufnimmt, kann eher auffallen. Kurze Sätze für die Karte sammeln unsere Valentinstag-Sprüche.

„Statt Rosen“ (Reim)

Die Rosen welken bis zum Freitag,
die Schokolade ist bald leer.
Ich schenk dir lieber meine Zeit –
davon hab ich für dich noch mehr.

„14. Februar“ (freie Form)

Heute sagt mir jedes Schaufenster,
dass ich dich lieben soll.
Ich hab’s dir gestern schon gesagt,
beim Zähneputzen, mit Schaum im Mund.
Und morgen sag ich’s wieder,
wenn die Herzen aus den Fenstern wieder weg sind.

„Schwarz auf weiß“ (Reim)

Ich brauch kein Datum, um zu wissen,
wie gut es ist, dass es dich gibt.
Doch heute steht es hier geschrieben:
Ich bin noch immer schwer verliebt.

Wie schreibe ich selbst ein Liebesgedicht?

Ein eigenes Gedicht muss keine Literaturkritik bestehen. Es muss erkennbar von dir sein und zu diesem einen Menschen passen.

1. Sammle drei Dinge, die nur ihr kennt

Nicht „deine Augen“, sondern: wie er beim Einparken die Zunge rausstreckt. Der Satz, den sie jeden Morgen sagt. Der Ort eures ersten Kusses. Aus solchen Details entstehen die Zeilen, große Wörter wie „ewig“ brauchst du dann kaum noch.

2. Entscheide: Reim oder freie Form

Ohne Reim ist es für den Anfang leichter: Schreib einen normalen Satz und brich ihn dort um, wo du beim Vorlesen eine Pause machen würdest, so funktionieren „Vorher“ und „Einkaufszettel“. Wenn du reimen willst, nimm vier Zeilen und reime nur die zweite auf die vierte.

3. Schreib die letzte Zeile zuerst

Die letzte Zeile ist die Pointe. Wenn du sie hast, baust du die Zeilen davor so, dass sie darauf zulaufen. In „Kurz vor drei“ führt alles zu „und lass sie trotzdem bei mir sein“.

4. Lies es laut und streich

Beim lauten Lesen merkst du, wo der Rhythmus stolpert. Streich Füllwörter wie „ganz“, „einfach“ oder „wirklich“. Ein schlichter Reim wie „dir“ auf „mir“ ist kein Fehler, wenn die Zeilen davor etwas Eigenes erzählen. Vorsicht aber bei „Herz“ auf „Schmerz“: Bei Rückert und Storm trägt dieser Reim, in einem Gedicht von heute klingt er schnell nach Kartenregal.

5. Schreib es mit der Hand und gib es ohne Ankündigung

Ein Gedicht auf Papier kann man aufheben und Jahre später wiederfinden. Stell kein „Ich bin kein Dichter, aber …“ davor. Leg es dorthin, wo es zufällig gefunden wird, in die Jackentasche oder unter die Kaffeetasse. Willst du mehr sagen, bette das Gedicht in einen Brief ein, wie in unserer Anleitung zum Liebesbrief mit Musterbriefen. Und liegen dir Verse gar nicht, trägt eine Liebeserklärung in eigenen Worten genauso weit.

Kürzere Zeilen für Karte und Nachricht findest du in unseren geprüften Liebeszitaten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Liebesgedichte von Goethe, Heine, Rückert, Storm, Rilke, Morgenstern, Lasker-Schüler und Ringelnatz sind gemeinfrei.
  • Als ältestes mittelhochdeutsches Liebeslied gilt „Dû bist mîn, ich bin dîn“ (um 1180), ob es ein eigenständiges Gedicht ist, bleibt umstritten.
  • Auf eine Karte passen Klassiker mit sechs bis acht Zeilen, etwa von Heine, Rückert oder Storm.
  • Erich Fried und Mascha Kaléko sind noch geschützt (bis Ende 2058 beziehungsweise 2045), deshalb nennen wir nur ihre Bücher.
  • Die 21 Gedichte der Redaktion kannst du übernehmen oder abwandeln, ein Detail, das nur ihr kennt, macht sie zu deinen.
  • Ein eigenes Gedicht braucht keinen Reim: Konkrete Bilder und eine starke letzte Zeile tragen mehr als große Wörter.
  • Schreib einen Dichternamen nur unter Verse, die du in einer verlässlichen Ausgabe gefunden hast.

Quellen: Wikisource: „Dû bist mîn, ich bin dîn“ · Wikipedia: „Dû bist mîn, ich bin dîn“ · Wikisource: Heine, „Du bist wie eine Blume“ · Wikipedia: Myrthen (Schumann) · Gutenberg-DE: Rückert, „Liebesfrühling“, Erster Strauß · Gutenberg-DE: Rückert, „Liebesfrühling“, Vierter Strauß · Gutenberg-DE: Friedrich Rückert · Wikisource: Storm, „Schließe mir die Augen beide“ · Gutenberg-DE: Morgenstern, „Es ist Nacht“ · LiederNet: Morgenstern, „Es ist Nacht“ · Wikisource: Christian Morgenstern · Wikisource: Goethe, „Nähe des Geliebten“ (1827) · Wikipedia: „Nähe des Geliebten“ · Wikisource: Goethe, „Gefunden“ · Wikipedia: Christiane von Goethe · Wikisource: Rilke, „Liebes-Lied“ · Wikisource: Lasker-Schüler, „Ein Liebeslied“ · Wikisource: Ringelnatz, „Ich habe dich so lieb“ · § 64 UrhG · § 69 UrhG · Wikipedia: Erich Fried · Wagenbach: „Es ist was es ist“ · Wikipedia: Mascha Kaléko

Häufig gestellte Fragen

Was ist das älteste deutsche Liebesgedicht?

Als ältestes mittelhochdeutsches Liebeslied gilt „Dû bist mîn, ich bin dîn“. Die sechs Zeilen stehen am Ende eines lateinischen Liebesbriefs in der Tegernseer Briefsammlung der Bayerischen Staatsbibliothek und entstanden um 1180, wer sie schrieb, ist unbekannt. Ob es ein eigenständiges Gedicht ist oder gereimte Prosa, ist in der Germanistik umstritten.

Welche kurzen Liebesgedichte passen auf eine Karte?

Gut passen gemeinfreie Klassiker mit sechs bis acht Zeilen: „Dû bist mîn, ich bin dîn“ (um 1180), Heinrich Heines „Du bist wie eine Blume“ (1827), Friedrich Rückerts „Ich liebe dich, weil ich dich lieben muß“ und Theodor Storms „Schließe mir die Augen beide“ (1851). Persönlicher wird es mit einem eigenen Vierzeiler über ein Detail aus eurem Alltag.

Warum stehen hier keine Gedichte von Erich Fried oder Mascha Kaléko?

Ihre Texte sind in Deutschland noch urheberrechtlich geschützt. Das Urheberrecht erlischt 70 Jahre nach dem Tod, gerechnet ab dem Ende des Todesjahres (§§ 64 und 69 Urheberrechtsgesetz). Bei Erich Fried (gestorben 1988) gilt der Schutz bis Ende 2058, bei Mascha Kaléko (gestorben 1975) bis Ende 2045. Wer ihre Gedichte öffentlich nutzen will, etwa auf einer Website, sollte vorher beim Verlag klären, ob das erlaubt ist.

Wie schreibe ich selbst ein Liebesgedicht?

Sammle drei Details, die nur ihr beide kennt. Entscheide dich für Reim oder freie Form; ohne Reim ist es für Ungeübte meist leichter. Schreib die letzte Zeile zuerst, denn sie ist die Pointe. Lies das Gedicht laut und streich Füllwörter. Dann schreib es mit der Hand ab und gib es ohne Entschuldigung weiter. Konkrete Bilder wirken stärker als große Wörter wie „ewig“.

Welches Liebesgedicht passt für ihn?

Entscheidend ist eher der Ton, den ihr miteinander habt, als das Geschlecht. Mit Humor funktioniert die erste Strophe von Joachim Ringelnatz’ „Ich habe dich so lieb“ (1928) mit der Ofenkachel; das ganze Gedicht ist allerdings wehmütig. Spricht er selbst wenig über Gefühle, passen kurze eigene Zeilen über seine Alltagsgesten besser als Pathos.

Sind die klassischen Gedichte hier im Originaltext?

Ja, mit einer Einschränkung. Die elf Klassiker stehen wortgetreu in der Schreibweise der jeweils genannten Ausgabe, übernommen aus Wikisource und Projekt Gutenberg-DE. Deshalb finden sich alte Schreibungen wie „seyst“ oder „daß“. Das mittelalterliche „Dû bist mîn, ich bin dîn“ steht in der normalisierten Fassung der wissenschaftlichen Ausgabe „Des Minnesangs Frühling“, in der Handschrift ist es anders geschrieben. Beim Abschreiben auf eine Karte kannst du die Rechtschreibung modernisieren, die Wörter selbst solltest du nicht ändern, wenn der Name des Dichters darunter steht.

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