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Zwei goldene Eheringe liegen nebeneinander auf gelben Herbstblättern

Ehering: welche Hand? Rechts oder links – und der Verlobungsring

Ehering welche Hand? In Deutschland traditionell rechts, in der Schweiz, England oder den USA links. Pflicht ist beides nicht. Plus: Verlobungsring und Witwen.

Sarah Kellner
Sarah Kellner
· 17 Min. Lesezeit

An welcher Hand trägt man den Ehering? In Deutschland traditionell an der rechten, am Ringfinger. In der Schweiz, in Italien, England oder den USA sitzt er dagegen links. Eine Pflicht gibt es weder hier noch dort: Kein Gesetz schreibt vor, an welcher Hand ihr eure Eheringe tragt – oder ob ihr überhaupt welche tragt.

Der Verlobungsring sitzt in Deutschland üblicherweise links. Nach der Hochzeit bleibt er entweder dort oder wandert mit nach rechts. Beides ist verbreitet, beides ist richtig.

Spannender als die Antwort ist die Frage nach dem Warum. Die Erklärung, die man in vielen Ratgebern liest – eine „Liebesader“, die vom Ringfinger direkt zum Herzen führt –, ist eine Legende. Wir haben nachgelesen, was in den alten Quellen tatsächlich steht, was belegt ist und was bloß Deutung.

An welcher Hand trägt man den Ehering in Deutschland?

An der rechten. Der Schweizer Rundfunk hat den Unterschied einmal knapp zusammengefasst: In der Schweiz gehören Verlobungs- und Ehering an den linken Ringfinger, in Deutschland steckt der Ehering am rechten und der Verlobungsring am linken (Radio SRF, 2011). In Österreich ist der rechte Ringfinger ebenfalls üblich (derStandard).

Repräsentative Zahlen dazu, wie viele Verheiratete in Deutschland ihren Ring rechts oder links tragen, haben wir nicht gefunden. Auch die gelegentlich zu lesende Aussage, immer mehr Paare wechselten nach links, stützt sich nach unserer Recherche auf keine Erhebung.

Vorschriften gibt es keine, denn rechtlich spielt der Ring gar keine Rolle. Eine Ehe wird in Deutschland „nur dadurch geschlossen“, dass beide vor dem Standesbeamten erklären, die Ehe miteinander eingehen zu wollen (§ 1310 BGB). Von Ringen ist dort keine Rede.

Ihr könnt eure Trauringe also links, rechts oder gar nicht tragen, verheiratet seid ihr so oder so. Wie die Trauung selbst abläuft und welche Unterlagen ihr braucht, steht in unserem Ratgeber zum standesamtlichen Heiraten.

Im Netz kursieren lange Länderlisten, die sich teils widersprechen und selten Quellen nennen. Wir beschränken uns deshalb auf Länder und Traditionen, für die wir einen belastbaren Beleg gefunden haben.

Rechte Hand

  • Deutschland und Österreich: Ehering rechts, in Deutschland der Verlobungsring meist links (siehe oben).
  • Polen: Ein Aufsatz in der theologischen Fachzeitschrift „Elpis“ der Universität Białystok nennt Polen ausdrücklich als Land, in dem der Ehering rechts getragen wird (Magruk 2016).
  • Norwegen: Der Brautring wird laut dem Nachschlagewerk Store norske leksikon „fra gammelt av“, also seit alters, an den Ringfinger der rechten Hand gesteckt (SNL).
  • Orthodoxe Kirchen: Im russisch-orthodoxen Verlobungsritus steckt der Priester die Ringe an die Finger der rechten Hand (Book of Needs, 1894). Orthodoxe Christen tragen den Ehering traditionell rechts, schreibt die Orthodoxe Kirche in Amerika (OCA).

Linke Hand

  • Schweiz: Verlobungs- und Ehering links (Radio SRF, s. o.).
  • Italien: Die „fede“, der Ehering, sitzt laut der italienischen Nationalenzyklopädie am Ringfinger der linken Hand (Enciclopedia Italiana, 1929).
  • England: Das anglikanische Gebetbuch schreibt seit 1549 vor, den Ring an den vierten Finger der linken Hand der Frau zu stecken (Book of Common Prayer 1549), die Fassung von 1662 ebenso (Church of England).
  • USA: Die Orthodoxe Kirche in Amerika beschreibt die linke Hand als amerikanische Gewohnheit (OCA, s. o.), und das Gebetbuch der amerikanischen Episkopalkirche von 1928 sieht sie bei der Trauung vor (BCP 1928).

Sonderfälle und offene Fragen

  • Jüdische Trauung: Bei der traditionellen Zeremonie steckt der Bräutigam der Braut den Ring an den Zeigefinger der rechten Hand (Chabad.org). Nach der Zeremonie darf sie ihn an den Ringfinger stecken (Maurice Lamm auf Chabad.org).
  • Griechenland: Hier ist die Lage unklar. Die Orthodoxe Kirche in Amerika nennt rechts die orthodoxe Tradition, hält den Wechsel an die linke Hand nach den Flitterwochen aber für einen möglichen griechischen Brauch. Der Aufsatz aus Białystok zählt die Griechen zu denen, die links tragen. Wir lassen das offen.

Dass es so bunt zugeht, wissen Volkskundler seit Langem. Schon 1975 wurde die Verbreitung auf Karten für Belgien und Europa dargestellt, im Umfeld einer Europarats-Ausstellung über Liebe und Hochzeit. Den Befund fasste der damalige Direktor des Österreichischen Museums für Volkskunde so zusammen: Vor allem konfessionelle Unterschiede prägen das Bild, aber nicht diese allein (Hempel 1985).

Die „Liebesader“ zum Herzen: Woher kommt die Legende?

Viele Ratgeber erklären den Ringfinger mit der „vena amoris“: Vom linken Ringfinger führe eine Ader direkt zum Herzen, deshalb gehöre der Ehering dorthin. Diese Ader gibt es nicht. Und die alten Quellen, auf die sich die Geschichte beruft, sagen etwas anderes, als meist behauptet wird.

Die Spur führt zu dem römischen Schriftsteller Aulus Gellius im 2. Jahrhundert. In seinen „Attischen Nächten“ berichtet er, die alten Griechen und meist auch die Römer hätten ihren Ring am Finger neben dem kleinen Finger der linken Hand getragen. Den Grund überliefert er vom Gelehrten Apion: Bei Leichenöffnungen in Ägypten habe man einen sehr feinen Nerv gefunden, der von genau diesem Finger zum Herzen laufe (Noctes Atticae 10,10).

Zwei Details fallen auf. Es geht um Ringe allgemein, nicht um Eheringe. Und Gellius spricht von einem Nerv („nervus“), nicht von einer Ader.

Gut zwei Jahrhunderte später greift Macrobius das Thema in seinen „Saturnalien“ auf. Ein Arzt sieht die Geschichte vom Nerv dort durch anatomische Bücher bestätigt.

Ein anderer Gesprächsteilnehmer liefert eine nüchterne Erklärung, die er auf den Rechtsgelehrten Ateius Capito zurückführt: Früher habe man Siegelringe an beliebiger Hand getragen. Als kostbare Steine in Mode kamen, sei der Ring an die linke Hand gewandert, weil die rechte zu viel arbeite und die Steine dort brechen könnten (Saturnalia 7,13). Beide Erklärungen bleiben nebeneinander stehen.

Von einer Ader ist bei Isidor von Sevilla im 7. Jahrhundert die Rede. Man habe Ringe zuerst am vierten Finger vom Daumen aus getragen, schreibt er, weil von dort eine Ader („vena“) bis zum Herzen reiche. Eine Hand nennt er nicht (Etymologiae 19,32). Den Namen „vena amoris“ findet man später etwa bei dem englischen Kirchenrechtler Henry Swinburne, dessen Abhandlung über Verlöbnisse 1686 gedruckt wurde: Der Ring gehöre an den vierten Finger der linken Hand, weil von dort eine Ader zum Herzen ziehe, „called Vena amoris“ (Swinburne 1686).

Anatomisch ist die Sache klar. Die Venen aller Finger fließen über das Venennetz des Handrückens in die großen Armvenen und von dort zurück zum Herzen (Kenhub). Einen Sonderweg hat der Ringfinger nicht. Bezweifelt wurde die Legende schon früh: 1646 schrieb der englische Arzt Thomas Browne, bei der Sektion finde sich in diesem Finger kein besonderes Gefäß, alle Finger würden gleich versorgt, und deshalb gebe es keinen Grund, den Ring eher links als rechts zu tragen (Pseudodoxia Epidemica IV,4).

Hinter vielen Hochzeitsbräuchen stehen Erklärungen, die sicherer klingen, als sie sind. Mehr Beispiele findet ihr in unserem Text über Hochzeitsbräuche und ihre Herkunft.

Warum trägt man in Deutschland den Ehering rechts?

Die ehrliche Antwort: Geklärt ist das nicht. Es gibt aber einige gesicherte Puzzleteile, und sie sprechen gegen eine Erklärung, die man oft liest.

Die rechte Hand ist alt. Eine Steinplastik im Wiener Stephansdom aus der Zeit um 1480 zeigt, wie der Bräutigam der Braut den Ring an den vierten Finger der rechten Hand steckt (Hempel 1985, Katalog Nr. 35). Für England beschreibt das Victoria and Albert Museum die rechte Hand der Braut als übliche Praxis zu Beginn des 16. Jahrhunderts (V&A). Und in Italien verwarf laut der italienischen Nationalenzyklopädie ein Provinzialkonzil in Mailand 1576 ausdrücklich den Ring an der rechten Hand: „non dextrae, sed sinistrae“, nicht an die rechte, sondern an die linke.

Liturgische Bücher schrieben die linke Hand fest. Das anglikanische Gebetbuch von 1549 nennt den vierten Finger der linken Hand. Das Rituale Romanum, das offizielle Ritualbuch der katholischen Kirche von 1614, verlangt dasselbe: Der Bräutigam steckt den Ring „in digito annulari sinistrae manus“, an den Ringfinger der linken Hand (Rituale Romanum, Druck von 1623).

Deutschland ging teils einen eigenen Weg. Noch 1929 beschrieb die italienische Nationalenzyklopädie, dass man in manchen Gegenden Deutschlands den Verlobungsring links und den Ehering rechts trage. In Preußen halte sich dieser Brauch.

Damit wackelt eine beliebte Erklärung: Die Reformation habe die rechte Hand eingeführt, damit sich Protestanten von Katholiken abheben. Die Wiener Darstellung entstand Jahrzehnte vor Luthers Thesen von 1517. Im katholisch geprägten Österreich und in Polen trägt man ebenfalls rechts.

Und in England lief es laut V&A umgekehrt: Dort führte das protestantische Gebetbuch die linke Hand ein, während englische Katholiken bis etwa zur Mitte des 18. Jahrhunderts beim alten Brauch blieben. Die Konfession spielt eine Rolle, wie die Karten der Volkskundler zeigen. Als alleinige Erklärung für das deutsche Rechts taugt die Reformationsthese aber nicht.

Was bleibt, sind Deutungen. Die rechte Hand ist die Schwurhand: Bis heute heißt es in der Zivilprozessordnung, der Schwörende „soll bei der Eidesleistung die rechte Hand erheben“ (§ 481 ZPO). Sie ist die Hand des Versprechens: Im anglikanischen Ritus reichen sich die Brautleute beim Eheversprechen die rechte Hand. Und sie ist die Hand des Segens: Bischöfe trugen ihren Ring traditionell rechts, an der Hand, mit der sie segnen, und das orthodoxe Verlobungsgebet spricht mehrfach von der rechten Hand.

Ob eine dieser Deutungen hinter dem deutschen Brauch steckt, belegt keine Quelle, die wir gefunden haben. Auch für die gelegentlich zu lesende Behauptung, schon die Germanen hätten die Liebesader in der rechten Hand vermutet, fanden wir keinen Beleg.

Wann immer ihr wollt, auch in Deutschland. Eine Regel, nach der links „falsch“ wäre, gibt es nicht.

Ein Grund, den Ratgeber nennen, ist praktisch: Bei Rechtshändern ist die rechte die Arbeitshand, links ist der Ring besser vor Kratzern geschützt (t-online). Das ist übrigens fast genau das Argument, das Macrobius vor rund 1600 Jahren überliefert: Der Ring gehört an die Hand, die weniger zu tun hat.

Ob Männer das häufiger tun als Frauen, dazu haben wir keine Daten gefunden. Denkbar sind dieselben Gründe wie bei allen: Wer viel mit der rechten Hand arbeitet, schützt den Ring links besser. Wer im Ausland geheiratet hat oder Familie in einem Land, in dem links üblich ist, folgt vielleicht deren Brauch. Und manchmal sitzt der Ring an der anderen Hand schlicht besser.

Und wenn du Linkshänder bist?

Dann dreht sich die Logik um: Bei dir ist rechts die ruhigere Hand. Der deutsche Brauch passt also ganz von selbst zur antiken Begründung aus den „Saturnalien“.

Verlobungsring: Welche Hand – vor und nach der Hochzeit?

In Deutschland trägt man den Verlobungsring üblicherweise am linken Ringfinger (Radio SRF, s. o.). In Dänemark sitzt der Verlobungsring laut dem Lexikon Den Store Danske ebenfalls üblicherweise links (lex.dk).

Mit der Hochzeit kommt der Ehering an die rechte Hand. Für den Verlobungsring gibt es dann zwei verbreitete Wege (t-online, s. o.):

  • Er bleibt links. Dann tragt ihr an jeder Hand einen Ring, die Verlobung links, die Ehe rechts.
  • Er wandert mit nach rechts. Dann sitzt er als Vorsteckring vor dem Ehering am selben Finger.

Welcher Weg der richtige ist, schreibt euch niemand vor.

Was ist ein Vorsteckring?

Der Duden beschreibt ihn als „zum Trauring passender und (von der Frau) über dem Trauring getragener Ring mit Edelstein[en]“ (Duden). Der Ehering sitzt dabei unten, näher an der Hand, der Vorsteckring davor, zur Fingerspitze hin; t-online beschreibt den Wechsel „als Vorsteckring vor den Ehering“. Vermutlich hat der Vorsteckring daher das „Vor“ im Namen. Das kann der Verlobungsring sein, muss es aber nicht.

Dass sich beide Partner Ringe schenken, ist übrigens nicht neu: Schon 1862 vermerkt Pierer’s Universal-Lexikon, Brautleute pflegten sich Ringe bei der Verlobung und bei der Trauung zu geben (Pierer 1862). Wer noch sucht: Worauf es bei Form, Material und Budget ankommt, steht in unserem Ratgeber zum Verlobungsring.

Wo trägt eine Witwe den Ehering?

Eine Regel gibt es dafür nicht, und es braucht auch keine. Was du mit deinem Ring machst, wenn dein Mann oder deine Frau gestorben ist, entscheidest du. Heute, in einem Jahr oder nie.

Die Volkskunde-Karten von 1975 zeigten nicht nur rechts und links, sondern auch, wie unterschiedlich in Europa der Ehering nach dem Tod eines Ehepartners weiterverwendet wird (Hempel 1985, Vorwort). Im Netz liest man häufig, Verwitwete würden den Ring traditionell an die andere Hand wechseln. Einen belastbaren Beleg dafür, dass das in Deutschland ein allgemeiner Brauch ist, haben wir nicht gefunden.

Möglich ist vieles, und nichts davon ist falsch:

  • Weitertragen wie bisher. Der Ring bleibt, wo er immer war.
  • An die andere Hand wechseln, als leises Zeichen, dass sich etwas verändert hat.
  • Beide Ringe tragen, den eigenen und den des Partners, an einem Finger, an zwei Händen oder vom Goldschmied zu einem Ring verbunden.
  • An einer Kette, wenn er am Finger nicht mehr passt oder dir dort zu sichtbar ist.
  • Ablegen und aufbewahren, vielleicht für Kinder oder Enkel.

Wie sehr ein Ehering zum Andenken werden kann, zeigt ein Stück, das 1985 in einer Wiener Ausstellung über Fingerringe zu sehen war: eine Votivgabe aus dem Wallfahrtsort Mariazell, ein Ehering mit getrockneten Blumen und einem Haarkränzchen unter Glas, beschriftet mit „Ehering und Haare meiner innigst geliebten Mutter“ (Hempel 1985, Katalog Nr. 24).

Für Witwer gilt dasselbe. Und wenn irgendwann eine neue Liebe beginnt, kann sich die Ringfrage noch einmal stellen, manchmal auch für den neuen Menschen an deiner Seite. Wie du damit umgehen kannst, beschreibt unser Text über die zweite Chance auf Liebe nach dem Verlust des Partners.

Gilt das auch nach der Scheidung und für gleichgeschlechtliche Paare?

Nach der Scheidung

Auch hier gibt es kein Protokoll. Du kannst den Ring sofort abnehmen oder erst, wenn es sich richtig anfühlt, ihn aufbewahren, umarbeiten lassen oder verkaufen. Nach einer Scheidung kann sich auch die Namensfrage stellen. Wie der Weg zurück zum früheren Namen funktioniert, erklärt unser Ratgeber zur Namensänderung nach der Scheidung.

Gleichgeschlechtliche Paare

Für euch gelten dieselben Bräuche, also ebenfalls keine Pflicht. Das BGB spricht ausdrücklich von der Ehe zwischen „zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts“ (§ 1353 BGB). Ob ihr beide rechts tragt, beide links oder jede und jeder anders, entscheidet ihr. Was bei einer queeren Hochzeit sonst zu bedenken ist, steht in unserem Ratgeber zur queeren Hochzeit in Deutschland.

Wann muss der Ehering ab? Beruf, Sport, geschwollene Finger

Die Hand ist hier egal: In manchen Situationen muss der Ring ganz runter.

In Pflege, Praxis und Klinik

Bei Tätigkeiten, die eine hygienische Händedesinfektion erfordern, dürfen an Händen und Unterarmen keine Ringe getragen werden, ausdrücklich „einschließlich Eheringe“. So steht es in der Technischen Regel für Biologische Arbeitsstoffe TRBA 250, Abschnitt 4.1.8 (Ausgabe November 2025). Schmuckstücke, Armbanduhren, Piercings, künstliche Fingernägel und sogenannte Freundschaftsbänder sind dort ebenfalls aufgezählt (TRBA 250).

Auch die TRGS 401 zu Gefährdungen durch Hautkontakt nennt als Schutzmaßnahme, bei der Arbeit keinen Arm- oder Handschmuck (Ringe) zu tragen, weil sich darunter leichter Hautschäden entwickeln. Ob das greift, hängt von der Gefährdungsbeurteilung ab, etwa bei Feuchtarbeit mit viel Wasserkontakt oder häufigem Händewaschen (TRGS 401).

In Werkstatt und Industrie

Ein allgemeines Schmuckverbot gibt es für die meisten Jobs nicht. Arbeitgeber können aber Weisungen erteilen, soweit Sicherheit oder Gesundheit betroffen sind, meist auf Grundlage der Gefährdungsbeurteilung (KomNet NRW). An Maschinen ist die Linie klar: Die DGUV Regel 109-067 für den Metallbau verbietet dort Schmuck wie Armbänder, Halsketten, Ringe oder Piercings (KomNet NRW), und die Berufsgenossenschaft BG ETEM verlangt, Ringe, Halsketten und Armbänder vorher abzulegen (BG ETEM).

Der Grund ist nüchtern: Bleibt ein Ring hängen, kann er den Finger schwer verletzen. In der Handchirurgie spricht man von Ringavulsionsverletzungen. Typisch ist laut Fachliteratur, dass ein Ehering an einer Maschine oder einem vorstehenden Gegenstand hängen bleibt (Jones & Gujral 2016).

Beim Sport

Im Fußball ist die Sache eindeutig: Regel 4 verbietet das Tragen von Schmuck, Ringe ausdrücklich eingeschlossen, und das Abkleben ist untersagt (IFAB, Regel 4). Auch beim Krafttraining, Klettern oder Heimwerken lohnt es sich, den Ring vorher abzunehmen.

Bei geschwollenen Fingern, etwa in der Schwangerschaft

Hitze, Wassereinlagerungen oder Verletzungen können Finger so anschwellen lassen, dass ein Ring nicht mehr abgeht (Merck Manual). In der Schwangerschaft sind Wassereinlagerungen, auch an den Händen, häufig harmlos (familienplanung.de). Wird der Ring eng, nimm ihn ab, solange es noch leicht geht, und trag ihn eine Weile an einer Kette oder an einem anderen Finger.

Ganz neu ist das nicht: Schon in den „Saturnalien“ trägt ein Gast seinen Ring an der rechten Hand, weil seine linke nach einer Verletzung geschwollen ist.

Zwei Situationen gehören in fachkundige Hände. Schwellungen, die ganz plötzlich und stark auftreten oder sich am ganzen Körper zeigen, etwa auch im Gesicht, sollten eine Ärztin, ein Arzt oder die Hebamme abklären (familienplanung.de, s. o.). Und ein Ring, der feststeckt, während der Finger schmerzt oder schlecht durchblutet wirkt, gehört in eine Praxis oder Notaufnahme, wo er im Zweifel mit einem Ringschneider geöffnet wird (Merck Manual, s. o.).

Und wenn ihr es ganz anders machen wollt?

Dann macht es anders. Rechtlich hängt an eurem Ring nichts, und die Geschichte zeigt, wie beweglich die angeblich festen Regeln sind. In den nördlichen Niederlanden trugen Frauen in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ihren Ehering bevorzugt am Zeigefinger der rechten Hand, wie Porträts aus dieser Zeit zeigen (Rijksmuseum Bulletin). Was heute als „richtig“ gilt, war es nicht immer.

Ihr könnt links tragen, weil ihr euch im Ausland kennengelernt habt, rechts, weil es eure Eltern so gemacht haben, an verschiedenen Händen, an einer Kette oder gar nicht. Entscheidend ist, dass ihr beide wisst, was der Ring für euch bedeutet.

Das Wichtigste in Kürze

  • In Deutschland und Österreich trägt man den Ehering traditionell rechts, in der Schweiz, in Italien, England oder den USA links.
  • Eine Pflicht gibt es nicht. Die Ehe entsteht durch die Erklärung vor dem Standesamt, nicht durch den Ring (§ 1310 BGB).
  • Der Verlobungsring sitzt in Deutschland üblicherweise links. Nach der Hochzeit bleibt er dort oder wandert als Vorsteckring vor den Ehering.
  • Die „Liebesader“ ist eine Legende. Die antiken Quellen sprechen von einem Nerv und meinen Ringe allgemein, anatomisch hat der Ringfinger keinen Sonderweg zum Herzen.
  • Warum Deutschland rechts trägt, ist nicht geklärt. Die Reformationsthese hat Lücken, Schwurhand und Segenshand sind Deutungen.
  • Für Witwen, Witwer, Geschiedene und gleichgeschlechtliche Paare gibt es keine Vorschriften, nur Möglichkeiten.
  • Bei bestimmten Tätigkeiten muss der Ring ab, egal an welcher Hand: wo in Pflege, Praxis oder Klinik eine hygienische Händedesinfektion erforderlich ist (TRBA 250), bei der Arbeit an Maschinen und im Fußball (Regel 4).

Quellen: Aulus Gellius, Noctes Atticae 10,10 · Macrobius, Saturnalia 7,13 · Isidor von Sevilla, Etymologiae 19,32 · Henry Swinburne, A Treatise of Spousals (1686) · Thomas Browne, Pseudodoxia Epidemica IV,4 (1646) · Kenhub: Veins of the upper limb · Victoria and Albert Museum, Ring 905-1871 · Book of Common Prayer 1549 · Book of Common Prayer 1662 · Book of Common Prayer 1928 (USA) · Rituale Romanum, Druck von 1623 · Enciclopedia Italiana: Anello (1929) · Gudrun Hempel: Fingerringe, Österreichisches Museum für Volkskunde (1985) · Suzanne van Leeuwen, Rijksmuseum Bulletin (2023) · Radio SRF, Mailbox (2011, archiviert) · derStandard · t-online · Store norske leksikon: brudering · Den Store Danske: forlovelse · Adam Magruk, Elpis 18 (2016) · Orthodox Church in America: Wedding Bands · Book of Needs, übers. von G. V. Shann (1894) · Chabad.org: The Betrothal · Maurice Lamm: The Marriage Ring · Duden: Vorsteckring · Pierer’s Universal-Lexikon, Bd. 14: Ring (1862) · § 1310 BGB · § 1353 BGB · § 481 ZPO · TRBA 250 (Ausgabe November 2025) · TRGS 401 · KomNet Dialog 2626 · KomNet Dialog 7790 · BG ETEM: Arbeiten an Maschinen · IFAB: Fußballregel 4 · Jones & Gujral: Ring Avulsion Injuries, Eplasty (2016) · familienplanung.de: Ödeme · Merck Manual: Ring Removal

Häufig gestellte Fragen

An welcher Hand trägt man in Deutschland den Ehering?

Traditionell an der rechten Hand, am Ringfinger. Das gilt auch für Österreich, während in der Schweiz, in Italien, England oder den USA die linke Hand üblich ist. Gesetzlich vorgeschrieben ist das nicht: In Deutschland entsteht die Ehe durch die Erklärung vor dem Standesamt, für die Eheschließung spielen Ringe rechtlich keine Rolle. Wer den Ehering lieber links trägt, macht also nichts falsch.

An welcher Hand trägt man den Verlobungsring?

In Deutschland üblicherweise am linken Ringfinger. Nach der Hochzeit gibt es zwei verbreitete Varianten: Der Verlobungsring bleibt links, oder er wandert an die rechte Hand und sitzt dort als sogenannter Vorsteckring vor dem Ehering. Eine verbindliche Regel gibt es nicht, beide Varianten sind richtig.

Gibt es die Liebesader vom Ringfinger zum Herzen wirklich?

Nein. Die Venen aller Finger fließen auf dieselbe Weise über die Armvenen zum Herzen zurück, der Ringfinger hat keinen Sonderweg. Die antiken Autoren Aulus Gellius und Macrobius sprachen außerdem von einem Nerv, nicht von einer Ader, und meinten Ringe allgemein, nicht Eheringe. Den Namen „vena amoris“ findet man etwa in einer englischen Rechtsabhandlung, die 1686 gedruckt wurde.

Warum trägt man in Deutschland den Ehering rechts?

Geklärt ist das nicht. Belegt ist, dass die rechte Hand im Spätmittelalter und noch im 16. Jahrhundert vielerorts üblich war, etwa in England, und dass liturgische Bücher des 16. und 17. Jahrhunderts die linke Hand ausdrücklich vorschrieben, etwa das anglikanische Gebetbuch von 1549 und das katholische Rituale Romanum von 1614. Die oft genannte Erklärung, die Reformation habe die rechte Hand eingeführt, hat Lücken. Dass man den Ring rechts trägt, weil die rechte Hand als Schwur- oder Segenshand gilt, ist eine Deutung, kein Beleg.

Wo trägt eine Witwe den Ehering?

Dafür gibt es keine verbindliche Regel, für Witwer ebenso wenig. Möglich ist vieles: den Ring weitertragen wie bisher, an die andere Hand wechseln, den Ring des verstorbenen Partners dazunehmen, ihn an einer Kette tragen oder ablegen und aufbewahren. Einen belastbaren Beleg dafür, dass der Handwechsel in Deutschland ein allgemeiner Brauch wäre, haben wir nicht gefunden.

Muss man den Ehering bei der Arbeit abnehmen?

Nur in bestimmten Bereichen. Bei Tätigkeiten mit hygienischer Händedesinfektion, etwa in Pflege oder Praxis, schließt die Technische Regel TRBA 250 Ringe einschließlich Eheringe ausdrücklich aus. Bei Hautgefährdungen wie Feuchtarbeit kann die TRGS 401 je nach Gefährdungsbeurteilung dasselbe verlangen, und an Maschinen fordern DGUV-Regeln und Berufsgenossenschaften, Ringe abzulegen. Ein allgemeines Schmuckverbot gibt es sonst nicht, Arbeitgeber können aber aus Sicherheitsgründen Weisungen erteilen.

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