Nach der Heiratsneigung von 2025 würden in Deutschland nur noch 61 Prozent der ledigen Männer und 69 Prozent der ledigen Frauen bis zu ihrem 70. Geburtstag mindestens einmal heiraten. 1970 lagen die Werte im früheren Bundesgebiet bei 94 und 97 Prozent. So niedrig wie 2025 war die Heiratswahrscheinlichkeit in keinem der 24 Jahre, für die der amtliche Bericht seit 1910/11 Heiratsziffern ausweist, weder bei Männern noch bei Frauen.
Für diese Studie haben wir die Heiratsziffern der Ledigen des Statistischen Bundesamts (Destatis) ausgewertet. Sie geben an, wie viele von 1.000 Ledigen eines Alters in einem Jahr heiraten. Daraus haben wir berechnet, welcher Anteil bis zu einem bestimmten Alter verheiratet wäre, wenn die Heiratsneigung eines Jahres ein ganzes Leben lang gälte. Das ist ein Rechenmodell, keine Vorhersage, mehr dazu unten und in der Methodik. Alle Werte gibt es als CSV-Datei zum Download.
Wie viele Hochzeiten es pro Jahr gibt, steht in unserer Hochzeit-Statistik. Hier geht es um eine andere Frage: Wie wahrscheinlich ist es, überhaupt zu heiraten, und in welchem Alter?
Die Datenbasis in einem Satz: Grundlage ist die Tabelle 12611-10 „Heiratsziffern der Ledigen“ aus dem Statistischen Bericht Eheschließungen 2025 von Destatis mit 24 Berichtsjahren zwischen 1910/11 und 2025, die Heiratswahrscheinlichkeiten haben wir selbst berechnet.
Auf einen Blick: Die wichtigsten Ergebnisse
- Gut 6 von 10 Männern und knapp 7 von 10 Frauen würden heiraten. Nach der Heiratsneigung von 2025 wären es 61,3 % der ledigen Männer und 68,6 % der ledigen Frauen, 1970 waren es 94,1 % und 97,4 %.
- Tiefstwert der gesamten Reihe. 2025 ist für beide Geschlechter der niedrigste Wert aller 24 Jahre seit 1910/11, vor 2021 (61,6 % und 69,0 %).
- Mit 35 verheiratet wäre nur noch eine Minderheit. Bis zum 35. Geburtstag wären 34,2 % der Männer und 46,4 % der Frauen verheiratet, 1970 waren es 89,3 % und 95,9 %.
- Die Heiratskurve ist um acht bis neun Jahre nach hinten gerückt. Die höchste Heiratsziffer lag 1970 bei Frauen mit 21 und bei Männern mit 24 Jahren, 2025 mit 30 und 32 Jahren.
- Und sie ist flach geworden. Am Gipfel heirateten 1970 von 1.000 ledigen Frauen 286 innerhalb eines Jahres, 2025 nur 63. Das ist gut ein Fünftel.
- Späte Hochzeiten sind häufiger als früher. Von 1.000 ledigen Frauen zwischen 50 und 55 Jahren heirateten 2025 im Jahr 13, im Jahr 1970 waren es 8.
- Nach Corona-Delle und Nachholjahr geht es wieder abwärts. 2022 stiegen die Werte auf 67,5 % (Männer) und 74,8 % (Frauen), ein Teil davon kann an der Umstellung auf den Zensus 2022 liegen. Seitdem sinken sie.
Wie viele Menschen würden heute noch heiraten?
Mehr als ein halbes Jahrhundert lang war die Ehe für fast alle der Normalfall. Nach der Heiratsneigung von 1910/11 hätten 92,8 Prozent der ledigen Männer und 90,7 Prozent der ledigen Frauen bis 70 mindestens einmal geheiratet. 1938 waren es 97,0 und 96,3 Prozent, 1961 im früheren Bundesgebiet 98,1 und 96,7 Prozent. Noch 1970 lagen die Werte bei 94,1 Prozent für Männer und 97,4 Prozent für Frauen.

Danach bricht die Reihe ein. Nach der Heiratsneigung von 1980 hätten nur noch 80,1 Prozent der Männer und 86,0 Prozent der Frauen geheiratet. Für 1981 bis 2007 enthält die amtliche Tabelle keine Werte. 2008 setzt sie für ganz Deutschland mit 64,2 und 69,5 Prozent wieder ein, 2025 endet sie bei 61,3 und 68,6 Prozent, dem niedrigsten Wert aller 24 Jahre.
Einen Ausreißer gibt es 1950 (früheres Bundesgebiet ohne Berlin-West). Damals hätten rechnerisch 99,4 Prozent der ledigen Männer geheiratet, aber nur 95,4 Prozent der Frauen. Das dürfte an der Sondersituation der Nachkriegszeit liegen: Nach dem Krieg gab es deutlich weniger Männer als Frauen, und es wurde viel geheiratet. Der Wert spiegelt diese Ausnahmelage wider und belegt nicht, dass damals buchstäblich jeder Mann heiratete.
Seit 1970 liegen die Frauen vorn, mögliche Gründe dafür stehen im Abschnitt über Erst-Ehen.
Was „würden heiraten“ heißt: Die Heiratstafel einfach erklärt
Die Zahlen dieser Studie beantworten eine Wenn-dann-Frage. Stell dir eine Gruppe von 1.000 ledigen jungen Erwachsenen vor. In jedem Lebensjahr heiratet ein Teil von ihnen, und zwar genau so viele, wie es die Heiratsziffer für dieses Alter im Jahr 2025 vorgibt. Von 1.000 ledigen 30-jährigen Frauen haben 2025 zum Beispiel 63 geheiratet. Wer ledig bleibt, wird ein Jahr älter und bekommt im nächsten Jahr die Heiratsziffer der nächsten Altersstufe. So rechnen wir Jahr für Jahr weiter bis zum 70. Geburtstag und zählen am Ende, wie viele aus der Gruppe mindestens einmal geheiratet haben.
Fachleute nennen das eine Ledigen-Heiratstafel, weil nur Menschen zählen, die noch nie verheiratet waren. Das Prinzip kennst du vielleicht von der Geburtenziffer: Auch die Zahl der „Kinder je Frau“ gibt an, wie viele Kinder eine Frau bekäme, wenn das Geburtenverhalten eines einzigen Jahres ihr ganzes Leben lang gälte. Daraus folgen drei Dinge, die für das Verständnis wichtig sind:
- Es ist eine Momentaufnahme, keine Prognose. Die 61 Prozent beschreiben das Heiratsverhalten des Jahres 2025, übertragen auf ein ganzes Leben. Kein Mensch durchläuft sein Leben unter den Bedingungen eines einzigen Jahres. Wie viele der heute 25-Jährigen tatsächlich heiraten werden, weiß niemand.
- Der Tod kommt im Modell nicht vor. Sterbefälle sind nicht eingerechnet. Die Werte gelten also für Menschen, die 70 Jahre alt werden.
- Es geht um die erste Ehe. Gezählt werden nur Ledige. Ob jemand später geschieden wird oder ein zweites Mal heiratet, spielt keine Rolle.
Der Vorteil dieses Maßes: Die reine Zahl der Hochzeiten steigt und fällt auch mit der Größe der Geburtsjahrgänge. Die Heiratsziffern beziehen dagegen jede Hochzeit auf die Zahl der Ledigen gleichen Alters. So lassen sich Jahre vergleichen, zwischen denen mehr als ein Jahrhundert liegt.
Die Heiratskurve: später und viel flacher
1970 war die Hochzeit ein Ereignis der Zwanziger. Von 1.000 ledigen 21-jährigen Frauen heirateten im früheren Bundesgebiet 286 innerhalb eines Jahres, mehr als jede vierte. Bei den Männern lag der Gipfel mit 24 Jahren bei 189 von 1.000. 2025 haben Frauen die höchste Heiratsziffer mit 30 Jahren (63 von 1.000, mit 31 ebenso viele), Männer mit 32 Jahren (49 von 1.000). Der Gipfel ist um acht (Männer) bis neun Jahre (Frauen) nach hinten gerückt und auf ein Fünftel bis ein Viertel der früheren Höhe geschrumpft.

Am deutlichsten ist der Unterschied bei jungen Erwachsenen. Von 1.000 ledigen 20-jährigen Frauen heirateten 1970 im Laufe des Jahres 206, im Jahr 2025 noch 6. Bei 25-jährigen ledigen Männern sank die Ziffer von 181 auf 17. Eine Hochzeit vor Mitte 20 ist heute die seltene Ausnahme.
Am anderen Ende der Kurve hat sich das Bild umgedreht. Von 1.000 ledigen Frauen zwischen 50 und 55 Jahren heirateten 2025 im Jahr 13, im Jahr 1970 nur 8, zwischen 60 und 65 Jahren 8 statt 2. Bei ledigen Männern gilt das ab Mitte 50 (55 bis 60 Jahre: 11 statt 6 von 1.000). Gegenüber 1980 liegen die Heiratsziffern lediger Frauen schon ab 32 Jahren höher, die lediger Männer ab 34 Jahren.
Wichtig zur Einordnung: Das Alter mit der höchsten Heiratsziffer ist weder das Alter, in dem absolut die meisten Menschen heiraten, noch das Durchschnittsalter bei der ersten Hochzeit. Die Ziffer misst die Chance eines Ledigen, in einem bestimmten Alter zu heiraten. Wie viele Hochzeiten tatsächlich stattfinden, hängt auch davon ab, wie viele Ledige es in diesem Alter noch gibt. Häufigstes und durchschnittliches Heiratsalter stehen in der oben verlinkten Hochzeit-Statistik.
Mit 35 verheiratet? Früher die Regel, heute eine Minderheit
Am deutlichsten wird die Verschiebung, wenn man die Heiratstafel an einem Geburtstag abliest. Nach der Heiratsneigung von 1970 wären bis zum 35. Geburtstag 89,3 Prozent der Männer und 95,9 Prozent der Frauen verheiratet gewesen. Nach der von 2025 wären es nur 34,2 Prozent der Männer und 46,4 Prozent der Frauen.

Der Wandel kam nicht auf einmal. Nach der Heiratsneigung von 1980 lagen die Werte für 35 bei 71,0 und 80,7 Prozent, 2010 bei 41,6 und 53,7 Prozent und 2019, im letzten Jahr vor Corona, bei 39,1 und 52,5 Prozent. Nach der Heiratsneigung von 2025 wäre mit 35 die Mehrheit noch nie verheiratet, Männer wie Frauen. Nach der von 1970 war das eine kleine Minderheit.
Noch größer ist der Abstand beim 30. Geburtstag. Nach der Heiratsneigung von 1970 wären bis dahin 82,4 Prozent der Männer und 93,8 Prozent der Frauen verheiratet gewesen, nach der von 2025 nur 16,4 und 27,7 Prozent. Bis 70 schrumpft der Abstand deutlich, auf 61,3 gegenüber 94,1 Prozent bei den Männern. Ein großer Teil der Hochzeiten fällt nach der Heiratsneigung von 2025 also nicht weg, sondern rückt in spätere Lebensjahre. Ein anderer Teil entfällt ganz.
Auch unter denen, die überhaupt heiraten würden, hat sich der Zeitpunkt verschoben: Nach der Heiratsneigung von 2025 hätte die Hälfte dieser Männer erst bis zum 34. Geburtstag geheiratet, die Hälfte dieser Frauen bis zum 32. Geburtstag. 1970 lagen diese Marken bei 25 und 22 Jahren. Mit 40 wären nach der Heiratsneigung von 2025 45,0 Prozent der Männer und 55,4 Prozent der Frauen verheiratet.
Corona-Delle, Nachholjahr und ein Sprung, der keiner ist
Seit 2008 gibt es jährliche Werte, drei Stellen fallen auf.
2012: ein statistischer Sprung. Von 2011 auf 2012 steigt der Wert der Männer von 64,1 auf 70,1 Prozent, der der Frauen von 69,3 auf 75,8 Prozent. Eine Heiratswelle war das nicht. Ab 2012 hat Destatis die Ergebnisse des Zensus 2011 berücksichtigt, damit hat sich die Bezugsgröße, die Zahl der Ledigen, verändert. Die Zahl der Hochzeiten zwischen Mann und Frau stieg nur leicht, von 377.816 auf 387.423. Der Sprung ist also größtenteils ein Basiseffekt, die Werte 2008 bis 2011 sind mit den späteren nur eingeschränkt vergleichbar.
2020 bis 2022: Corona und das Nachholjahr. Von 2013 bis 2018 lagen die Werte stabil bei 68 bis 70 Prozent für Männer und 74 bis 76 Prozent für Frauen, 2019 bei 67,7 und 74,8 Prozent. In den Corona-Jahren sank die Heiratswahrscheinlichkeit auf 63,4 und 70,6 Prozent (2020) und auf 61,6 und 69,0 Prozent (2021). 2022 stieg sie auf 67,5 und 74,8 Prozent. Auch 2022 wurde die Bevölkerungsbasis umgestellt, diesmal auf den Zensus 2022, ein Teil des Anstiegs kann also statistisch sein. Die Zahl der Hochzeiten zwischen Mann und Frau stieg aber tatsächlich deutlich, von 349.075 (2021) auf 380.700. Naheliegend ist, dass 2022 auch Hochzeiten nachgeholt wurden, die in der Pandemie verschoben worden waren.
Seit 2023: wieder abwärts. 2023 fiel der Wert auf 63,6 und 71,1 Prozent, 2024 auf 62,1 und 69,1 Prozent, 2025 auf 61,3 und 68,6 Prozent. Diese Jahre beruhen auf derselben Bevölkerungsbasis wie 2022, der Rückgang ist also keine Folge einer statistischen Umstellung. Ob er sich fortsetzt, zeigen erst die kommenden Jahre.
Alle Jahre im Überblick
Alle 24 Jahre des amtlichen Berichts, berechnet nach der Heiratsneigung des jeweiligen Jahres:
| Jahr | Gebiet | Männer: würden je heiraten | Frauen: würden je heiraten | Männer: bis 35 verheiratet | Frauen: bis 35 verheiratet |
|---|---|---|---|---|---|
| 1910/11 | Reichsgebiet | 92,8 % | 90,7 % | 85,5 % | 86,5 % |
| 1938 | Reichsgebiet | 97,0 % | 96,3 % | 90,1 % | 94,0 % |
| 1950 | früheres Bundesgebiet¹ | 99,4 % | 95,4 % | 95,5 % | 92,4 % |
| 1961 | früheres Bundesgebiet | 98,1 % | 96,7 % | 93,9 % | 94,9 % |
| 1970 | früheres Bundesgebiet | 94,1 % | 97,4 % | 89,3 % | 95,9 % |
| 1980 | früheres Bundesgebiet | 80,1 % | 86,0 % | 71,0 % | 80,7 % |
| 2008 | Deutschland | 64,2 % | 69,5 % | 41,5 % | 53,4 % |
| 2009 | Deutschland | 64,3 % | 69,8 % | 41,4 % | 53,3 % |
| 2010 | Deutschland | 64,6 % | 70,1 % | 41,6 % | 53,7 % |
| 2011 | Deutschland | 64,1 % | 69,3 % | 40,4 % | 52,4 % |
| 2012 | Deutschland | 70,1 % | 75,8 % | 43,2 % | 56,2 % |
| 2013 | Deutschland | 68,2 % | 74,3 % | 41,3 % | 53,9 % |
| 2014 | Deutschland | 68,7 % | 74,9 % | 41,6 % | 54,5 % |
| 2015 | Deutschland | 69,1 % | 75,3 % | 41,4 % | 54,7 % |
| 2016 | Deutschland | 69,5 % | 75,8 % | 41,0 % | 54,5 % |
| 2017 | Deutschland | 68,7 % | 75,5 % | 40,4 % | 53,8 % |
| 2018 | Deutschland | 69,4 % | 76,1 % | 40,6 % | 54,0 % |
| 2019 | Deutschland | 67,7 % | 74,8 % | 39,1 % | 52,5 % |
| 2020 | Deutschland | 63,4 % | 70,6 % | 35,5 % | 48,2 % |
| 2021 | Deutschland | 61,6 % | 69,0 % | 35,1 % | 47,2 % |
| 2022 | Deutschland | 67,5 % | 74,8 % | 39,1 % | 52,8 % |
| 2023 | Deutschland | 63,6 % | 71,1 % | 35,8 % | 48,7 % |
| 2024 | Deutschland | 62,1 % | 69,1 % | 34,5 % | 47,1 % |
| 2025 | Deutschland | 61,3 % | 68,6 % | 34,2 % | 46,4 % |
¹ ohne Berlin-West
„Würden je heiraten“: Anteil der Ledigen, die bis zum 70. Geburtstag mindestens einmal heiraten würden, ohne Sterbefälle. Ab 2012 Bevölkerungsbasis Zensus 2011, ab 2022 Zensus 2022. Quelle: Destatis, Tabelle 12611-10, eigene Berechnung.
Wer heiratet, heiratet meist zum ersten Mal
Unsere Berechnung erfasst nur erste Ehen, und für die weitaus meisten Heiratenden ist es die erste. Bei den 339.929 Eheschließungen zwischen Mann und Frau im Jahr 2025 waren 79,6 Prozent der Bräutigame und 79,5 Prozent der Bräute vorher ledig (Destatis, Tabelle 12611-09). 1990 lagen die Anteile bei 77,8 und 78,1 Prozent, um die Jahrtausendwende etwas niedriger, 2001 etwa bei 72,2 und 71,3 Prozent.
Auffällig ist: 2025 heirateten fast genauso viele ledige Männer wie Frauen, nämlich 270.425 und 270.258. Dass die Heiratswahrscheinlichkeit der Frauen trotzdem höher ausfällt, lässt sich rechnerisch vor allem mit der Bezugsgröße erklären. Gibt es in den typischen Heiratsjahren mehr ledige Männer als ledige Frauen, verteilen sich gleich viele Hochzeiten auf mehr Männer, und deren Heiratsziffern fallen niedriger aus. Die Gründe für diesen Unterschied lassen sich aus den Heiratsziffern nicht ablesen. Wie ungleich junge Männer und Frauen regional verteilt sind, zeigt unser Männerüberschuss-Atlas.
Im Osten wird heute später geheiratet
Ein Nebenbefund betrifft das Heiratsalter, ausführlich beschrieben in unserer Hochzeit-Statistik. Bundesweit waren ledige Männer 2025 bei der Hochzeit im Schnitt 35,3 Jahre alt, ledige Frauen 33,0 Jahre (1991: 28,5 und 26,1). Zwischen Ost und West haben sich die Verhältnisse umgekehrt.

1990 heirateten Ledige in Ostdeutschland deutlich jünger, Männer mit 25,8 und Frauen mit 23,7 Jahren, im Westen mit 28,4 und 25,9 Jahren. Seit 2005 heiraten Ostdeutsche später als Westdeutsche. 2025 waren ledige Männer im Osten im Schnitt 38,7 Jahre alt, im Westen 34,7 Jahre, ledige Frauen 35,7 und 32,5 Jahre (Osten: neue Länder, bis 2000 mit Berlin-Ost, seit 2001 beide Gebiete ohne Berlin; das Heiratsalter schließt seit 2019 gleichgeschlechtliche Ehen ein). Heiratsziffern nach Ost und West gibt es in der Tabelle nicht, eine getrennte Heiratswahrscheinlichkeit lässt sich deshalb nicht berechnen.
Was die Zahlen nicht zeigen
Die Heiratswahrscheinlichkeit wird leicht missverstanden. Diese Grenzen solltest du kennen, bevor du die Zahlen zitierst:
- Keine Vorhersage für eine Generation. Der Satz „61 Prozent der Männer werden heiraten“ wäre falsch. Richtig ist: Nach der Heiratsneigung von 2025 würden 61 Prozent heiraten. Dazu kommt ein aus der Bevölkerungsforschung bekannter Effekt solcher Momentaufnahmen: Verschieben Menschen ihre Hochzeit immer weiter nach hinten, fehlen in einem einzelnen Jahr Hochzeiten, die später nachgeholt werden. Dann kann der Wert unterschätzen, wie viele aus einer Generation am Ende heiraten (Tempo-Effekt).
- Ohne Sterblichkeit. Die Werte gelten für Menschen, die 70 werden.
- Nur erste Ehen, nur Mann und Frau. Wiederheiraten von Geschiedenen und Verwitweten sind nicht enthalten. Auch gleichgeschlechtliche Ehen fehlen: Die Tabelle trägt ausdrücklich den Zusatz „ohne Eheschließungen von Personen gleichen Geschlechts“. Für Frauen- und Männerpaare sagen die Werte deshalb nichts aus.
- Gerundete Ausgangswerte. Destatis weist die Heiratsziffern meist als ganze Zahlen aus. Unsere Ergebnisse sind deshalb auf etwa einen Prozentpunkt genau.
- Wechselnde Gebiete. 1910/11 und 1938 gilt das Reichsgebiet, 1950 bis 1980 das frühere Bundesgebiet, ab 2008 Deutschland. Der Vergleich von 1970 mit 2025 stellt also Westdeutschland dem vereinten Deutschland gegenüber.
- Brüche in der Zeitreihe. 2012 und 2022 wurde die Bevölkerungsbasis auf die Zensusergebnisse 2011 und 2022 umgestellt.
- Keine Ursachen und kein Bild der Partnerschaft. Die Daten zeigen, wann und wie häufig Ledige heiraten, aber nicht, warum. Sie sagen nichts darüber, wie viele Menschen in einer festen Beziehung leben, und sie sind nicht der Anteil der Verheirateten an der Bevölkerung.
Was das für Paare und Singles bedeutet
Weniger Ehen heißen nicht weniger Liebe. Viele Paare leben ohne Trauschein zusammen: Laut Zensus 2022 sind es 15,5 Prozent aller Paare mit gemeinsamem Haushalt, in manchen Städten deutlich mehr, wie unser Singles-Atlas zeigt. Ob diese Paare später heiraten, zeigen die Heiratsziffern nicht. Auch Gründe für den Rückgang nennt die Statistik nicht. Als mögliche Erklärungen gelten längere Ausbildungszeiten, ein späterer Berufseinstieg und eine spätere Familiengründung, belegen lassen sie sich mit diesen Daten nicht.
Rechtlich macht der Trauschein aber einen Unterschied, etwa beim Erben. Was für unverheiratete Paare gilt, erklären wir in Zusammenleben ohne Heirat: Welche Rechte habt ihr als Paar?
Für Singles in den Dreißigern zeigen die Zahlen vor allem eines: Unverheiratet mit Mitte 30 zu sein, ist heute nichts Ungewöhnliches. Die höchste Heiratsziffer haben Frauen mit 30 und Männer mit 32 Jahren, und auch mit Mitte 40 oder 50 heiraten Menschen zum ersten Mal. Bei ledigen Frauen über 50 kommt das heute sogar häufiger vor als 1970.
Eine naheliegende Deutung, die die Daten selbst nicht belegen: Wer heute heiratet, tut es später und eher als bewusste Entscheidung denn als selbstverständlichen Schritt. Argumente dafür und dagegen sammelt unser Beitrag Heiraten ja oder nein.
Methodik und Zitierhinweis
Datenquelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Statistischer Bericht „Eheschließungen 2025“ (Code 5126103257005, veröffentlicht am 26. Juni 2026), Tabelle 12611-10 „Heiratsziffern der Ledigen (ohne Eheschließungen von Personen gleichen Geschlechts)“: Eheschließende Ledige je 1.000 Ledige gleichen Alters für 1910/11 und 1938 (Reichsgebiet), 1950 (früheres Bundesgebiet ohne Berlin-West), 1961, 1970 und 1980 (früheres Bundesgebiet) sowie 2008 bis 2025 (Deutschland). Ergänzend Tabelle 12611-03 (durchschnittliches Heiratsalter) und Tabelle 12611-09 (Eheschließungen zwischen Mann und Frau nach bisherigem Familienstand). Die Daten stehen unter der Datenlizenz Deutschland – Namensnennung – Version 2.0.
Berechnung:
| Kennzahl | Berechnung |
|---|---|
| Heiratsziffer | Eheschließende Ledige eines Alters je 1.000 Ledige gleichen Alters, unverändert aus Tabelle 12611-10 übernommen |
| Würden je heiraten (bis 70) | Ledigen-Heiratstafel ohne Sterblichkeit: Ausgehend von 1.000 Ledigen (Männer ab 18, Frauen ab 16 Jahren) heiratet in jedem Altersjahr der Anteil laut Heiratsziffer des Berichtsjahres. Anteil bis 70 = 1 minus das Produkt aller Nicht-Heirats-Wahrscheinlichkeiten (1 minus Heiratsziffer/1.000) bis zum 70. Geburtstag |
| Bis 30, 35, 40, 50 verheiratet | Dieselbe Tafel, abgelesen am 30., 35., 40. und 50. Geburtstag |
| Alter mit der höchsten Heiratsziffer | Einzelnes Altersjahr (bis 34 Jahre) mit der höchsten Heiratsziffer im Berichtsjahr |
| Hälfte der Heiratenden | Geburtstag, bis zu dem die Hälfte derer verheiratet wäre, die bis 70 überhaupt heiraten würden |
| Anteil Erst-Ehen | Ledige Eheschließende in Prozent aller Eheschließenden bei Ehen zwischen Mann und Frau, aus Tabelle 12611-09 übernommen |
| Heiratsalter Lediger | Durchschnittliches Alter Lediger bei der Eheschließung, aus Tabelle 12611-03 übernommen |
Einschränkungen: Ab 35 Jahren weist Destatis Fünfjahresgruppen aus, wir wenden die Ziffer der Gruppe auf jedes Altersjahr darin an. Die Gruppen „unter 18“ (Männer) und „unter 16“ (Frauen), fast durchgängig mit dem Wert 0, bleiben unberücksichtigt. Für 1910/11, 1938 und 1950 enthält die Tabelle für 60- bis 69-Jährige den Wert 0, was die Ergebnisse dieser Jahre allenfalls minimal drückt. Laut den Fußnoten der Tabelle ist ab dem Berichtsjahr 2012 das Ergebnis des Zensus 2011 berücksichtigt, ab 2022 das des Zensus 2022. Wegen der gerundeten Ziffern sind die Ergebnisse auf etwa einen Prozentpunkt genau. Die Heiratsziffer setzen wir direkt als jährliche Heiratswahrscheinlichkeit ein. Rechnet man sie als Rate bezogen auf den Jahresdurchschnitt der Ledigen um, liegen die Ergebnisse seit 2008 um 0,5 bis 0,8 Prozentpunkte niedriger (2025: 60,8 und 68,0 Prozent), in den frühen Jahren um bis zu 1,4 Prozentpunkte. 2025 bleibt auch dann der niedrigste Wert. Es handelt sich um Periodenmaße, nicht um Prognosen für Geburtsjahrgänge.
Kontrollrechnung: Für 2015 weist Destatis die Ziffern überwiegend mit Nachkommastellen aus. Das Ergebnis dieses Jahres (69,1 und 75,3 Prozent) fügt sich ohne Bruch zwischen 2014 und 2016 ein. Rundet man die Ziffern von 2015 auf ganze Zahlen, ändern sich die Ergebnisse um weniger als 0,1 Prozentpunkte, die Rundung verzerrt die Reihe also nicht erkennbar. Die absoluten Eheschließungen aus Tabelle 12611-09 bestätigen, dass der Sprung 2012 vor allem statistisch ist, der Anstieg 2022 dagegen nicht nur. Zur Plausibilität dient die zusammengefasste Erstheiratsziffer von Eurostat (Datensatz demo_nind): Für Österreich lag sie 2024 bei 0,63 für Frauen und 0,59 für Männer. Sie bezieht sich auf alle Personen eines Alters statt nur auf Ledige und ist deshalb nicht direkt vergleichbar, liegt aber in derselben Größenordnung wie unsere Werte. Für Deutschland weist Eurostat sie für 2019 bis 2024 nicht aus.
Du darfst diese Daten verwenden. Die Heiratsstudie ist ein offenes Daten-Asset. Journalistinnen, Blogger, Studierende und Forschende dürfen Zahlen und Grafiken mit Quellenangabe frei verwenden (CC BY 4.0). Empfohlene Angabe: Quelle: Herzblatt Journal, „Wer heiratet eigentlich noch? Die Heiratswahrscheinlichkeit in Deutschland 1910–2025“ (2026), Datenbasis: Statistisches Bundesamt, Heiratsziffern der Ledigen. Über einen Link auf diese Seite freuen wir uns.
Download: Alle Jahreswerte von 1910/11 bis 2025 als CSV-Datei (Semikolon-getrennt, mit Gebiet, Anteil bis 70 und bis 35 sowie Alter mit der höchsten Heiratsziffer).
Alle Kennzahlen unserer Studien gebündelt: Dating & Beziehungen in Zahlen. Weitere Auswertung aus derselben Reihe: Wie viel älter ist der Mann? Der Altersabstand in der Ehe.
