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Titelbild der Herzblatt-Studie Das Beziehungsjahr der Deutschen 2026 mit den wichtigsten Suchdaten-Kennzahlen

Das Beziehungsjahr der Deutschen: Wann wir was über die Liebe googeln (Studie 2026)

Deutschlands Liebesleben hat einen Kalender: Im Januar googeln wir Scheidung (+13 %) und toxische Beziehungen (+16 %), im Dezember Liebeskummer und Einsamkeit. Eine Auswertung echter Suchdaten.

Dr. Thomas Peters
Dr. Thomas Peters
· 9 Min. Lesezeit

Ein Liebesleben hat keinen gleichmäßigen Puls. Es gibt Monate, in denen Deutschland vor allem nach Nähe sucht – und Monate, in denen es nach dem Ausgang sucht. Man sieht das nicht in Umfragen, in denen Menschen sich von ihrer besten Seite zeigen. Man sieht es in dem, was sie nachts allein in die Google-Suche tippen, wenn niemand zuschaut.

Wir haben ein ganzes Jahr dieser Suchanfragen ausgewertet – 13 Monate echter Suchdaten für rund 20 zentrale Beziehungs-Begriffe. Das Ergebnis ist ein erstaunlich klarer emotionaler Kalender. Deutschlands Herz sucht nicht das ganze Jahr über dasselbe. Es hat einen Trennungsmonat, einen einsamsten Monat und einen Hochzeitssommer – und alle drei stehen exakt an der Stelle, an der man sie vermuten würde, nur deutlich schärfer.

Auf einen Blick: Die wichtigsten Ergebnisse

  • Der Januar ist der Monat der Abrechnung. „Toxische Beziehung” (+15,5 %), „Scheidung” (+12,9 %) und „Seitensprung” (+11,8 %) erreichen alle im Januar ihr Jahreshoch.
  • Aber der Januar ist auch Aufbruch: Gleichzeitig haben „heiraten” (+10,7 %), „Kinderwunsch” (+7,4 %) und „Selbstliebe” (+9,3 %) Hochsaison.
  • Der Dezember ist der emotionale Tiefpunkt. „Liebeskummer” und „Narzisst” erreichen ihr Jahreshoch, „Einsamkeit” liegt 10,2 % über dem Schnitt.
  • Der Sommer gehört der Hochzeit: Die Suche nach „Hochzeit” vervierfacht sich vom November-Tief bis in den Hochsommer.
  • Ganzjährig gilt: Deutschland googelt das Wort „Narzisst” (843.000/Jahr) rund zehnmal häufiger als „Liebeskummer” – wir diagnostizieren lieber andere als uns selbst.

Die Datenbasis: Ahrefs Keywords Explorer, Deutschland, August 2025 bis August 2026.

Der Januar: Deutschlands Monat der Abrechnung

Wenn ein einziger Monat das Beziehungsjahr dominiert, dann ist es der Januar. Vergleicht man jeden Monat mit dem eigenen Zwölf-Monats-Durchschnitt, häufen sich die Jahreshöchstwerte auf beängstigende Weise am Jahresanfang.

Balkendiagramm: Der Januar-Effekt – Mehr-Suchen im Januar gegenüber dem Jahresschnitt für toxische Beziehung, Scheidung, Seitensprung, Heiraten, Affäre, Selbstliebe, Kinderwunsch und Trennung

Die Spitze führt „toxische Beziehung” mit einem Januar-Wert von rund 27.300 Suchen an – 15,5 % über dem Jahresschnitt und der höchste Monatswert des ganzen Jahres. Direkt dahinter folgt das juristische Schwergewicht: „Scheidung” klettert im Januar auf rund 10.200 Anfragen, 12,9 % über dem Schnitt. Auch „Seitensprung” (+11,8 %), „Affäre” (+10,5 %) und „Trennung” (+5,9 %) erreichen exakt jetzt ihr Jahreshoch.

Der Grund für diesen Januar-Effekt ist psychologisch gut nachvollziehbar. Die Feiertage zwingen Paare in eine Nähe, der sie im Alltag ausweichen können: tagelang zusammen, oft bei der Familie, ohne die üblichen Fluchtwege in Arbeit und Routine. Was in einer Beziehung nicht stimmt, wird unter diesem Druck sichtbar. Und der Jahreswechsel liefert die perfekte Bühne für die Bilanz: Wer sich fragt, wie das nächste Jahr aussehen soll, fragt sich zwangsläufig auch, mit wem. Wer den Verdacht kennt, in einer schädlichen Dynamik zu stecken, findet Orientierung in unserem kompletten Guide zur toxischen Beziehung.

Der Januar ist nicht nur Abbruch – er ist auch Aufbruch

Das eigentlich Überraschende an den Januar-Daten ist ihre Doppelgesichtigkeit. Im selben Monat, in dem „Scheidung” und „Trennung” ihr Hoch erreichen, spitzen sich auch die genau gegenteiligen Suchanfragen zu: „heiraten” (+10,7 %), „Kinderwunsch” (+7,4 %) und „Selbstliebe” (+9,3 %) haben ebenfalls im Januar Hochsaison.

Der Jahreswechsel wirkt also in beide Richtungen. Für die einen ist er der Moment, in dem sie eine Verbindung beenden. Für die anderen der Moment, in dem sie sich fester binden wollen – oder beschließen, das neue Jahr endlich mit mehr Selbstfürsorge zu beginnen. Der Januar ist kein Monat der Traurigkeit, sondern ein Monat der Entscheidung. Die Deutschen ziehen zum Jahreswechsel Bilanz – und handeln danach, in beide Richtungen.

Der Dezember: der emotionale Tiefpunkt

So entschlossen der Januar ist, so schwer ist der Monat davor. Der Dezember trägt in den Daten eine ganz eigene, leise Traurigkeit.

Hier erreichen gleich zwei zentrale Schmerz-Begriffe ihr Jahreshoch: „Liebeskummer” (rund 7.400 Suchen, +5,8 %) und – bemerkenswert – das Wort „Narzisst” (rund 75.500 Suchen, +7,5 %). „Einsamkeit” klettert im Dezember auf einen der beiden Höchstwerte des Jahres, 10,2 % über dem Schnitt, und auch „jemanden vermissen” (+8,3 %) und „toxische Beziehung” (+10,5 %) sind stark erhöht.

Es ist das Gegenbild zur Weihnachts-Idylle. Während die Werbung heile Familien am Kamin zeigt, googelt ein anderes Deutschland seine Einsamkeit. Die Feiertage wirken wie ein Verstärker: Wer allein ist, spürt es im Dezember am deutlichsten – umgeben von der kollektiven Erwartung, gerade jetzt nicht allein zu sein. Wer diese Monate kennt, findet Wege aus dem Tief in unserem Ratgeber Liebeskummer überwinden; wie verbreitet das Gefühl wirklich ist, zeigen die Einsamkeits-Statistiken für Deutschland.

Die Jahreskurve: warum Dezember und Januar zusammengehören

Betrachtet man Dezember und Januar zusammen, ergibt sich das eigentliche Muster: ein Beziehungs-Belastungsfenster, das sich über den Jahreswechsel spannt.

Liniendiagramm: Das Beziehungsjahr im Suchverlauf – die indexierten Kurven für toxische Beziehung, Einsamkeit und Scheidung mit gemeinsamem Anstieg im Zeitraum Dezember bis Januar

Die Kurve macht sichtbar, was die Einzelwerte nur andeuten: Im Dezember bricht die emotionale Not auf (Einsamkeit, Liebeskummer, das Gefühl, in etwas Toxischem festzustecken), und im Januar schlägt sie in Handlung um (Scheidung, Trennung, die aktive Suche nach dem Ausweg). Der Dezember stellt die Diagnose, der Januar zieht die Konsequenz.

Diese Zwei-Monats-Bewegung ist der stärkste saisonale Effekt im gesamten Datensatz. Wer im Beratungs-, Therapie- oder Anwaltsberuf arbeitet, kennt sie längst aus der Praxis – die Daten geben dem Bauchgefühl nun eine messbare Form. Übrigens verschwindet die Belastung im Frühjahr nicht spurlos: „Einsamkeit” hat einen zweiten, fast ebenso hohen Ausschlag im Mai, wenn das erste warme Wetter den Kontrast zwischen draußen und drinnen besonders scharf zieht.

Der Sommer gehört der Hochzeit

Doch das Jahr hat auch eine helle Gegenmelodie – und sie steht dem Winter diametral gegenüber. Die Suche nach „Hochzeit” zeichnet die perfekte Umkehrung der Trennungskurve.

Im November fällt sie auf ihr Jahrestief von rund 8.100 Anfragen – ausgerechnet in dem grauen Monat, bevor die winterliche Beziehungs-Abrechnung beginnt. Von dort steigt sie steil an und erreicht in den Sommermonaten fast 31.000 Suchen im August: eine Vervierfachung. Während der Winter von Ausgang und Einsamkeit erzählt, gehört der Sommer dem Ja-Wort. Wer mitten in dieser Planung steckt, findet Struktur in unserem Guide zur Hochzeitsplanung.

Zusammengenommen ergibt sich ein fast literarischer Jahresbogen: Der Sommer feiert die Verbindung, der November hält den Atem an, der Dezember trauert, und der Januar entscheidet. Das Beziehungsjahr der Deutschen ist eine Geschichte mit klarer Dramaturgie.

Das ganze Jahr über: Deutschland diagnostiziert lieber andere

Jenseits der Jahreszeiten verrät der Datensatz ein durchgehendes Muster – und es ist das vielleicht ehrlichste Ergebnis der ganzen Auswertung. Vergleicht man das Jahresvolumen einzelner Begriffe, zeigt sich eine deutliche Schieflage zwischen dem Blick nach außen und dem Blick nach innen.

Balkendiagramm: Deutschland diagnostiziert lieber andere – das Wort Narzisst wird mit 843.000 jährlichen Suchen rund zehnmal häufiger gesucht als Liebeskummer und elfmal häufiger als Selbstliebe

Das Wort „Narzisst” wird in Deutschland rund 843.000-mal pro Jahr gegoogelt. „Liebeskummer” kommt auf rund 84.000, „Selbstliebe” auf rund 76.000 Anfragen. Das heißt: Deutschland sucht zehnmal häufiger nach der Diagnose für das Gegenüber als nach dem Umgang mit dem eigenen Schmerz – und elfmal häufiger, als es an der eigenen Selbstliebe arbeitet.

Das ist keine Wertung, sondern eine menschliche Konstante: Es ist leichter, ein Etikett für das Verhalten des anderen zu suchen, als die eigene Rolle zu betrachten. Der Begriff „Narzisst” bietet genau das – eine griffige Erklärung für erlittenen Schmerz. Wichtig ist dabei die Abgrenzung zwischen echtem Narzissmus und schlicht egoistischem Verhalten, die wir im Narzissmus-Guide einordnen.

Ähnlich sprechend ist das Thema Untreue: Die Begriffe „fremdgehen”, „Affäre” und „Seitensprung” summieren sich auf rund 264.000 Suchanfragen pro Jahr. Betrug und seine Aufarbeitung sind damit ein Dauerthema des deutschen Liebeslebens – leiser als der Narzissmus-Diskurs, aber konstant präsent.

Was das über uns verrät

Aus dem Beziehungsjahr lassen sich drei Schlüsse ziehen.

Erstens: Beziehungen folgen einem kollektiven Rhythmus. So individuell sich jede Trennung anfühlt – in der Summe geschieht sie erstaunlich synchron. Der Januar-Peak bei „Scheidung” und „Trennung” zeigt, dass Millionen Menschen denselben äußeren Anlass – den Jahreswechsel – zum inneren Wendepunkt machen.

Zweitens: Die Feiertage sind ein emotionaler Brennglas. Dezember und Januar konzentrieren die Extreme. Das Zusammensein legt offen, was trägt und was nicht. Wer diese Zeit als besonders belastend erlebt, ist damit alles andere als allein – die Daten belegen es.

Drittens: Wir sind besser im Erkennen als im Fühlen. Die Dominanz von „Narzisst” über „Liebeskummer” und „Selbstliebe” zeigt eine Kultur, die sehr geübt darin ist, Probleme zu benennen – und die noch übt, mit den eigenen Gefühlen ebenso sorgfältig umzugehen. Das ist keine schlechte Nachricht: Erkennen ist der erste Schritt. Der zweite ist, den Blick auch nach innen zu richten.

Methodik & Zitierhinweis

Datenquelle: Ahrefs Keywords Explorer (Google-Suchvolumen). Region: Deutschland. Zeitraum: 13 Monate, August 2025 bis August 2026. Erhebung: Für rund 20 zentrale Beziehungs-, Dating- und Emotions-Begriffe wurde das monatliche Suchvolumen erfasst und jeder Monatswert mit dem Zwölf-Monats-Durchschnitt (August 2025 bis Juli 2026) verglichen. Als „Jahreshoch” gilt der höchste dieser zwölf Monatswerte. Hinweis: Alle Zahlen sind gerundete Schätzwerte des Suchvolumens und keine amtliche Statistik. Suchvolumina schwanken je nach exakter Keyword-Variante; die Prozentwerte beschreiben die relative saisonale Abweichung, nicht absolute Fallzahlen.

Du darfst diese Daten verwenden. Diese Auswertung ist ein offenes Daten-Asset. Journalistinnen, Blogger und Forschende dürfen die Zahlen und Grafiken mit Quellenangabe frei zitieren. Empfohlene Angabe: Quelle: Herzblatt Journal – „Das Beziehungsjahr der Deutschen 2026” (Datenbasis: Ahrefs, Deutschland). Über eine Verlinkung auf diese Seite freuen wir uns.


Diese Studie fragt, wann Deutschland was über die Liebe googelt. In unserer Schwester-Analyse Was Deutschland über die Liebe googelt geht es um die andere Hälfte der Geschichte: welche Fragen die Deutschen überhaupt am häufigsten stellen – von „Was ist Gaslighting?” bis „Bin ich verliebt?”.

Mehr aus der Herzblatt-Datenreihe: Der Valentinstag-Report · Wie modern liebt Deutschland? · Die teuersten Gefühle · Der Beziehungsangst-Report

Alle Kennzahlen unserer Studien gebündelt: Dating & Beziehungen in Zahlen – die Statistik-Sammlung — über 60 frei zitierbare Zahlen zum deutschen Liebesleben.

Häufig gestellte Fragen

In welchem Monat googeln die Deutschen am häufigsten nach Scheidung und Trennung?

Eindeutig im Januar. Die Suche nach 'Scheidung' erreicht mit rund 10.200 Anfragen ihr Jahreshoch und liegt damit etwa 13 % über dem Jahresschnitt. Auch 'toxische Beziehung' (+15,5 %), 'Trennung' (+5,9 %) und 'Seitensprung' (+11,8 %) haben ihren Höchstwert im Januar. Der Jahreswechsel ist damit klar der Monat der Beziehungs-Abrechnung.

Warum googeln so viele Menschen im Januar nach Trennung?

Dahinter steckt ein Bündel aus Auslösern: das erzwungene Zusammensein über die Feiertage, der Jahreswechsel als natürlicher Bilanz-Zeitpunkt und der Vorsatz, das neue Jahr nicht in einer unglücklichen Beziehung zu beginnen. Auffällig ist, dass im Januar gleichzeitig 'heiraten' (+10,7 %) und 'Kinderwunsch' (+7,4 %) Hochsaison haben – der Januar ist also nicht nur Abbruch, sondern auch Aufbruch.

Welcher Monat ist emotional der schwerste?

Der Dezember. Hier erreichen 'Liebeskummer' und das Wort 'Narzisst' ihr Jahreshoch, 'Einsamkeit' klettert auf einen der beiden Höchstwerte des Jahres (+10,2 % über dem Schnitt) und auch 'jemanden vermissen' (+8,3 %) und 'toxische Beziehung' (+10,5 %) sind stark erhöht. Die Vorweihnachtszeit ist damit der emotionale Tiefpunkt des Suchjahres.

Wann suchen die Deutschen nach Hochzeiten?

Im Sommer. Die Suche nach 'Hochzeit' fällt im November auf ihr Jahrestief (rund 8.100 Anfragen) und steigt bis in die Sommermonate auf das Drei- bis Vierfache (fast 31.000 im August). Während der Winter von Trennung und Einsamkeit geprägt ist, gehört der Sommer dem Ja-Wort.

Auf welchen Daten beruht diese Studie?

Grundlage sind die monatlichen Google-Suchvolumina in Deutschland laut Ahrefs Keywords Explorer über 13 Monate (August 2025 bis August 2026). Für rund 20 zentrale Beziehungs-Begriffe wurde der Wert jedes Monats mit dem Zwölf-Monats-Durchschnitt verglichen. Alle Werte sind gerundete Schätzwerte des Suchvolumens, keine amtliche Statistik.

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