Es ist eine der ehrlichsten Kennzahlen des Internets: der Preis, den Werbetreibende bereit sind, für einen einzigen Klick zu zahlen. Er verrät, wo Geld zu verdienen ist – und wo nicht. Wir haben diese Klickpreise (den sogenannten CPC) für Dutzende Suchbegriffe rund um die Liebe ausgewertet. Das Ergebnis zeichnet eine Landkarte des Herzens, wie sie nur der Werbemarkt zeichnen kann: schonungslos kommerziell. Denn während Umfragen erfassen, was Menschen fühlen, erfasst der CPC, was dieses Fühlen wirtschaftlich wert ist – und die Differenz zwischen beidem ist oft groß.
Die zentrale Erkenntnis lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Niemand bezahlt für deinen Schmerz, aber alle bezahlen für deine Suche nach einem Partner. Ein Klick auf „Partnervermittlung” ist der Werbewirtschaft rund 2,50 US-Dollar wert. Ein Klick auf „Narzisst” – gerade einmal zwei Cent.
Auf einen Blick: Die wichtigsten Ergebnisse
- Teuerster Begriff: „Partnervermittlung” mit rund 2,50 US-Dollar pro Klick.
- Der 125-fache Unterschied: Ein Klick auf „Partnervermittlung” kostet rund 125-mal so viel wie einer auf „Narzisst” (2 Cent).
- Untreue ist ein Geschäft: „Seitensprung-Portal” und „Affäre-Seite” liegen bei rund 2,00 US-Dollar pro Klick.
- Gefühle sind gratis: „Situationship”, „Gaslighting” und „Kosenamen” kosten die Werbung 1 bis 2 Cent.
- Das Muster: Wo ein Produkt am Ende des Klicks steht, ist er teuer. Wo nur ein Gefühl steht, ist er wertlos.
Datenbasis: Ahrefs Keywords Explorer, Deutschland, 2026. CPC-Werte in US-Dollar.
Die teuersten Klicks der Liebe

An der Spitze der teuersten Begriffe stehen ausnahmslos solche mit einem klaren kommerziellen Ziel. „Partnervermittlung” (2,50 US-Dollar) und „Singlebörse” (2,00) führen zu bezahlten Abonnements; „Scheidungsanwalt” (2,00) zu einer Kanzlei mit Stundensätzen; „Hochzeitsfotograf” (1,60) zu einer Dienstleistung, die schnell vierstellig kostet. Jeder dieser Klicks ist der Beginn einer möglichen Transaktion – und genau deshalb legen Werbetreibende so viel Geld auf den Tisch, um ihn zu gewinnen.
Auffällig ist die Rolle der Partnersuche. Gleich mehrere der teuersten Begriffe – Partnervermittlung, Singlebörse, Dating-App – drehen sich darum, überhaupt jemanden zu finden. Der Wettbewerb um den einsamen Sucher ist offenbar der härteste (und teuerste) des ganzen Feldes. Wer wissen will, welche Plattform sich wirklich lohnt, findet die Einordnung in unserem Vergleich der Top-Dating-Seiten.
Wofür niemand bezahlt
Nun die andere Seite der Medaille – und sie ist verblüffend leer.

Die meistgesuchten emotionalen und psychologischen Begriffe des deutschen Liebeslebens sind für die Werbung praktisch wertlos. „Narzisst” und „Gaslighting” – beide mit Zehntausenden Suchen pro Monat – kosten je zwei Cent pro Klick. „Situationship” und „Beziehungsangst” liegen bei einem Cent. Selbst „Liebeskummer”, eines der schmerzhaftesten Gefühle überhaupt, bringt es nur auf neun Cent.
Der Grund ist so einfach wie ernüchternd: Hinter diesen Suchen steht kein Produkt. Wer „Was ist Gaslighting?” googelt, will verstehen, nicht kaufen. Es gibt kein Abo gegen Narzissmus, keine Mitgliedschaft gegen Liebeskummer. Und was sich nicht verkaufen lässt, interessiert den Werbemarkt nicht. Die riesige Nachfrage nach emotionaler Aufklärung trifft auf ein fast vollständiges Werbe-Vakuum.
Die fünf Geschäftsfelder der Liebe
Fasst man die Begriffe zu Themenfeldern zusammen und mittelt ihre Klickpreise, entsteht die eigentliche Landkarte – eine klare Rangfolge, wo im Liebesleben das Geld liegt.

Ganz oben thront die Partnersuche mit durchschnittlich 2,07 US-Dollar pro Klick. Es folgt, bemerkenswert genug, die Untreue (1,58) – ein eigener, gut monetarisierter Markt. Danach kommen Trennung und Scheidung (1,03) und die Beziehungs-Reparatur durch Therapie (0,84). Und ganz unten, kaum sichtbar, liegt das größte Themenfeld von allen: Fühlen und Leiden mit lächerlichen fünf Cent.
Die Reihenfolge erzählt eine ganze Ökonomie. Der Werbemarkt zahlt am meisten am Anfang (Partner finden) und am Ende (Trennung) einer Beziehung – also genau dort, wo teure Produkte und Dienstleistungen warten. Für alles dazwischen, das reine Gefühlsleben, zahlt er fast nichts.
Das Geschäft mit der Hochzeit
Zwischen dem teuren Anfang und dem teuren Ende liegt ein weiterer Hochpreis-Moment: die Hochzeit. „Hochzeitsfotograf” kostet die Werbung rund 1,60 US-Dollar pro Klick, „Hochzeitslocation” rund 0,80 – Werte, die deutlich über dem emotionalen Durchschnitt liegen. Auch hier gilt die eiserne Regel des Werbemarkts: Wo ein teures Produkt wartet, ist der Klick wertvoll.
Die Hochzeitsbranche ist ein Musterbeispiel. Ein einziger Auftrag – ein Fotograf, eine Location, ein Caterer – bringt schnell einen vier- bis fünfstelligen Umsatz. Entsprechend aggressiv wird um jeden suchenden Brautpaar-Klick geboten. Der schönste Tag im Leben ist zugleich einer der kommerziell umkämpftesten Suchbegriffe – ein Widerspruch, der sich durch das ganze Feld zieht: Je größer die emotionale Bedeutung eines Moments, desto härter oft der Wettbewerb der Anbieter dahinter. Die Ausnahme bleibt das reine Gefühl, das keinen Anbieter kennt.
Warum Partnersuche und Scheidung so teuer sind
Dass ausgerechnet der Anfang und das Ende einer Beziehung die teuersten Phasen sind, ist kein Zufall. Beide führen zu Produkten mit hohem Wert. Eine Singlebörse verdient an jedem zahlenden Mitglied über Monate; eine Scheidung verschlingt Anwalts- und Gerichtskosten, um die Kanzleien konkurrieren. In beiden Fällen ist ein Klick, der zu einem Kunden wird, viele Hundert Euro wert – da lohnen sich zwei Dollar Werbeausgabe leicht.
Interessant ist der Mittelweg: Die Paartherapie liegt mit durchschnittlich 84 Cent deutlich niedriger. Auch sie ist eine bezahlte Dienstleistung, aber der Markt ist kleiner, die Nachfrage stiller, und viele Menschen suchen zunächst kostenlos nach Rat, bevor sie professionelle Hilfe in Betracht ziehen. Wann sich der Schritt lohnt, erklärt unser Ratgeber Paartherapie – wann sie sinnvoll ist.
Die Ökonomie der Untreue
Ein Befund verdient besondere Aufmerksamkeit: Untreue ist ein erstaunlich lukratives Geschäft. „Seitensprung-Portal” und „Affäre-Seite” erreichen mit rund 2,00 US-Dollar pro Klick fast das Niveau der Partnervermittlung. Dahinter stehen spezialisierte Plattformen, die gezielt Menschen ansprechen, die eine Affäre suchen – ein diskreter, aber offenbar zahlungskräftiger Markt.
Auch die allgemeinen Begriffe „Fremdgehen” (1,40) und „Seitensprung” (1,30) liegen weit über dem Durchschnitt. Das ist deshalb pikant, weil das Suchvolumen zu Untreue über die Jahre bemerkenswert stabil geblieben ist – hier verdient man nicht an einem Trend, sondern an einer Konstante menschlichen Verhaltens. Solange Menschen fremdgehen, gibt es dafür einen Werbemarkt.
Was die Klickpreise über die Liebe verraten
Aus der Preis-Landkarte lassen sich drei Schlüsse ziehen.
Erstens: Der Markt kennt keine Romantik, nur Transaktionen. Werbetreibende zahlen dort, wo am Ende ein Kauf steht – beim Partnerfinden, beim Trennen, beim Reparieren. Die Liebe selbst, das Gefühl, ist ihnen nichts wert.
Zweitens: Die größte Nachfrage ist die am schlechtesten bediente. Millionen Menschen googeln jeden Monat nach emotionaler Orientierung – Narzissmus, Gaslighting, Liebeskummer. Kommerziell ist dieses riesige Feld eine Wüste. Genau hier liegt der Wert unabhängiger, werbefreier Aufklärung: Sie füllt eine Lücke, die der Markt aus Prinzip offenlässt. Wo kein Anbieter ein Interesse hat, bleibt Platz für ehrliche Antworten – und paradoxerweise ist das oft ausgerechnet dort, wo Menschen am verletzlichsten suchen.
Drittens: Geld folgt dem Übergang, nicht dem Zustand. Am teuersten sind die Wendepunkte – der Beginn und das Ende einer Beziehung. Das ruhige Dazwischen, in dem Menschen einfach fühlen, zweifeln und lieben, hat keinen Preis. Vielleicht ist das die tröstlichste Zahl der ganzen Auswertung: Das Wertvollste an der Liebe ist auch das, was sich am wenigsten verkaufen lässt.
Was das für dich als Suchenden bedeutet
Die Klickpreise sind nicht nur eine Kuriosität – sie haben handfeste Folgen dafür, welche Inhalte du bei Google findest. Wo viel geboten wird, drängen sich Anzeigen und kommerzielle Seiten in den Vordergrund: Wer „Partnervermittlung” oder „Scheidungsanwalt” sucht, bekommt zuerst Werbung zu sehen. Wo hingegen nichts geboten wird – bei den emotionalen Begriffen –, entscheidet allein die inhaltliche Qualität, wer oben steht.
Das ist zugleich eine gute Nachricht. Gerade weil sich mit „Gaslighting” oder „Liebeskummer” kein Geld verdienen lässt, sind die besten Ergebnisse dazu oft redaktionell und nicht verkäuferisch motiviert. Für dich als Suchenden heißt das: Bei den kommerziellen Begriffen lohnt ein skeptischer Blick, ob hinter dem Rat auch ein Verkaufsinteresse steckt. Bei den emotionalen Themen kannst du dich eher auf ehrliche Aufklärung verlassen. Ein bewusster Umgang mit Geld und Erwartungen gehört ohnehin zu jeder Beziehung dazu – warum, zeigt unser Ratgeber Beziehung und Geld. Wer versteht, wo im Netz kommerzielle Interessen mitspielen, trifft am Ende die besseren Entscheidungen – beim Dating wie im echten Leben.
Methodik & Zitierhinweis
Datenquelle: Ahrefs Keywords Explorer (CPC- und Suchvolumen-Daten). Region: Deutschland. Stand: 2026. Kennzahl: Der CPC (Cost per Click) ist der geschätzte Durchschnittsbetrag, den Werbetreibende pro Klick auf eine bezahlte Suchanzeige zahlen. Angaben in US-Dollar. Die Themenfeld-Werte sind Durchschnitte mehrerer repräsentativer Begriffe. Hinweis: CPC-Werte sind Schätzungen des Anzeigenmarktes und schwanken je nach Wettbewerb und Zeitpunkt. Sie sind keine amtlichen Preise. Alle Werte gerundet.
Du darfst diese Daten verwenden. Diese Auswertung ist ein offenes Daten-Asset. Journalistinnen, Blogger und Forschende dürfen die Zahlen und Grafiken mit Quellenangabe frei zitieren. Empfohlene Angabe: Quelle: Herzblatt Journal – „Die teuersten Gefühle” (Datenbasis: Ahrefs, Deutschland, 2026). Über eine Verlinkung auf diese Seite freuen wir uns.
Teil der Herzblatt-Datenreihe zum Beziehungsverhalten der Deutschen. Ebenfalls erschienen: Das Dating-Slang-Lexikon 2026 und Der große Dating-App-Report.
Alle Kennzahlen unserer Studien gebündelt: Dating & Beziehungen in Zahlen – die Statistik-Sammlung — über 60 frei zitierbare Zahlen zum deutschen Liebesleben.




