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Titelbild des Dating-Slang-Lexikons 2026 mit den wichtigsten Kennzahlen zu Ghosting, Situationship und Delulu

Das Dating-Slang-Lexikon 2026: Welche Begriffe Deutschland googelt – und welche aus dem Nichts kamen (Studie)

'Delulu' existierte 2020 praktisch nicht – heute wird es 8.400-mal im Monat gegoogelt. 'Situationship' explodierte um das 149-Fache. Eine Suchdaten-Analyse des modernen Dating-Vokabulars.

Dr. Thomas Peters
Dr. Thomas Peters
· 8 Min. Lesezeit

Manche Wörter brauchen Jahrzehnte, um in eine Sprache einzuwandern. Andere brauchen einen Sommer. Das Wort „Delulu” war in Deutschland bis 2022 praktisch nicht existent – rund 23 Suchen pro Monat, statistisches Rauschen. Ein Jahr später waren es 7.500. Heute gehört es zum festen Vokabular einer ganzen Generation.

Wir haben sechs Jahre Suchdaten ausgewertet – von Januar 2020 bis August 2026 – und nachgezeichnet, wie sich das moderne Dating-Vokabular der Deutschen entwickelt hat. Das Ergebnis ist eine Art Sprachgeschichte in Echtzeit: Man sieht Wörter geboren werden, andere zu festen Größen reifen und wieder andere leise verschwinden. Suchdaten sind dafür der ideale Spiegel – denn im Gegensatz zu Umfragen zeigen sie nicht, was Menschen zu wissen behaupten, sondern was sie tatsächlich nicht verstehen und deshalb nachschlagen. Willkommen im Dating-Slang-Lexikon 2026.

Auf einen Blick: Die wichtigsten Ergebnisse

  • „Ghosting” ist der König: rund 14.000 Suchen pro Monat – der meistgesuchte moderne Dating-Begriff.
  • „Situationship” explodierte: von 70 (2020) auf 10.400 monatliche Suchen – ein Plus um das 149-Fache.
  • „Delulu” kam praktisch über Nacht: von 23 Suchen (2020) auf 8.400 – der Großteil des Sprungs fiel ins Jahr 2023.
  • „Benching” verblasst: von 1.100 auf 710 Suchen – nicht jeder Slang überlebt.
  • Das Muster: Begriffe, die ein weit verbreitetes Gefühl auf den Punkt bringen, bleiben. Der Rest verglüht.

Datenbasis: Ahrefs Keywords Explorer, Deutschland, Januar 2020 bis August 2026 – insgesamt 80 Monatswerte je Begriff.

Das Slang-Leaderboard 2026

Balkendiagramm: Das Dating-Slang-Leaderboard 2026 mit Ghosting 14.000, Situationship 8.900, Delulu 8.400, Breadcrumbing 2.500 und weiteren Begriffen

An der Spitze steht ein alter Bekannter. Ghosting – das kommentarlose Verschwinden aus einer Beziehung – wird rund 14.000-mal im Monat gegoogelt und lässt damit alle jüngeren Begriffe hinter sich. Das ist bemerkenswert, denn Ghosting ist kein neues Wort mehr; es hat den Sprung vom Trend-Vokabular zum festen Bestandteil der Alltagssprache längst geschafft. Dahinter drängen die Aufsteiger: Situationship (8.900) und Delulu (8.400) liegen fast gleichauf, gefolgt von Breadcrumbing (2.500) und dem Klassiker Friendzone (2.000).

Auffällig ist die Kluft zwischen der Spitze und dem langen Ende der Liste. Während die Top-3-Begriffe fünfstellige oder hohe vierstellige Suchzahlen erreichen, dümpeln viele bekannte Slang-Wörter – Orbiting, Cuffing, Beige Flag – bei wenigen Hundert Suchen. Bekanntheit in den sozialen Medien ist eben nicht dasselbe wie echte Suchnachfrage.

Die Geburt neuer Wörter

Die eigentliche Geschichte steckt aber nicht in der Rangliste, sondern in der Bewegung. Zeichnet man den Verlauf der Begriffe über die Jahre, sieht man buchstäblich, wie Sprache entsteht.

Liniendiagramm: Suchvolumen von situationship, delulu und ghosting 2020 bis 2026, mit steil steigenden Kurven für situationship und delulu ab 2022

Zwei Kurven schießen aus dem Nichts nach oben: „Situationship” und „Delulu” lagen 2020 beide am Boden und explodierten dann innerhalb von zwei bis drei Jahren. „Ghosting” dagegen verläuft oben und flach – die Kurve eines Wortes, das seinen Durchbruch längst hinter sich hat und nun einfach dazugehört. Man sieht hier drei Lebensphasen eines Begriffs auf einen Blick: Geburt, Explosion und Reife.

„Delulu”: das schnellste Wort

Kein Begriff im gesamten Datensatz ist so schnell entstanden wie dieser.

Balkendiagramm: Monatliches Suchvolumen von delulu pro Jahr – 23 (2020), 26 (2021), 34 (2022), 7.498 (2023), 10.608 (2024), 8.430 (2025 und 2026)

Drei Jahre lang – 2020, 2021, 2022 – lag „Delulu” bei rund zwei bis drei Dutzend Suchen im Monat. Praktisch niemand kannte das Wort. Dann kam 2023, und die Zahl sprang auf 7.498, ein Jahr später auf über 10.000. Der Balken für 2023 steht wie eine Wand neben den kaum sichtbaren Vorjahren.

„Delulu” ist eine verspielte Verkürzung von „delusional” – wahnhaft, realitätsfern – und beschreibt die selbstironische Kunst, sich bei einem Schwarm bewusst Illusionen zu machen. Das dazugehörige Motto „delulu is the solulu” (delusional to be the solution) wurde 2023 auf TikTok zum Massenphänomen und schwappte von dort in die Google-Suche. Kaum ein Beispiel zeigt deutlicher, wie soziale Medien heute Vokabular in Rekordzeit verbreiten: Was auf einer Plattform trendet, steht wenige Wochen später millionenfach in der Suchleiste.

„Situationship”: der Status ohne Status

Wenn „Delulu” das schnellste Wort ist, dann ist „Situationship” das folgenreichste. Von rund 70 Suchen im Jahr 2020 kletterte der Begriff auf über 10.000 – ein Wachstum um mehr als das 140-Fache, wenn auch von einer sehr niedrigen Basis aus.

Der Grund für diesen Aufstieg liegt in einer echten gesellschaftlichen Lücke: Situationship beschreibt die romantische Grauzone, für die es vorher schlicht kein Wort gab – mehr als Freundschaft, aber keine offizielle Beziehung, ohne Titel, ohne Definition, oft ohne Aussprache. Dass Millionen Menschen aktiv nach diesem Begriff suchen, sagt viel über den Zustand moderner Beziehungen: Die undefinierte Verbindung ist so verbreitet geworden, dass sie einen eigenen Namen brauchte. Der Begriff hat 2023/24 seinen Höhepunkt erreicht und pendelt sich seitdem auf hohem Niveau ein – ein Zeichen dafür, dass er gekommen ist, um zu bleiben.

„Ghosting”: der Klassiker, der bleibt

Am anderen Ende des Alters-Spektrums steht Ghosting. Der Begriff war schon 2020 groß (rund 10.400 Suchen) und ist seitdem stabil auf 13.000 bis 15.000 gestiegen – kein spektakuläres Wachstum, aber eine beeindruckende Beständigkeit. Ghosting ist das seltene Beispiel eines Slang-Worts, das den vollständigen Weg vom Trend zum Alltagsbegriff gegangen ist.

Diese Stabilität hat einen traurigen Kern: Ghosting bleibt gefragt, weil das Phänomen bleibt. Das kommentarlose Verschwinden gehört heute zum Dating dazu, und entsprechend konstant ist das Bedürfnis, es zu verstehen und einzuordnen. Dass die Kurve über die Jahre eher steigt als fällt, deutet sogar darauf hin, dass die Erfahrung nicht seltener wird – im Gegenteil. Ghosting ist damit weniger ein Trend als ein Dauerzustand der digitalen Partnersuche. Wer selbst betroffen ist, findet die psychologischen Hintergründe und den Umgang damit in unserem Ghosting-Guide.

Die Verlierer: Wörter, die wieder verschwinden

Nicht jeder Slang setzt sich durch. Das beste Beispiel ist Benching – das Auf-der-Ersatzbank-Halten eines potenziellen Partners, während man die Optionen offenhält. 2020 lag der Begriff noch bei rund 1.100 Suchen im Monat, 2026 sind es nur noch etwa 710. Ein leiser, aber stetiger Rückgang.

Warum überlebt „Situationship” und „Benching” nicht? Die Antwort liegt vermutlich in der Alltagstauglichkeit. „Situationship” beschreibt einen Zustand, in dem sich Millionen wiederfinden. „Benching” dagegen ist spezifischer, taktischer, seltener – ein Nischenphänomen, für das es zwar ein hübsches Wort gibt, das aber nicht genug Menschen betrifft, um sich dauerhaft im Wortschatz festzusetzen. Slang ist am Ende ein darwinistisches System: Nur die Begriffe überleben, die ein weit geteiltes Gefühl auf den Punkt bringen.

Warum der Dating-Slang durchweg englisch ist

Ein Blick auf die Liste fällt sofort auf: Kein einziger der großen Begriffe ist deutsch. Ghosting, Situationship, Delulu, Breadcrumbing, Benching, Cuffing, Orbiting – das gesamte moderne Dating-Vokabular ist ein englisches. Deutsche Übersetzungsversuche wie „Brotkrümeln” für Breadcrumbing oder „Ersatzbank-Dating” für Benching setzen sich in der Suche nicht durch; die Menschen googeln fast ausschließlich das englische Original.

Das hat einen klaren Grund: Die Begriffe entstehen dort, wo die junge Dating-Kultur zu Hause ist – auf englischsprachigen Plattformen wie TikTok, Instagram und in US-amerikanischen Medien. Von dort wandern sie unübersetzt nach Deutschland. Sprache folgt hier der Plattform, nicht der Landesgrenze. Interessant ist, dass die Deutschen die Wörter nicht nur übernehmen, sondern auch aussprechen und schreiben, als wären sie schon immer Teil des Wortschatzes gewesen. Ein „Situationship” erklärt heute niemand mehr mit Anführungszeichen.

Diese Anglisierung ist mehr als eine sprachliche Randnotiz. Sie zeigt, dass die Art, wie junge Menschen über Liebe und Dating sprechen, zunehmend global synchronisiert ist. Ein Gefühl, das eine 19-Jährige in Hamburg beschreibt, trägt heute denselben Namen wie das einer Gleichaltrigen in Los Angeles – geliefert von denselben Algorithmen, im selben Tempo.

Was der Slang über uns verrät

Aus sechs Jahren Dating-Vokabular lassen sich drei Schlüsse ziehen.

Erstens: Wir brauchen Namen für das Namenlose. Die größten Aufsteiger – Situationship, Ghosting – benennen alle unangenehme, vorher schwer fassbare Erfahrungen. Sprache folgt dem Bedürfnis, das Diffuse greifbar zu machen. Wer ein Wort für seine Lage hat, fühlt sich weniger allein damit.

Zweitens: TikTok ist der neue Duden. Die Geschwindigkeit, mit der „Delulu” entstand, wäre vor dem Zeitalter der Kurzvideos undenkbar gewesen. Plattformen verbreiten Vokabular heute in Wochen statt Jahren – und die Google-Suche zieht unmittelbar nach.

Drittens: Nicht alles bleibt. Für jedes „Situationship”, das sich festsetzt, gibt es ein „Benching”, das verblasst. Der Dating-Slang ist ein ständiges Kommen und Gehen – ein lebendiges Abbild dessen, was Menschen in ihren Beziehungen gerade wirklich beschäftigt. Einen Überblick über die aktuellen Strömungen gibt unser Ratgeber zu den Dating-Trends 2026.

Methodik & Zitierhinweis

Datenquelle: Ahrefs Keywords Explorer (Google-Suchvolumen). Region: Deutschland. Zeitraum: 80 Monate, Januar 2020 bis August 2026. Erhebung: Für gängige moderne Dating-Begriffe wurde das monatliche Suchvolumen erfasst und je Kalenderjahr zum Durchschnitt zusammengefasst (2026: Januar bis August). Offensichtliche Daten-Ausreißer wurden herausgefiltert. Das Leaderboard basiert auf dem durchschnittlichen Suchvolumen der letzten zwölf Monate. Hinweis: Wachstumsfaktoren aus sehr niedrigen Ausgangswerten (etwa 70 Suchen) sind mit Vorsicht zu lesen; sie zeigen die Richtung, nicht die absolute Präzision. Alle Werte sind gerundete Schätzungen, keine amtliche Statistik.

Du darfst diese Daten verwenden. Diese Auswertung ist ein offenes Daten-Asset. Journalistinnen, Blogger und Forschende dürfen die Zahlen und Grafiken mit Quellenangabe frei zitieren. Empfohlene Angabe: Quelle: Herzblatt Journal – „Das Dating-Slang-Lexikon 2026” (Datenbasis: Ahrefs, Deutschland, 2020–2026). Über eine Verlinkung auf diese Seite freuen wir uns.


Teil der Herzblatt-Datenreihe zum Beziehungsverhalten der Deutschen. Ebenfalls erschienen: Der große Dating-App-Report und Der Aufstieg der toxischen Beziehung.

Alle Kennzahlen unserer Studien gebündelt: Dating & Beziehungen in Zahlen – die Statistik-Sammlung — über 60 frei zitierbare Zahlen zum deutschen Liebesleben.

Häufig gestellte Fragen

Welcher Dating-Slang-Begriff wird in Deutschland am häufigsten gesucht?

'Ghosting' ist mit rund 14.000 monatlichen Suchen der meistgesuchte moderne Dating-Begriff in Deutschland. Anders als jüngere Slang-Wörter ist Ghosting längst etabliert und wird seit Jahren stabil auf hohem Niveau gegoogelt. Dahinter folgen 'Situationship' (8.900) und 'Delulu' (8.400).

Was bedeutet 'Delulu'?

'Delulu' ist eine verspielte Kurzform von 'delusional' (deutsch: wahnhaft, realitätsfern) und beschreibt meist die selbstironische Haltung, sich bei einem Schwarm bewusst Illusionen hinzugeben ('delulu is the solulu' – delusional to be the solution). Der Begriff entstand auf TikTok und war in Deutschland bis 2022 praktisch nicht existent: 2020 nur rund 23 Suchen im Monat, 2023 dann schon 7.500.

Wie stark ist 'Situationship' gewachsen?

Extrem. 2020 wurde der Begriff in Deutschland nur etwa 70-mal pro Monat gesucht, 2026 rund 10.400-mal – ein Wachstum um mehr als das 140-Fache. 'Situationship' beschreibt eine romantische Grauzone ohne klares Label: mehr als Freundschaft, aber keine offizielle Beziehung. Der rasante Anstieg zeigt, wie verbreitet dieser undefinierte Status geworden ist.

Gibt es Dating-Begriffe, die wieder verschwinden?

Ja. 'Benching' (jemanden auf der Ersatzbank halten) ist rückläufig – von rund 1.100 monatlichen Suchen 2020 auf etwa 710 im Jahr 2026. Nicht jeder Slang setzt sich durch: Begriffe, die kein weit verbreitetes Alltagsgefühl treffen, verschwinden oft so schnell, wie sie aufgetaucht sind.

Woher stammen die Daten dieser Studie?

Grundlage sind die monatlichen Google-Suchvolumina in Deutschland laut Ahrefs Keywords Explorer über 80 Monate (Januar 2020 bis August 2026). Für jeden Begriff wurde der Jahresdurchschnitt gebildet und offensichtliche Ausreißer herausgefiltert. Alle Werte sind gerundete Schätzungen des Suchvolumens, keine amtliche Statistik.

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