Wie oft scheitern Ehen in Deutschland wirklich? Rund um Scheidung und Trennung kursieren mehr Mythen als Fakten – der bekannteste lautet: „Jede zweite Ehe wird geschieden.” Dieser Artikel räumt damit auf. Er bündelt die aktuellen, amtlichen Zahlen des Statistischen Bundesamts (destatis) und ordnet sie ein. Jede Zahl hier ist belegt und verlinkt.
Das Wichtigste in Zahlen
- Rund 129.300 Ehescheidungen wurden 2024 in Deutschland ausgesprochen – einer der niedrigsten Werte seit der Wiedervereinigung (Statistisches Bundesamt, 2025).
- Die zusammengefasste Scheidungsziffer lag 2024 bei 280 von 1.000 Ehen (rund 28 %) – nicht bei 50 % (destatis, Maßzahlen zu Ehescheidungen, 2025).
- Geschiedene Ehepaare waren 2024 im Schnitt 14 Jahre und 8 Monate verheiratet (destatis, 2025).
- 50,8 % der geschiedenen Paare hatten minderjährige Kinder – rund 111.000 Minderjährige waren 2024 von der Scheidung ihrer Eltern betroffen (destatis, 2025).
- Die Zahl der Scheidungen ist seit dem Höchststand 2003 um 39,6 % gesunken (destatis, 2025).
- 2024 wurden 349.200 Ehen geschlossen – der niedrigste Stand seit Beginn der Zeitreihe 1950 (destatis, 2026).
Wie viele Scheidungen gibt es pro Jahr?
Im Jahr 2024 wurden in Deutschland rund 129.300 Ehen geschieden. Das entspricht ungefähr dem Niveau des Vorjahres (+0,3 % bzw. 329 Scheidungen mehr), als der niedrigste Stand seit der deutschen Wiedervereinigung erreicht wurde. Die Quelle dafür ist die Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts vom 26. Juni 2025.
Der langfristige Trend ist eindeutig: Mit Ausnahme weniger Jahre geht die Zahl der Scheidungen seit 2003 zurück. Damals wurde mit über 213.000 Scheidungen der Höchststand erreicht. Bis 2024 ist die Zahl um 39,6 Prozent gefallen.
Diese Entwicklung überrascht viele, weil das Bauchgefühl etwas anderes sagt. Tatsächlich werden in Deutschland heute deutlich weniger Ehen geschieden als noch vor 20 Jahren.
Der Mythos „jede zweite Ehe wird geschieden”
Diese Aussage hält sich hartnäckig – und ist statistisch irreführend. Sie entsteht, wenn man die Scheidungen eines Jahres einfach durch die Eheschließungen desselben Jahres teilt. Das vergleicht aber Äpfel mit Birnen: Die heute geschiedenen Ehen wurden im Schnitt vor rund 15 Jahren geschlossen, nicht im laufenden Jahr.
Die aussagekräftigere Kennzahl ist die zusammengefasste Scheidungsziffer. Sie schätzt, wie viele von 1.000 geschlossenen Ehen langfristig (über etwa 25 Jahre) geschieden würden, wenn das aktuelle Scheidungsverhalten konstant bliebe.
| Jahr | Zusammengefasste Scheidungsziffer (von 1.000 Ehen) |
|---|---|
| 2004 (Höchststand) | rund 425 |
| 2021 | rund 309 |
| 2024 | rund 280 |
Quelle: Statistisches Bundesamt, Maßzahlen zu Ehescheidungen.
Mit anderen Worten: Nach aktuellem Stand würden rund 28 Prozent der geschlossenen Ehen langfristig geschieden – nicht 50 Prozent. Das Statistische Bundesamt stellt ausdrücklich klar, dass keine Maßzahl der Scheidungsstatistik die „jede zweite Ehe”-Behauptung stützt.
Wie lange halten Ehen bis zur Scheidung?
Die 2024 geschiedenen Ehepaare waren im Durchschnitt 14 Jahre und 8 Monate verheiratet. Dieser Wert ist über die Jahrzehnte kontinuierlich gestiegen – Paare, die sich heute scheiden lassen, waren also länger verheiratet als frühere Scheidungs-Generationen.
Ein häufig übersehenes Detail: Rund 80,5 Prozent der Scheidungen 2024 erfolgten nach dem gesetzlich vorgesehenen Trennungsjahr. Wer mehr über den rechtlichen Ablauf wissen möchte, findet die Eckpunkte im Ratgeber zum Ablauf einer Scheidung und zum Trennungsjahr.
Scheidung mit Kindern: Wer ist betroffen?
Mehr als die Hälfte der Scheidungen betrifft Familien mit minderjährigen Kindern. Konkret hatten 50,8 Prozent (rund 65.700) der 2024 geschiedenen Ehepaare minderjährige Kinder. Insgesamt waren rund 111.000 Minderjährige von der Scheidung ihrer Eltern betroffen.
Die Verteilung nach Kinderzahl sah laut destatis so aus:
| Anzahl minderjähriger Kinder | Anteil der Scheidungen mit Kindern |
|---|---|
| 1 Kind | 48 % |
| 2 Kinder | 40 % |
| 3 oder mehr Kinder | 12 % |
Diese Kinder brauchen besondere Aufmerksamkeit. Hilfreiche Orientierung bieten der komplette Guide zur Trennung mit Kindern und der Ratgeber zum Co-Parenting nach der Trennung.
Wer reicht die Scheidung ein?
Ein verbreitetes Klischee lautet, dass meist Frauen die Scheidung einreichen. Die Daten bestätigen das – allerdings nur mit knappem Vorsprung. Bei Scheidungen, die von nur einer Person beantragt wurden, lag der Frauenanteil 2023 in Nordrhein-Westfalen bei rund 56,2 Prozent (IT.NRW). Schon ältere Bundesdaten zeigten ein ähnliches Bild mit Frauenanteilen um die 53 bis 57 Prozent.
Bemerkenswert ist die hohe Einvernehmlichkeit: Bei 90,0 Prozent der Ehescheidungen 2024 wurde der Antrag mit Zustimmung des Ehepartners gestellt (destatis, 2025). Die meisten Scheidungen sind also keine erbitterten Rosenkriege, sondern gemeinsam getragene Entscheidungen.
Warum Ehen scheitern: Die häufigsten Trennungsgründe
Die amtliche Statistik erfasst keine Gründe – seit der Scheidungsrechtsreform von 1977 gilt in Deutschland das Zerrüttungsprinzip, ein „Schuldiger” wird nicht mehr festgestellt. Aufschluss geben deshalb Umfragen. Die ElitePartner-Studie zu Trennungsgründen (6.754 Befragte, Erhebung Oktober/November 2022) nennt folgende Top-Gründe für das Beziehungsende:
| Trennungsgrund | Gesamt | Frauen | Männer |
|---|---|---|---|
| Längere Affäre / mehrmaliges Fremdgehen | 67 % | 74 % | 60 % |
| Schlechte Kommunikation / Missverständnisse | 44 % | 47 % | 40 % |
| Fehlender Freiraum / Einengung | 42 % | 49 % | 36 % |
| Beziehung nur noch Routine | 38 % | 39 % | 36 % |
| Einmaliger Seitensprung | 35 % | 40 % | 31 % |
Quelle: ElitePartner-Studie 2023, Trennungsgründe.
Untreue steht also an der Spitze, dicht gefolgt von Kommunikationsproblemen. Frauen gewichten dabei nahezu jeden Grund stärker als Männer. Wie schmerzhaft das Ende einer langen Partnerschaft ist und wie der Weg zurück ins Leben gelingt, beschreibt der Ratgeber Liebe nach der Scheidung.
Immer weniger Hochzeiten
Die Scheidungszahlen lassen sich nur im Verhältnis zu den Eheschließungen verstehen. Und auch hier zeigt sich ein klarer Trend nach unten: 2024 wurden in Deutschland 349.200 Ehen geschlossen – der niedrigste Stand seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1950, wie das Statistische Bundesamt zum Welttag der Ehe 2026 mitteilte.
Mehr als drei Viertel (79 %) der Heiratenden gaben sich zum ersten Mal das Jawort. Rund 97 Prozent der Eheschließungen waren verschiedengeschlechtlich, knapp 3 Prozent gleichgeschlechtlich.
Bei den Scheidungen gleichgeschlechtlicher Paare gab es 2024 eine Zunahme: Rund 1.500 gleichgeschlechtliche Paare ließen sich scheiden – etwa 200 mehr als im Vorjahr (+18,1 %). Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die „Ehe für alle” erst seit Ende 2017 möglich ist und der Bestand solcher Ehen wächst.
Wer wird verheiratet – und wer bleibt ledig?
Ein Blick auf den Familienstand der erwachsenen Bevölkerung rundet das Bild ab. Ende 2023 waren laut Statistischem Bundesamt noch genau 50 Prozent der Erwachsenen ab 18 Jahren verheiratet – das entspricht rund 35,0 Millionen Menschen.
Vor 30 Jahren (1993) lag dieser Anteil noch bei 60 Prozent (39,3 Millionen). Gleichzeitig stieg der Anteil der Ledigen von 24 auf 33 Prozent. Die Ehe verliert also als Lebensform an Dominanz, ohne zu verschwinden. Wer nach einer Trennung neu durchstartet, findet im Guide zum Dating nach der Scheidung konkrete Orientierung.
Trennungen jenseits der Ehe: Was wissen wir?
Hier ist Vorsicht geboten. Die amtliche Statistik erfasst nur Ehescheidungen, nicht das Ende nicht-ehelicher Partnerschaften. Über die Trennung von unverheirateten Paaren, Lebensgemeinschaften oder Beziehungen gibt es keine vergleichbar belastbaren amtlichen Zahlen.
Was es gibt, sind Umfragen und Beziehungsforschung – diese arbeiten mit Selbstauskünften und sind daher weniger präzise als amtliche Daten. Klar ist aus der demografischen Entwicklung jedoch: Da immer mehr Paare unverheiratet zusammenleben, finden viele Trennungen heute komplett außerhalb der Scheidungsstatistik statt. Die sinkenden Scheidungszahlen bedeuten deshalb nicht zwangsläufig, dass Beziehungen insgesamt stabiler werden – ein Teil der Trennungen ist statistisch schlicht „unsichtbar” geworden.
Wer eine Trennung durchlebt, ob verheiratet oder nicht, findet emotionale Orientierung im Ratgeber Trennung verarbeiten in 12 Schritten und Impulse für einen fairen Umgang in Rosenkrieg vermeiden: faire Trennung.
Was die Zahlen bedeuten – eine Einordnung
Drei Erkenntnisse lassen sich festhalten:
Erstens: Es wird in Deutschland nicht häufiger geschieden, sondern seltener. Der Trend zeigt seit über 20 Jahren nach unten.
Zweitens: Der „jede zweite Ehe”-Mythos ist falsch. Die zusammengefasste Scheidungsziffer von rund 28 Prozent ist die seriösere Zahl.
Drittens: Sinkende Scheidungszahlen heißen nicht automatisch „mehr Beziehungsglück”. Weil weniger geheiratet und mehr unverheiratet zusammengelebt wird, verschiebt sich ein Teil der Trennungen aus der amtlichen Statistik heraus.
Hinter jeder dieser Zahlen stehen reale Menschen, reale Familien und reale Lebensgeschichten. Statistik kann Orientierung geben – die eigene Beziehung erklärt sie nicht.
Quellen & Methodik
Alle Zahlen in diesem Artikel stammen aus den folgenden, frei zugänglichen Quellen. Amtliche Daten (Statistisches Bundesamt) sind klar von Schätzungen zu unterscheiden; zu nicht-ehelichen Trennungen liegen keine amtlichen Daten vor.
- Statistisches Bundesamt (destatis): Rund 129 300 Ehescheidungen im Jahr 2024, Pressemitteilung vom 26.06.2025.
- Statistisches Bundesamt (destatis): Maßzahlen zu Ehescheidungen (zusammengefasste Scheidungsziffer).
- Statistisches Bundesamt (destatis): Zahl der Eheschließungen auf niedrigstem Stand seit 1950, Pressemitteilung vom 08.02.2026.
- Statistisches Bundesamt (destatis): 50 % der Erwachsenen in Deutschland sind verheiratet, Zahl der Woche vom 04.02.2025.
- Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB): Zusammengefasste Ehescheidungsziffer in Deutschland, Zeitreihe ab 1970.
- IT.NRW (Statistisches Landesamt): Ehen, Scheidungen und Lebenspartnerschaften (Anteil antragstellender Frauen, 2023).
- ElitePartner-Studie 2023: Trennungsgründe, 6.754 Befragte (Branchenstudie, Selbstauskunft – kein amtliches Datum).
Hinweis: Die Zahlen beziehen sich auf das jeweils angegebene Jahr. Die amtliche Scheidungsstatistik erfasst ausschließlich Ehescheidungen, keine Trennungen unverheirateter Paare.




