„Wie viele Singles gibt es in Deutschland?” klingt nach einer simplen Frage – ist es aber nicht. Denn die amtliche Statistik zählt keine „Singles”, sondern Haushalte und Familienstände. Wer allein lebt, ist nicht automatisch Single; wer ledig ist, kann in einer festen Beziehung sein. Dieser Artikel bündelt die belastbaren Zahlen des Statistischen Bundesamts und des Digitalverbands Bitkom – und erklärt, was sie wirklich aussagen.
Das Wichtigste in Zahlen
- Gut 17,0 Millionen Menschen in Deutschland leben allein – das ist gut jede fünfte Person (20,6 %) (Statistisches Bundesamt, 2025).
- Rund 17 Millionen Einpersonenhaushalte machen etwa 42 % aller Haushalte aus – die häufigste Haushaltsform, deutlich über dem EU-Schnitt von 35 % (destatis, 2025).
- 33 % der Erwachsenen ab 18 Jahren sind ledig (22,6 Mio.) – vor 30 Jahren waren es nur 24 % (destatis, 2025).
- Bei den 25- bis 34-Jährigen lebt mit 28,0 % ein überdurchschnittlich hoher Anteil allein (destatis, 2025).
- Die Zahl der Alleinlebenden ist gegenüber 2004 um 21,8 % gestiegen (von 14,0 auf 17,0 Mio.) (destatis, 2025).
- 51 % der Internetnutzenden ab 16 haben schon Online-Dating genutzt; 49 % davon fanden darüber eine Partnerschaft (Bitkom, 2024).
- 25,8 % der Alleinlebenden fühlen sich oft einsam – gegenüber 16,3 % in der Gesamtbevölkerung (destatis, 2025).
Warum es keine exakte „Single-Zahl” gibt
Vorab eine wichtige Einordnung: Eine offizielle Statistik, die abzählt, wie viele Menschen in Deutschland „Single” sind, existiert nicht. Der Grund liegt in der Methodik. Das Statistische Bundesamt erfasst über den Mikrozensus zwei verwandte, aber unterschiedliche Größen:
- Alleinlebende – Menschen, die in einem Einpersonenhaushalt wohnen. Das sagt nichts über ihren Beziehungsstatus aus: Wer allein wohnt, kann eine feste Partnerschaft führen (etwa in einer Fernbeziehung).
- Familienstand – ledig, verheiratet, verwitwet oder geschieden. Auch das deckt sich nicht mit „Single”: Viele Ledige sind liiert, manche Verheiratete getrennt lebend.
„Single” im Sinne von „aktuell ohne feste Partnerschaft” wird amtlich also gar nicht gemessen. Wer mit konkreten Single-Prozentzahlen wirbt, stützt sich meist auf Umfragen – mit allen Unsicherheiten von Selbstauskünften. Die folgenden amtlichen Zahlen sind die belastbare Annäherung an das Thema.
Wie viele Menschen leben allein?
Nach den Erstergebnissen des Mikrozensus 2024 lebten gut 17,0 Millionen Menschen in Deutschland allein – das ist gut jede fünfte Person (20,6 %). Veröffentlicht hat das Statistische Bundesamt diese Zahl am 16. Juli 2025.
Der langfristige Trend zeigt klar nach oben: Gegenüber 2004 ist die Zahl der Alleinlebenden um 21,8 Prozent gestiegen. Damals lebten 14,0 Millionen Menschen allein, heute sind es 17,0 Millionen.
Im EU-Vergleich liegt Deutschland mit 20,6 Prozent über dem Durchschnitt. Nur in fünf nord- und nordosteuropäischen Staaten wohnen anteilig noch mehr Menschen allein:
| Land | Anteil Alleinlebender |
|---|---|
| Litauen | 27,0 % |
| Finnland | 25,8 % |
| Dänemark | 24,1 % |
| Estland | 22,3 % |
| Schweden | 22,2 % |
| Deutschland | 20,6 % |
Quelle: Statistisches Bundesamt, 2025.
Einpersonenhaushalte: Die häufigste Haushaltsform
Eng damit verbunden ist die Zahl der Einpersonenhaushalte. 2024 zählte der Mikrozensus rund 17 Millionen davon. Sie machen etwa 42 Prozent aller Haushalte in Deutschland aus – und sind damit die häufigste Haushaltsform überhaupt. Im EU-Durchschnitt liegt der Anteil mit 35 Prozent deutlich niedriger (destatis, Europa-Vergleich).
Dass fast jeder zweite Haushalt nur aus einer Person besteht, hat viele Ursachen: höhere Lebenserwartung, gestiegene Mobilität, mehr berufsbedingtes Pendeln und ein gesellschaftlicher Wandel hin zu individuelleren Lebensentwürfen. Allein zu leben ist heute Normalität, kein Ausnahmezustand.
Alleinlebende nach Alter: Jung und alt sind führend
Besonders aufschlussreich ist die Verteilung nach Alter. Sie zeigt ein U-förmiges Muster – sowohl junge Erwachsene als auch Hochbetagte leben überdurchschnittlich oft allein.
| Altersgruppe | Anteil Alleinlebender |
|---|---|
| 25–34 Jahre | 28,0 % |
| 65 Jahre und älter | 34,0 % |
| 85 Jahre und älter | 56,0 % |
Quelle: Statistisches Bundesamt, 2025.
Bei den jungen Erwachsenen ist das Alleinleben oft eine Lebensphase – die erste eigene Wohnung, das Studium, der Berufseinstieg. Im hohen Alter dagegen ist es häufig Folge von Verwitwung. Wer das Single-Leben in dieser Phase bewusst gestalten will, findet im Guide zum Single-Sein genießen Impulse.
Männer oder Frauen: Wer lebt häufiger allein?
Insgesamt leben Frauen etwas häufiger allein (21,2 %) als Männer (20,0 %) – ein kleiner Unterschied. Doch im Alter klafft die Lücke weit auseinander.
Bei den 65-Jährigen und Älteren leben laut destatis 45,4 Prozent der Frauen, aber nur 22,3 Prozent der Männer allein. Der Hauptgrund: Frauen haben eine höhere Lebenserwartung und überleben ihre Partner häufiger. So entsteht im hohen Alter eine deutliche Mehrheit alleinlebender Frauen.
Für ältere Menschen, die sich nach einer neuen Verbindung sehnen, lohnt ein Blick in die Ratgeber Dating über 50: Neustart und Single über 50: Dating-Tipps.
Ledig, verheiratet, geschieden: Der Familienstand
Eine zweite Annäherung an das Thema bietet der Familienstand. Ende 2023 waren laut Statistischem Bundesamt genau 50 Prozent der Erwachsenen verheiratet (35,0 Mio.), während 33 Prozent ledig waren (22,6 Mio.).
Der Wandel über die Zeit ist deutlich: 1993 lag der Anteil der Verheirateten noch bei 60 Prozent, der der Ledigen bei nur 24 Prozent. In drei Jahrzehnten hat sich die Gesellschaft also spürbar von der Ehe als Standard-Lebensform entfernt.
Wichtig bleibt: „Ledig” heißt nicht „Single”. Viele der 22,6 Millionen Ledigen sind in festen Partnerschaften, die ohne Trauschein gelebt werden.
Wie Singles heute jemanden kennenlernen
Wo lernt man sich heute kennen? Zunehmend online. Laut dem Bitkom, der 2024 rund 1.000 Internetnutzende ab 16 Jahren befragte, hat die Hälfte (51 Prozent) schon einmal Online-Dating-Angebote genutzt.
Und es funktioniert: 49 Prozent der Online-Dating-Nutzenden haben darüber eine Partnerschaft gefunden. Bei 29 Prozent besteht diese Beziehung noch, bei 24 Prozent ist sie bereits wieder beendet.
Was die Menschen dort suchen, ist unterschiedlich:
| Ziel beim Online-Dating | Anteil der Nutzenden |
|---|---|
| Langfristige Beziehung | 52 % |
| Lockere Flirts / gelegentliche Dates | 35 % |
| Erotische Treffen / One-Night-Stands | 24 % |
Quelle: Bitkom, 2024.
Auch hier zeigen sich Geschlechterunterschiede: Frauen suchen häufiger eine feste Beziehung (57 %) als Männer (49 %), während Männer öfter an lockeren Flirts (43 % vs. 26 %) oder erotischen Dates (36 % vs. 10 %) interessiert sind. Mehr Kontext liefert der Überblick Online-Dating Statistiken.
Allein leben heißt nicht einsam – aber das Risiko steigt
Eine zentrale Frage lautet: Macht Alleinleben einsam? Die Zahlen geben eine differenzierte Antwort. Laut Statistischem Bundesamt fühlen sich 25,8 Prozent der Alleinlebenden oft einsam – gegenüber 16,3 Prozent in der Gesamtbevölkerung ab 10 Jahren (destatis, 2025, auf Basis der Zeitverwendungserhebung 2022).
Wer allein lebt, ist also messbar häufiger von Einsamkeit betroffen – aber die große Mehrheit (rund drei Viertel) ist es eben nicht. Besonders auffällig: Bei den unter 30-jährigen Alleinlebenden liegt der Anteil mit 35,9 Prozent noch höher. Junges Alleinleben ist demnach nicht automatisch das unbeschwerte Großstadt-Singleleben, als das es oft dargestellt wird.
Gleichzeitig zeigt der Glücksatlas, dass die Lebenszufriedenheit Alleinlebender wieder steigt. Alleinleben und Lebensqualität schließen sich also nicht aus – entscheidend ist, ob man die Lebensform gewählt hat oder ihr ausgeliefert ist.
Single sein heute: Mehr als eine Übergangsphase
Die Zahlen zeichnen ein klares Bild: Allein zu leben ist in Deutschland zur Normalität geworden. Fast jeder zweite Haushalt ist ein Einpersonenhaushalt, jede fünfte Person lebt allein, und ein Drittel der Erwachsenen ist ledig.
Das verändert auch, wie wir das Single-Dasein bewerten. Es ist längst nicht mehr nur eine Wartephase bis zur „richtigen” Beziehung, sondern für viele eine bewusste, erfüllte Lebensform. Wer diese Haltung stärken möchte, findet im Ratgeber Glücklich Single sein passende Anregungen.
Gleichzeitig zeigt der Wunsch nach Partnerschaft beim Online-Dating, dass Verbindung nach wie vor zentral ist. Allein leben und sich nach Nähe sehnen schließt sich nicht aus. Wer nach langer Single-Zeit wieder ins Dating einsteigen will, findet im Guide Dating nach langer Single-Zeit konkrete Hilfestellung.
Quellen & Methodik
Alle amtlichen Zahlen stammen vom Statistischen Bundesamt (Mikrozensus, Familienstand), die Online-Dating-Daten von Bitkom Research (Umfrage). Amtliche Daten und Umfragedaten sind klar zu unterscheiden – und „Single” wird amtlich nicht direkt erfasst.
- Statistisches Bundesamt (destatis): 17 Millionen Menschen in Deutschland leben allein, Pressemitteilung vom 16.07.2025 (Mikrozensus 2024).
- Statistisches Bundesamt (destatis): Alleinlebende in Europa (EU-Vergleich, Einpersonenhaushalte).
- Statistisches Bundesamt (destatis): 50 % der Erwachsenen in Deutschland sind verheiratet, Zahl der Woche vom 04.02.2025 (Familienstand, Stand Ende 2023).
- Bitkom e. V. / Bitkom Research: Online-Dating – Ein Drittel wünscht sich KI-Beratung, Befragung 2024 (rund 1.000 Internetnutzende ab 16 Jahren).
Hinweis: Mikrozensus-Daten beziehen sich auf 2024, Familienstandsdaten auf Ende 2023. Alleinlebende und Ledige sind nicht mit „Singles” gleichzusetzen – amtliche Statistik erfasst keinen Beziehungsstatus. Die Bitkom-Zahlen beruhen auf einer Umfrage (Selbstauskunft).




