Ein Polterabend ist ein Hochzeitsbrauch, bei dem Gäste vor der Hochzeit altes Porzellan zerschlagen und das Brautpaar die Scherben gemeinsam aufkehrt. Gefeiert wird traditionell am Vorabend der Trauung, heute oft einige Wochen vorher. Gastgeber ist heute oft das Paar selbst, früher waren es vielerorts die Eltern der Braut. Die Gäste bringen das Geschirr mit.
Die eigentlichen Fragen kommen bei den Details: Wen ladet ihr ein? Was darf zu Bruch gehen? Wohin mit drei Schubkarren Scherben? Und was sagen die Nachbarn um Mitternacht?
Hier steht, was man über Herkunft und Bedeutung tatsächlich weiß, wie der Abend abläuft, was Gäste mitbringen, dazu Ideen, Einladungstexte und das Praktische zu Lärm und Entsorgung. Wo es nur Deutungen gibt, sagen wir das dazu.
Was ist ein Polterabend?
Der Name kommt von „poltern“, also dumpf krachen und rumpeln. Laut Wikipedia wünscht man dem Paar mit dem Brauch durch das Zerbrechen von Steingut und Porzellan eine gelungene Ehe. Grimms Deutsches Wörterbuch beschrieb ihn 1889 als den „durch schmaus, tanz und allerlei scherz gefeierte[n] vorabend einer hochzeit“.
Vorsicht bei Freunden aus Österreich oder der Schweiz: Dort, und etwa in Polen, Dänemark oder Finnland, meint das Wort laut Wikipedia meist den ausgelassenen Abschied vom Ledigsein, also den Junggesellenabschied. Fragt im Zweifel nach.
Woher kommt der Brauch?
Ehrliche Antwort: Das weiß niemand genau. Der Ursprung gilt als ungeklärt. Das Etymologische Wörterbuch von Wolfgang Pfeifer nennt für den Anfang des 16. Jahrhunderts die Form „Pulternacht“, wann „Polterabend“ selbst aufkam, geben die Quellen unterschiedlich an.
Auffällig ist eine Lücke: Hans Dunker schrieb 1930 in seiner Kieler Dissertation, für Schleswig-Holstein seien Polterabendsitten aus dem 16. und 17. Jahrhundert merkwürdigerweise nicht überliefert, obwohl man wegen des Aberglaubens ein höheres Alter vermuten würde. Der Rechtshistoriker Karl Frölich konnte diesen Widerspruch 1951 nach eigener Aussage nicht aufklären.
Spätestens Ende des 18. Jahrhunderts ist das Wort geläufig: In Johann Heinrich Voß’ Versidylle „Luise“, deren erste Buchausgabe 1795 erschien, heißt es: „Denn heut waltet bei uns recht eigentlich Polterabend!“ Im 19. Jahrhundert ist der Brauch dann gut belegt. Achim von Arnim schreibt 1817 in „Die Kronenwächter“ vom Abend, an dem „die alten Töpfe zerschmissen werden, um ein neues Leben anzufangen“. Der Ethnograf Richard Andree notierte 1896 für das Braunschweiger Land, dass Bekannte und Gesinde alte Ton- und Porzellangefäße möglichst geräuschvoll vor die Tür des Brautpaars warfen, bis ganze Scherbenberge entstanden.
Wer liest, der Polterabend sei „germanisch“ oder „vorchristlich“, liest eine Vermutung ohne Beleg. Wie gut andere Bräuche belegt sind, steht in unserem Überblick über Hochzeitsbräuche und ihre Bedeutung.
Warum bringen Scherben Glück? Die Deutungen
Keine dieser Erklärungen ist bewiesen, es sind Deutungen:
- Lärm gegen Unheil. Die verbreitetste Deutung: Der Krach soll böse Geister verscheuchen. So beschreibt es Frölich als übliche Auffassung, und bei Voß sollen Musik und Anstoßen verhindern, dass ein „Nachtkobold“ das Brautpaar belästigt (so in späteren Ausgaben der „Luise“, in der von 1795 steht noch „Nachtgespenst“).
- Scherben als Glücksbringer. Der Duden definiert den Polterabend über die Scherben, die dem Paar Glück bringen sollen. Andree hielt einen Mundartspruch fest, sinngemäß: je mehr Töpfe, desto mehr Glück.
- Altes weg, Neues beginnt. Das Zerschlagen als Abschied vom alten Leben, wie bei Arnim.
- Öffentlichkeit herstellen. Frölich vermutete einen rechtlichen Kern: Der Lärm habe die Heirat über die Familie hinaus bekannt gemacht.
- Erste gemeinsame Arbeit. Dass das Paar die Scherben zusammen aufkehrt, gilt als Symbol dafür, künftig gemeinsam anzupacken.
Wann feiert man den Polterabend?
Traditionell am Abend vor der standesamtlichen oder kirchlichen Trauung. Inzwischen ist es laut Wikipedia üblich, den Polterabend Wochen vorher zu feiern. Laut der Volkskundlerin Andrea Graf hat Annette Remberg für eine westfälische Mittelstadt zwischen den 1950er- und 1980/90er-Jahren beschrieben, wie daraus ein eigenes, größeres Fest wurde, Wochen vor der Hochzeit und an einem Wochenende.
Eine feste Regel für den Abstand gibt es nicht. Pro und contra:
- Vorabend: Gäste von weit her sind ohnehin da. Dafür wird der Hochzeitstag anstrengend, und die Scherben müssen bis zum Morgen weg. Verabschiedet euch als Paar früh.
- Einige Wochen vorher: entspannter, mit Zeit zum Aufräumen. Dafür reisen manche Gäste zweimal an.
- Alles an einem Tag: Manche Paare verbinden beides zur sogenannten Polterhochzeit, die laut Wikipedia als weniger förmlich gilt.
Wer lädt ein und wer zahlt traditionell den Polterabend?
Gefeiert wurde traditionell vor dem Haus der Braut beziehungsweise ihrer Eltern. Laut Wikipedia gibt das Paar nur den Termin bekannt und lädt niemanden einzeln ein. Manche nutzen das, um Menschen teilhaben zu lassen, die zur Hochzeit selbst nicht eingeladen werden können.
Heute habt ihr die Wahl. Offen ist näher an der Tradition, aber kaum planbar: Kommen 30 oder 120 Leute? Mit Einladung könnt ihr Essen und Platz kalkulieren. Ein Mittelweg: Ihr ladet ein und schreibt dazu, dass Partner und Nachbarn ausdrücklich willkommen sind.
Bei den Kosten lohnt ein Blick zurück: Ein Benimmbuch aus der Zeit um 1898 sah die Eltern der Braut in der Pflicht, „sowohl den Polterabend, wie auch die Hochzeit auszurichten“. In einer volkskundlichen Befragung im Rheinland von 2011/12 nannte eine Befragte den Junggesellenabschied dagegen eine Alternative zum Polterabend, „den das Paar gemeinsam gibt“, und manche verzichteten mit Blick auf die eigenen Kosten ganz darauf. Eine verbindliche Regel gibt es nicht, regional ist es verschieden. Wer die Kosten teilen will, bittet um einen Beitrag zum Buffet.
Allein stemmen müsst ihr das nicht: Freunde, Trauzeugin und Trauzeuge können Aufbau, Getränke oder die Aufräumschicht übernehmen. Was eine Trauzeugin sonst noch übernimmt, steht in unserem Ratgeber zu den Aufgaben der Trauzeugin.
Wie läuft ein Polterabend ab?
Ein festes Programm gibt es nicht. Ein typischer Abend kann so aussehen:
- Ankommen. Die Gäste stellen ihr Geschirr an der Polterstelle ab.
- Poltern. Auf ein Zeichen fliegt das Porzellan auf den Boden. Kommen Gäste nach und nach, poltert ihr am besten in mehreren Runden.
- Aufkehren. Das Paar fegt die Scherben zusammen, die Gäste feuern an.
- Feiern. Essen, Musik, Gespräche.
- Beiträge. Kleine Vorträge, Gedichte und Szenen sind seit dem 19. Jahrhundert vielfach belegt, damals erschienen ganze Sammlungen mit „Polterabend-Scherzen“.
- Schluss. Wann, hängt von Nachbarschaft und Nachtruhe ab (siehe unten). Die Reste kommen am nächsten Tag dran.
Was wird beim Polterabend zerschlagen und was nicht?
Das darf zu Bruch gehen: Porzellan und Steingut sind der Kern des Brauchs, dazu Keramik wie Tassen, Teller und Blumentöpfe. Wikipedia nennt außerdem Fliesen, Waschbecken und sogar Toilettenschüsseln, für zusätzlichen Krach auch Blechdosen und Konservendeckel.
Das bleibt heil: Glas und Spiegel. Nach der Überlieferung steht Glas für das Glück, das nicht zerstört werden soll, ein zerbrochener Spiegel bedeutet im Aberglauben sieben Jahre Pech. Dazu passt das Sprichwort „Glück und Glas, wie leicht bricht das“. Das ist Volksglaube. Es gibt aber einen handfesten Grund, sich daran zu halten: Glassplitter sind fein und scharf und lassen sich kaum vollständig aufkehren. Das gilt auch für Trinkgläser, Vasen und gläserne Auflaufformen.
Das gehört gar nicht dazu: Müll. Andrea Graf berichtet aus Befragungen im Rheinland, dass ab Ende der 1980er-Jahre bei manchen Polterabenden regelrechte Müllberge auf dem Hof des Paars landeten, genannt wurden Toilettenpapier, Styropor und sogar Sperrmüll. Laut Graf führte das zu einer kritischen Haltung gegenüber dem Fest. Ausrangierter Hausrat gehört zum Wertstoffhof, nicht zum Brautpaar.
Damit sich niemand verletzt
- Legt eine feste Polterzone fest, etwa eine gepflasterte Einfahrt.
- Geworfen wird nach unten auf den Boden, nie in Richtung von Menschen.
- Kinder und Hunde bleiben außerhalb der Polterzone.
- Bittet um feste Schuhe.
- Legt Arbeitshandschuhe, Besen, Schaufeln, Eimer und einen Verbandskasten bereit.
Wer räumt die Scherben auf und wohin damit?
Das Brautpaar, und zwar gemeinsam, das ist der symbolische Kern. Ob Freunde später beim großen Rest helfen, entscheidet ihr.
Bei der Entsorgung lauert ein Fehler: Porzellan und Keramik gehören nicht ins Altglas. Das Umweltbundesamt zählt sie zum Restmüll, ebenso Spiegelglas. Für ein paar Teller reicht die Tonne, für einen Scherbenhaufen oft nicht.
Größere Mengen nehmen manche Kommunen als Bauschutt an, teils gegen Gebühr. In Stuttgart etwa können Kleinmengen bis 60 Liter, darunter Keramikgeschirr, Fliesen und WC-Schüsseln, für 6 Euro pro Anlieferung und Tag an Wertstoffhöfen abgegeben werden (Stand der Seite: 15. Januar 2025, geprüft im Oktober 2026). Andere Städte regeln das anders. Schaut vorher ins Abfall-ABC eurer Gemeinde.
Feiert ihr nicht auf eigenem Grund, etwa im Hof eines Mietshauses, klärt vorher mit Vermieter oder Hausverwaltung, ob gepoltert werden darf.
Polterabend oder Junggesellenabschied: Was ist der Unterschied?
Beide liegen vor der Hochzeit, sonst haben sie wenig gemeinsam. Die Unterschiede, wie sie unter anderem Andrea Graf für das Rheinland beschreibt:
| Polterabend | Junggesellenabschied | |
|---|---|---|
| Wer wird gefeiert | das Paar gemeinsam | Braut und Bräutigam meist getrennt |
| Gäste | Familie, Freunde, Nachbarn, Bekannte | meist enge Freundinnen und Freunde |
| Wer organisiert | das Paar oder seine Eltern als Gastgeber | Trauzeugen oder Freundesgruppe, oft als Überraschung |
| Ort | zu Hause, im Hof, im Saal | oft unterwegs, gern in einer größeren Stadt |
| Kern | Porzellan zerschlagen, gemeinsam aufkehren | Abschied vom Ledigsein mit Programm, Ausflug oder Reise |
Manche Paare feiern beides, andere entscheiden sich für eins. Anregungen findet ihr in unseren Ideen für den Junggesellenabschied.
Polterabend-Ideen: Programm, Spiele und Essen
Ein durchgeplantes Programm braucht es nicht. Ein paar Elemente helfen aber, gerade wenn sich viele Gäste nicht kennen.
Ideen für das Programm
- Ein Schild an der Polterzone: „Porzellan ja, Glas nein“ erspart jede Diskussion.
- Ein Erinnerungsteller: Ein heiler Teller, den alle mit Porzellanstift signieren. Er wird aufgehoben, nicht zerschlagen.
- Eine Wunschdose: Gäste schreiben Wünsche fürs erste Ehejahr auf Zettel, ihr öffnet die Dose am ersten Hochzeitstag.
- Kurze Beiträge: Gedicht, Lied, kleine Szene. Bittet um höchstens fünf Minuten und darum, nichts zu erzählen, was das Paar vor Eltern und Kollegen bloßstellt.
- Musik mit Plan: Laut darf es früh am Abend sein, nach 22 Uhr eine ruhigere Playlist, am besten drinnen.
Spiele, bei denen niemand vorgeführt wird
- Scherben schätzen: Wie viele Eimer kommen heute zusammen? Wer am nächsten dran liegt, gewinnt eine Kleinigkeit.
- Kehr-Wette: Alle tippen, wie viele Minuten das Paar zum Aufkehren braucht.
- Kennenlern-Bingo: Felder wie „kennt das Paar aus der Schulzeit“ oder „ist über 200 Kilometer angereist“. So kommen Nachbarn, Familie und Freundeskreis ins Gespräch.
- Wer weiß es besser? Das Paar sitzt Rücken an Rücken, jemand liest harmlose Fragen vor, etwa „Wer hat zuerst Hallo gesagt?“, beide zeigen gleichzeitig auf sich oder den anderen.
- Haushaltstipp-Kartei: Alle schreiben ihren besten Alltagstipp auf eine Karte. Ehe-Witze mit Spitze lasst ihr weg.
Bei allen Spielen gilt: Wer nicht mitmachen will, muss nicht, ohne Begründung. Niemand wird zum Trinken gedrängt, alkoholfreie Getränke gibt es reichlich. Fotos und Videos nur mit Einverständnis, und was über das Paar herauskommt, bleibt auf dem Polterabend. Mehr Ideen sammelt unser Ratgeber zu Hochzeitsspielen.
Essen und Getränke
Gut funktioniert, was sich ohne Sitzplatz essen lässt und auch reicht, wenn mehr Leute kommen als gedacht: Grillgut, ein großer Topf Suppe oder Chili, Brot mit Aufstrichen, Fingerfood. Ein Mitbringbuffet teilt die Kosten. Eine kurze Liste verhindert, dass sieben Nudelsalate auf dem Tisch stehen.
Fragt beim Getränkehändler, ob ihr ungeöffnete Kisten zurückgeben und Bierzeltgarnituren leihen könnt. Und denkt an das Unglamouröse: Toiletten, Licht in der Polterzone, Mülltonnen für Teller und Becher.
Polterabend-Einladung: 6 Texte zum Anpassen
In die Einladung gehören Datum, Uhrzeit und Ort. Hilfreich sind der Hinweis „Porzellan ja, Glas nein“, falls gewünscht die Bitte um einen Beitrag zum Buffet sowie ein ungefähres Ende und eine Rückmeldefrist, wenn ihr planen wollt. Fehlt einem der Texte unten der Glas-Hinweis, hängt ihn einfach an. Die Texte haben wir selbst geschrieben, ihr dürft sie frei übernehmen.
1. Klassisch
Wir heiraten und möchten vorher mit euch feiern. Zu unserem Polterabend am Samstag, den [Datum], ab 18 Uhr laden wir euch herzlich ein: [Adresse]. Bringt gern altes Porzellan mit, für Essen und Getränke ist gesorgt.
2. Locker
Bevor es offiziell wird, wird es laut: Am [Datum] ab 17 Uhr poltern wir in [Ort]. Eure alten Tassen haben endlich einen Zweck. Kehren müssen wir, feiern dürft ihr.
3. Kurz für den Messenger
Polterabend! [Datum], ab 18 Uhr, bei uns im Hof. Porzellan ja, Glas nein. Gebt uns bis [Datum] kurz Bescheid.
4. Mit Bitte ums Buffet
Am [Datum] ab [Uhrzeit] feiern wir in [Ort] Polterabend und freuen uns auf euch. Getränke und Gegrilltes übernehmen wir. Wenn ihr mögt, bringt einen Salat oder Nachtisch mit und tragt euch hier ein: [Link].
5. Für alle, die bei der Hochzeit nicht dabei sein können
Unsere Hochzeit feiern wir im kleinen Kreis, aber auf euch wollen wir nicht verzichten. Deshalb gibt es einen Polterabend für alle: am [Datum] ab 17 Uhr in [Ort]. Bringt Porzellan, gute Laune und gern Partner und Kinder mit.
6. Mit Rücksicht auf die Nachbarn
Wir poltern am [Datum] ab 17 Uhr in [Ort]. Weil wir mitten im Wohngebiet feiern, wird ab 19 Uhr nicht mehr gepoltert, und ab 22 Uhr geht es drinnen weiter. Bitte denkt an feste Schuhe.
Für die Karte zur Hochzeit selbst findet ihr Formulierungen in unseren Mustertexten für die Hochzeitseinladung.
Was bringt man als Gast zum Polterabend mit?
Zuerst: Porzellan, etwa aussortierte Teller und Tassen aus dem eigenen Schrank oder vom Flohmarkt. Glas, Spiegel und Müll bleiben zu Hause.
Ein großes Geschenk ist nicht nötig. Laut einem Ratgeber der Stuttgarter Zeitung werden zum Polterabend üblicherweise keine Geschenke gemacht, zumal man zur Hochzeit ohnehin etwas schenkt. Stattdessen schlägt er altes Geschirr, selbst gemachte Snacks oder Getränke vor. Wer eine Kleinigkeit mitbringen möchte:
- einen Beitrag zum Buffet, abgesprochen mit dem Paar
- eine Kiste Getränke
- Besen und Kehrschaufel mit Schleife, augenzwinkernd fürs Aufräumen
- einen Gutschein für die Aufräumschicht am nächsten Morgen
- einen heilen, schönen Teller, auf dem alle unterschreiben
Wie viel Geld gibt man bei einem Polterabend?
In der Regel gar keins. Wer dennoch Geld schenken möchte, etwa weil er zur Hochzeit nicht eingeladen ist, kommt laut der Stuttgarter Zeitung mit 10 bis 20 Euro gut hin, am besten mit Hinweis auf die bevorstehende Hochzeit. Das ist eine Faustregel, keine Norm. Im Zweifel fragt ihr andere Gäste.
Seid ihr zur Hochzeit eingeladen, gehört das eigentliche Geschenk dorthin. Welche Beträge dafür genannt werden, steht in unserem Ratgeber zum Geldgeschenk zur Hochzeit.
Lärm, Nachtruhe und Scherben auf der Straße: Was ihr klären solltet
Laut gehört dazu, Grenzen gibt es trotzdem. Das Folgende ist eine allgemeine Orientierung, keine Rechtsberatung, und die Regeln unterscheiden sich nach Bundesland und Gemeinde (Stand: Oktober 2026).
Nachtruhe. Wann sie gilt, regeln Länder und Gemeinden. In Nordrhein-Westfalen etwa verbietet § 9 des Landes-Immissionsschutzgesetzes von 22 bis 6 Uhr Betätigungen, die geeignet sind, die Nachtruhe zu stören. Der Deutsche Mieterbund stellt klar: Einen gesetzlichen Anspruch darauf, einmal im Monat oder dreimal im Jahr laut zu feiern, hat niemand. Ab 22 Uhr darf laut Mieterbund nur noch mit „angezogener Handbremse“ gefeiert werden.
Unzulässiger Lärm. Bundesweit gilt § 117 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten: Ordnungswidrig handelt, wer ohne berechtigten Anlass oder in einem unzulässigen oder nach den Umständen vermeidbaren Ausmaß Lärm erregt, der geeignet ist, die Allgemeinheit oder die Nachbarschaft erheblich zu belästigen oder die Gesundheit eines anderen zu schädigen. Möglich ist eine Geldbuße bis zu 5.000 Euro, wenn die Handlung nicht nach anderen Vorschriften geahndet werden kann.
Musik im Freien. Die Stadt Dortmund etwa erteilt für private Feiern wie Hochzeiten keine Ausnahmegenehmigungen für Tongeräte wie Musikanlagen im Freien. Fragt im Zweifel bei eurer Gemeinde nach.
Scherben auf der Straße. § 32 der Straßenverkehrs-Ordnung verbietet, Gegenstände auf Straßen zu bringen oder dort liegen zu lassen, wenn dadurch der Verkehr gefährdet oder erschwert werden kann. Wer verantwortlich ist, muss das unverzüglich beseitigen und bis dahin ausreichend kenntlich machen. Am einfachsten poltert ihr auf eigenem Grund. Für Gehweg, Straße oder öffentliche Plätze fragt vorher bei Gemeinde oder Ordnungsamt.
Mietshaus. Hier gelten zusätzlich Mietvertrag und Hausordnung, etwa mit Ruhezeiten.
Ganz praktisch: Sagt den Nachbarn vorher Bescheid oder ladet sie gleich ein, zur klassischen Polterabendgesellschaft gehörten sie ohnehin. Auch die Stadt Dortmund rät, vor einer geplanten Feier mit den Nachbarn zu sprechen. Poltert früh am Abend und feiert ab 22 Uhr drinnen weiter.
Was kostet ein Polterabend?
Belastbare Durchschnittswerte gibt es nicht. Die Kosten hängen vor allem hieran:
- Ort: Der eigene Hof kostet nichts, Saal, Grillhütte oder Zelt schon.
- Gästezahl: Bei einem offenen Polterabend schwer vorherzusagen, plant mit Puffer.
- Essen und Getränke: der größte Posten. Mitbringbuffet und Getränke mit Rückgaberecht drücken ihn.
- Ausstattung: Tische, Bänke, Licht, Toiletten, Pavillon bei schlechtem Wetter.
- Entsorgung: Reicht die Restmülltonne nicht, kann der Wertstoffhof Gebühren verlangen.
In Grafs Befragung gab es übrigens auch die nüchterne Variante: Wer nicht so viel Geld ausgeben wolle, feiere im Zweifel eben keinen Polterabend. Auch das ist eine legitime Entscheidung.
Ist der Polterabend noch üblich?
Repräsentative Zahlen dazu, wie viele Paare heute noch einen Polterabend feiern, haben wir nicht gefunden, nur volkskundliche Fallstudien. In einer Veröffentlichung des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte wertet Andrea Graf eine Befragung von 2011/12 zum Junggesellenabschied im Rheinland aus, mit 77 Online-Antworten und 35 schriftlichen Fragebögen, und vergleicht sie mit einer Umfrage von 1994/95. Die Online-Fragebögen konnte beantworten, wer über Pressemitteilung oder Website davon erfuhr, die schriftlichen stammen aus einem Seminar an der Universität Bonn.
Ihr Befund: Ab Ende der 1980er-Jahre wurde der Polterabend größer und aufwendiger, das Poltern zunehmend übertrieben. Dazu kommt laut Graf, dass heute nur noch wenige in eine dörfliche oder kleinstädtische Nachbarschaft eingebunden sind, die einen klassischen Polterabend trägt. Den Polterabend abgelöst hat der Junggesellenabschied nach ihrer Auswertung aber nicht: Manche feiern beides, manche nur eins.
Regional ist die Lage ohnehin bunt. Im Rheinland gibt es verwandte, ebenfalls laute Vorhochzeitsbräuche wie Hillich und Letsch, in Bremen laut Wikipedia das Kranzbinden.
Unsere Einschätzung: Der Polterabend ist ein Angebot, kein Pflichtprogramm. Er passt, wenn ihr gern Gastgeber seid, viele Menschen dabeihaben wollt und einen Ort habt, an dem es scheppern darf. Wenn nicht, verpasst ihr nichts.
Das Wichtigste in Kürze
- Beim Polterabend zerschlagen Gäste Porzellan, das Brautpaar kehrt die Scherben gemeinsam auf.
- Der Ursprung ist ungeklärt; „Lärm vertreibt Unheil“ und „Scherben bringen Glück“ sind Deutungen, keine Belege.
- Traditionell am Vorabend der Hochzeit, heute oft Wochen vorher; eine feste Regel gibt es nicht.
- Porzellan, Steingut und Keramik ja, Glas und Spiegel nein, Müll schon gar nicht.
- Gastgeber ist heute oft das Paar selbst, früher waren es vielerorts die Brauteltern; Gäste bringen Porzellan und höchstens eine Kleinigkeit mit.
- Porzellan gehört in den Restmüll, nicht ins Altglas; für große Mengen vorher beim Entsorger fragen.
- Nachtruhe, Hausordnung und Scherben auf öffentlichem Grund vorher klären, Nachbarn früh einbeziehen.
Quellen: Wikipedia: Polterabend · Wikipedia: Polterhochzeit · DWDS: Polterabend (Duden-Definition, Etymologie nach Pfeifer) · Grimm, Deutsches Wörterbuch: polterabend · Frölich (1951), Nachrichten der Gießener Hochschulgesellschaft 20 · Andree (1896): Braunschweiger Volkskunde · Voß: Luise (Buchausgabe 1795, Deutsches Textarchiv) · Voß: Luise (Ausgabe 1867) · Hahn: Der Verkehr in der guten Gesellschaft (um 1898, Deutsches Textarchiv) · Graf (2012), Alltag im Rheinland (Archivfassung) · Wiktionary: Glück und Glas · Umweltbundesamt: Altglas · Stadt Stuttgart: Bauabfälle · § 117 OWiG · § 32 StVO · § 9 LImSchG NRW · Deutscher Mieterbund: Silvesterparty · Stadt Dortmund: Lärm durch Privatpersonen · Stuttgarter Zeitung: Geld zum Polterabend (2024)




