Omnisexuell bedeutet, dass du dich zu Menschen aller Geschlechter hingezogen fühlen kannst und das Geschlecht dabei trotzdem meist eine Rolle spielt: als Vorliebe oder einfach, weil du es bewusst wahrnimmst. Damit liegt Omnisexualität sehr nah an Pansexualität, je nach Definition meinen beide Wörter sogar dasselbe. Entscheidend ist, wie ein Mensch sich selbst beschreibt.
Wir erklären, was hinter dem Begriff steckt, wie sich omnisexuell von pansexuell, bisexuell und polysexuell unterscheidet, was es mit der Omni-Flagge auf sich hat und wie du für dich sortieren kannst, ob das Wort zu dir passt. Außerdem geht es um Dating, typische Vorurteile, Coming-out und um die Frage, wie viele Menschen sich so bezeichnen.
Was ist omnisexuell? Die Bedeutung einfach erklärt
„Omni“ kommt vom lateinischen „omnis“ und heißt „alle“ oder „jeder“. Omnisexuell beschreibt also eine sexuelle Orientierung, bei der sich Anziehung auf Menschen aller Geschlechter richten kann: auf Männer, Frauen, nicht-binäre Menschen und alle anderen Geschlechtsidentitäten. Viele sagen kurz „omni“.
Zwei deutschsprachige Nachschlagewerke definieren den Begriff etwas unterschiedlich. Das LSBTIQ-Lexikon der Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt Omnisexualität als Orientierung von Menschen, „die sich zu allen Geschlechtern sexuell und/oder emotional hingezogen fühlen“. Ihr Begehren richte sich auf die Vielfalt von Geschlechtern, „einschließlich, zwischen und jenseits der binären Geschlechter Mann und Frau“.
Das Queer Lexikon, ein Online-Nachschlagewerk zu queeren Themen, setzt einen eigenen Akzent: „Das Geschlecht spielt dabei bei der Anziehung meist eine Rolle“, heißt es dort, etwa durch eine Präferenz oder auch nur dadurch, dass das Geschlecht anerkannt wird. Genau dieser Gedanke unterscheidet omnisexuell in dieser Lesart von „pansexuell“.
Was bedeutet omnisexual?
„Omnisexual“ ist schlicht die englische Form und meint dasselbe. Weil viele Community-Texte, Foren und Videos zum Thema englischsprachig sind, begegnet dir der Begriff oft zuerst so. Auch in englischsprachigen Quellen wird Omnisexualität häufig über die Rolle des Geschlechts von Pansexualität abgegrenzt, oft werden beide Wörter dort aber auch gleichbedeutend verwendet.
Was omnisexuell nicht bedeutet
Drei Missverständnisse lassen sich gleich am Anfang ausräumen:
- Nicht „auf alle“: Anziehung zu allen Geschlechtern heißt nicht Anziehung zu allen Menschen. Geschmack, Typ und Chemie gibt es trotzdem.
- Keine Beziehungsform: Die Orientierung sagt nichts darüber, ob jemand monogam, offen oder polyamor lebt.
- Keine Diagnose: Omnisexualität ist eine Selbstbezeichnung, keine Störung und nichts, was andere für dich festlegen.
Was ist der Unterschied zwischen Pan und omnisexuell?
Die kurze Antwort: Bei beiden kann sich Anziehung auf Menschen aller Geschlechter richten. Der Unterschied liegt darin, welche Rolle das Geschlecht dabei spielt.
Pansexuell können sich laut Queer Lexikon Menschen nennen, deren Anziehung nicht vom Geschlecht der anderen Person abhängig ist. Die bpb formuliert es so: Bei pansexuellen Menschen stehe das individuelle Interesse an der Person im Vordergrund, unabhängig von ihrem Geschlecht. Im Englischen ist dafür oft von „gender-blind“ die Rede.
Omnisexuell beschreibt dagegen eine Anziehung, bei der das Geschlecht wahrgenommen wird und sie prägen darf. Vielleicht fühlt sich Anziehung zu einer Frau für dich anders an als zu einem nicht-binären Menschen. Vielleicht gibt es Vorlieben. Oder du bemerkst das Geschlecht einfach bewusst, ohne dass es jemanden ausschließt.
| Pansexuell | Omnisexuell | |
|---|---|---|
| Anziehung möglich zu | Menschen aller Geschlechter | Menschen aller Geschlechter |
| Rolle des Geschlechts | für die Anziehung nicht entscheidend, die Person steht im Vordergrund | spielt meist eine Rolle, als Vorliebe oder bewusste Wahrnehmung |
| Mögliche Selbstbeschreibung | „Das Geschlecht ist für mich nicht der Punkt.“ | „Ich nehme das Geschlecht wahr, es schließt aber niemanden aus.“ |
| Verhältnis zueinander | je nach Definition deckungsgleich | je nach Definition deckungsgleich |
Wichtig ist die letzte Zeile. Die bpb nennt Pan- und Omnisexualität „sehr nahe beieinander liegende bis deckungsgleiche Konzepte“, das Queer Lexikon schreibt, beide seien „eng miteinander verwandt, bzw. bedeuten, je nach Definition, dasselbe“. Die Unterscheidung oben ist also eine Faustregel, keine feste Regel. Auch manche pansexuelle Menschen erleben, dass das Geschlecht mitschwingt, und bleiben trotzdem bei „pan“.
Was Pansexualität im Alltag und beim Dating bedeutet, haben wir ausführlich im Guide zu Pansexualität beschrieben. Hier bleibt es bei der Abgrenzung.
Omnisexuell, bisexuell, polysexuell: die Begriffe im Vergleich
Omnisexualität gehört zu einer Gruppe von Orientierungen, bei denen Anziehung zu mehr als einem Geschlecht möglich ist. Das Queer Lexikon fasst sie unter dem Überbegriff Bi+ zusammen. Die folgenden Kurzdefinitionen orientieren sich an den Glossar-Einträgen des Queer Lexikons, beim Begriff queer an unserem eigenen Erklärtext.
| Begriff | Kurz erklärt |
|---|---|
| Bisexuell | Anziehung zu Menschen zweier oder mehrerer Geschlechter, schließt nicht-binäre Menschen nicht aus |
| Pansexuell | Anziehung zu Menschen aller Geschlechter, unabhängig von deren Geschlecht |
| Omnisexuell | Anziehung zu Menschen aller Geschlechter, das Geschlecht spielt meist eine Rolle |
| Polysexuell | Anziehung zu Menschen mehrerer, aber nicht unbedingt aller Geschlechter, auch als Überbegriff für bi, pan und omni genutzt |
| Multisexuell | Anziehung zu Menschen vieler, aber nicht aller Geschlechter |
| Queer | offener Sammelbegriff und Selbstbezeichnung jenseits von heterosexuell und cisgeschlechtlich |
| Abrosexuell | die sexuelle Orientierung verändert sich häufig und grundlegend |
| Spektrasexuell | Anziehung zu Menschen, die auf einem geschlechtlichen Spektrum liegen |
Bei Bisexualität lohnt ein zweiter Blick, weil das Wort oft falsch verstanden wird. Das „bi“ heißt nicht „nur Männer und Frauen“. Bi-Aktivistinnen und -Aktivisten betonen seit Langem, dass das Label auch Anziehung zu nicht-binären Menschen umfasst. Je nach Definition beschreiben bi, pan und omni daher sehr ähnliche Erfahrungen. Mehr dazu findest du in unseren Tipps für bisexuelles Dating. Wer den Überblick über die ganze Begriffsfamilie sucht, liest am besten unsere Erklärung, was queer bedeutet.
Was ist abrosexuell?
Abrosexuell können sich laut Queer Lexikon Menschen nennen, „deren Sexualität sich häufig und grundlegend ändert“. Die Orientierung ist also fließend. Das Lexikon nennt als Beispiel eine Person, die sich an einem Tag als schwul, am nächsten Tag als demisexuell und eine Woche später als bisexuell erlebt.
Der Unterschied zu omnisexuell: Abrosexualität beschreibt, dass sich die Orientierung selbst wandelt. Omnisexualität beschreibt, zu welchen Geschlechtern Anziehung möglich ist.
Was ist spektrasexuell?
Im Queer Lexikon steht der Begriff als „spectrasexuell“, mit dem Hinweis: „Dieser Begriff wird noch nicht häufig benutzt.“ Gemeint sind Menschen, die sich zu Personen hingezogen fühlen, die auf einem geschlechtlichen Spektrum liegen, zum Beispiel zu Frauen und nicht-binären Menschen. Anders als bei omnisexuell muss es dabei nicht um alle Geschlechter gehen.
Omnisexual Flag: Farben und Herkunft der omnisexuellen Flagge
Die heute verbreitete Omni-Flagge besteht aus fünf waagerechten Streifen. Von oben nach unten:
- Hellrosa
- kräftiges Pink
- sehr dunkles, fast schwarzes Violett
- Blauviolett
- Hellblau
Zur Herkunft ist weniger gesichert, als viele Seiten nahelegen. Die älteste Fundstelle, die wir prüfen konnten, ist ein Eintrag vom 4. Juli 2016 auf einem Tumblr-Blog, das Pride-Flaggen sammelt. Dort wird der Account „pastelmemer“ als Urheber genannt; den Eintrag gibt es noch als archivierte Fassung im Internet Archive. Das Sammelblog beschreibt sich selbst als Neuauflage einer älteren Flaggensammlung, die Flagge kann also älter sein. Oft liest man 2015 als Entstehungsjahr. Eine Quelle, die das belegt, haben wir nicht gefunden.
Auch eine verbindliche Erklärung der Farben durch die Urheberin oder den Urheber konnten wir nicht finden. Verbreitet ist diese Lesart, die in Details variiert: Die Rosa- und Pinktöne stehen für Anziehung zu Frauen und Weiblichkeit, die Blautöne für Anziehung zu Männern und Männlichkeit, der dunkle Mittelstreifen für Geschlechter jenseits von Mann und Frau. Das passt zur Grundidee von omni, nämlich alle Geschlechter einzuschließen, ohne sie unsichtbar zu machen.
Pride-Flaggen sind Community-Symbole, keine amtlichen Zeichen. Es gibt Varianten, und niemand muss eine Flagge nutzen, um sich omnisexuell zu nennen.
Bin ich omnisexuell? Fragen, die beim Sortieren helfen
Einen Test, der dir sagt, ob du omnisexuell bist, gibt es nicht, und das ist gut so. Orientierung ist keine Diagnose, sondern etwas, das du selbst benennst. Das Queer Lexikon antwortet in seinem Kummerkasten einer Person, die zwischen bi, pan und omni schwankt, sinngemäß: Welches Label am besten passt, ist am Ende eine Frage des eigenen Geschmacks und der persönlichen Definition.
Diese Fragen können dir beim Nachdenken helfen:
- Zu wem fühlst du dich hingezogen? Schau auf Schwärmereien, Verliebtsein und Anziehung über die Jahre, nicht nur auf die letzte Beziehung.
- Kommt das Geschlecht in deinem Erleben vor? Bemerkst du es bewusst, hast du Vorlieben, fühlt sich Anziehung je nach Geschlecht anders an? Dann beschreibt omni dich vielleicht gut. Ist das Geschlecht eher nebensächlich, passt pan womöglich besser.
- Schließt du ein Geschlecht grundsätzlich aus? Dann treffen bi, poly oder multi deine Erfahrung eventuell genauer.
- Geht es um sexuelle oder romantische Anziehung, oder um beides? Diese beiden Ebenen müssen nicht übereinstimmen (mehr dazu im nächsten Abschnitt).
- Wie fühlt sich das Wort an? Sag es laut, schreib es auf. Manche Begriffe fühlen sich sofort stimmig an, andere nie.
- Welches Wort willst du nach außen nutzen? Es ist völlig in Ordnung, dich innerlich als omni zu sehen und anderen gegenüber „bi“ oder „queer“ zu sagen.
Zwei Dinge nehmen viel Druck raus. Du musst nicht mit Menschen aller Geschlechter zusammen gewesen sein, um dich omnisexuell zu nennen, denn es geht um Anziehung, nicht um Erfahrung. Und ein Label von heute verpflichtet dich zu nichts: Fühlt sich später ein anderes Wort richtiger an, darfst du wechseln.
Omnisexuell und romantische Orientierung
Sexuelle und romantische Anziehung fallen bei vielen Menschen zusammen, aber nicht bei allen. Dafür gibt es das Split Attraction Model. Es stammt aus der asexuellen und aromantischen Community und unterscheidet verschiedene Arten von Anziehung, zum Beispiel sexuelle, romantische, sensuelle, ästhetische und platonische.
Das romantische Gegenstück zu omnisexuell heißt omniromantisch: romantische Anziehung zu Menschen aller Geschlechter, bei der das Geschlecht meist eine Rolle spielt. Wer beides ist, kann einfach „omni“ sagen. Möglich sind aber auch andere Kombinationen:
- omnisexuell und heteroromantisch: sexuelle Anziehung zu allen Geschlechtern, Verliebtsein in Menschen eines anderen Geschlechts
- asexuell und omniromantisch: wenig oder keine sexuelle Anziehung, aber Verlieben über alle Geschlechter hinweg, mehr dazu im Guide zu Asexualität
- demisexuell und omniromantisch: sexuelle Anziehung erst nach enger emotionaler Bindung, wie im Guide zu Demisexualität beschrieben, romantisch offen für alle Geschlechter
Wer wenig oder keine romantische Anziehung kennt, findet in unserem Text zu Aromantik die passende Sprache. Nicht alle nutzen das Modell, und niemand muss es tun. Es ist ein Werkzeug für alle, die ihre Anziehung genauer beschreiben wollen.
Dating und Beziehung als omnisexuelle Person
Omnisexuell zu sein, sagt etwas darüber, zu wem du dich hingezogen fühlen kannst. Wie du Beziehungen führst, ist eine ganz andere Frage: monogam, offen, polyamor, mit viel oder wenig Sex. Einen Überblick über die Möglichkeiten gibt unser Text zu queeren Beziehungsmodellen.
Vorurteile, die dir begegnen können
Omnisexuellen Menschen können dieselben Sätze begegnen wie bisexuellen und pansexuellen. Das Queer Lexikon nennt die Abwertung bisexueller Menschen Bifeindlichkeit. Sie trifft auch Menschen, die als bisexuell wahrgenommen werden, und auch die queere Szene ist davon nicht frei.
„Das ist doch nur eine Phase.“ Deine Orientierung ist eine Beschreibung dessen, was du jetzt erlebst. Selbst wenn sich das später anders anfühlen sollte, macht es das heute nicht weniger echt.
„Dann kannst du dich ja nicht entscheiden.“ Es gibt nichts zu entscheiden. Du wählst in einer Beziehung einen Menschen, kein Geschlecht.
„Wer alle Geschlechter mag, ist bestimmt untreu.“ Treue hängt an Entscheidungen und Absprachen, nicht an der Zahl der Geschlechter, die jemand attraktiv finden kann. Auch heterosexuelle Menschen finden andere Menschen anziehend, obwohl sie vergeben sind.
„Omni ist doch dasselbe wie pan, wozu das extra Wort?“ Je nach Definition stimmt das sogar. Trotzdem hilft vielen ein Wort, das ihre Erfahrung genau trifft. Welches du nutzt, ist deine Sache.
Wie du über Labels und Grenzen sprichst
Wann du einem Date von deiner Orientierung erzählst, bestimmst du. Eine Pflicht für das erste Treffen gibt es nicht. Wird es ernster, macht ein frühes Gespräch vieles leichter, weil Missverständnisse gar nicht erst entstehen. Ein Satz reicht oft: „Ich bin omnisexuell. Ich kann mich zu Menschen aller Geschlechter hingezogen fühlen, und das Geschlecht spielt für mich dabei durchaus eine Rolle.“
Reagiert dein Gegenüber verunsichert, lohnt es sich, das Gespräch auf das eigentliche Thema zu lenken: Was bedeutet Treue für euch beide, welche Absprachen wollt ihr treffen? Darüber kann jedes Paar reden, unabhängig von der Orientierung. Rechtfertigen musst du dich dafür nicht.
Ein Punkt verunsichert manche Partnerinnen und Partner besonders: Wenn du sagst, dass du Vorlieben hast, heißt das nicht, dass sie eine Notlösung sind. Vorlieben beschreiben Tendenzen, keine Rangliste. Und falls sich jemand vor allem für deine Orientierung als Fantasie interessiert statt für dich als Mensch, darfst du klar Grenzen ziehen. Wie queeres Dating sonst funktioniert, steht in unserem Einstiegs-Guide für queeres Dating.
Coming-out als omnisexuell
Ob, wann und wem gegenüber du dich outest, entscheidest allein du. Deine Sicherheit geht vor, gerade in der Familie oder am Arbeitsplatz. Und niemand hat das Recht, dich ohne dein Einverständnis zu outen.
Weil „omnisexuell“ weniger bekannt ist als „bisexuell“ oder „queer“, nutzen manche nach außen das bekanntere Wort und erklären „omni“ nur im engeren Kreis. Andere sagen bewusst omni und erklären es in einem Satz. Beides ist in Ordnung. Rechne damit, dass ein Coming-out kein einmaliges Ereignis ist, sondern sich bei neuen Menschen wiederholt. Wie du dich darauf vorbereitest, beschreibt unser Coming-out-Ratgeber.
Wie viele Menschen sind omnisexuell?
Eine Zahl nur für Omnisexualität haben wir nicht gefunden. Die beste Annäherung für Deutschland, die wir finden konnten, stammt aus dem Ipsos LGBT+ Pride Report 2023. Dort war „pansexual/omnisexual“ eine gemeinsame Antwortoption. Rund 1 Prozent der Befragten in Deutschland wählten sie. Zum Vergleich: 4 Prozent bezeichneten sich als bisexuell, 3 Prozent als lesbisch oder schwul, 1 Prozent als asexuell.
Zur Einordnung der Methode: Ipsos befragte zwischen dem 17. Februar und dem 3. März 2023 online insgesamt 22.514 Menschen in 30 Ländern. In Deutschland waren es rund 1.000 Personen zwischen 16 und 74 Jahren. Ipsos stuft diese Stichprobe als repräsentativ für die erwachsene Bevölkerung unter 75 ein. Im Durchschnitt aller 30 Länder lag der Anteil für pansexuell oder omnisexuell ebenfalls bei 1 Prozent.
Drei Einschränkungen solltest du kennen. Erstens trennt die Umfrage pan und omni nicht. Wie viele sich ausdrücklich omnisexuell nennen, bleibt offen. Zweitens sind die Werte auf ganze Prozent gerundet, und bei rund 1.000 Befragten stehen hinter 1 Prozent nur etwa zehn Antworten. Das ist eine grobe Angabe. Drittens erfasst eine Online-Befragung nur, wie Menschen sich in diesem Moment selbst bezeichnen. Wer das Wort nicht kennt oder ungern angibt, taucht nicht auf.
Auffällig ist der Generationenunterschied. Im Schnitt der 30 Länder bezeichneten sich Angehörige der Generation Z etwa doppelt so häufig wie Millennials und rund viermal so häufig wie Generation X und Babyboomer als bisexuell, pansexuell/omnisexuell oder asexuell. In den späteren Pride Reports, die wir einsehen konnten, ist die Kategorie nicht mehr einzeln ausgewiesen. Die Ausgaben 2024 und 2025 nennen nur noch zusammengefasste Anteile, in denen pan/omni mit anderen Selbstbezeichnungen gebündelt ist. Die Ausgabe 2026 enthält keine Zahlen zur Selbstbezeichnung.
Das Wichtigste in Kürze
- Bedeutung: Omnisexuell heißt, dass Anziehung zu Menschen aller Geschlechter möglich ist und das Geschlecht dabei meist eine Rolle spielt, als Vorliebe oder bewusste Wahrnehmung.
- Pan oder omni: Bei pansexuell steht eher die Person unabhängig vom Geschlecht im Vordergrund. Die bpb und das Queer Lexikon betonen aber, dass beide Begriffe sehr nah beieinanderliegen oder je nach Definition dasselbe meinen.
- Bi+-Familie: Bi, pan, omni, poly und multi beschreiben verwandte Erfahrungen. Abrosexuell beschreibt dagegen eine sich wandelnde Orientierung, spektrasexuell Anziehung zu Menschen auf einem geschlechtlichen Spektrum, nicht unbedingt zu allen Geschlechtern.
- Selbstbezeichnung zählt: Es gibt keinen Test. Welches Label passt, entscheidest du, und du darfst es später wechseln.
- Romantik extra: Mit dem Split Attraction Model lassen sich sexuelle und romantische Orientierung getrennt beschreiben, etwa asexuell und omniromantisch.
- Flagge: Fünf Streifen von Hellrosa bis Hellblau mit fast schwarzem Violett in der Mitte. Die älteste von uns geprüfte Fundstelle stammt von 2016, die Farbdeutung ist nicht offiziell.
- Zahlen: In Deutschland nannten sich 2023 rund 1 Prozent pan- oder omnisexuell, eine eigene Zahl nur für omni haben wir nicht gefunden.
