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Frau sitzt zusammengekauert auf einem grünen Sofa in einer Therapiesituation, Therapeutin im Vordergrund

Schematherapie: Grundlagen, Schemata & Modi verstehen

Schematherapie einfach erklärt: Was Schemata und Modi sind, wie die Therapie tief sitzende Muster löst und für wen sie sich wirklich eignet.

Markus Hoffmann
Markus Hoffmann
· 14 Min. Lesezeit

Manche Muster kennst du vielleicht schon, bevor du sie in Worte fassen kannst. Du gibst in Beziehungen ständig nach, obwohl es dich innerlich auffrisst. Oder du rechnest so fest damit, verlassen zu werden, dass du genau deshalb klammerst und Nähe schwierig wird. Solche Muster wiederholen sich, egal wie oft du dir vornimmst, es diesmal anders zu machen. Genau an dieser Stelle setzt die Schematherapie an.

Sie wurde für die Fälle entwickelt, in denen gute Ratschläge und reine Verhaltensübungen nicht ausreichen, weil das Problem tiefer sitzt. In diesem Beitrag bekommst du einen verständlichen Überblick: was Schematherapie ist, was ein Schema oder eine „Lebensfalle“ eigentlich bedeutet, welche fünf großen Gruppen es gibt, wie die berühmten Modi funktionieren und wie eine solche Therapie im Alltag arbeitet. Wichtig vorab: Dieser Text erklärt das Verfahren allgemein und hilft dir beim Verstehen. Eine Behandlung ersetzt er nicht.

Was ist Schematherapie?

Schematherapie ist eine integrative Therapieform, die Jeffrey E. Young aus der kognitiven Verhaltenstherapie entwickelt hat. Sie verbindet KVT mit Bindungstheorie, Gestalt- und psychodynamischer Therapie und richtet sich an tief sitzende, wiederkehrende Muster – sogenannte Schemata –, bei denen klassische Verhaltenstherapie an ihre Grenzen stößt.

Das Wort „integrativ“ ist hier entscheidend. Young hat nicht eine völlig neue Schule erfunden, sondern bewährte Bausteine verschiedener Verfahren zu einem Werkzeugkasten zusammengesetzt. Aus der Verhaltenstherapie stammt das strukturierte, zielorientierte Arbeiten. Aus der Bindungstheorie kommt der Blick auf frühe Beziehungserfahrungen. Aus Gestalt- und psychodynamischen Ansätzen die erlebnisorientierten Methoden, mit denen man an Gefühle herankommt, die sich mit reinem Nachdenken nicht auflösen lassen. Man kann sich die Schematherapie also weniger als eine einzelne Technik vorstellen und mehr als eine Landkarte: Sie ordnet, warum du immer wieder an denselben Stellen strauchelst, und zeigt zugleich Wege, dort anders abzubiegen.

Warum klassische Verhaltenstherapie manchmal nicht reicht

Jeffrey Young war in den 1980er-Jahren ein enger Mitarbeiter von Aaron Beck, dem Begründer der kognitiven Therapie. Ihm fiel etwas auf: Ein Teil seiner Patientinnen und Patienten wurde mit der Standard-KVT gesund, ein anderer Teil aber nicht. Diese Menschen verstanden ihre Denkfehler oft gut, konnten sie im Gespräch benennen und trotzdem änderte sich im Gefühl wenig. Sie fielen immer wieder in dieselben Fallen zurück.

Woran lag das? Klassische kognitive Verhaltenstherapie ist stark darin, aktuelle Denk- und Verhaltensmuster zu bearbeiten. Sie hilft dir zum Beispiel, verzerrte Gedanken zu hinterfragen und realistischer einzuordnen – ein Ansatz, mit dem du auch im Alltag kognitive Verzerrungen erkennen und entschärfen kannst. Bei akuten, klar umrissenen Problemen wie einer Spinnenphobie oder einer akuten depressiven Episode funktioniert das oft hervorragend.

Bei Menschen mit lebenslangen, charakterprägenden Mustern reicht diese Ebene aber häufig nicht. Wer seit der Kindheit tief davon überzeugt ist, im Kern nicht liebenswert zu sein, wird durch ein paar Gedankenprotokolle selten wirklich erschüttert. Der Kopf sagt „Das stimmt doch gar nicht“, das Bauchgefühl bleibt unbeeindruckt. Diese Kluft zwischen rationalem Wissen und emotionalem Erleben ist der Kern des Problems – und der Grund, warum kluge Einsicht allein so oft folgenlos bleibt. Young zog daraus den Schluss, dass man tiefer ansetzen muss: bei den emotionalen Grundüberzeugungen, die früh entstanden sind und sich wie eine Brille über die ganze Wahrnehmung legen. Aus dieser Beobachtung wuchs in den 1990er-Jahren die Schematherapie.

Was ein Schema ist – die „Lebensfalle“ im Kopf

Ein Schema ist ein tief verankertes Muster, das in Kindheit und Jugend entstanden ist und sich durch dein ganzes Leben zieht. Es besteht nicht nur aus einem Gedanken, sondern aus einem ganzen Bündel: Erinnerungen, Gefühle, Körperempfindungen und Überzeugungen über dich selbst und andere. Young nennt diese Muster im Englischen anschaulich „lifetraps“, also Lebensfallen – weil man immer wieder hineintappt, oft ohne es zu merken.

Wie entstehen solche Lebensfallen? Der Grundgedanke ist, dass jedes Kind bestimmte emotionale Grundbedürfnisse hat: nach sicherer Bindung und Geborgenheit, nach Autonomie und Kompetenz, nach dem Ausdruck eigener Bedürfnisse und Gefühle, nach Spielen und Spontaneität sowie nach realistischen Grenzen. Werden diese Bedürfnisse ausreichend erfüllt, entwickelt sich ein Kind meist stabil. Werden sie dauerhaft verletzt – durch Vernachlässigung, Überbehütung, Kritik, Unberechenbarkeit oder auch traumatische Erfahrungen –, kann ein Schema entstehen.

Ein Beispiel macht das greifbar. Ein Kind, dessen Eltern emotional oft nicht verfügbar waren, lernt womöglich früh: „Auf Nähe ist kein Verlass, am Ende bin ich allein.“ Diese Überzeugung verschwindet nicht, wenn das Kind erwachsen wird. Sie bleibt als Verlassenheits-Schema aktiv und färbt jede spätere Beziehung ein. Der Haken dabei: Schemata fühlen sich von innen wie die reine Wahrheit an, nicht wie eine verzerrte Brille. Sie sind vertraut, und Vertrautes verwechseln wir leicht mit Richtigkeit. Deshalb steuern wir manchmal sogar unbewusst genau die Situationen an, die unser Schema bestätigen – die Frau mit Verlassenheits-Schema wählt wieder den unerreichbaren Partner, spürt die alte Angst und liest darin die Bestätigung: „Siehst du, es endet immer so.“

Die fünf Schema-Domänen: 18 Lebensfallen, sinnvoll geordnet

Young und seine Kolleginnen und Kollegen haben insgesamt 18 solcher Schemata beschrieben. Sie alle einzeln durchzugehen wäre unübersichtlich und wenig hilfreich. Sinnvoller ist es, die fünf Domänen zu kennen, in die sie sich gruppieren. Jede Domäne steht für eine Gruppe von Grundbedürfnissen, die zu kurz gekommen sind. Zu jeder gehört eine kleine Alltagsszene, an der du das Muster wiedererkennst.

Abgetrenntheit und Ablehnung. Hier geht es um das Grundgefühl, dass sichere, verlässliche Bindung nicht möglich ist. Dazu gehören etwa die Lebensfalle Verlassenheit/Instabilität (die Angst, dass wichtige Menschen gehen) und Misstrauen/Missbrauch (die Erwartung, ausgenutzt oder verletzt zu werden). In diese Domäne fällt auch das Schema Unzulänglichkeit und Scham, also die tiefe Überzeugung, im Kern fehlerhaft und nicht liebenswert zu sein. Im Alltag sieht das so aus: Dein Partner antwortet zwei Stunden nicht auf eine Nachricht, und du bist schon sicher, dass er sich abwendet – obwohl er nur in einem Meeting saß. Wenn du genau hier ansetzt, kannst du lernen, ein negatives Selbstbild verändern zu wollen – als konkreten ersten Schritt.

Beeinträchtigte Autonomie und Leistung. In dieser Gruppe wurde das Bedürfnis nach Selbstständigkeit und Kompetenz verletzt. Typische Schemata sind Abhängigkeit/Inkompetenz (das Gefühl, den Alltag nicht allein bewältigen zu können) und Versagen (die Überzeugung, grundsätzlich weniger fähig zu sein als andere). Alltagsszene: Vor einer Entscheidung, die andere nebenbei treffen – welche Versicherung, welcher Job –, rufst du erst drei Leute an, weil du deinem eigenen Urteil nicht traust. Menschen mit diesen Mustern trauen sich oft weniger zu, als sie tatsächlich könnten.

Beeinträchtigte Grenzen. Hier fehlten in der Kindheit realistische Grenzen und die Erfahrung, Rücksicht zu nehmen. Ein Beispiel ist die Anspruchshaltung/Grandiosität – das Gefühl, besondere Rechte zu haben und sich nicht an die Regeln halten zu müssen, die für andere gelten. Auch mangelnde Selbstkontrolle gehört in diese Domäne. Im Alltag zeigt sich das etwa, wenn Warten, Absagen oder ein „Nein“ des Gegenübers echten Ärger auslöst, weil sich das anfühlt wie eine Zumutung. Nach außen wirkt das oft selbstbewusst, kostet aber Beziehungen.

Fremdbezogenheit. In dieser Gruppe dreht sich alles um die anderen, das eigene Ich kommt zu kurz. Dazu zählen Unterwerfung (die eigenen Bedürfnisse ständig hintanstellen, um Streit oder Ablehnung zu vermeiden) und Selbstaufopferung (sich übermäßig für andere aufreiben, oft aus Schuldgefühl). Alltagsszene: Beim Essengehen sagst du „mir ist alles recht“, obwohl du klare Vorlieben hast – Hauptsache, niemand ist enttäuscht. Wer so gestrickt ist, gilt nach außen als besonders angenehm und verliert dabei leicht sich selbst.

Übertriebene Wachsamkeit und Gehemmtheit. Hier herrscht das Gefühl vor, immer funktionieren zu müssen und Spontaneität sei gefährlich. Typische Schemata sind überhöhte Standards (nichts ist je gut genug, Perfektionismus als Dauerzustand) und emotionale Gehemmtheit (Gefühle werden unterdrückt, weil sie als peinlich oder riskant erlebt werden). Alltagsszene: Ein Projekt läuft objektiv gut, aber du hängst am einen kritischen Kommentar fest und arbeitest abends noch nach, statt den Erfolg zu spüren. Freude und Leichtigkeit kommen bei diesem Muster fast immer zu kurz.

Wahrscheinlich hast du dich beim Lesen bei der einen oder anderen Beschreibung wiedererkannt. Das ist normal. Fast jeder Mensch trägt einige Schemata in abgeschwächter Form in sich. Zum Thema wird es erst, wenn ein Muster so stark ist, dass es Beziehungen, Beruf oder Wohlbefinden dauerhaft belastet.

Schema-Modi: Was passiert, wenn eine Lebensfalle anspringt

Die Schemata beschreiben, welche Lebensfallen du in dir trägst. Sie erklären aber noch nicht, warum sich ein und derselbe Mensch mal völlig überfordert und mal eiskalt kontrolliert verhält. Für dieses schnelle Umschalten hat Young das Konzept der Schema-Modi eingeführt. Ein Modus ist der Gefühls- und Verhaltenszustand, in dem du gerade steckst – der Teil von dir, der in diesem Moment „am Steuer“ sitzt. Modi wechseln oft blitzschnell, manchmal mitten im Gespräch.

Vereinfacht lassen sich vier große Gruppen unterscheiden. Da sind zunächst die Kind-Modi. Das verletzbare Kind fühlt sich klein, hilflos, allein oder wertlos – hier zeigt sich der ganze Schmerz der unerfüllten Bedürfnisse. Das wütende oder impulsive Kind reagiert dagegen mit Zorn und Auflehnung, wenn es sich ungerecht behandelt fühlt. Diese Modi tragen die frühen, ungestillten Gefühle in sich. Viel von der eigentlichen Heilungsarbeit besteht darin, das innere Kind heilen zu lernen und ihm zu geben, was ihm damals gefehlt hat.

Dann gibt es die Bewältigungs-Modi. Sie sind Schutzstrategien, mit denen wir als Kind den Schmerz überlebt haben. Young beschreibt drei Grundformen: das Erdulden (sich fügen und den Kopf einziehen), das Vermeiden (Rückzug, Ablenkung, sich abschotten) und das Überkompensieren (ins Gegenteil kippen, etwa mit Kontrolle, Perfektion oder Angriff). Diese Strategien haben früher geholfen, im Erwachsenenleben schaden sie oft mehr, als sie nützen.

Die dritte Gruppe sind die dysfunktionalen Eltern-Modi – verinnerlichte Stimmen, die klingen wie kritische oder überfordernde Bezugspersonen von damals. Der strafende Eltern-Modus macht dich fertig („Du bist selbst schuld, du hast Strafe verdient“). Der fordernde Eltern-Modus treibt dich an, nie zu genügen und immer noch mehr leisten zu müssen. Diese innere Stimme fühlt sich an wie die eigene Wahrheit, ist aber ein altes Echo.

Wie das im Zusammenspiel aussieht, zeigt eine kurze Szene: Dein Partner sagt beiläufig einen gemeinsamen Abend ab. Sofort meldet sich das verletzbare Kind mit dem alten Stich – „ich bin ihm nicht wichtig“. Dann schaltet der strafende Eltern-Modus dazu – „stell dich nicht so an, kein Wunder, dass keiner bleibt“. Und weil beides kaum auszuhalten ist, übernimmt der Überkompensierer und schreibt eine schroffe, verletzte Nachricht, die den Streit erst recht auslöst. Von außen wirkt das wie eine Überreaktion; von innen ist es eine blitzschnelle Kette aus drei Modi. Genau diese Kette sichtbar zu machen, ist ein zentraler Teil der Arbeit.

Und schließlich das eigentliche Ziel: der gesunde Erwachsene. Das ist der Teil von dir, der die verletzten Kind-Anteile trösten, die harschen Eltern-Stimmen begrenzen und übertriebene Schutzstrategien loslassen kann. In der Szene oben wäre das die Stimme, die innehält und sagt: „Die Absage tut weh, und trotzdem heißt sie nicht, dass ich nichts wert bin – ich frage einfach nach, statt zu schießen.“ In der Schematherapie wird dieser gesunde Erwachsene Schritt für Schritt gestärkt, bis er im Alltag mehr und mehr die Führung übernimmt.

Wie eine Schematherapie tatsächlich arbeitet

Wenn Schemata über Gefühle entstehen, reicht es nicht, sie nur zu verstehen. Man muss sie auch auf der Gefühlsebene erreichen. Deshalb kombiniert die Schematherapie das Gespräch mit erlebnisorientierten Methoden.

Am Anfang steht meist eine ausführliche Klärungsphase. Gemeinsam mit der Fachperson schaust du auf deine Lebensgeschichte und die Situationen, in denen du immer wieder feststeckst. Oft kommen dabei Fragebögen zum Einsatz, mit denen sich die vorherrschenden Schemata und Modi eingrenzen lassen. Aus diesem Material entsteht so etwas wie eine persönliche Landkarte: Welche Lebensfallen sind bei dir besonders aktiv, welche Modi springen in welchen Momenten an, und welches Grundbedürfnis steckt jeweils dahinter? Diese Karte gibt dem weiteren Verlauf Richtung. Erst danach kommen die drei Methoden ins Spiel, die das Verfahren besonders prägen.

Das Herzstück ist das begrenzte Nachbeeltern, im Original „limited reparenting“. Der Gedanke: Wenn ein Schema entstanden ist, weil ein Grundbedürfnis in der Kindheit nicht erfüllt wurde, dann kann die therapeutische Beziehung dieses Bedürfnis in einem klaren, professionellen Rahmen ein Stück weit nachnähren. Die Fachperson bietet Verlässlichkeit, Wärme und Halt – nicht als Ersatzfamilie, sondern begrenzt und an den therapeutischen Auftrag gebunden. Für viele Menschen ist allein diese Erfahrung, verlässlich gehalten zu werden, ein Wendepunkt.

Bekannt geworden ist außerdem die Stühle-Arbeit. Dabei werden verschiedene innere Anteile auf leere Stühle gesetzt und ins Gespräch gebracht. Auf einem Stuhl sitzt zum Beispiel der strafende Eltern-Modus, auf einem anderen das verletzte Kind, auf einem dritten der gesunde Erwachsene. Indem du zwischen den Stühlen wechselst und die Anteile miteinander reden lässt, wird das, was sich sonst diffus im Inneren abspielt, plötzlich sichtbar und veränderbar. Gerade der strafenden inneren Stimme lässt sich so auf dem Stuhl gegenüber entschieden widersprechen – manchmal zum ersten Mal im Leben.

Die dritte Methode ist die Imaginationsarbeit. In einem entspannten Zustand rufst du eine belastende Szene aus der Kindheit ins Bild – nicht, um sie noch einmal zu durchleiden, sondern um sie neu zu erleben. Die Fachperson (oder später dein eigener gesunder Erwachsener) tritt in der Vorstellung hinzu, schützt das Kind und gibt ihm, was es damals gebraucht hätte. Diese „Überschreibung“ des alten Erlebens wirkt oft tiefer als jede rein rationale Einsicht. So könnte eine einzelne Sitzung ganz konkret aussehen: Ihr besprecht zunächst eine Situation der Woche, in der ein Modus angesprungen ist, gehen dann über die Imagination oder die Stühle zu dem alten Gefühl dahinter – und üben zum Schluss, wie der gesunde Erwachsene im nächsten ähnlichen Moment reagieren kann. Verständlich, dass all das nicht in wenigen Sitzungen geschieht – tief verankerte Muster brauchen Zeit und einen sicheren Rahmen.

Für wen eignet sich Schematherapie – und was sagt die Forschung?

Bei aller Faszination für das Modell lohnt der ehrliche Blick auf die Evidenz. Am besten belegt ist die Schematherapie bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung. Eine viel beachtete niederländische Studie zeigte hier deutliche Verbesserungen, und seither ist die Datenlage weiter gewachsen. Auch bei anderen Persönlichkeitsstörungen sowie bei chronischer, immer wiederkehrender Depression gibt es zunehmend Belege für ihre Wirksamkeit. Man sollte die Erwartungen aber realistisch halten: Für manche dieser Anwendungsfelder ist die Studienlage noch dünner als bei Borderline, und ein tief sitzendes Muster löst sich auch mit dem passenden Verfahren nicht über Nacht. Fachgesellschaften und seriöse Wissensportale wie Spektrum ordnen sie als etabliertes, gut untersuchtes Verfahren ein.

Wichtig ist die Ehrlichkeit über die Grenzen: Nicht für jedes Anliegen ist die Schematherapie das Mittel der Wahl. Bei einer isolierten Phobie oder einer akuten, klar umgrenzten Krise ist eine fokussierte Kurzzeittherapie oft schneller und ebenso wirksam. Ihre Stärke spielt die Schematherapie dort aus, wo Muster tief sitzen, sich das ganze Leben durchziehen und andere Ansätze bereits an ihre Grenzen gestoßen sind.

Das Verfahren wird längst nicht nur einzeln, sondern auch in Gruppen und in der Paartherapie eingesetzt. Wie zwei Partner sich mit ihren jeweiligen Lebensfallen gegenseitig triggern und wie man diesen Kreislauf durchbricht, ist ein eigenes großes Thema – mehr dazu liest du im Beitrag über Schematherapie in der Beziehung. Dieser Artikel hier erklärt bewusst die Methode allgemein, unabhängig von der Frage, ob sie einzeln oder zu zweit stattfindet.

Bleibt die entscheidende Einordnung: Schematherapie ist ein anerkanntes psychotherapeutisches Behandlungsverfahren, kein Ratgeber-Tool für zwischendurch. Sie gehört in professionelle Hände. Wenn du merkst, dass dich bestimmte Muster ernsthaft belasten, ist der richtige Weg, dir fachliche Unterstützung zu suchen. Über die Bundespsychotherapeutenkammer und Portale wie therapie.de findest du seriöse Anlaufstellen und Informationen zur Therapieplatzsuche.

Was du mit diesem Wissen anfangen kannst

Vielleicht hast du beim Lesen den ein oder anderen roten Faden in deinem Leben entdeckt – ein Muster, das immer wiederkehrt, egal mit wem oder wo. Genau das ist schon ein wertvoller Schritt. Denn eine Lebensfalle, die du benennen kannst, verliert ein Stück ihrer stillen Macht. Statt „so bin ich eben“ heißt es dann: „Das ist ein altes Schema, das gerade anspringt.“ Schon dieser kleine Abstand zwischen dir und dem Muster ist der Boden, auf dem später Veränderung wachsen kann.

Dieses Verständnis ist der Wert, den dir ein Artikel geben kann. Die eigentliche Veränderung tief sitzender Muster braucht mehr: die Sicherheit einer therapeutischen Beziehung, den Mut, alten Gefühlen zu begegnen, und Zeit. All das ist keine Schwäche, sondern schlicht die Art, wie diese Muster funktionieren. Wenn du dich in vielem wiedererkannt hast, sieh es nicht als Diagnose, sondern als Einladung, freundlicher und neugieriger auf dich zu schauen – und dir für den nächsten Schritt jemanden an die Seite zu holen, der sein Handwerk versteht.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Schematherapie und klassischer Verhaltenstherapie?

Klassische Verhaltenstherapie arbeitet vor allem an aktuellen Gedanken und Verhaltensweisen im Hier und Jetzt. Die Schematherapie geht eine Ebene tiefer: Sie schaut auf früh entstandene emotionale Muster aus Kindheit und Jugend und nutzt zusätzlich erlebnisorientierte Methoden wie Imagination und Stuhldialoge. Damit erreicht sie oft Menschen, bei denen reine Gesprächs- und Übungsansätze nicht genug bewirken.

Wie lange dauert eine Schematherapie?

Schematherapie ist meist auf längere Zeiträume angelegt als eine kurze Verhaltenstherapie, weil tief verankerte Muster Zeit zur Veränderung brauchen. Je nach Anliegen und Schwere reicht die Spanne von etwa einem Jahr bis zu mehreren Jahren. Bei Persönlichkeitsstörungen sind längere Verläufe üblich. Die genaue Dauer legt die behandelnde Fachperson gemeinsam mit dir fest und passt sie unterwegs an.

Für welche Probleme ist Schematherapie geeignet?

Am besten belegt ist die Schematherapie bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung. Auch bei anderen Persönlichkeitsstörungen, chronischer Depression und hartnäckigen Beziehungsmustern wird sie eingesetzt, wenn frühere Behandlungen nicht ausgereicht haben. Sie eignet sich vor allem für wiederkehrende, tief sitzende Muster – weniger für klar umgrenzte, akute Probleme, die sich mit einer fokussierten Kurzzeittherapie gut behandeln lassen.

Was sind Schema-Modi einfach erklärt?

Modi sind die momentanen Gefühls- und Verhaltenszustände, in die du kippst, wenn ein Schema anspringt. Man unterscheidet vereinfacht vier Gruppen: verletzliche oder wütende Kind-Modi, Bewältigungs-Modi wie Vermeiden oder Überkompensieren, strafende oder fordernde Eltern-Modi und den gesunden Erwachsenen. Der gesunde Erwachsene ist das Ziel der Therapie: der Teil in dir, der die anderen Zustände beruhigt und ausgleicht.

Kann ich Schematherapie als Selbsthilfe machen?

Bücher und Selbsttests können dir helfen, deine Muster besser zu verstehen, und das ist wertvoll. Die eigentliche Veränderung tief sitzender Schemata gelingt aber selten allein, weil dabei alte, oft schmerzhafte Gefühle berührt werden, die Begleitung brauchen. Schematherapie ist ein anerkanntes Behandlungsverfahren und gehört in professionelle Hände. Nutze diesen Artikel zum Verstehen und such dir für die Arbeit an dir eine qualifizierte Fachperson.

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