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Libidoverlust: Ursachen, Auslöser und was wirklich gegen Lustlosigkeit hilft

Libidoverlust verstehen: die häufigsten Ursachen für Lustlosigkeit, wann ein Arztbesuch sinnvoll ist und welche Lösungen wirklich gegen sexuelle Unlust helfen.

Dr. Thomas Peters
Dr. Thomas Peters
· 14 Min. Lesezeit

Libidoverlust ist eines der Themen, über die kaum jemand spricht – und genau deshalb fühlen sich so viele Menschen damit allein. Dabei ist der Verlust der sexuellen Lust einer der häufigsten Gründe, warum Menschen sich Sorgen um ihren Körper oder ihre Beziehung machen. Die gute Nachricht vorweg: In den meisten Fällen steckt etwas dahinter, das sich verstehen und verändern lässt.

Ich erlebe in Gesprächen immer wieder, wie viel Scham mit diesem Thema verbunden ist. Menschen flüstern fast, wenn sie sagen: „Ich habe einfach keine Lust mehr.“ Als wäre das ein persönliches Versagen. Ist es aber nicht. Lustlosigkeit ist ein Signal des Körpers und der Psyche – kein Charakterfehler.

In diesem Artikel schauen wir uns gemeinsam an, was Libido eigentlich ist, welche Ursachen hinter sexueller Unlust stecken, wann ein Arztbesuch wirklich wichtig wird und – am wichtigsten – was konkret hilft, um die Lust wieder zurückzuholen.

Was ist Libido – und was bedeutet Libidoverlust?

Der Begriff Libido beschreibt das sexuelle Verlangen, also den inneren Antrieb, Lust und Nähe zu erleben. Sie ist keine konstante Größe, die du entweder hast oder nicht. Libido ist eher wie das Wetter: mal stürmisch, mal ruhig, beeinflusst von unzähligen Faktoren gleichzeitig.

Von Libidoverlust spricht man, wenn dieses Verlangen über einen längeren Zeitraum deutlich nachlässt oder ganz ausbleibt – und wenn dich das belastet. Dieser letzte Punkt ist entscheidend. Es gibt keinen objektiven Normwert dafür, wie oft man Lust „haben muss“. Manche Menschen sind mit Sex einmal im Monat zufrieden, andere wünschen ihn sich täglich. Beides ist gesund.

Problematisch wird es erst, wenn die eigene Lust spürbar unter dein früheres Niveau fällt und ein Leidensdruck entsteht – bei dir, in deiner Beziehung oder bei beidem.

Wie verbreitet ist Lustlosigkeit wirklich?

Sehr verbreitet. Studien aus der Sexualmedizin gehen davon aus, dass anhaltende sexuelle Unlust eine der häufigsten sexuellen Beschwerden überhaupt ist – bei Frauen noch etwas häufiger als bei Männern, aber längst kein reines „Frauenthema“. Auch viele Männer kennen Phasen, in denen schlicht keine Lust auf Sex aufkommt.

Das heißt im Klartext: Wenn du gerade das Gefühl hast, mit deiner Lustlosigkeit allein zu sein, liegst du statistisch betrachtet weit daneben. Du bist Teil einer sehr großen, sehr stillen Mehrheit. Und allein dieses Wissen nimmt oft schon einen Teil des Drucks.

Die häufigsten Ursachen für Libidoverlust

Es gibt selten die eine Ursache. Meist ist Lustlosigkeit das Ergebnis mehrerer Faktoren, die zusammenkommen – körperliche, psychische und partnerschaftliche. Genau deshalb lohnt es sich, ehrlich hinzuschauen, statt vorschnell einen einzigen Schuldigen zu suchen.

Stress, Erschöpfung und Burnout

Stress ist der wohl größte Lustkiller überhaupt. Das hat einen klaren biologischen Grund: Wenn dein Körper im Dauer-Alarmmodus läuft, schüttet er Stresshormone wie Cortisol aus. Diese Hormone sagen deinem Organismus sinngemäß: „Jetzt ist nicht die Zeit für Fortpflanzung, jetzt geht es ums Überleben.“ Sexuelles Verlangen wird heruntergefahren.

Stell dir einen typischen Tag vor: Deadline-Druck im Job, ein voller Posteingang, Termine, vielleicht Kinder, die Aufmerksamkeit brauchen, und abends ein Kopf, der nicht abschalten kann. Wo soll da die Energie für Lust herkommen? Sie ist schlicht aufgebraucht.

Im Extremfall mündet chronischer Stress in einen Burnout – und dann verschwindet die Libido oft fast vollständig. Das ist kein Zeichen dafür, dass mit deiner Beziehung etwas nicht stimmt, sondern dass dein System dringend Erholung braucht. Wie sich Erschöpfung auf die Partnerschaft auswirkt und wie ihr da gemeinsam wieder herauskommt, beleuchte ich ausführlicher im Beitrag dazu, wie man eine Beziehung in Zeiten von Burnout trägt und stärkt.

Hormonelle Faktoren

Hormone steuern einen großen Teil unseres Verlangens – und schon kleine Verschiebungen können viel bewirken.

Bei Männern ist vor allem das Testosteron entscheidend. Sinkt der Spiegel, etwa altersbedingt oder durch Erkrankungen, lässt häufig auch die Lust nach. Ein Testosteronmangel kann sich zusätzlich durch Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Muskelabbau zeigen.

Bei Frauen spielen Östrogen und ebenfalls Testosteron eine Rolle. Schwankungen im Zyklus, vor allem aber die Wechseljahre verändern das hormonelle Gleichgewicht spürbar. Sinkendes Östrogen kann zu Scheidentrockenheit und damit zu unangenehmem Sex führen – was die Lust zusätzlich dämpft.

Auch Schwangerschaft und Stillzeit krempeln den Hormonhaushalt komplett um. In dieser Zeit ist verringertes Verlangen die Regel, nicht die Ausnahme – ausgelöst durch Hormone, Schlafmangel und die enorme körperliche wie emotionale Beanspruchung.

Ein häufig übersehener Faktor ist die Schilddrüse. Sowohl eine Unterfunktion als auch eine Überfunktion können die Libido beeinträchtigen und sich hinter Symptomen wie Erschöpfung, Gewichtsveränderung oder Stimmungsschwankungen verstecken. Das Gute daran: Eine Schilddrüsenstörung lässt sich per Bluttest feststellen und meist gut behandeln.

Medikamente als unterschätzte Auslöser

Viele Menschen ahnen nicht, dass ihre Lustlosigkeit aus dem Medikamentenschrank kommt. Dabei sind Arzneimittel eine der häufigsten und am leichtesten übersehenen Ursachen.

Ganz vorn stehen Antidepressiva, insbesondere die Gruppe der SSRI. Sie helfen vielen Menschen aus tiefen seelischen Krisen – können aber als Nebenwirkung das sexuelle Verlangen und die Erlebnisfähigkeit deutlich dämpfen. Das ist ein bekanntes Phänomen und kein Grund, sich zu schämen.

Auch die Anti-Baby-Pille und andere hormonelle Verhütungsmittel können bei manchen Frauen die Libido senken, weil sie in den Hormonhaushalt eingreifen. Nicht bei jeder, aber bei einigen ist der Zusammenhang deutlich.

Ebenso können bestimmte Blutdruckmittel (etwa Betablocker) sowie weitere Präparate die Lust beeinflussen.

Wichtig: Setze ein Medikament niemals eigenmächtig ab, nur weil du es als Ursache vermutest. Gerade bei Antidepressiva oder Blutdrucksenkern kann ein abruptes Absetzen gefährlich sein. Sprich stattdessen offen mit der Ärztin oder dem Arzt, die es verordnet haben. In vielen Fällen gibt es ein alternatives Präparat, eine andere Dosierung oder eine begleitende Maßnahme.

Depression und psychische Belastung

Die Psyche und die Libido sind eng verbunden. Eine Depression geht fast immer mit einem Verlust an Lebensfreude einher – und dazu gehört häufig auch der Verlust der sexuellen Lust. Wenn ohnehin alles grau und schwer wirkt, ist für Begehren kaum Raum.

Hier entsteht leicht ein Teufelskreis: Die Lustlosigkeit verstärkt das Gefühl, „nicht mehr richtig zu funktionieren“, was die seelische Belastung weiter erhöht. Auch Angststörungen, Dauergrübeln oder unverarbeitete Krisen können das Verlangen blockieren.

Wenn du den Verdacht hast, dass eine Depression oder eine andere psychische Belastung hinter deiner Lustlosigkeit steckt, ist das kein Randthema, sondern der Kern – und es lohnt sich sehr, dafür Hilfe zu suchen. Die Lust kehrt oft zurück, wenn die seelische Last leichter wird.

Schlafmangel, Alkohol und Nikotin

Manche Lustbremsen sind erstaunlich banal – und gerade deshalb so wirksam.

Schlafmangel ist eine davon. Wer chronisch zu wenig oder schlecht schläft, hat weniger Energie, einen gestörten Hormonhaushalt und schlicht keinen Kopf für Intimität. Schon ein paar Nächte mit zu wenig Schlaf können das Verlangen spürbar senken.

Alkohol wird oft als Stimmungsmacher gesehen, ist aber bei regelmäßigem oder starkem Konsum ein Lustkiller. Er dämpft das Nervensystem, stört den Schlaf und kann langfristig die Hormonproduktion beeinträchtigen.

Nikotin verengt die Blutgefäße und verschlechtert die Durchblutung – was sich direkt auf Erregung und sexuelle Reaktion auswirken kann. Rauchen ist damit nicht nur ein Risiko für Herz und Lunge, sondern auch für die Libido.

Beziehungsprobleme und ungelöste Konflikte

Sex findet selten im luftleeren Raum statt. Wie es zwischen zwei Menschen läuft, schlägt sich fast immer im Schlafzimmer nieder. Ungelöste Konflikte, das Gefühl, nicht gehört oder nicht wertgeschätzt zu werden, aufgestauter Groll – all das sabotiert die Lust.

Der Körper ist dabei ehrlicher als der Verstand. Es fällt schwer, sich jemandem körperlich zu öffnen, auf den man innerlich wütend ist oder von dem man sich emotional entfernt fühlt. Fehlt die emotionale Sicherheit, zieht sich die Lust zurück.

Manchmal ist Lustlosigkeit also weniger eine Ursache als ein Symptom – ein Hinweis, dass die Beziehung an einer anderen Stelle Pflege braucht. Wie sich fehlende Lust auf das Miteinander auswirkt und wie ihr als Paar wieder zueinanderfindet, beschreibe ich im Detail im Artikel über keine Lust auf Sex in der Beziehung.

Körperbild, Selbstwert und frühere Erfahrungen

Lust hat viel mit dem Verhältnis zum eigenen Körper zu tun. Wer sich unwohl in der eigenen Haut fühlt, sich für seinen Körper schämt oder mit dem Selbstwert ringt, kann sich schwer fallen lassen. Begehren setzt ein Mindestmaß an Selbstannahme voraus.

Auch frühere negative oder traumatische Erfahrungen – etwa Übergriffe, schmerzhafter Sex oder verletzende frühere Beziehungen – können sich tief einprägen. Der Körper „erinnert“ sich und schützt sich, indem er die Lust herunterfährt. Das ist kein bewusster Entschluss, sondern ein Schutzmechanismus. In solchen Fällen ist therapeutische Begleitung besonders wertvoll und entlastend.

Routine und Gewöhnung

Am Anfang einer Beziehung ist alles neu, aufregend, unvorhersehbar – ein Cocktail, den das Gehirn liebt. Mit den Jahren weicht die Neuheit der Vertrautheit. Das ist wunderschön und stabil, aber für das spontane Begehren manchmal herausfordernd.

Routine ist nicht das Ende der Lust, aber sie braucht ein bewusstes Gegengewicht: gemeinsame neue Erlebnisse, Aufmerksamkeit füreinander, kleine Überraschungen. Begehren lebt von einem gewissen Maß an Spannung und Distanz – paradoxerweise auch in einer sehr engen Beziehung.

Frauen und Männer: Warum Verlangen unterschiedlich funktioniert

Ein Missverständnis sorgt für viel unnötigen Druck: die Annahme, Lust müsse bei allen gleich „funktionieren“ – nämlich plötzlich, aus dem Nichts, als spontaner Drang.

Die Sexualforschung unterscheidet zwischen spontanem und responsivem Verlangen. Spontanes Verlangen kommt scheinbar von selbst – man denkt an Sex, spürt Lust, ohne äußeren Anstoß. Responsives Verlangen entsteht dagegen als Antwort auf Berührung, Nähe, eine erotische Situation: Erst kommt die Stimulation, dann die Lust.

Beide Formen sind völlig normal. Tendenziell erleben mehr Männer spontanes und mehr Frauen responsives Verlangen – aber das ist keine starre Regel, sondern ein Spektrum, das sich auch über das Leben verändern kann.

Warum das so wichtig ist? Wer responsiv tickt und auf den spontanen Lust-Blitz wartet, wartet womöglich ewig – und hält sich fälschlich für „lustlos“. Dabei wäre die Lust durchaus da, sie braucht nur erst den richtigen Anstoß. Dieses Wissen entlastet enorm: Es ist völlig in Ordnung, sich auf Nähe einzulassen, bevor das Verlangen da ist, und darauf zu vertrauen, dass es sich einstellt.

Wann du mit Libidoverlust zum Arzt gehen solltest

Lustlosigkeit ist meist harmlos und vorübergehend. Es gibt aber Situationen, in denen eine ärztliche Abklärung wichtig ist – auch deshalb, weil hinter dem Libidoverlust eine behandelbare körperliche Ursache stecken kann.

Such ärztlichen Rat, wenn:

  • die Lust plötzlich und ohne erkennbaren Grund verschwindet,
  • die Lustlosigkeit über mehrere Monate anhält und dich belastet,
  • Schmerzen beim Sex, Scheidentrockenheit, Erektionsprobleme oder Ausfluss dazukommen,
  • Begleitsymptome auftreten wie starke Müdigkeit, ungewollte Gewichtsveränderung, Haarausfall oder anhaltende Niedergeschlagenheit,
  • du den Verdacht hast, dass ein Medikament oder eine hormonelle bzw. körperliche Erkrankung dahintersteckt.

Erste Anlaufstellen sind die Hausärztin oder der Hausarzt für eine Basisabklärung (inklusive Bluttest etwa von Schilddrüse und Hormonen), die Gynäkologin beziehungsweise der Urologe für geschlechtsspezifische Ursachen sowie eine Sexualtherapie oder Paarberatung, wenn psychische oder partnerschaftliche Faktoren im Vordergrund stehen.

Seriöse, werbefreie Informationen und Adressen findest du unter anderem bei frauenaerzte-im-netz.de (Berufsverband der Frauenärzte) und profamilia.de (Beratung zu Sexualität, Partnerschaft und Familienplanung).

Wichtig ist: Es ist kein Zeichen von Schwäche, mit einem so persönlichen Thema zur Ärztin oder zum Arzt zu gehen. Fachkräfte hören solche Anliegen täglich. Eine ehrliche Schilderung erspart dir oft monatelange Unsicherheit.

Was wirklich gegen Lustlosigkeit hilft

Jetzt zum hoffnungsvollen Teil. Libidoverlust ist in den allermeisten Fällen veränderbar. Die folgenden Ansätze wirken am besten in Kombination – und mit Geduld.

Die Lebensstil-Grundlagen stärken

So unspektakulär es klingt: Die wirksamsten Hebel sind oft die Basics.

Schlaf ist die Grundlage. Sorge für ausreichend und möglichst regelmäßigen Schlaf – er ist die Tankstelle für Hormone und Energie. Wer ausgeschlafen ist, hat schlicht mehr Kapazität für Lust.

Bewegung wirkt gleich mehrfach: Sie baut Stress ab, verbessert die Durchblutung, hebt die Stimmung und stärkt das Körpergefühl. Du musst keinen Marathon laufen – regelmäßige Spaziergänge, Radfahren oder moderates Krafttraining reichen schon.

Stressabbau ist zentral, weil Stress wie beschrieben die Libido direkt blockiert. Finde heraus, was dich wirklich runterbringt: Pausen im Alltag, Zeit in der Natur, Atemübungen, ein Hobby ohne Leistungsdruck. Es geht nicht um Perfektion, sondern um echte Erholungsinseln.

Und schließlich: Alkohol und Nikotin reduzieren. Schon weniger davon kann nach einigen Wochen einen spürbaren Unterschied machen.

Offen miteinander reden

Schweigen ist der beste Nährboden für Missverständnisse. Wenn ein Partner sich zurückzieht und der andere das als Ablehnung deutet, entsteht Druck – und Druck ist Gift für die Lust.

Sprecht offen über das, was ist. Nicht im Vorwurfston („Du willst nie!“), sondern aus der Ich-Perspektive: „Ich vermisse unsere Nähe, und ich merke, dass bei mir gerade wenig Lust da ist. Das hat nichts mit dir zu tun.“ Solche Sätze schaffen Verbindung statt Distanz.

Gerade wenn die Lust bei beiden unterschiedlich stark ausgeprägt ist, hilft ehrliche Kommunikation enorm. Wie ihr mit auseinanderdriftenden Bedürfnissen liebevoll umgeht, ohne dass sich einer abgelehnt oder der andere unter Druck gesetzt fühlt, zeige ich im Beitrag über die unterschiedliche Libido in der Beziehung.

Den Druck herausnehmen

So paradox es klingt: Der schnellste Weg, die Lust zu verscheuchen, ist, sie unbedingt erzwingen zu wollen. Leistungsdenken hat im Schlafzimmer nichts verloren. „Wir müssen jetzt Sex haben, sonst stimmt etwas nicht“ – dieser Gedanke killt jedes Begehren.

Erlaubt euch, Nähe ohne Ziel zu erleben. Kuscheln darf einfach Kuscheln sein. Küssen muss nicht zwangsläufig zu Sex führen. Wenn der Erwartungsdruck wegfällt, entsteht wieder Raum, in dem Lust überhaupt aufkommen kann – oft ganz von selbst.

Sensate Focus und Achtsamkeit

Eine bewährte Methode aus der Sexualtherapie ist der Sensate Focus (auch „Sensualitätstraining“). Die Idee: Ihr berührt euch bewusst und achtsam, zunächst ganz ohne das Ziel, erregt zu werden oder zum Höhepunkt zu kommen. Es geht allein darum, Berührung zu spüren und zu genießen.

Dieser Ansatz nimmt den Leistungsdruck heraus und richtet die Aufmerksamkeit zurück auf den Körper und das Empfinden im Moment – statt auf Sorgen und Erwartungen. Gerade bei responsivem Verlangen ist das oft der Schlüssel, weil die Lust hier ja erst durch Berührung entsteht.

Auch Achtsamkeit im Allgemeinen hilft: präsent zu sein, statt mit den Gedanken bei der To-do-Liste. Wer im Moment ankommt, spürt sich selbst und den anderen wieder intensiver.

Ärztliche und therapeutische Abklärung nutzen

Wenn die Lust trotz aller Bemühungen ausbleibt, ist das kein Grund zur Resignation, sondern das Signal, professionelle Hilfe dazuzuholen.

Eine ärztliche Abklärung kann körperliche Ursachen aufdecken – etwa eine Schilddrüsenstörung, einen Hormonmangel oder die Nebenwirkung eines Medikaments. Bei Bedarf kommt eine hormonelle Therapie infrage, zum Beispiel bei nachgewiesenem Testosteronmangel oder in den Wechseljahren. Solche Entscheidungen gehören in fachkundige Hände und werden individuell abgewogen.

Ein Medikamenten-Check ist immer sinnvoll, wenn du regelmäßig Arzneimittel nimmst. Häufig lässt sich gemeinsam mit der Ärztin eine Alternative finden, die die Libido weniger beeinträchtigt.

Stehen seelische oder partnerschaftliche Themen im Vordergrund, ist eine Sexual- oder Paartherapie der richtige Weg. Sie hilft, Muster zu erkennen, alte Verletzungen zu bearbeiten und neue Wege zur Intimität zu finden – ohne Schuldzuweisungen.

Drei hartnäckige Mythen über Libidoverlust

Rund um die Lust kursieren Halbwahrheiten, die unnötig belasten. Drei davon räume ich gern aus dem Weg.

Mythos 1: „Libidoverlust ist endgültig.“ Falsch. In den allermeisten Fällen ist Lustlosigkeit vorübergehend. Sobald die Ursache erkannt und angegangen wird, kehrt die Lust meist zurück. Auch nach längeren Durststrecken lässt sich Intimität neu beleben.

Mythos 2: „Es liegt immer an der Beziehung.“ Ebenfalls falsch. Natürlich können Konflikte eine Rolle spielen – aber genauso oft sind es Stress, Hormone, Medikamente oder Schlafmangel. Den Libidoverlust automatisch als Beziehungsproblem zu deuten, führt in die Irre und erzeugt Schuldgefühle, wo eigentlich der Körper Hilfe braucht.

Mythos 3: „Wer keine Lust hat, liebt nicht mehr.“ Das ist vielleicht der schmerzhafteste Irrtum. Lust und Liebe sind verbunden, aber nicht dasselbe. Man kann einen Menschen tief lieben und trotzdem – etwa durch Erschöpfung oder eine hormonelle Veränderung – gerade wenig Verlangen verspüren. Lustlosigkeit ist keine Absage an die Liebe.

Wie es nach der Lustlosigkeit weitergeht

Vielleicht ist gerade das Beruhigendste an diesem ganzen Thema: Libidoverlust ist kein endgültiger Zustand, sondern eine Phase, die sich verändern lässt. Tausende Menschen und Paare haben den Weg zurück zur Lust gefunden – durch Geduld, Ehrlichkeit und manchmal die richtige Unterstützung zur richtigen Zeit.

Der erste Schritt ist, die Scham abzulegen und das Thema als das zu sehen, was es ist: ein Signal, kein Versagen. Der zweite ist, ehrlich nach den Ursachen zu schauen – beim eigenen Lebensstil, in der Beziehung und, wo nötig, mit ärztlicher Hilfe. Und der dritte ist, freundlich mit sich selbst zu bleiben.

Wenn du mehr darüber lesen möchtest, wie sich die Intimität nach einer längeren Durststrecke wieder aufbauen lässt, findest du im Artikel über die Beziehung nach sexueller Unlust konkrete Wege, behutsam und ohne Druck wieder zueinanderzufinden.

Deine Lust gehört zu dir – und sie ist meist nicht verschwunden, sondern nur gerade leiser. Mit Verständnis, Geduld und den richtigen Schritten lässt sie sich wieder wecken.

Häufig gestellte Fragen

Ab wann spricht man von Libidoverlust?

Von Libidoverlust spricht man, wenn das sexuelle Verlangen über Wochen oder Monate deutlich nachlässt oder ganz ausbleibt und dich das belastet. Entscheidend ist nicht ein objektiver Normwert – den gibt es nicht –, sondern der Vergleich mit deinem eigenen früheren Erleben und der Leidensdruck. Schwankungen über Tage oder einzelne lustlose Phasen sind völlig normal und kein Grund zur Sorge.

Ist Libidoverlust dauerhaft oder geht er wieder weg?

In den allermeisten Fällen ist Libidoverlust vorübergehend. Sobald die Ursache erkannt und angegangen wird – etwa Stress, ein Medikament, eine Schilddrüsenstörung oder ein ungelöster Konflikt – kehrt die Lust meist zurück. Selbst hartnäckige Fälle bessern sich häufig durch eine Kombination aus Lebensstil, Kommunikation und ärztlicher Abklärung. Endgültig ist Lustlosigkeit nur sehr selten.

Können Antidepressiva und die Pille die Libido senken?

Ja. Vor allem SSRI-Antidepressiva sind eine der häufigsten medikamentösen Ursachen für sexuelle Unlust, ebenso können hormonelle Verhütungsmittel wie die Anti-Baby-Pille und manche Blutdrucksenker die Libido dämpfen. Setze diese Medikamente niemals eigenmächtig ab. Sprich stattdessen mit der verschreibenden Ärztin oder dem Arzt – oft gibt es Alternativpräparate oder eine Dosisanpassung.

Wann sollte ich mit Libidoverlust zum Arzt?

Ein Arztbesuch ist sinnvoll, wenn die Lust plötzlich und ohne erkennbaren Grund verschwindet, wenn sie über mehrere Monate anhält, wenn Schmerzen beim Sex, Erektionsprobleme oder Begleitsymptome wie Müdigkeit, Gewichtsveränderung oder Stimmungstiefs dazukommen. Erste Anlaufstellen sind Hausarzt, Gynäkologin oder Urologe. Seriöse Adressen findest du auch über frauenaerzte-im-netz.de und profamilia.de.

Wie kann ich meine Libido auf natürlichem Weg steigern?

Am wirksamsten ist es, die Grundlagen zu stärken: ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung, weniger chronischer Stress, moderater Alkoholkonsum und ein liebevoller, druckfreier Umgang mit dir selbst und deiner Partnerin oder deinem Partner. Offene Kommunikation über Wünsche, gemeinsame Zeit ohne Leistungsdruck und Achtsamkeitsübungen wie Sensate Focus helfen oft mehr als jedes Wundermittel. Bleibt das Verlangen trotzdem aus, lohnt die ärztliche oder therapeutische Abklärung.

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