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Zwei Frauen sitzen sich an einem Tisch mit Kaffeetassen gegenüber und unterhalten sich

Pick me Girl: Bedeutung, Herkunft und Kritik am Begriff

Pick me Girl heißt sinngemäß „Nimm mich“: eine Frau, die sich von anderen Frauen abgrenzt, um Männern zu gefallen. Herkunft, Pick me Boy, Kritik, Forschung.

Laura Weber
Laura Weber
· 21 Min. Lesezeit

Ein Pick me Girl ist eine Frau, der unterstellt wird, dass sie sich von anderen Frauen abgrenzt, um bei Männern zu punkten. Ihr typischer Satz lautet sinngemäß: „Ich bin nicht wie andere Frauen.“ Wörtlich heißt „pick me“ „nimm mich“ oder „wähl mich“. Der Ausdruck stammt aus englischsprachigen sozialen Netzwerken und ist fast immer abwertend gemeint.

Genau da wird es kompliziert. Wer eine Frau „Pick me“ nennt, tut oft genau das, was der Begriff anprangert: eine Frau vor Publikum kleinmachen. Kaum ein Begriff aus dem Netz zeigt so deutlich, wie schnell aus Kritik an Frauenfeindlichkeit selbst ein Werkzeug gegen Frauen wird.

In diesem Ratgeber erklären wir, was der Begriff bedeutet und woher er kommt, wie oft in Deutschland danach gesucht wird (wir haben Schätzwerte des SEO-Tools Ahrefs ausgewertet), was die Forschung über Abgrenzung und Konkurrenz unter Frauen weiß und was das alles mit Dating zu tun hat. Ohne Häme, denn hinter dem Verhalten steckt oft etwas sehr Menschliches: der Wunsch, gesehen und gewählt zu werden.

Was ist ein Pick me Girl?

Das US-Wörterbuch Dictionary.com beschreibt ein Pick me Girl als Frau, die geradezu besessen nach männlicher Bestätigung sucht, oft auf Kosten anderer Frauen. Das „Girl“ täuscht übrigens: Gemeint sind laut Dictionary.com fast immer erwachsene Frauen.

Der Kern ist ein Vergleich. Der Vorwurf lautet nicht, dass eine Frau gefallen will, das wollen die meisten Menschen. Er lautet, dass sie gewählt werden will, indem sie sich über andere Frauen stellt: weniger kompliziert, weniger eitel, weniger Drama, mehr „eine von den Jungs“. Der Verlag Kiepenheuer & Witsch fasst das in der Ankündigung zu Sophie Passmanns Buch „Pick me Girls“ in genau einen Satz: „Ich bin nicht so wie andere Frauen.“ (Verlagsseite)

Häufig fällt auch nur „Pick me“, als Hauptwort („ein Pick me“) oder als Etikett für ein Verhalten. Gemeint ist immer dasselbe Muster: sich anbiedern, indem man die eigene Gruppe schlechtmacht.

Wichtig für alles, was folgt: „Pick me Girl“ ist keine psychologische Kategorie und keine Diagnose. Es ist ein Etikett aus der Netzkultur. Es beschreibt kein festes Persönlichkeitsmerkmal, sondern ein Verhalten, das andere beobachten oder zu beobachten glauben und dann bewerten.

Was heißt „Pick me Girl“ auf Deutsch?

Wörtlich wäre es ein „Nimm-mich-Mädchen“ oder „Wähl-mich-Mädchen“. Eine eingeführte deutsche Entsprechung gibt es nicht. Im Online-Duden ergab eine Suche nach „pick me“ am 19. Oktober 2026 keinen Treffer. Im Alltag wird der englische Ausdruck übernommen, mal als „Pick me Girl“, mal durchgekoppelt als „Pick-me-Girl“.

Sinngemäß trifft es „Anbiederin“ am ehesten, allerdings mit einem wichtigen Zusatz: Die Anbiederung läuft über die Abwertung anderer Frauen. Wer einfach höflich, hilfsbereit oder verliebt ist, ist damit nicht gemeint.

Ist „Pick me“ Jugendsprache?

Teilweise. Der Ausdruck lebt in sozialen Netzwerken und ist über TikTok groß geworden, wird aber längst auch von Erwachsenen benutzt, etwa in Buchkritiken zu Sophie Passmanns „Pick me Girls“. Belastbare Zahlen dazu, welche Altersgruppen ihn wie oft verwenden, haben wir nicht gefunden. Das SEO-Tool Ahrefs schätzt zwar, dass rund 90 Prozent der Suchanfragen nach „pick me girl“ in Deutschland von Mobilgeräten kommen, über das Alter der Suchenden sagt das aber nichts.

Zum offiziellen Jugendwort hat es „Pick me“ aber nie geschafft. Unter den Gewinnern, die der Langenscheidt-Verlag seit 2008 kürt, taucht es nicht auf. Zuletzt gewannen „Aura“ (2024), „das crazy“ (2025) und „Ragebait“ (2026), wie die Jugendwort-Seite von Langenscheidt zeigt. Auch in den Top-10-Listen von 2023 und 2026 steht es nicht. Die vollständigen Listen der übrigen Jahre haben wir nicht geprüft.

Laut Langenscheidt prüft ein Gremium die Vorschläge unter anderem auf Beleidigungen und diskriminierende Inhalte, sexistische Wörter sind ausgeschlossen. Ob „Pick me“ je eingereicht wurde und ob das der Grund für sein Fehlen ist, veröffentlicht der Verlag nicht. Weitere Begriffe aus dieser Welt, etwa Delulu, findest du in unserem Dating-Slang-Lexikon.

Woher kommt der Begriff „Pick me“?

Die genaue Herkunft ist ungeklärt. Drei Spuren tauchen immer wieder auf:

Eine Fernsehszene. Der Ausdruck wird mitunter einer Szene aus der zweiten Staffel der Krankenhausserie „Grey’s Anatomy“ zugeschrieben, in der Meredith Grey Derek Shepherd anfleht, sich für sie und gegen seine Frau Addison zu entscheiden. So beschreibt es etwa ein Artikel des US-Senders TODAY vom Juni 2024. Einen Beleg dafür, dass der heutige Netzbegriff direkt aus dieser Szene stammt, haben wir nicht gefunden.

Ein Hashtag von 2016. Die Meme-Datenbank Know Your Meme dokumentiert den Hashtag #TweetLikeaPickMe, der im März 2016 auf Twitter trendete, der früheste dort zitierte Tweet stammt vom 28. Februar 2016. Das Onlinemagazin Blavity verortete den Begriff damals auf Black Twitter, also in der Schwarzen Community auf Twitter. Auch Dictionary.com datiert den Gebrauch auf mindestens 2016 und betont, dass schon die frühen Belege abwertend waren.

TikTok-Sketche ab 2021. Richtig bekannt wurde das „Pick me Girl“ laut Know Your Meme ab März 2021, als auf TikTok Sketche kursierten, die solche Frauen parodierten. Einige Medien, etwa der Schweizer Sender SRF, verorten den Ursprung auf TikTok im Jahr 2020. Die älteren Belege sprechen dafür, dass TikTok den Begriff nicht erfunden, aber massentauglich gemacht hat.

Wie oft Deutschland nach „Pick me Girl“ sucht

Für Deutschland haben wir die monatlichen Suchschätzungen des SEO-Tools Ahrefs von Januar 2019 bis September 2026 ausgewertet und je Kalenderjahr den Median gebildet, also den mittleren Monatswert (per Python-Skript, 2026 nur Januar bis September). Wichtig: Das sind Hochrechnungen eines kommerziellen Tools, keine Zahlen von Google.

JahrMedian geschätzte Suchanfragen pro Monatstärkster Monat
20190–
20200 (erste Werte ab September: 693)Dezember: 1.749
20217.954Dezember: 11.565
202212.572April: 15.712
202312.496September: 23.151
202410.986Februar: 13.670
202510.375April: 11.691
2026 (Jan.–Sep.)10.451April: 11.411

Quelle: Ahrefs Keywords Explorer, Deutschland, Abruf 19. Oktober 2026; Mediane auf ganze Zahlen gerundet. Ahrefs liefert Schätzwerte eines SEO-Tools, keine Daten von Google und keine amtliche Statistik. Zwei Monate mit unplausibel niedrigen Werten (Mai 2022: 1.026, Oktober 2023: 854) halten wir für Datenfehler. Ohne sie läge der Median 2022 bei 13.534 statt 12.572 und 2023 bei 13.057 statt 12.496.

Drei Dinge fallen auf. Erstens tauchen nennenswerte Suchzahlen in den Ahrefs-Daten erst ab Herbst 2020 auf, 2021 wuchsen sie stark, passend zur TikTok-Welle. Zweitens liegt der höchste Monatswert im September 2023, dem Monat, in dem Sophie Passmanns Buch erschien. Das ist eine zeitliche Übereinstimmung, kein Beweis für einen Zusammenhang. Und der Wert ist mit Vorsicht zu lesen: Direkt danach folgt mit dem Oktober 2023 einer der beiden unplausibel niedrigen Monate, zusammen liegen beide etwa auf dem üblichen Niveau von zwei Monaten. Der Ausschlag kann also auch eine Verschiebung in den Daten sein. Drittens hat sich das geschätzte Interesse seit 2024 bei rund 10.000 Suchen im Monat eingependelt. Ein kurzer Hype war der Begriff also nicht.

Wie verhält sich ein Pick me? Die typischen Zuschreibungen

Die Zuschreibungen ähneln sich stark. In Wörterbucheinträgen, Medienberichten und Passmanns Buch tauchen vor allem diese Punkte auf:

  • Betonen, anders zu sein: „Ich bin nicht wie andere Frauen“ in allen Varianten.
  • Sich als pflegeleicht inszenieren: keine Ansprüche, kein Drama, „unkompliziert“.
  • Weiblich geltende Dinge demonstrativ ablehnen: Make-up, Mode, Shopping. Dictionary.com nennt als Beispiel Frauen, die betonen, sich nicht zu schminken oder lieber Sport als Mode zu mögen.
  • Angeblich nur Männerfreundschaften: weil Frauen „zu anstrengend“ oder „falsch“ seien. TODAY nennt das Meiden von Freundschaften mit Frauen als typisches Merkmal.
  • Mitlachen oder selbst austeilen: Witze auf Kosten von Frauen, gezielt vor Männern. Passmann erzählt laut SRF, wie sie früher an Skateparks besonders derbe Witze riss, die bei den Jungs ankommen sollten.
  • Andere Frauen abwerten: deren Aussehen, Interessen oder Verhalten, vor allem, wenn Männer zuhören.

Was an dieser Liste auffällt: Fast jeder Punkt kann völlig echt sein. Manche Frauen schminken sich ungern, lieben Fußball oder haben zufällig vor allem männliche Freunde. Die Psychologin Rachael Robnett von der University of Nevada, Las Vegas, sagt sinngemäß gegenüber TODAY: Geschlechternormen abzulehnen oder anzunehmen, ist in Ordnung, solange es authentisch ist. Problematisch wird es, wenn Frauen andere Frauen für männliche Anerkennung opfern.

Der Unterschied liegt also nicht im Interesse, sondern in der Abwertung und im Publikum. Ein paar Beispielsätze von uns machen das greifbar:

UnproblematischWas als Pick-me-Muster gilt
„Ich schminke mich nicht gern.“„Ich brauch kein Make-up, ich bin nicht so oberflächlich wie die anderen.“
„Ich schaue jedes Wochenende Bundesliga.“„Ich bin nicht wie die Frauen, die nur shoppen wollen.“
„Meine engsten Freunde sind Männer.“„Mit Frauen kann man nicht befreundet sein, die sind alle falsch.“
Ein derber Witz unter FreundinnenEin Witz über „typische Frauen“, gezielt, um bei Männern zu punkten

Von außen lässt sich das oft nicht sicher unterscheiden. Ob jemand aus Überzeugung oder aus Kalkül handelt, weiß im Zweifel nur die Person selbst.

Die Kritik am Begriff: Wer „Pick me“ sagt, wertet oft selbst ab

Der Begriff sollte ursprünglich ein frauenfeindliches Muster benennen. Inzwischen sehen ihn viele selbst als Teil des Problems. Selbst ein Eintrag im Mitmach-Wörterbuch Urban Dictionary, den TODAY zitiert, hält fest, der Begriff sei mittlerweile selbst sexistisch geworden. Dafür gibt es mehrere Gründe:

Er trifft fast nur Frauen. Für „pick me girl“ schätzt Ahrefs in Deutschland rund 10.000 Suchanfragen im Monat, für „pick me boy“ rund 100. Das männliche Gegenstück existiert, spielt zumindest bei den Suchanfragen aber kaum eine Rolle.

Er ist ein Zirkel. Laut Dictionary.com benutzen ihn besonders oft Frauen, die andere Frauen als zu sehr auf Männer fixiert kritisieren. Der Vorwurf lautet also: Du wertest Frauen ab. Und er wird erhoben, indem man eine Frau abwertet.

Er verschiebt die Verantwortung. Wenn eine Frau sich klein macht, um Männern zu gefallen, stellt sich auch die Frage, wer dieses Verhalten belohnt. Das Etikett richtet den Blick nur auf sie.

Er macht Gespräche unmöglich. Robnett sagt sinngemäß, jemanden als „Pick me“ zu bezeichnen, funktioniere meistens nicht: Es mache Menschen defensiv und spalte. Sie unterscheidet zwischen dem Reden über ein gesellschaftliches Phänomen und dem Beschimpfen einzelner Personen.

Sophie Passmanns „Pick me Girls“

Im deutschsprachigen Raum hat vor allem die Autorin Sophie Passmann das Thema geprägt. Ihr Buch „Pick me Girls“ erschien am 7. September 2023 bei Kiepenheuer & Witsch, 224 Seiten, laut Verlag ein Sachbuch in Memoir-Form. Laut SRF beschreibt sich Passmann darin selbst als ehemaliges Pick me Girl. Das Verhalten deute sie als Überlebenstaktik von Frauen, angetrieben von Scham und dem Bedürfnis nach männlicher Anerkennung.

Im Zentrum steht der „männliche Blick“. Der Verlag formuliert, das Begehrtwerden sei die höchste Währung. Den Begriff „male gaze“ prägte die Filmtheoretikerin Laura Mulvey 1975 in ihrem Essay „Visual Pleasure and Narrative Cinema“. Sie beschrieb damit, wie das Kino Frauen aus männlicher Perspektive als Objekt des Betrachtens zeigt. Heute steht der Ausdruck oft allgemeiner dafür, dass Frauen sich selbst durch die Augen von Männern bewerten.

Die Kritik fiel gemischt aus, mit mehr skeptischen als begeisterten Stimmen. SRF lobte den nuancierten, witzigen Blick, auch wenn das Buch „gewiss kein feministisches Manifest“ sei. Laut den Rezensionsnotizen des Perlentauchers warf die FAZ dem Buch vor, die Klischees zu festigen, die es auflösen wolle. Deutschlandfunk Kultur störte sich demnach an der Ich-Bezogenheit und an fehlenden Fakten und Daten, die Welt vermisste tiefere Erkenntnisse. 2024 brachte Passmann den Stoff als Stand-up-Soloabend auf die Bühne des Berliner Ensembles, wie die Berliner Zeitung berichtete.

Für dich heißt das: Das Muster zu beschreiben, kann helfen, eigenes Verhalten zu verstehen. Den Begriff als Schimpfwort gegen eine konkrete Frau zu benutzen, hilft fast nie.

Internalisierte Misogynie: Was die Forschung weiß

Hinter dem Pick-me-Muster steht ein Konzept, das die Psychologie internalisierte Misogynie nennt. Eine 2026 im Journal of Counseling Psychology erschienene Studie definiert es als Selbsthass unter Frauen sowie Hass, Verachtung und Geringschätzung gegenüber anderen Frauen (Ertl & Ahn 2026). Das Forschungsteam nennt das Konstrukt ausdrücklich wenig erforscht und hat mit 797 Frauen aus den USA einen neuen Fragebogen entwickelt. Höhere Werte gingen mit mehr psychischer Belastung einher, und zwar über das hinaus, was andere Sexismus-Maße erklären.

Ein älterer Fragebogen, die Internalized Misogyny Scale, erfasst drei Facetten: die Abwertung von Frauen, Misstrauen gegenüber Frauen und die Bevorzugung von Männern. Mit ihm hat eine türkische Studie 288 junge Frauen zwischen 18 und 24 befragt. Je ausgeprägter ihre internalisierte Misogynie, desto eher hielten sie psychische Gewalt durch einen männlichen Partner beim Dating für akzeptabel, der Zusammenhang war mittelstark (Erenoğlu & Sözbir 2024). Das ist eine Korrelation aus einem Land, kein Beweis für Ursache und Wirkung. Aber es zeigt, warum das Thema für Beziehungen relevant ist.

Abgrenzung als Reaktion auf Benachteiligung

Wichtig ist ein Befund aus der Arbeitswelt, bekannt als Queen-Bee-Phänomen. In einem Experiment ließ ein Team der Universität Leiden um die Sozialpsychologin Belle Derks ranghohe Polizistinnen sich an Benachteiligung wegen ihres Geschlechts erinnern (Derks et al. 2011). Im Vergleich zu Kolleginnen, die sich an eine Zeit ohne solche Benachteiligung erinnern sollten, beschrieben sich danach Frauen, die sich wenig mit ihrer Geschlechtergruppe identifizierten, maskuliner, grenzten sich stärker von anderen Frauen ab und spielten Diskriminierung herunter. Frauen mit starker Identifikation wollten dagegen eher die Chancen anderer Frauen verbessern.

Die Forschenden deuten die Abgrenzung als Folge eines benachteiligenden Umfelds, als individuellen Weg nach oben. Das passt zu dem Bild von der Überlebenstaktik, mit dem SRF Passmanns Sicht zusammenfasst: Wer erlebt, dass „typisch weiblich“ weniger zählt, versucht, nicht typisch weiblich zu wirken.

Wie Frauen auf „Ich bin nicht wie andere Frauen“ reagieren

Eine Studie mit deutschsprachigen Teilnehmenden hat eine Variante dieses Satzes untersucht. Ein Team um Anja Munder von der FernUniversität in Hagen legte in drei vorab registrierten Online-Experimenten insgesamt 1.441 Menschen, Frauen und als Vergleichsgruppe Männer, eine kurze Geschichte vor (Munder et al. 2024). Eine Frau verdient weniger als ihr männlicher Kollege, der Vorgesetzte findet das richtig. Mal widerspricht sie nicht, mal argumentiert sie für sich selbst, mal für Frauen insgesamt, mal mit der Begründung, sie sei anders als die meisten Frauen und wolle nicht in diese Schublade gesteckt werden.

Das Ergebnis: Frauen hielten den abgrenzenden Widerspruch zwar für wirksamer als gar keinen. Sympathisch fanden sie die Frau trotzdem nicht, sie schnitt genauso schlecht ab wie eine, die gar nichts sagte, und schlechter als die Frauen, die für sich selbst oder für Frauen insgesamt argumentierten. Bei Frauen, denen ihr Geschlecht oder ihre feministische Haltung besonders wichtig war, war die Ablehnung noch deutlicher. Zumindest in diesem Szenario kostete die Abgrenzung also bei Frauen Sympathie, obwohl das Anliegen berechtigt war. Ob sich das auf Alltagssituationen übertragen lässt, hat die Studie nicht untersucht.

Konkurrenz unter Frauen: real, aber kein Naturgesetz

Gibt es Konkurrenz unter Frauen? Ja, und sie ist erforscht. Die Psychologin Tracy Vaillancourt beschreibt in einer Übersichtsarbeit indirekte Aggression, also Lästern über das Aussehen, Gerüchte über das Sexualleben und Ausgrenzen, als Strategie, die Frauen typischerweise gegen andere Frauen einsetzen, besonders gegen attraktive (Vaillancourt 2013). In einem Experiment von 2011 reagierten Frauen auf dieselbe Frau deutlich abweisender, wenn sie aufreizend statt zurückhaltend gekleidet war (Vaillancourt & Sharma 2011).

Zwei Einordnungen dazu. Die Forschenden deuten ihre Befunde evolutionär, als Wettbewerb um Partner, und betonen selbst, dass Konkurrenz unter Männern gut belegt ist. Konkurrenz ist also kein Frauenproblem. Und die Studien von Derks und Munder zeigen, dass Umfeld und Haltung viel ausmachen. Konkurrenz kommt vor, Solidarität aber auch.

Was ist ein Pick me Boy?

Das männliche Gegenstück heißt Pick me Boy. Nach einer Urban-Dictionary-Definition, die TODAY zitiert, ist damit ein Mann gemeint, der sich selbst schlechtmacht, etwa betont, wie unattraktiv er sei, und darauf wartet, dass eine Frau widerspricht. Widerspricht sie, deutet er das als Interesse. Weist sie ihn zurück, reagiert er gekränkt, nach dem Motto: Nette Männer kommen eben zu kurz.

Rachael Robnett nennt Pick me Boys laut TODAY eines der verstörendsten Geschlechterphänomene unserer Zeit und sieht die Masche nah an den Strategien sogenannter Incels (von englisch „involuntary celibate“, unfreiwillig enthaltsam). Auch hier gilt: Nicht jeder unsichere Mann, der sich kleinredet, spielt ein Spiel. Selbstzweifel sind menschlich. Zum Problem wird es, wenn die Selbstabwertung eine Gegenleistung einfordert und Zurückweisung als Unrecht gilt.

Im deutschen Sprachgebrauch ist der Pick me Boy eine Randerscheinung, zumindest gemessen an den Suchanfragen: rund 100 im Monat laut Schätzung von Ahrefs, ein Hundertstel des weiblichen Begriffs.

Was hinter dem Wunsch steckt, gewählt zu werden

Der Wunsch, gemocht und ausgewählt zu werden, ist nichts, wofür man sich schämen muss. Schwierig wird es, wenn der eigene Wert fast nur noch davon abhängt.

Die Psychologin Jennifer Crocker hat dafür das Konzept der „Contingencies of Self-Worth“ entwickelt, sinngemäß: Bedingungen des Selbstwerts. Ihr Fragebogen, geprüft an 1.418 Studierenden, unterscheidet sieben Quellen, an denen Menschen ihren Wert festmachen, darunter Aussehen und Anerkennung durch andere (Crocker et al. 2003). Die Forschenden ordnen die Quellen auf einem Kontinuum von äußeren zu inneren an, und Anerkennung durch andere hängt schon dem Wortsinn nach von anderen ab. Nach Crockers Theorie ist der Selbstwert genau dort verletzlich, wo man ihn festmacht (Crocker & Wolfe 2001). Nach dieser Logik ist, wer sich vor allem über männliche Bestätigung definiert, bei jeder ausbleibenden Bestätigung verwundbar.

Ein zweites Konzept passt dazu: „Silencing the Self“, das Zurückstellen eigener Gedanken und Bedürfnisse, um Nähe zu sichern. Die Psychologin Dana Crowley Jack hat dafür einen Fragebogen entwickelt. In drei sehr unterschiedlichen Stichproben von Frauen, darunter Studentinnen und Bewohnerinnen von Frauenhäusern, hing stärkeres Selbst-Verstummen mit mehr depressiven Symptomen zusammen (Jack & Dill 1992). Auch das ist ein Zusammenhang, keine Ursache. Aber er zeigt, dass Sich-klein-Machen auf Dauer etwas kostet.

Wenn du dich im Pick-me-Muster wiedererkennst, helfen ehrliche Fragen mehr als Selbstvorwürfe:

  • Würde ich diesen Satz auch sagen, wenn kein Mann zuhört?
  • Mag ich das wirklich, oder mag ich, wie es auf andere wirkt?
  • Welche Frauen in meinem Leben habe ich zuletzt kleingeredet, und was hatte ich davon?
  • Wann habe ich gelernt, dass „typisch weiblich“ weniger wert ist?
  • Wer wäre ich, wenn ich niemandem beweisen müsste, dass ich anders bin?

Wenn das Muster tief sitzt und dich belastet, kann eine Beratung oder Therapie helfen, die Ursachen zu verstehen. Das ist kein Eingeständnis von Schwäche, sondern eine Abkürzung.

Pick me beim Dating: Wenn du dich klein machst, um zu gefallen

Beim Dating zeigt sich das Muster besonders deutlich, denn hier geht es ganz direkt ums Gewähltwerden. Typische Situationen:

  • Du entdeckst plötzlich eine Leidenschaft für sein Lieblingshobby, die vor zwei Wochen noch nicht existierte.
  • Du erzählst beim ersten Date, mit Frauen könntest du nichts anfangen, weil du hoffst, dass ihn das beeindruckt.
  • Du lachst über einen Spruch über „Frauen am Steuer“, obwohl er dich nervt.
  • Du betonst, wie anspruchslos du bist, und nimmst dann auch das hin, was in unserem Artikel über das Bare Minimum Thema ist: Grundanständigkeit, die sich wie ein Geschenk anfühlen soll.
  • Du traust dich nicht, um Fürsorge zu bitten, weil das „zu viel“ wirken könnte. Was hinter dem Gegenentwurf Princess Treatment steckt, erklären wir separat.

Das Problem dabei ist nicht, dass du jemandem gefallen willst. Das Problem ist, dass du für eine Rolle ausgewählt wirst und dann diese Rolle weiterspielen musst. Wer dich als „die Unkomplizierte“ kennengelernt hat, reagiert womöglich irritiert, wenn du nach drei Monaten Wünsche äußerst. Ausführlich beschreiben wir dieses Anpassungsmuster in unserem Ratgeber zu People-Pleasing im Dating.

Was hilft:

  1. Zeig pro Date eine echte Vorliebe. Auch eine kleine: das Restaurant, das du wirklich magst, die Serie, die du peinlich gut findest.
  2. Achte auf Vergleichssätze. Sobald du „nicht wie andere Frauen“ denkst, frag dich, was du eigentlich über dich sagen willst. Meist lässt sich das ohne Vergleich sagen: „Ich bin gern draußen“ statt „Ich bin nicht so eine, die nur drinnen hockt“.
  3. Beobachte, was belohnt wird. Lacht dein Date auffällig gern, wenn über andere Frauen gelästert wird? Das ist eine Information über ihn, nicht über dich.
  4. Lass dich nicht für Abwertung loben. Ein Satz wie „Du bist nicht so anstrengend wie meine Ex“ ist kein Kompliment, sondern ein Maßstab, den du später erfüllen sollst.

Das gilt übrigens auch umgekehrt. Wenn eine Frau, die du datest, andere Frauen auffällig abwertet, hilft ein Etikett wenig. Neugier hilft mehr: „Warum sind dir Freundschaften mit Frauen so schwergefallen?“ Manchmal steckt dahinter eine echte Verletzung. Und falls dich so ein Satz sofort abtörnt: Ob das ein berechtigtes Warnsignal ist oder ein vorschneller Ick, lohnt einen zweiten Blick.

Freundschaft unter Frauen stärken

Ein naheliegendes Gegenmittel gegen das Pick-me-Muster sind gute Freundschaften mit Frauen. Nicht als moralische Pflicht, sondern weil Freundschaften guttun. Eine Metaanalyse hat 148 Studien mit zusammen 308.849 Teilnehmenden ausgewertet: Menschen mit stärkeren sozialen Beziehungen hatten eine um 50 Prozent höhere Überlebenswahrscheinlichkeit, unabhängig von Alter und Geschlecht (Holt-Lunstad et al. 2010). Das betrifft Beziehungen allgemein, nicht nur Frauenfreundschaften, unterstreicht aber, was auf dem Spiel steht.

Konkret kannst du so anfangen:

  • Komplimente ohne Vergleich. „Du siehst toll aus“ statt „Du siehst besser aus als sie“.
  • Neid aussprechen statt lästern. „Ich bin gerade ein bisschen neidisch auf deinen Job“ ist ehrlicher und nimmt dem Gefühl oft die Schärfe.
  • Frauen in gemischten Runden einbeziehen. Wenn du in einer Männerrunde die einzige Frau bist, lade beim nächsten Mal eine Freundin ein, statt die Sonderrolle zu genießen.
  • Konkurrenz offen klären. Interessiert ihr euch für dieselbe Person, sprecht darüber, bevor einer von euch heimlich Fakten schafft.
  • Solidarisch argumentieren. Die Studie von Munder und Kollegen legt nahe: Wer sich gegen Unrecht auf Frauen insgesamt beruft, wirkt auf andere Frauen sympathischer als jemand, der sich abgrenzt.

Und wenn eine Freundin dich dauerhaft kleinmacht, gegen dich stichelt und vor anderen über dich lästert, darfst du auch Abstand nehmen. Wie du das fair machst, steht in unserem Ratgeber zur toxischen Freundschaft.

Was tun, wenn dich jemand „Pick me“ nennt?

Es kann wehtun, so genannt zu werden, besonders wenn du einfach nur bist, wie du bist. Ein paar Gedanken dazu:

  • Prüf den Vorwurf in Ruhe. Steckt ein wahrer Kern drin, etwa ein Satz, mit dem du andere Frauen abgewertet hast? Dann kannst du ihn zurücknehmen, ohne dich als Person infrage zu stellen.
  • Trenne Vorliebe und Vorwurf. Dass du Fußball magst oder keine Lust auf Make-up hast, musst du niemandem erklären.
  • Frag nach. „Was genau meinst du damit?“ verwandelt ein Etikett in ein Gespräch. Oft zeigt sich, dass es gar nicht um dich geht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Pick me Girl ist eine Frau, der unterstellt wird, sich auf Kosten anderer Frauen bei Männern beliebt zu machen. Wörtlich heißt „pick me“ „nimm mich“, eine eingeführte deutsche Entsprechung gibt es nicht, im Online-Duden fand sich der Ausdruck am 19. Oktober 2026 nicht.
  • Belege reichen mindestens bis 2016 zurück (Hashtag #TweetLikeaPickMe), groß wurde der Begriff ab 2021 über TikTok. Die mitunter genannte „Grey’s Anatomy“-Herkunft ist eine Zuschreibung, kein Beleg.
  • Das SEO-Tool Ahrefs schätzt für Deutschland rund 10.000 Suchanfragen im Monat nach „pick me girl“, nach „pick me boy“ nur rund 100. Der höchste Monatswert fällt in den September 2023, als Sophie Passmanns Buch erschien, eine zeitliche Übereinstimmung, die auch ein Datenfehler sein kann.
  • Der Begriff steht selbst in der Kritik: Er trifft fast nur Frauen, wird oft von Frauen gegen Frauen benutzt und macht Gespräche eher schwerer.
  • Die Queen-Bee-Forschung deutet Abgrenzung von anderen Frauen als Reaktion auf ein benachteiligendes Umfeld, nicht als Charakterfehler. Und in Online-Experimenten mit deutschsprachigen Teilnehmenden mochten Frauen eine Frau, die sich so abgrenzte, nicht mehr als eine, die gar nicht widersprach.
  • Beim Dating lohnt der Blick nach innen: Würdest du den Satz auch sagen, wenn kein Mann zuhört? Echte Vorlieben zu zeigen, schützt davor, für eine Rolle gewählt zu werden.

Quellen und Stand: Stand 19. Oktober 2026. Dictionary.com: „pick-me girl“ (20.09.2023) · Know Your Meme: „Pick Me“ Girl · TODAY: What’s a pick-me girl and a pick-me boy? (04.06.2024) · Duden online, Suche „pick me“ · Langenscheidt: Jugendwort des Jahres · Kiepenheuer & Witsch: Sophie Passmann, Pick me Girls · Perlentaucher: Rezensionsnotizen · SRF, 09.09.2023 · Munder, Becker, Salvatierra Ruiz & Christ (2024), Psychology of Women Quarterly 48(2) · Derks, Van Laar, Ellemers & de Groot (2011), Psychological Science 22(10) · Ertl & Ahn (2026), Journal of Counseling Psychology 73(3) · Erenoğlu & Sözbir (2024), Archives of Psychiatric Nursing 51 · Vaillancourt (2013), Philosophical Transactions of the Royal Society B 368 · Vaillancourt & Sharma (2011), Aggressive Behavior 37(6) · Crocker et al. (2003), Journal of Personality and Social Psychology 85(5) · Jack & Dill (1992), Psychology of Women Quarterly 16(1) · Mulvey (1975), Screen 16(3) · Holt-Lunstad, Smith & Layton (2010), PLoS Medicine 7(7) · Suchdaten: Schätzwerte aus dem Ahrefs Keywords Explorer, Deutschland, keine Google-Daten, eigene Auswertung (Abruf 19.10.2026).

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Pick Me Girl?

So nennt man eine Frau, der unterstellt wird, dass sie sich von anderen Frauen abgrenzt, um bei Männern Anerkennung zu bekommen. Ihr typischer Satz lautet sinngemäß: „Ich bin nicht wie andere Frauen.“ Das US-Wörterbuch Dictionary.com beschreibt sie als Frau, die männliche Bestätigung sucht, oft auf Kosten anderer Frauen. Der Begriff stammt aus der Netzkultur, ist keine psychologische Kategorie und wird fast immer abwertend benutzt. Kritische Stimmen weisen darauf hin, dass das Etikett selbst oft genau das tut, was es anprangert: eine Frau vor anderen kleinmachen.

Wie verhält sich ein Pick Me?

Typische Zuschreibungen sind: betonen, nicht wie andere Frauen zu sein, sich als besonders unkompliziert darstellen, Make-up oder Mode demonstrativ ablehnen, angeblich nur mit Männern befreundet sein und andere Frauen vor Männern abwerten. Viele dieser Punkte können völlig echt sein, etwa wenn jemand einfach gern Fußball schaut oder keine Lust auf Schminke hat. Zum Pick-me-Muster wird es erst, wenn eine Frau sich auf Kosten anderer Frauen aufwertet, um bei Männern zu punkten. Ob das zutrifft, lässt sich von außen oft nicht sicher sagen.

Was heißt auf Deutsch „Pick me Girl“?

Wörtlich heißt „pick me“ „nimm mich“ oder „wähl mich“, ein Pick me Girl wäre also ein „Nimm-mich-Mädchen“. Eine eingeführte deutsche Übersetzung gibt es nicht, im Deutschen wird der englische Ausdruck übernommen, mal als „Pick me Girl“, mal als „Pick-me-Girl“ oder nur als „Pick me“. Im Online-Duden ergab eine Suche nach „pick me“ am 19. Oktober 2026 keinen Treffer. Gemeint ist eine Frau, der man vorwirft, sich anzubiedern, indem sie andere Frauen schlechtmacht.

Was bedeutet „Pick me“ in der Jugendsprache?

In der Jugendsprache ist „Pick me“ meist ein abwertendes Etikett für jemanden, der sich auffällig um die Gunst des anderen Geschlechts bemüht, vor allem für Mädchen und Frauen, die sich von anderen Mädchen abgrenzen. Der Ausdruck kommt aus englischsprachigen sozialen Netzwerken und verbreitete sich ab 2021 stark über TikTok. Zum Jugendwort des Jahres von Langenscheidt wurde er nie gekürt, und in den Top-10-Listen 2023 und 2026, die wir geprüft haben, steht er auch nicht.

Was ist ein Pick me Boy?

Das männliche Gegenstück. Nach einer Urban-Dictionary-Definition, die der US-Sender TODAY zitiert, ist ein Pick me Boy ein Mann, der sich selbst schlechtmacht, etwa sagt, wie unattraktiv er sei, und darauf wartet, dass eine Frau widerspricht. Bei Zurückweisung reagiert er manchmal gekränkt nach dem Motto, nette Männer kämen eben zu kurz. Der Begriff ist deutlich seltener: Das SEO-Tool Ahrefs schätzt für Deutschland rund 100 Suchanfragen im Monat nach „pick me boy“, nach „pick me girl“ etwa 10.000. Das sind Hochrechnungen des Tools, keine Zahlen von Google.

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