Sabine, 43, Marketingleiterin, sitzt in Reihe 22 am Fenster und hat den Sicherheitsgurt so fest gezogen, dass er in die Hüfte schneidet. Sie hat vor dem Boarding zweimal aufs Klo gemusst, obwohl sie kaum getrunken hat. Jetzt schließt sich die Kabinentür mit diesem leisen, satten Klicken, und für einen Sekundenbruchteil denkt sie: Jetzt kann ich nicht mehr raus. Das Flugzeug rollt an, die Triebwerke schwellen an und drücken sie in den Sitz, und der Mann neben ihr blättert seelenruhig durch das Bordmagazin. Sabine dagegen registriert jede Vibration, jedes Zischen der Klappen, jeden Lagewechsel der Maschine, als hinge ihr Leben davon ab, alles zu überwachen. War dieses Geräusch normal? Warum klingt das Triebwerk gerade anders? Sie ist eine Frau, die dreißig Menschen führt und Krisen souverän managt. Und trotzdem sitzt sie hier und fühlt sich wie ein Kind im Dunkeln.
Wenn du diese Szene von innen kennst, möchte ich dir gleich zu Beginn eines sagen: Du bist weder ängstlicher noch weniger vernünftig als andere. Flugangst hat nichts damit zu tun, wie stark, klug oder gefasst du sonst durchs Leben gehst. Sie ist eine nachvollziehbare Reaktion deines Nervensystems auf eine Situation, die sich fast jeder natürlichen Logik entzieht. Und das Wichtigste vorweg: Sie ist gut behandelbar. Du kannst lernen, ruhiger zu fliegen. Nicht über Nacht und nicht durch bloßes Zusammenreißen, aber Schritt für Schritt und mit Werkzeugen, die wirklich funktionieren. Dieser Artikel zeigt dir, was in dir passiert und was du konkret dagegen tun kannst.
Warum Fliegen dein Gehirn so herausfordert
Dein Gehirn ist über Jahrmillionen darauf trainiert worden, Gefahren einzuschätzen und Kontrolle zu behalten. Ein Flug widerspricht fast allem, was dieses uralte Warnsystem gewohnt ist. Du sitzt in einer Metallröhre, elf Kilometer über dem Boden, ohne Boden unter den Füßen, ohne Fluchtweg, ohne die Möglichkeit, selbst einzugreifen. Für den denkenden Teil deines Gehirns ist das vollkommen sicher. Für den älteren, emotionalen Teil, die sogenannte Amygdala, ist es ein Alarmzustand.
Das Entscheidende ist: Diese beiden Ebenen kommunizieren nicht auf Augenhöhe. Die Amygdala hat gewissermaßen eine Standleitung, die schneller schaltet als jeder vernünftige Gedanke. Sie muss nicht warten, bis dein Verstand die Lage geprüft hat, sondern feuert sofort los, weil das im Zweifel Leben rettet. Der Preis dieser Geschwindigkeit ist ihre Fehleranfälligkeit: Sie kann harmlose Reize wie ein Ruckeln oder ein Zischen nicht sauber von echten Gefahren unterscheiden. Du kannst deshalb noch so oft wissen, dass Fliegen sicher ist. Wenn deine Amygdala Alarm schlägt, überschreibt sie das Wissen mit Körperreaktionen: Herzrasen, flache Atmung, Schwindel, das Gefühl, gleich die Kontrolle zu verlieren. Diese Symptome sind nicht gefährlich, aber sie fühlen sich so an, und genau das ist die Falle der Angst. Wissen allein löscht Angst nicht, weil Angst nicht im wissenden Teil des Gehirns wohnt.
Bei Flugangst, in der Fachsprache Aviophobie genannt, spielen mehrere Ängste zusammen, die sich gegenseitig verstärken:
- Kontrollverlust und Kontrollabgabe: Du musst dein Leben buchstäblich in fremde Hände legen. Für Menschen mit einem starken Bedürfnis nach Selbstbestimmung ist das besonders schwer.
- Enge und Eingeschlossensein: Die schmale Kabine, angeschnallt, keine Tür, durch die du einfach gehen könntest. Hier mischt sich oft ein klaustrophobischer Anteil hinein.
- Höhe: Der Gedanke an die Distanz zum Boden aktiviert bei vielen einen tiefen, körperlichen Schwindel.
- Katastrophengedanken: Dein Kopf malt sich in Sekunden das schlimmste Szenario aus, obwohl es extrem unwahrscheinlich ist.
Flugangst ist deshalb selten eine einzelne Angst, sondern häufig eine Kombination. Wer zum Beispiel ohnehin unter Höhenangst leidet oder sich in engen Räumen unwohl fühlt, bringt eine erhöhte Empfindlichkeit mit an Bord. Das zu verstehen ist bereits der erste Schritt, denn du kannst gezielter ansetzen, wenn du weißt, welcher Anteil bei dir am lautesten ist. Für die einen ist der schlimmste Moment das Schließen der Tür, weil dann der Fluchtweg wegfällt. Für die anderen kippt es erst beim Start, wenn der Boden weicht, oder bei der ersten Turbulenz. Wenn du für dich benennen kannst, wo genau dein Alarm angeht, verwandelst du ein diffuses großes Grauen in ein umschriebenes Problem, an dem du arbeiten kannst.
Was in deinem Körper passiert, wenn die Angst kommt
Sobald dein Gehirn eine Bedrohung wittert, schüttet es Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol aus. Dein Körper bereitet sich auf Kampf oder Flucht vor, ein Programm, das dir vor einem Säbelzahntiger das Leben gerettet hätte. Dein Herz schlägt schneller, um die Muskeln mit Sauerstoff zu versorgen. Deine Atmung wird flacher und schneller. Deine Sinne schärfen sich, weshalb du plötzlich jedes Geräusch, jede Vibration überdeutlich wahrnimmst.
Das Problem an Bord: Es gibt weder zu kämpfen noch zu fliehen. Die aufgestaute Energie findet keinen Ausweg und wird nach innen gerichtet. Dein Körper interpretiert die eigenen Stresssymptome als Beweis, dass tatsächlich etwas nicht stimmt. So entsteht ein Teufelskreis, den die Angstforschung als Aufschaukelungsprozess beschreibt. Er läuft in vier Schritten: Zuerst nimmst du eine harmlose Körperempfindung wahr, etwa einen schnelleren Herzschlag. Dann bewertest du sie als bedrohlich (Da stimmt etwas nicht mit mir oder dem Flugzeug). Diese Bewertung verstärkt die körperliche Erregung. Und die verstärkte Erregung liefert scheinbar den Beweis, dass die Angst berechtigt war. Innerhalb von Sekunden dreht sich diese Spirale immer schneller. Das Tückische daran: Nicht der Flug treibt sie an, sondern deine Deutung deiner eigenen Körpersignale. Genau an dieser Deutung setzen die Techniken weiter unten an, denn hier lässt sich der Kreis unterbrechen.
Hier hilft ein Modell aus der Psychologie, das Yerkes-Dodson-Gesetz. Es beschreibt, dass ein mittleres Erregungsniveau uns leistungsfähig macht, ein zu hohes uns dagegen blockiert. Bei Flugangst schießt die Erregung über dieses gesunde Maß hinaus. Dein Ziel ist deshalb nicht, jede Anspannung zu beseitigen, das wäre unrealistisch. Dein Ziel ist, die Erregung aus dem roten Bereich herunterzuregeln, sodass dein denkendes Gehirn wieder Zugriff bekommt.
Genau deshalb funktioniert Atmung als Werkzeug so gut. Über bewusste, verlangsamte Atmung sprichst du direkt mit deinem Nervensystem. Ein langsamer, langer Ausatem aktiviert den Parasympathikus, den Teil des Nervensystems, der für Entspannung und Erholung zuständig ist. Du gibst deinem Körper das Signal: Es gibt keine akute Gefahr, du darfst herunterfahren.
Wie sicher Fliegen wirklich ist
Menschen mit Flugangst sammeln oft Nachrichten über Zwischenfälle und übersehen dabei, dass jeder einzelne davon deshalb Nachricht wird, weil er so außergewöhnlich selten ist. Über die rund tausend Autofahrten, die in Deutschland täglich glimpflich enden, berichtet niemand, über den einen Flugzwischenfall auf der anderen Seite der Welt berichten alle. Dein Gehirn zieht daraus den falschen Schluss, Fliegen sei gefährlich, weil ihm die dramatischen Bilder leichter einfallen als die unspektakuläre Statistik. Diese Verzerrung heißt in der Psychologie Verfügbarkeitsheuristik: Wir halten das für wahrscheinlich, was uns schnell und lebhaft in den Sinn kommt. Sie erklärt, warum die gefühlte Gefahr und die tatsächliche Gefahr beim Fliegen so weit auseinanderklaffen.
Gemessen an der zurückgelegten Strecke gehört das Flugzeug zu den sichersten Verkehrsmitteln, die die Menschheit je gebaut hat. Das liegt nicht am Zufall, sondern an einem System, das auf Sicherheit ausgelegt ist:
- Redundanz: Alle kritischen Systeme sind mehrfach vorhanden. Fällt eines aus, übernimmt ein anderes. Ein modernes Verkehrsflugzeug kann selbst mit nur einem funktionierenden Triebwerk sicher fliegen und landen.
- Training: Piloten trainieren regelmäßig im Simulator genau die Situationen, die dir Angst machen. Was für dich ein Ausnahmezustand wäre, haben sie hundertfach geübt.
- Wartung: Flugzeuge werden nach strengen, lückenlos dokumentierten Vorgaben gewartet. Kein Auto wird auch nur annähernd so intensiv geprüft.
- Überwachung: Der gesamte Luftraum wird permanent kontrolliert. Flugzeuge halten Sicherheitsabstände ein, die von Computern und Lotsen überwacht werden.
Ein Wort zu Turbulenzen, weil sie so viele Menschen erschrecken: Turbulenzen sind für ein Flugzeug in etwa das, was für ein Schiff Wellen sind. Unangenehm, manchmal ruckelig, aber völlig ungefährlich. Die Tragflächen sind so konstruiert, dass sie sich stark biegen können, ohne Schaden zu nehmen. Piloten steuern durch Turbulenzen wie du durch ein Schlagloch fährst, es ist Routine. Dass es sich für dich bedrohlich anfühlt, liegt an deinem Gleichgewichtssinn und deinem Kontrollbedürfnis, nicht an einer echten Gefahr.
Wichtig ist hier die Haltung: Ich zähle diese Fakten nicht auf, damit du dir die Angst einfach wegdenkst. Das funktioniert nicht, weil deine Angst nicht aus einem Informationsmangel entsteht. Aber die Fakten geben deinem denkenden Gehirn ein solides Fundament, auf das es zurückgreifen kann, wenn die Katastrophengedanken laut werden. Wenn dich Zahlen eher beruhigen als beunruhigen, lohnt ein Blick in die jährlichen Sicherheitsberichte, etwa jene der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO, die die Sicherheitsentwicklung der weltweiten Luftfahrt dokumentiert. Manchen Menschen hilft dieses harte Faktenwissen, anderen weniger. Beides ist in Ordnung.
Katastrophengedanken erkennen und entkräften
Der Motor der Flugangst sind selten die realen Ereignisse an Bord, sondern die Bilder, die dein Kopf daraus macht. Ein ungewohntes Geräusch wird zum Defekt, ein Ruckeln zur beginnenden Katastrophe, ein besorgter Blick der Flugbegleiterin zum geheimen Notfall. Dieses Muster nennt die kognitive Verhaltenstherapie Katastrophisieren. Dein Gehirn springt vom kleinsten Auslöser sofort zum schlimmstmöglichen Ende und überspringt dabei alle wahrscheinlicheren, harmlosen Erklärungen.
Der amerikanische Psychiater Aaron Beck, einer der Begründer der kognitiven Verhaltenstherapie, hat gezeigt, dass solche automatischen Gedanken sich verändern lassen, wenn wir sie bewusst hinterfragen. Das geht auch mitten im Flug. Wenn du merkst, dass dein Kopf ein Horrorszenario aufbaut, kannst du dir drei Fragen stellen:
- Was ist gerade wirklich passiert, nüchtern beschrieben? Zum Beispiel: Das Flugzeug hat ein Geräusch gemacht und leicht geruckelt.
- Welche Erklärung ist die wahrscheinlichste? Das Fahrwerk wird eingefahren, oder wir fliegen durch eine Luftschicht. Solche Geräusche gehören zu jedem Flug.
- Was würde ich einem Freund sagen, der neben mir sitzt und Angst hätte? Meist bist du zu anderen mitfühlender und vernünftiger als zu dir selbst.
Sabine aus unserem Anfangsbeispiel hat genau das gelernt. Als das Triebwerk beim Steigflug anders klang, dachte sie zuerst: Da stimmt etwas nicht. Dann hielt sie inne und beschrieb nüchtern, was passiert war: ein Geräusch, sonst nichts. Die wahrscheinlichste Erklärung: gedroselte Schubleistung nach dem Start, ein völlig normaler Ablauf. Und einer Freundin hätte sie gesagt: Das gehört dazu, das machen alle Flugzeuge so. Die Angst war damit nicht weg, aber die Spirale drehte sich nicht weiter. Diese Technik, das sogenannte Reframing, ersetzt den Katastrophengedanken nicht durch blinden Optimismus, sondern durch eine realistischere Einschätzung. Es geht nicht darum, dir einzureden, dass alles wunderbar ist, sondern darum, deinem Kopf die wahrscheinlichere, unspektakuläre Wahrheit anzubieten. Mit etwas Übung wirst du merken, wie du die Katastrophenspirale früher unterbrichst. Wenn du generell dazu neigst, in Gedanken das Schlimmste durchzuspielen, findest du in unserem Ratgeber zum Thema Katastrophisieren stoppen noch tiefergehende Übungen dazu.
Konkrete Techniken für einen ruhigeren Flug
Theorie beruhigt niemanden mitten im Steigflug. Deshalb hier ein Werkzeugkasten, den du wirklich anwenden kannst. Probiere die Übungen am besten schon vorher zu Hause aus, damit sie im Ernstfall vertraut sind und nicht selbst zum Stressfaktor werden.
Die 4-6-Atmung als Anker
Die wirksamste Sofortmaßnahme ist deine Atmung, weil du sie immer dabei hast und weil sie direkt auf dein Nervensystem wirkt. Der Schlüssel ist ein längerer Ausatem als Einatem:
- Atme durch die Nase ein und zähle dabei innerlich bis vier.
- Atme durch den leicht geöffneten Mund aus und zähle bis sechs.
- Lass am Ende des Ausatmens eine kleine, natürliche Pause zu.
- Wiederhole das für mindestens zwei bis drei Minuten.
Der verlängerte Ausatem aktiviert den Parasympathikus und senkt deine Herzfrequenz spürbar. Wichtig: Atme nicht zu tief und zu schnell, sonst drohst du zu hyperventilieren, was die Angst verstärkt. Es geht um langsam und gleichmäßig, nicht um viel Luft.
Erden über die Sinne
Wenn deine Gedanken davonlaufen, hol dich über deine fünf Sinne zurück in die Gegenwart. Benenne innerlich fünf Dinge, die du siehst, vier, die du hörst, drei, die du fühlst, zwei, die du riechst, und eines, das du schmeckst. Diese Übung, oft 5-4-3-2-1 genannt, holt dein Gehirn aus dem Kopfkino zurück in den Körper. Der kalte Metallgriff der Armlehne, das Muster auf dem Sitz, der Geschmack eines Kaugummis, all das ankert dich im Hier und Jetzt.
Muskeln bewusst lösen
Angst spannt den Körper an, oft ohne dass du es merkst. Spanne bewusst einzelne Muskelgruppen für ein paar Sekunden fest an, die Fäuste, die Schultern, die Beine, und lass dann bewusst los. Dieses Wechselspiel aus Anspannung und Entspannung, die progressive Muskelentspannung nach Jacobson, signalisiert deinem Körper Sicherheit und gibt der aufgestauten Stressenergie ein Ventil.
Klug ablenken statt gegen die Angst kämpfen
Ablenkung ist kein Ausweichen, sondern eine legitime Strategie, um dein Erregungsniveau zu senken. Lade dir vorher eine fesselnde Serie, ein Hörbuch oder einen Podcast herunter, der deine volle Aufmerksamkeit bindet. Ein Gespräch mit dem Sitznachbarn, ein Kreuzworträtsel oder ein Spiel auf dem Handy wirken ähnlich. Je stärker etwas dein Denken beansprucht, desto weniger Kapazität bleibt für das Kopfkino.
Der bewusste Umgang mit Turbulenzen
Wenn es ruckelt, verkrampfen sich viele und halten die Luft an, was alles verschlimmert. Versuche stattdessen, deinen Körper locker mitschwingen zu lassen, so wie du in einem Bus nicht gegen jede Kurve ankämpfst. Kombiniere das mit deiner 4-6-Atmung und dem Gedanken: Das Flugzeug ist genau dafür gebaut. Turbulenzen gehen immer vorbei, meist innerhalb weniger Minuten.
Die Vorbereitung entscheidet mehr als der Flug selbst
Ein großer Teil der Flugangst spielt sich ab, lange bevor du das Flugzeug betrittst. Die schlaflosen Nächte davor, das Grübeln, die aufgebaute Anspannung. Wer den Vorlauf gut gestaltet, betritt das Flugzeug bereits in einem ruhigeren Zustand.
Sorge in den Tagen davor für Schlaf, denn ein übermüdetes Nervensystem ist reizbarer und ängstlicher. Die Prinzipien der Schlafhygiene helfen dir dabei: feste Zeiten, wenig Bildschirm am Abend, kein Alkohol als vermeintliche Einschlafhilfe. Verzichte am Flugtag auf zu viel Koffein, denn es imitiert körperlich genau die Symptome der Angst, Herzrasen und Unruhe, und dein Gehirn deutet das leicht als Bedrohung.
Plane außerdem Puffer ein. Stress durch Hetzen am Flughafen, die Sorge, das Gate nicht rechtzeitig zu erreichen, all das lädt dein System schon vor dem Einsteigen auf. Komm früh, gib dir Zeit, gönn dir einen ruhigen Moment vor dem Boarding. Manche Menschen hilft es, die Crew beim Einsteigen kurz auf ihre Flugangst hinzuweisen, das Personal ist geschult und geht einfühlsam damit um.
Eine bewährte mentale Vorbereitung ist es, dir den Ablauf vorher in Ruhe vorzustellen. Nicht die Katastrophe, sondern den normalen, ereignislosen Verlauf: das Einsteigen, das Anschnallen, den Start, das Reisen über den Wolken, die Landung. Je vertrauter dein Gehirn mit dem Ablauf ist, desto weniger Überraschungen bleiben, die es als Gefahr deuten könnte. Wer generell an seiner inneren Ruhe arbeiten möchte, findet in unserem Ratgeber zu mehr Gelassenheit im Alltag viele Übungen, die auch das Fliegen leichter machen.
Wann eine Panikattacke droht und was dann hilft
Bei manchen Menschen bleibt es nicht bei Unbehagen, sondern kippt in eine handfeste Panikattacke. Das Herz rast, es schwindelt, die Luft scheint knapp, ein Gefühl von Unwirklichkeit oder Kontrollverlust breitet sich aus. Das ist zutiefst unangenehm, aber es ist entscheidend zu wissen: Eine Panikattacke ist nicht gefährlich, und sie endet immer von selbst.
Der Körper kann diesen Alarmzustand nicht endlos aufrechterhalten. Eine Panikwelle steigt an, erreicht einen Höhepunkt und flaut dann zwangsläufig wieder ab, meist innerhalb weniger Minuten. Wenn du das weißt, kannst du der Panik mit einer anderen Haltung begegnen. Statt gegen sie anzukämpfen, was sie oft verstärkt, kannst du innerlich sagen: Ich lasse diese Welle kommen, ich weiß, sie geht vorbei. Diese annehmende Haltung nimmt der Panik viel von ihrer Wucht.
Kombiniere das mit deiner Atmung und der Erdung über die Sinne. Sprich, wenn es dir hilft, das Kabinenpersonal an, du bist nicht der erste Mensch mit Flugangst an Bord, und die Crew ist darauf vorbereitet. Wenn Panikattacken dich häufiger begleiten, lohnt sich ein tieferer Blick auf das Thema. In unserem ausführlichen Ratgeber zu Panikattacken verstehen und bewältigen findest du Werkzeuge, die weit über das Fliegen hinaus wirken.
Warum Flugangst so gut behandelbar ist
Es gibt eine gute Nachricht, die in der ganzen Angst leicht untergeht: Flugangst gehört zu den Ängsten, die sich besonders erfolgreich behandeln lassen. Der Grund liegt in ihrer Entstehung. Angst vor einer klar umrissenen Situation ist meist erlernt, und was erlernt wurde, kann auch wieder verlernt werden.
Der Psychologe Martin Seligman prägte den Begriff der erlernten Hilflosigkeit für Zustände, in denen wir das Gefühl verlieren, Einfluss nehmen zu können. Flugangst hat davon oft etwas: das Gefühl, ausgeliefert zu sein. Das Gegenmittel ist Erfahrung. Wenn du erlebst, dass du einen Flug übersteht, dass die Turbulenzen vorbeigingen, dass deine Atmung dir geholfen hat, sammelt dein Gehirn Gegenbeweise. Es lernt: Ich kann das aushalten, und es geht gut aus.
Genau darauf setzt die Expositionstherapie, der wirksamste Ansatz gegen Phobien. Dabei näherst du dich der angstauslösenden Situation schrittweise und in einem sicheren Rahmen an, statt sie zu vermeiden. Denn Vermeidung ist der Treibstoff jeder Angst. Jedes Mal, wenn du einen Flug meidest, bestätigt dein Gehirn: Gut, dass ich das nicht getan habe, das war offenbar gefährlich. Die Angst wächst. Jedes Mal, wenn du dich stellst, schrumpft sie.
Sehr bewährt haben sich hier Flugangst-Seminare, die viele Fluggesellschaften und spezialisierte Anbieter durchführen. Sie kombinieren meist drei Bausteine: fundiertes Wissen über Technik und Sicherheit, das deinem denkenden Gehirn Argumente gibt; Entspannungs- und Atemtechniken für den Körper; und einen echten Flug am Ende, oft in Begleitung von Psychologen und Piloten. Diese Kombination aus Verstehen, Beruhigen und Erleben ist genau das, was nachhaltig wirkt.
Auch Elemente der Achtsamkeit können den Umgang mit der Angst verändern. Der Ansatz der achtsamkeitsbasierten Stressreduktion nach Jon Kabat-Zinn, bekannt als MBSR, lehrt, unangenehme Empfindungen wahrzunehmen, ohne sofort dagegen anzukämpfen. Diese Haltung des freundlichen Beobachtens nimmt der Angst über die Zeit ihre Macht, weil du lernst, dass ein Gefühl kommen und gehen darf, ohne dass du ihm ausgeliefert bist.
Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist
Ein Flugangst-Seminar oder eine Therapie ist dann angebracht, wenn deine Angst dein Leben einschränkt. Achte auf diese Signale: Du vermeidest wichtige Reisen, verzichtest auf berufliche Chancen oder auf Besuche bei geliebten Menschen, nur um nicht fliegen zu müssen. Schon der Gedanke ans Fliegen löst Panik aus, oder du leidest Wochen vorher. In solchen Fällen sind kognitive Verhaltenstherapie und Expositionsseminare die wirksamsten Wege, und sie helfen den allermeisten Menschen zuverlässig. Fundierte, geprüfte Informationen zu Angsterkrankungen und Therapieformen findest du beim Berufsverband der Neurologen und Psychiater im Netz. Angst ist behandelbar, und du musst damit nicht allein bleiben.
Ein ermutigender Schluss
Flugangst fühlt sich an, als wäre sie fest in dich eingebaut, als müsstest du dich für immer damit abfinden. Das stimmt nicht. Sie ist eine Reaktion, die dein Gehirn gelernt hat, und du kannst deinem Gehirn neue Erfahrungen anbieten. Jeder ruhige Atemzug, jeder überstandene Flug, jeder Katastrophengedanke, den du entkräftest, ist ein kleiner Beweis für die Wahrheit, die hinter der Angst liegt: Du bist sicher, und du hältst das aus.
Sei geduldig und freundlich mit dir. Niemand erwartet, dass du beim nächsten Mal völlig entspannt in den Sitz sinkst. Es reicht, wenn du ein Werkzeug mehr dabei hast als beim letzten Mal, wenn die Angst ein Stück kleiner wird. Über den Wolken wartet oft ein Licht, das es unter der Wolkendecke gar nicht gibt. Du darfst dir zutrauen, dorthin zu gelangen, in deinem Tempo, mit deinen Mitteln. Und wenn du Unterstützung brauchst, ist es ein Zeichen von Stärke, sie dir zu holen.




