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Frau sitzt nachdenklich auf dem Sofa, ihr Partner spricht mit ihr

Mankeeping: Bedeutung, Studienlage und was Paare tun können

Mankeeping heißt: Frauen fangen auf, was Männern an Freundschaften fehlt. Woher der Begriff kommt, was die Forschung zeigt und was ihr als Paar tun könnt.

Sarah Kellner
Sarah Kellner
· 14 Min. Lesezeit

Du erinnerst ihn an den Geburtstag seines besten Freundes. Du schlägst vor, dass er Jonas mal wieder anruft, und organisierst das Grillen, damit er seine alten Kollegen sieht. Und wenn ihn im Job etwas umtreibt, bist du die Einzige, mit der er darüber redet. Für dieses Muster gibt es seit 2024 einen Namen: Mankeeping.

Der Begriff hat sich im Netz schnell verbreitet, oft mit Überschriften wie „Studie zeigt“. Ganz so einfach ist es nicht. Hier liest du, woher der Begriff stammt, was die Forschung belegt und was nicht, welche Kritik es gibt und was ihr als Paar tun könnt.

Was ist Mankeeping? Bedeutung und Herkunft

Geprägt hat den Begriff die Psychologin Angelica Puzio Ferrara, damals Postdoktorandin am Clayman Institute for Gender Research der Stanford University. Zusammen mit Dylan P. Vergara veröffentlichte sie im Oktober 2024 den Aufsatz „Theorizing mankeeping: The male friendship recession and women’s associated labor as a structural component of gender inequality“ in der Fachzeitschrift Psychology of Men & Masculinities (Jahrgang 25, Heft 4, Seiten 391 bis 401).

Sinngemäß beschreiben die beiden Mankeeping als die Arbeit, die Frauen übernehmen, um Lücken in den sozialen Netzen von Männern aufzufangen. Damit federn sie die Folgen männlicher Isolation ab, für die Familie, für die Partnerschaft und für die Männer selbst. Gemeint ist vor allem emotionale und soziale Unterstützung, die nicht im gleichen Maß erwidert wird. Ferrara betont in einem Interview in ihrem Newsletter, dass es das nicht nur in Liebesbeziehungen gibt, sondern auch in Freundschaften, in der Familie oder unter Kollegen.

Der Name lehnt sich an ein älteres Konzept an: Kinkeeping. Die Soziologin Carolyn Rosenthal beschrieb 1985 im Journal of Marriage and the Family eine Person, die die Verwandtschaft miteinander in Kontakt hält. In ihrer Befragung von Erwachsenen ab 40 im kanadischen Hamilton sagte mehr als die Hälfte, dass es in der erweiterten Familie so jemanden gibt, meist eine Frau. Mankeeping überträgt diese Idee auf die Beziehungen zwischen Frauen und Männern.

Ein theoretischer Aufsatz, keine Studie mit Messwerten

Wichtig für die Einordnung: Der Aufsatz von 2024 ist ein theoretischer Beitrag. Er entwickelt ein Konzept und begründet es mit vorhandener Forschung zu Männerfreundschaften, misst Mankeeping aber nicht. Liest du, eine Stanford-Studie habe Mankeeping „bewiesen“, ist das zugespitzt.

Ein Forschungsteam mit Ferrara und Vergara fasst die Kernannahmen in einer späteren Arbeit selbst als drei ungeprüfte Postulate zusammen:

  • Frauen geben Männern, die anderswo keine emotionale Unterstützung bekommen, womöglich mehr davon.
  • Frauen leisten Arbeit, damit Männer solche Unterstützung erhalten.
  • Beides kostet Frauen Zeit und Wohlbefinden, vor allem wenn die Arbeit nicht im gleichen Maß erwidert wird.

Ohne Messinstrument ließen sich diese Annahmen gar nicht prüfen, schreiben die Forschenden. Dieses Instrument gibt es inzwischen, dazu unten mehr.

Woran du Mankeeping in deiner Beziehung erkennst

Im erwähnten Interview vom März 2025 unterscheidet Ferrara drei Formen:

  • Soziale Vermittlung: Du managst seine Freundschaften im Hintergrund, merkst dir Geburtstage seiner Freunde und schlägst Treffen vor.
  • Emotionales Auslagern: Er bekommt den Großteil seiner emotionalen Unterstützung von dir, weil es außer dir kaum jemanden gibt, mit dem er wirklich redet.
  • Emotionale Erziehung: Du bringst ihm bei, Gefühle zu benennen, zuzuhören und sich in andere hineinzuversetzen.

Im Alltag zeigt sich das an kleinen Dingen: Er weiß nicht, wann er zuletzt mit einem Freund über etwas Persönliches gesprochen hat. Seine Kontakte sind großteils deine Kontakte. Fährst du eine Woche weg, ist er praktisch allein. Und nach einem schweren Abend bist du ausgelaugt, weil du ihn aufgefangen hast, aber selbst niemanden hattest.

Ein einzelner Punkt ist kein Alarmsignal. Dass ihr füreinander die wichtigsten Menschen seid, ist normal und schön. Ferrara kritisiert etwas anderes: dass viele Männer sich stark oder sogar ausschließlich auf ihre Partnerin stützen. Schwierig wird es also, wenn du die einzige Quelle bist und kaum etwas zurückkommt. Hat dein Partner so gut wie gar keine eigenen Kontakte, findest du mehr dazu im Ratgeber Wenn dein Partner keine eigenen Freunde hat.

Mankeeping, Mental Load und Emotional Labor im Vergleich

Die drei Begriffe werden oft durcheinandergeworfen. Sie überschneiden sich, meinen aber nicht dasselbe:

BegriffWorum es gehtTypisches BeispielHerkunft
MankeepingErsatz für Freundschaften und Unterstützung, die einem Mann von außen fehlenDu organisierst seine Treffen und bist seine einzige Gesprächspartnerin bei ProblemenFerrara und Vergara, 2024
Mental LoadDenk-, Planungs- und Organisationsarbeit für Haushalt und FamilieDu denkst an Zahnarzttermin, Elternabend und WaschmittelBegriff aus der Debatte um Care-Arbeit
Emotional LaborGefühlsarbeit: eigene Gefühle steuern und die Gefühle anderer auffangenDu schlichtest Streit, hältst die Stimmung, schluckst deinen ÄrgerSoziologin Arlie Hochschild, 1983, zuerst für Berufe wie Flugbegleitung

Man kann Mankeeping als Sonderfall von Emotional Labor sehen. Der Unterschied liegt im Blickwinkel: Mankeeping fragt, warum die Arbeit bei dir landet, nämlich weil anderswo Freundschaften fehlen. Mehr zu Emotional Labor liest du im Guide zu Emotional Labor in Beziehungen, zur Denkarbeit für Haushalt und Familie in Mental Load in der Beziehung fair verteilen und unsichtbare Arbeit teilen.

Warum Mankeeping entsteht

Die Freundschaftsrezession in Zahlen

Der Untertitel des Aufsatzes spricht von einer „male friendship recession“, einem Rückgang enger Männerfreundschaften. Die bekanntesten Zahlen dazu stammen aus den USA. Das Survey Center on American Life befragte im Mai 2021 2.019 Erwachsene. Laut einer Auswertung von Daniel A. Cox hatten 15 Prozent der Männer im Jahr 2021 keine einzige enge Freundschaft, fünfmal so viele wie 1990.

Damals sagten 55 Prozent der Männer, sie hätten mindestens sechs enge Freunde, 2021 waren es noch 27 Prozent. Bei Frauen sank dieser Anteil von 41 auf 24 Prozent, 10 Prozent von ihnen hatten keine enge Freundschaft. Der Rückgang betrifft also beide Geschlechter, bei Männern ist er stärker. Ganz sauber ist der Vergleich allerdings nicht: 1990 wurde am Telefon gefragt, 2021 online. Am Telefon geben manche womöglich ungern zu, keine Freunde zu haben, räumt das Survey Center selbst ein.

Noch näher am Thema sind zwei Werte aus derselben Befragung. 41 Prozent der Frauen hatten in der Woche zuvor emotionale Unterstützung von einer Freundin oder einem Freund bekommen, bei den Männern waren es 21 Prozent. Und bei einem persönlichen Problem wenden sich 85 Prozent der verheirateten Männer zuerst an den Menschen, mit dem sie verheiratet sind, bei verheirateten Frauen sind es 72 Prozent. Genau dieses Muster meint Mankeeping: Die Partnerin wird zur ersten und manchmal einzigen Anlaufstelle.

Und in Deutschland?

Vergleichbare Zahlen zu Männerfreundschaften in Deutschland liegen uns nicht vor. Beim Einsamkeitsgefühl nennt das Einsamkeitsbarometer des Bundesfamilienministeriums für 2021 eine Einsamkeitsbelastung von 11,3 Prozent der Erwachsenen ab 18 Jahren, bei Frauen 12,8 und bei Männern 9,8 Prozent. Männer fühlten sich demnach 2021 nicht häufiger einsam als Frauen.

Für die Mankeeping-These ist das kein Widerspruch. Sie fragt nicht, wer sich einsamer fühlt, sondern woher Männer Unterstützung bekommen. Ein Mann in fester Beziehung fühlt sich vielleicht gar nicht einsam und stützt sich trotzdem fast nur auf seine Partnerin. Mehr Zahlen bietet unser Überblick Einsamkeit in Deutschland.

Ursachen, ohne Schuld zu verteilen

Schon der Titel des Aufsatzes beschreibt Mankeeping als strukturellen Teil von Geschlechterungleichheit, es geht also nicht um das Versagen einzelner Männer. Als Gründe für den Rückgang von Männerfreundschaften nennt Ferrara im Interview gesellschaftliche Veränderungen: Es gibt weniger Treffpunkte außerhalb von Zuhause und Arbeit, weniger Menschen engagieren sich in Kirchengemeinden und Vereinen, Menschen ziehen häufiger um, und die Corona-Zeit hat Kontakte zusätzlich ausgedünnt.

Dazu kommt die Erziehung. Ferrara sagt ausdrücklich, Männern seien andere Menschen nicht egal. Viele seien aber gesellschaftlich dazu angehalten worden, die nötigen Fähigkeiten für enge Freundschaften weder zu zeigen noch zu pflegen. Wer nie geübt hat, einem Freund zu sagen, dass es ihm schlecht geht, sucht diese Nähe dort, wo sie sich sicher anfühlt: bei der Partnerin.

Daraus entsteht ein Muster, in das beide hineinrutschen: Sie kann es gut und hilft gern, er hat wenig Übung. Geplant hat das niemand. Warum emotionale Offenheit für Männer keine Schwäche ist, beschreibt der Ratgeber Männer und Gefühle.

Die erste Mankeeping-Studie: Was sie zeigt und was nicht

Im Juli 2026 erschien in der Fachzeitschrift Sex Roles die erste Arbeit, die Mankeeping misst. Ein Team um Vincent O. Mancini, mit Vergara und Ferrara als Mitautoren, entwickelte dafür den Fragebogen „Mankeeping Scale – Partner Report“. Befragt wurden über das Online-Panel Prolific 402 Frauen in den USA und 395 Frauen in Großbritannien, alle seit mehr als sechs Monaten in einer heterosexuellen Beziehung.

Der Fragebogen umfasst 46 Fragen in sechs Bereichen, etwa wie viel die Frauen für das soziale Leben ihres Partners tun, wie sehr er emotional von ihnen abhängt und wie sie sein soziales Netz einschätzen. Eine Kurzfassung kommt mit 18 Fragen aus. In beiden Ländern zeigte sich dieselbe Struktur.

Zu Beziehung und Befinden wurden nur die 402 US-Frauen befragt. Die Ergebnisse: Je höher die Werte in einem der sechs Bereiche, desto unzufriedener waren die Frauen im Schnitt mit ihrer Beziehung, die Zusammenhänge waren mittel bis stark. Noch deutlicher hingen hohe Werte mit dem Gefühl zusammen, durch die Beziehung belastet und ausgebrannt zu sein. In fünf der sechs Bereiche gingen höhere Werte auch mit mehr Depressivität, Angst und Stress einher.

Genauso wichtig ist, was die Studie nicht zeigt. Die Forschenden nennen die Grenzen selbst:

  • Keine Ursachen: Die Studie ist eine Querschnittsbefragung. Ein Teil der US-Frauen antwortete nach etwa sechs Wochen ein zweites Mal, das diente aber nur der Prüfung des Fragebogens. Ob Mankeeping unglücklich macht oder unglückliche Frauen ihre Beziehung kritischer sehen, bleibt offen.
  • Nur eine Perspektive: Befragt wurden nur Frauen. Wie Männer die Lage sehen, weiß man noch nicht.
  • Wahrnehmung statt Messung: Selbstauskünfte können tatsächliche und gefühlte Ungleichheit nicht sicher trennen.
  • Begrenzte Stichprobe: Die Teilnehmerinnen kamen aus zwei westlichen Ländern und waren überwiegend weiß.

Einen Fragebogen aus Sicht der Männer nennt das Team als vorrangiges Ziel. Die Studie ist damit ein Anfang, kein Beweis.

Kritik am Begriff Mankeeping

Mankeeping ist umstritten, und manche Einwände sind berechtigt.

Fürsorge ist keine Buchhaltung. Das konservative US-Frauenmagazin Evie hält den Begriff für ein feministisches Schlagwort, das liebevolle Unterstützung in einer Beziehung zur Last umdeutet. Daran ist etwas Richtiges: Wer jedes Trösten als Arbeit verbucht, verliert leicht aus dem Blick, dass Nähe auch etwas gibt. Der Aufsatz meint allerdings nicht Unterstützung an sich, sondern Gefühlsarbeit, die nicht voll erwidert wird und belasten kann.

Der Name. Der US-Journalist Jesse Singal findet das Wort herablassend gegenüber Männern. Er fürchtet, dass viele die Forschung deshalb abtun. Für dein eigenes Gespräch heißt das: Ein Etikett wie „Du lässt dich von mir mankeepen“ macht dein Gegenüber eher defensiv als offen.

Nur eine Seite wird gefragt. Singal warnt auch, dass Forschung schief werden kann, wenn sie nur Frauen nach ihrem Aufwand fragt. Die Forschenden räumen diese Lücke ein und halten es sogar für wahrscheinlich, dass es auch Beziehungen gibt, in denen Männer Ähnliches für einsame Partnerinnen leisten. Geprüft ist das bisher nicht.

Die Verwässerung. In sozialen Medien steht Mankeeping oft für jede ungleich verteilte Aufgabe in der Beziehung. Ferrara beklagt im Interview selbst, dass vieles, was über ihre Forschung kursiert, reißerisch zugespitzt ist. Im Sinne der Forschung meint Mankeeping nicht jede Aufgabe im Haushalt, sondern die Lücke, die fehlende Freundschaften hinterlassen.

Unterm Strich hilft der Begriff, ein Muster zu benennen. Ein Urteil über Männer ist er nicht.

Gilt Mankeeping nur für heterosexuelle Paare?

Der Begriff beschreibt ausdrücklich Arbeit, die Frauen für Männer leisten, nicht nur in Paarbeziehungen. Ferrara hält es dabei für einen Mythos, dass Mankeeping einfach der „natürliche“ Zustand zwischen Männern und Frauen sei.

Untersucht wurden bisher nur Frauen in heterosexuellen Beziehungen. Ob sich das Konzept auf gleichgeschlechtliche Paare übertragen lässt, ist offen, Daten dazu gibt es nicht. Ungleich verteilte emotionale Arbeit kann es aber in jeder Beziehung geben. Trägt bei euch einer sie fast allein, beschreibt der allgemeinere Begriff Emotional Labor das meist treffender.

Was ihr als Paar gegen Mankeeping tun könnt

Es geht nicht darum, dass du deinem Partner weniger zuhörst, sondern darum, dass er mehr als eine Stütze hat. Erprobte Programme für Paare gibt es zu Mankeeping noch nicht. Diese Schritte sind ein Vorschlag, wie ihr anfangen könnt:

  1. Macht eine ehrliche Bestandsaufnahme. Schreibt beide auf, mit wem ihr in den letzten vier Wochen über etwas Persönliches gesprochen habt. Auf dem Papier wird das Muster oft sichtbarer als im Streit.
  2. Beschreibt das Muster, nicht den Menschen. Statt „Du hast keine Freunde“ hilft eher: „Mir fällt auf, dass ich die Einzige bin, mit der du über deinen Job redest. Das ist mir manchmal zu viel.“
  3. Klärt, was ihr euch wünscht. Die wichtigste Bezugsperson zu sein, darf bleiben. Sprecht darüber, wofür er zusätzlich jemanden braucht.
  4. Gebt die Organisation zurück. Wenn du bisher seine Treffen anstößt, vereinbart einen Übergang: Er schreibt die Nachrichten selbst, du erinnerst nicht mehr. Anfangs wird das holprig, das ist in Ordnung.
  5. Plant feste Termine für seine Freundschaften. Ein wiederkehrender Abend, eine Laufgruppe oder ein Verein trägt besser als spontane Verabredungen, die im Alltag untergehen.
  6. Achtet auf Gegenseitigkeit. Frag dich, wer eigentlich dich auffängt. Er kann lernen, öfter nachzufragen, wie es dir geht, und dir Abende für deine eigenen Freundschaften freizuhalten.
  7. Holt euch Hilfe, wenn es festhängt. Eine Paarberatung kann helfen, wenn jedes Gespräch im Streit endet. Wirkt dein Partner dauerhaft niedergeschlagen, ist professionelle Unterstützung wichtiger als jedes Freundschaftsprojekt.

Wie ihr eure Paarzeit und eure Freundeskreise in ein gutes Verhältnis bringt, beschreibt der Ratgeber Beziehung und Freundschaften in Balance.

Was er selbst tun kann

Wenn du der Mann in dieser Geschichte bist: Niemand erwartet fünf enge Freunde bis nächsten Monat. Ein Anfang reicht.

  • Melde dich bei einem alten Freund, mit einem konkreten Vorschlag statt „Wir müssten mal wieder“.
  • Verbinde Aktivität und Gespräch. Beim Laufen oder Kochen fällt Persönliches vielen leichter.
  • Sag einen ehrlichen Satz mehr, zum Beispiel „Ehrlich gesagt geht es mir gerade nicht so gut“. Oft öffnet das auch beim anderen etwas.
  • Bleib dran. Freundschaften im Erwachsenenalter brauchen Wiederholung. Tipps dazu findest du in Freunde finden als Erwachsener.

Geht es dir seit Wochen schlecht, ist das ein Grund, dir Hilfe zu holen. Mehr dazu liest du in Mental Health bei Männern in der Beziehung. In einer akuten Krise erreichst du die Telefonseelsorge kostenlos und rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mankeeping beschreibt Arbeit, mit der Frauen auffangen, was Männern an Freundschaften und Unterstützung fehlt.
  • Den Begriff prägten Angelica Puzio Ferrara und Dylan P. Vergara 2024 in einem theoretischen Aufsatz, nicht in einer Studie mit Messwerten.
  • Die erste Studie mit Daten (2026) testete einen Fragebogen an 797 Frauen in den USA und Großbritannien. Bei den US-Teilnehmerinnen zeigte sie Zusammenhänge mit geringerer Beziehungszufriedenheit, keine Ursachen und nur die Sicht der Frauen.
  • In US-Daten von 2021 hatten 15 Prozent der Männer keine enge Freundschaft, fünfmal so viele wie 1990. In Deutschland fühlten sich 2021 Frauen etwas häufiger einsam als Männer.
  • Die wichtigste Bezugsperson deines Partners zu sein, ist kein Problem. Schwierig wird es, wenn du die einzige bist und wenig zurückkommt.
  • Kritik: Der Name gilt manchen als herablassend, Fürsorge werde zur Last umgedeutet, und die bisher einzige begutachtete Studie hat nur Frauen befragt.
  • Was hilft: das Muster beschreiben statt ein Etikett zu verteilen, die Organisation zurückgeben, feste Termine für seine Freundschaften.

Quellen:

Häufig gestellte Fragen

Was ist Mankeeping?

Mankeeping bezeichnet die emotionale und soziale Unterstützungsarbeit, die Frauen für einen Mann leisten, dem ein tragfähiger Freundeskreis fehlt. Dazu gehört, Treffen mit seinen Freunden anzustoßen, seine wichtigste oder einzige Gesprächspartnerin bei Problemen zu sein und ihm zu helfen, über Gefühle zu sprechen. Der Begriff stammt aus einem theoretischen Aufsatz von Angelica Puzio Ferrara und Dylan P. Vergara aus dem Jahr 2024.

Wer hat den Begriff Mankeeping geprägt?

Die Psychologin Angelica Puzio Ferrara, damals Postdoktorandin am Clayman Institute for Gender Research der Stanford University. Zusammen mit Dylan P. Vergara veröffentlichte sie im Oktober 2024 den Aufsatz „Theorizing mankeeping“ in der Fachzeitschrift Psychology of Men & Masculinities. Der Name lehnt sich an Kinkeeping an, ein Konzept der Soziologin Carolyn Rosenthal von 1985 für die Arbeit, mit der eine Person, meist eine Frau, die Verwandtschaft in Kontakt hält.

Gibt es eine Studie, die Mankeeping belegt?

Der Aufsatz von 2024 ist ein theoretischer Beitrag, er misst Mankeeping nicht. 2026 erschien in der Zeitschrift Sex Roles die erste Arbeit mit Daten: Ein Team mit Ferrara und Vergara entwickelte einen Fragebogen und testete ihn an 797 Frauen in heterosexuellen Beziehungen in den USA und Großbritannien. Bei den 402 US-Frauen, die auch zu Beziehung und Befinden befragt wurden, galt: Wer mehr Mankeeping angab, war im Schnitt unzufriedener mit der Beziehung und stärker belastet. Die Daten zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen, und nur die Sicht der Frauen.

Was ist der Unterschied zwischen Mankeeping und Mental Load?

Mental Load ist die Denk- und Planungsarbeit im Alltag, also an Termine, Einkäufe und Geschenke zu denken. Mankeeping meint etwas Engeres: Eine Frau fängt auf, was einem Mann an Freundschaften und emotionaler Unterstützung von außen fehlt. Beides kann zusammenkommen, etwa wenn du neben dem Familienkalender auch seine Verabredungen planst.

Ist es schlimm, wenn ich die wichtigste Bezugsperson meines Partners bin?

Nein. Dass ihr füreinander die wichtigsten Menschen seid, gehört zu einer engen Partnerschaft. Schwierig wird es, wenn du die einzige Quelle für Trost und Austausch bist, die Unterstützung nur in eine Richtung fließt und du dich dabei erschöpft fühlst. Dann lohnt sich ein Gespräch darüber, wo er zusätzlich Halt finden kann.

Gilt Mankeeping auch für gleichgeschlechtliche Paare?

Der Begriff beschreibt ausdrücklich Arbeit, die Frauen für Männer leisten, auch in Freundschaften, in der Familie oder im Job. Untersucht wurden bisher nur Frauen in heterosexuellen Beziehungen. Ungleich verteilte emotionale Arbeit kann es in jeder Beziehung geben, dafür passt dann eher der Begriff Emotional Labor. Ob Männer Ähnliches für ihre Partnerinnen leisten, ist laut den Forschenden selbst noch offen.

Warum wird der Begriff Mankeeping kritisiert?

Kritische Stimmen finden den Namen herablassend gegenüber Männern und halten es für falsch, Fürsorge in einer Liebesbeziehung als Last zu verbuchen. Außerdem hat die bisher einzige begutachtete Studie nur Frauen befragt. Eine erste Befragung von Männern ist im Oktober 2026 nur als noch nicht begutachteter Vorabdruck erschienen. Die Forschenden räumen diese Lücke ein und nennen einen Fragebogen aus Sicht der Männer als vorrangiges Ziel.

Wie kann ich meinem Partner helfen, mehr Freunde zu finden?

Indem du ihm die Organisation zurückgibst, statt sie dauerhaft zu übernehmen. Sprich an, was dir auffällt, und frag, wen er vermisst. Hilfreich sind feste, wiederkehrende Termine wie ein Verein, eine Laufgruppe oder ein monatlicher Abend mit einem alten Freund. Die erste Nachricht schreibt er selbst.

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